Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück 1:3

Der Unterschied zum Mittelmaß

Der Unterschied zum Mittelmaß


Seinen Aufwärtstrend konnte der 1. FC Kaiserslautern gegen den VfL Osnabrück nicht bestätigen. Einzig Carlo Sickinger setzte sich beim relativ chancenlosen Heimspiel gegen die Niedersachsen zur Wehr.

- Fotogalerie | Fanfotos: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück
- Fotogalerie | Spielfotos: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück

Osnabrück stürmte nicht nur souverän und relativ ungefährdet den Betzenberg mit 3:1. Der Spitzenreiter Liga widerlegte am Sonntagnachmittag en passant zwei populäre Thesen zur ungeliebten 3. Liga gleichzeitig.

Zum einen, dass in dieser Spielklasse spielerische Klasse nicht verlangt werden darf, was man zweitens auch daran erkennen könnte, dass sich die Mannschaften diesbezüglich auch kaum voneinander abheben. Die Lila-Weißen - zahlreich und lautstark unterstützt von über 2.000 Fans - taten dies deutlich und waren mit Abstand die beste Mannschaft, die in dieser Saison auf dem Berg vorstellig wurde.

14 Minuten Hoffnung

Die Hoffnung, mit einem Sieg gegen den Ligaprimus den eigenen Aufwärtstrend zu bestätigen und bis auf Platz fünf zu springen, hatte erstmals seit November wieder einmal mehr als 20.000 Zuschauer. Es stellte sich heraus, dass dieser Trend noch nicht genug Wucht hat, um die in den letzten Jahren etablierte Betzelogik zu durchbrechen, dass der FCK just in diesen Spielen verlässlich enttäuscht und den Kürzeren zieht.

Nur eine knappe Viertelstunde durften sich die verbliebenen Optimisten in Rot-Weiß bestätigt fühlen, denn die Mannschaft war in den ersten Minuten viel wacher als in den letzten Heimspielen und nervte die Osnabrücker mit frühem Pressing. Dann aber zeigte sich der Unterschied zwischen Spitze und Mittelmaß dieser Liga sehr unbarmherzig: Nach einer eigenen Ecke (die paradoxerweise zu den wenigen Bällen gehörte, die gefährlich vor das VfL-Tor kamen) kassierte der FCK einen Konter zum 0:1.

Konter mit Qualitäten

In weniger als 20 Sekunden einer gelungenen Aktion spiegelte sich die Misere der Gastgeber, denn die Übersicht Ouahims, die Zielstrebigkeit und Passgenauigkeit Blachas, sowie die Entschlossenheit und Nervenstärke beim Abschluss von Tigges sind genau die Qualitäten, die den Lautrern fehlen. Am Sonntag gesellte sich noch Konzentration beim Verteidigen von Standardsituationen dazu, denn falls nach einem Eckball zwei Gegner im eigenen Strafraum so unbehelligt zu Werke gehen können wie Engel und wieder Tigges (20.), ist ein Gegentor die logische Konsequenz.

Und der klar verdienten Niederlage zum Trotz muss man auch festhalten, dass in solchen Konstellationen die Gunst der Fußballgötter ungleich verteilt ist, denn während Sickingers strammer Schuss vom Torwart um den Pfosten gedreht wurde, klatschte Adjanis Ball aus ähnlicher Position vom Innenpfosten ins Tor (obwohl es natürlich kein Pech ist, nach einem Eckball mit zehn Feldspielern im eigenen Strafraum zu stehen und den Schützen sträflich frei stehen zu lassen).

Nur Sickinger wehrt sich wirklich

Die Personalie Sickinger war definitiv die interessanteste aus Lautrer Sicht, denn dass sich die Heimmannschaft in der zweiten Hälfte nicht völlig aufgab und sogar besser und organisierter nach vorne spielte, hatte weniger mit dem Wechsel der Grundformation von 3-4-3 auf 4-4-2 zu tun, als mit dem Vorrücken des Abwehrchefs ins Mittelfeld. Es war kein Zufall, dass der 22-Jährige auch der Schütze des 1:3 war (69.).

Sich mit allen verfügbaren Mitteln noch mehr wehren, auch das lebte Sickinger vor und auch in ihm spiegelte sich die keineswegs desolate, aber eben biedere Vorstellung vieler seiner Kollegen wider. Der Unterschied zwischen Spitze und Mittelmaß erlebten die zehn anderen Roten Teufel an diesem Tag gleich zweimal - im externen Vergleich mit dem Gegner und im internen mit der eigenen Nummer 25.

Und noch bevor man sich freut über die Leistung eines Eigengewächses, sieht man es woanders einen Vertrag unterschreiben. Auch das ist einer der Teufelskreise, die durchbrochen werden müssen, wenn das Mittelmaß überwunden werden soll.

Autor: lehrer pöppl

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | FCK-Profis hadern mit einfachen Gegentoren (Der Betze brennt)
- Blick in die Kurve | 23.000 auf dem Betze - aber nur die Gäste jubeln (Der Betze brennt)

Kommentare 48 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken