Saisonrückblick 2018/19, Teil 2

Die Rückrunde: Schwindende Hoffnung, wachsende Zweifel

Die Rückrunde: Schwindende Hoffnung, wachsende Zweifel


Trotz des Zwölf-Punkte-Rückstands hatten die Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern den Aufstieg zur Winterpause noch nicht abgehakt. Doch auch unter dem neuen Trainer Sascha Hildmann konnte die Mannschaft die eigenen Ansprüche nicht erfüllen.

Das erste Spiel der Rückrunde fand noch im alten Jahr statt und führte die Lautrer ins legendäre Grünwalder Stadion. Bei 1860 München setzte der FCK in Unterzahl den passenden Schlusspunkt hinter ein Katastrophenjahr und verlor mit 1:2. Auf Platz elf stehend und mit zwölf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ging es in die Winterpause.

Die Wintervorbereitung absolvierten die Roten Teufel ohne Neuzugänge, dennoch veränderte Hildmann einiges. Lennart Grill wurde neuer Stammtorhüter, der Coach impfte seinem Team taktische Variablität ein.

Zum Auftakt in das neue Jahr gab es einen 2:0-Sieg gegen Sonnenhof Großaspach - ein Mutmacher in schwierigen Zeiten. Der kleine Hoffnungsschimmer wurde aber schon einen Spieltag später durch ein katastrophales 0:2 bei Preußen Münster wieder erstickt. Am Ende gab es eine mehrminütige Spielunterbrechung, weil SCP-Ultras den Platz stürmte, als im Gästeblock eine einstmals im Zug vergessene Zaunfahne präsentiert wurde. Sportlich folgte gegen den Halleschen FC eine weitere Enttäuschung, der FCK blieb im zweiten Heimspiel des Jahres ohne Tor und Sieg.

Ein echtes Ausrufezeichen gelang dem FCK dafür wenige Tage später im pfälzisch-badischen Derby beim Karlsruher SC. Der Aufstiegsanwärter wurde mit 1:0 bezwungen, die Botschaft die Spieler und Fans danach deutlich machten: Hier regiert nur einer, Lautern und sonst keiner!

Trotz einer kleinen Serie: Den Roten Teufeln fehlt die Konstanz

Warum kletterte der FCK in dieser Phase nicht weiter nach oben in der Tabelle? Weil dem Hildmann-Team jegliche Konstanz fehlte, wie die Spiele gegen den FSV Zwickau (1:1) und bei Fortuna Köln (2:2) verdeutlichten. Bei den Fans herrschte Frust, statt Feierlust.

Immerhin machten die Lautrer gegen Carl Zeiss Jena mal den Deckel drauf und gewannen mit 4:1, schon beim 0:0 gegen Eintracht Braunschweig (0:0) in Überzahl haperte es mal wieder in der Offensive: Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen wurde ein Sieg aufgrund eines verschossenen Elfmeters verschenkt, nicht mal Fritz-Walter-Wetter half. Auch im Auswärtsspiel bei den Sportfreunden Lotte sah es lange Zeit nicht nach einem Sieg aus - dann schlugen die Roten Teufel noch spät zweimal zu. Beste Laune unterm Autobahnkreuz, die Teufel übersprangen mehrere Tabellenplätze und standen plötzlich auf Rang 6!

Sieben Spiele war der FCK nun ohne Niederlage, die Aufstiegsplätze "nur" noch acht Zähler entfernt. Ging da noch was?

Die Antwort lieferte das Team im darauffolgenden Heimspiel gegen Spitzenreiter VfL Osnabrück. Die Lila-Weißen führten die Lautrer im eigenen Stadion vor Augen, wie ein Aufsteiger spielt: Clever, effizient und kaltschnäuzig - das 1:3 offenbarte dem FCK den Unterschied zwischen Mittelmaß und Spitze. Immerhin bescherten die Spieler ihren Fans in der Partie beim KFC Uerdingen in Duisburg noch einmal eine unbeschwerte Auswärtsfahrt (4:2). Wenigstens der Klassenerhalt war damit faktisch eingetütet - auch wenn der FCK seinen wahren Zielen weiter meilenweit hinterher hinkte.

Finaleinzug im Verbandspokal, aber plötzlich wieder Abstiegsangst

Wenige Tage später setzten sich die Lautrer mit Mühe gegen den FV Dudenhofen im Verbandspokal-Halbfinale durch (2:1) und zogen damit ins Endspiel ein - im Kampf um die letzte Erfolgsmöglichkeit in dieser Saison sowie die DFB-Pokal-Qualifikation ein wichtiger Schritt. Doch die dürftige Vorstellung weckte einmal mehr schlimme Befürchtungen. Und diese wurden bestätigt. Gegen das abgeschlagene Schlusslicht VfR Aalen kassierte der FCK eine frustrierende 0:1-Niederlage. Besser wurde es auch nicht in einem Gruselkick bei Energie Cottbus (1:1) und vor heimischer Kulisse gegen Hansa Rostock (0:2).

Parallel zum sportlichen Niedergang entstanden durch die wirtschaftliche Schieflage erbittert geführte Grabenkämpfe und mehrere Schlammschlachten. Das Sportliche rückte in den Hintergrund, die Mannschaft betrieb beim 0:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden Anti-Werbung auf ganzer Linie.

Zwei deutliche Heimsiege, aber die Enttäuschung bleibt

Erst gegen die SpVgg Unterhaching wurde der Klassenerhalt auch rechnerisch endgültig unter Dach und Fach gebracht. Das 4:0, der höchste Saisonsieg, wollte jedoch keiner feiern, zu enttäuschend war die gesamte Saison und die jetzt voll laufenden Querelen innerhalb der Vereinsführung. Viel zu oft hatte die Mannschaft ihre Fans im Regen stehen gelassen, so wie beim wertlosen, aber deshalb nicht weniger frustrierenden 0:2 bei den Würburger Kickers. Mit einem 4:2-Sieg gegen den SV Meppen wurde die Punktspiel-Saison schließlich auf dem 9. Platz beendet, 19 Zähler hinter den angepeilten Aufstiegsplätzen. Das Ergebnis interessierte jedoch kaum noch. Schließlich waren abseits des Platzes durch den Investoren- und Lizenzstreit Kollateralschäden entstanden.

Ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Spiel, wartete jedoch noch auf Spieler und Fans des FCK. Das Verbandspokalfinale gegen Wormatia Worms, das in Pirmasens stattfand. Und es wurde es eine spannende Partie. Trotz einmal mehr großer Unterstützung tat sich der FCK extrem schwer, lag sogar zur Pause mit 0:1 hinten. Ein Doppelpack von Christian Kühlwetter konnte nach dem Seitenwechsel immerhin die große Blamage abwenden. Was war das nun? Ein zufriedenstellendes Ende oder nur die Verhinderung des Super-GAU? Irgendwie beides. Denn durch den Triumph im Verbandspokal sind die Roten Teufel auch in der kommenden Spielzeit im DFB-Pokal vertreten. So wie jedes Jahr seit der Bundesliga-Gründung 1963. Die Party nach dem Pokalgewinn fiel entsprechend verhalten aus. Insgesamt bleibt der Eindruck einer einmal mehr massiv enttäuschenden Saison.

Morgen im dritten Teil des Saisonrückblicks auf Der Betze brennt: Der große Richtungsstreit in der Vereinsführung. Angefangen von der Ausgliederung bis zum Zerwürfnis in den Gremien - abseits des Rasens ging es emotionaler zur Sache als auf dem Platz.

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Saisonrückblick 2018/19, Teil 1 | Die Hinrunde: Famoser Auftakt, schneller Absturz
- Saisonrückblick 2018/19, Teil 3 | Neben dem Platz: Riesiges Führungschaos beim FCK

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