Spielbericht: 1860 München - 1. FC Kaiserslautern 2:1

Schlusspunkt hinter einem Katastrophenjahr

Schlusspunkt hinter einem Katastrophenjahr


Der 1. FC Kaiserslautern hat das Traditionsduell bei 1860 München verloren. Spielverlauf und Ausgang markierten den "angemessenen" Schlusspunkt hinter einem richtigen Katastrophenjahr 2018.

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Zu Gast bei Freunden: Nach über einem Jahr Pause stand für den FCK mal wieder die Reise nach München zum TSV 1860 an. Der Spieltag begann für viele Fans schon lange vor dem eigentlichen Anpfiff. Das "Löwenmagazin" hatten Sechzger und Rote Teufel am Vormittag zu einer zünftigen Party wenige Gehminuten vom Stadion entfernt eingeladen. Viele waren der Einladung gefolgt und sorgten somit schon vor dem Spiel für eine gute Stimmung.

700 weitere FCK-Fans waren per Sonderzug angereist, was sich ebenfalls reibungslos und gut gestaltete. Lediglich die Biervorräte waren schon auf der Hinfahrt aufgebraucht, so dass in München noch einmal tausend Liter nachgeordert werden mussten.

Als der Anpfiff dann immer näher rückte, ging es ins nahe Grünwalder Stadion. Nostalgie pur! Immerhin gehörte die Spielstätte viele Jahre zum festen Bestandteil des deutschen Fußballs. Auf Giesings Höhen wurde einst Erst- und Zweitligafußball gespielt. Damals fanden regelmäßig 30.000 Zuschauer Platz im "Grünwalder". Beim Traditionsduell zwischen Löwen und Roten Teufel waren es nur noch die erlaubten 15.000.

Trauer um ein Urgestein: "Ruhe in Frieden, Toto"

Doch diese sorgten, auch aufgrund der freundschaftlichen Verbundenheit, für eine tolle Atmosphäre. Vor Anpfiff spielte die Stadionregie Peter Jochen Degens FCK-Klassiker "Geh'n mer nuff, uff de Betzenbersch" ein, der Stadionsprecher begrüßte die Gäste mit warmen Worten und beide Seiten spendeten sich viel Applaus. Die Westkurve, Heimat der Löwen-Fans unter der alten Old-School-Anzeigetafel, legte stimmungsmäßig immer wieder vor. Die Gästefans, die sich auf der Gegenseite über fast die komplette Hintertortribüne verteilten, standen den Anfeuerungsrufen auf der Heimseite in nichts nach.

Rundum gute Laune herrschte allerdings nicht: Vor dem Gästeblock hing ein großes schwarzes Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, Toto", um an ein vielen bekanntes Urgestein aus der Lautrer Fangemeinde zu erinnern, das diese Woche bei einem tragischen Unfall um Leben gekommen war.

Auf dem Platz lieferten sich beide Teams eine umkämpfte und teilweise leidenschaftlich geführte Partie. Ein Tor wollte aber weder den Gästen noch den Hausherren gelingen. Dem Treffer besonders nah kam immerhin Janek Sternberg, der im ersten Durchgang den linken Pfosten traf. Wenig später stand der Linksverteidiger wieder im Fokus: Bereits mit Gelb verwarnt, brachte er seinen Gegenspieler im Laufduell zu Fall. Schiedsrichter Martin Thomsen zückte die nächste Verwarnung und warf den Ex-Bremer zum großen Entsetzen des FCK-Trosses vom Platz.

Der FCK kommt in Unterzahl zurück

Sascha Hildmann entschied sich mit Beginn des zweiten Durchgangs für die Einwechslung eines weiteren Innenverteidigers. Lukas Gottwalt ersetzte Elias Huth, dessen Startelf-Debüt damit abrupt und unspektakulär endete. Mit einer 5-3-1-Formation gingen die Roten Teufel die zweite Hälfte an, fest entschlossen, den eigenen Strafraum zu verteidigen. Das Vorhaben schlug jedoch fehl. Die Gastgeber schlugen in der 55. Minute zu. Ein Schuss, ein Strahl - 1:0!

Erneut war eine Reaktion von außen verlangt. Timmy Thiele stand bereit. Christian Kühlwetter macht sich schon auf den Weg in Richtung Auswechselbank, als plötzlich die Rückennummer von Carlo Sickinger aufleuchtete. Hildmann stärkte die Offensive - und wurde belohnt. Nach einer Ecke blieb der FCK am Drücker, einen Abpraller drückte schließlich Thiele über die Linie.

Dessen quälend langes Warten auf einen Treffer hatte endlich ein Ende. Und die Lautrer waren wieder da. Vor dem Gästeblock bildete sich eine Jubeltraube zwischen Spielern und - nur durch den Zaun getrennt - Fans. Alles schien sich in den Armen zu liegen, selbst der eigentlich verbannte Janek Sternberg warf sich freudestrahlend in das Getümmel.

Am Ende stehen die Roten Teufel wie nasse Hunde da

Nun war Feuer drin, auf und neben dem Platz. Kühlwetter und Pick starteten immer wieder in die Tiefe, hinten stand das Bollwerk. Und die rot-weißen Anhänger hatten zu diesem Zeitpunkt richtig Lunte gerochen. Während ein Großteil der Löwen-Fans jeden Fehlpass mit einem Murren begleiteten, kam die Anfeuerung aus dem Betze-Block umso lauter und wilder.

Doch als hätte das Schicksal noch einmal einen Beweis verlangt, wie bescheuert das FCK-Jahr 2018 wirklich ist, gelang den Roten Teufel der Führungstreffer nicht - und nicht mal den Punkt durften die Lautrer behalten. Kurz vor Schluss gingen die Löwen wieder in Führung und ließen das Grünwalder Stadion erzittern. Auf den Tribünen lagen sich die Heimfans in den Armen, hinter der Kurve und der Gegengerade wurde sogar, eigentlich für die Stadionverbotler, ein Feuerwerk gezündet - eine fast surreale Jubelstimmung, in der Fans und Spieler des FCK im inzwischen eingesetzten Dauerregen wie nasse Hunde standen.

Als am Ende auch die Brechstange nicht den erneuten Ausgleich brachte, wurde das TSV-Team beinahe euphorisch auf dem Zaun gefeiert. Auf Lautrer Seite schwor sich die Mannschaft erst untereinander ein und verabschiedete sich dann im Schnelldurchlauf von den mitgereisten Fans. Mehr gab der Schlusspunkt hinter einem Katastrophenjahr nicht her.

Autor: paulgeht

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