Spielbericht: Energie Cottbus - 1. FC Kaiserslautern 1:1

Gruselkick vor der polnischen Grenze

Gruselkick vor der polnischen Grenze


Das Spiel zwischen Energie Cottbus und dem 1. FC Kaiserslautern wird eher nicht die Geschichte eingehen. Die FCK-Fans begleiten ihren Klub zwar weiterhin auf allen Wegen, haben die Drittligasaison aber unterm Strich schon abgehakt.

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Viele der rund 1.000 mitgereisten FCK-Fans hatten sich in der Nacht von Freitag auf Samstag mit Bussen und Autos auf den rund 700 Kilometer langen Weg nach Cottbus, kurz vor die Grenze zu Polen, gemacht. Aufgrund der von ihrer Mannschaft bisher gespielten Saison hatten aber viele Mitgereiste noch ganze Stapel an Tickets übrig. Und auch an der geöffneten Tageskasse gingen an diesem Samstagmittag nicht mehr viele Eintrittskarten über die Ladentheke.

Vor dem Gästeeingang war in den Gesprächen unter den Fans zu bemerken, dass die Saison abgehakt ist. Ängste um die Zukunft des Vereins machen sich bei manch einem breit. Lizenzerteilung, Kaderplanung, Investorensuche. Es gibt derzeit viele Themen rund um den 1. FC Kaiserslautern. Aber auch eine Menge Vermutungen. Beim Einlass in den Gästeblock wurden einige der mitgereisten FCK-Anhänger Schikanen ausgesetzt. Stichprobenartig wurden Fans aufgefordert, ihre Schuhe auszuziehen, um diese kontrollieren zu können - nach neun, zehn Stunden auf der Autobahn und fünf Grad Außentemperatur wahrscheinlich für beide Seiten nicht sonderlich angenehm. Verbotene Gegenstände wurden in den Schuhen nicht gefunden.

Tausend mitgereiste Fans sehen Fußball zum Abgewöhnen

Im nur mit 7.667 Zuschauern gefüllten Stadion der Freundschaft - eine eher mittelmäßige Drittliga-Kulisse für ein Team, das mitten im Abstiegskampf steckt - konnten sich die mit breitflächig verteilten Schwenkfahnen ausgerüsteten FCK-Anhänger zu Beginn der Partie durchaus Gehör verschaffen. Die Cottbuser Fans in der Heimkurve zeigten zum Einlaufen beider Mannschaften eine kleine Choreo mit Rennwagen-Motiv und rot-weißen Zielflaggen: "Lasst alle Zweifel liegen - Mit Vollgas auf die Überholspur!"

Nur: Schnell wurde beiden Fangruppierungen klar, was hier heute für ein Gruselkick laufen würde. Fußball zum Abgewöhnen. Die Cottbuser, durch die Niederlage in Jena und durch die Tabellensituation sichtlich verunsichert, spielten wie ein Absteiger - doch auch der FCK stand dem Gastgeber nur wenig nach. Eklatant: Die weiterhin vorhandene Schwäche bei Eckstößen. Jan Löhmannsröben schlug zwei von selbigen auf Kniehöhe auf den ersten Pfosten. Beide Mannschaften neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld, Chancen waren Mangelware. Es ging torlos in die Pause.

Fehlpassorgie setzt sich fort - Löhmannsröben sorgt für glücklichen Punkt

Die Qualität des Spiels nahm nach dem Wiederanpfiff nicht wirklich zu, trotzdem supportete zumindest der untere Teil des Gästeblocks weiter unermüdlich seinen Verein. Die Mannschaft auf dem Platz konnte für die kontinuierliche Unterstützung allerdings nicht viel zurückgeben. Als sich die meisten Fans schon mit einem 0:0 abgefunden hatten und durchrechneten, wann sie wohl heute Nacht zurück in der Pfalz sein würden, passierte doch noch etwas. Der Cottbuser Verteidiger Lasse Schlüter tauchte frei von FCK-Keeper Lennart Grill auf und dieser wusste sich nur mit einem Foul zu helfen. Elfmeter für Cottbus. Der Ex-Lautrer Jürgen Gjasula verwandelte souverän zur Führung für die Lausitzer.

Doch im Gegensatz zur Partie gegen Aalen in der letzten Woche hatten die Roten Teufel doch noch eine Antwort parat. Eine Minute vor Abpfiff trat Mads Albaek zum Freistoß an, Timmy Thiele verlängerte, Jan Löhmannsröben stand völlig frei und verwandelte trocken zum 1:1. Endlich war das Glück mal auf Seiten der Roten Teufel. Bemerkenswert: Der Jubel im Gästeblock fiel eher verhalten aus, vielleicht hatte man nicht mehr mit dem Ausgleich gerechnet, wohl eher war es aber eine gewisse Lethargie: Ob 0:1 oder 1:1, was spielt das jetzt überhaupt noch für eine Rolle?

Kaum noch Emotionen bei den Spielern und bei den Fans

Nach Abpfiff begab sich die Hildmann-Elf dann auch nur kurz in die Kurve - man wusste, was man abgeliefert hatte und dass das ein ganz, ganz glücklicher Punkt bei einem biederen Abstiegskandidaten war. Der Wille zur Korrektur der Aalen-Leistung war der Mannschaft in Cottbus nicht abzusprechen, mehr aber auch nicht. Weiterhin fehlen neben den allerletzten Prozentpunkten vor allem die spielerischen Mittel, um defensive Gegner wie die Lausitzer einer waren, zu knacken. Es ist zu befürchten, dass sich selbiges in dieser Spielzeit auch nicht mehr entscheidend verbessert. Entsprechend verhalten und mit nur noch wenigen Emotionen reagierten auch die Fans im Gästeblock.

Gewinnt der FCK kommende Woche nicht zuhause gegen Rostock, ist das Saisonziel Aufstieg, der eh schon lange abgeschrieben ist, auch rein theoretisch nicht mehr zu erreichen. Und so geht der Blick der Fans wie eingangs erwähnt schon auf die kommende Saison. Ein paar Siege aus den letzten fünf Spielen wären trotzdem noch ganz schön.

Autor: Flo

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