Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Thomas » 14.06.2020, 19:45


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Sanierung via Planinsolvenz: FCK stellt Konzept vor

Die Würfel sind (vorerst) gefallen: Der 1. FC Kaiserslautern wird Insolvenz beantragen. Ziel des vorläufigen Verfahrens in Eigenverwaltung (ugs.: "Planinsolvenz") ist die Sanierung des hochverschuldeten Klubs innerhalb der nächsten drei Monate.

Pressekonferenz am Montagnachmittag geplant

Nach übereinstimmenden Informationen von Der Betze brennt, "Kicker" und "SWR" werden die FCK-Verantwortlichen am morgigen Montag den Gang zum Amtsgericht antreten und am Nachmittag ihr detailliertes Konzept auch der Öffentlichkeit präsentieren. Nach der Einreichung des Insolvenzantrags hat der Verein dann drei Monate Zeit für die Erstellung eines Insolvenzplans und weitere strategische Verhandlungen. Dafür bekommen Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und der Generalbevollmächtigte Dirk Eichelbaum vom Gericht einen beratenden Sachwalter zur Seite gestellt. Innerhalb dieser drei Monate kann der FCK den Insolvenzantrag auch jederzeit wieder zurückziehen, wenn eine gemeinsame Lösung zur Sanierung gefunden wurde.

Vorläufiges Verfahren: Antrag kann bis September zurückgezogen werden

Der Hintergrund des jetzt eingeschlagenen Weges: Ein großer Investor im zweistelligen Millionenbereich wurde (bisher) nicht gefunden, der angestrebte Schuldenschnitt mit den Großgläubigern kam (zunächst) nicht zustande. Auf beides hegen die FCK-Verantwortlichen aber weiterhin begründete Hoffnungen. Zuletzt hatten drei der größten Gläubiger, nämlich Quattrex, Lagardère Sports und Flavio Becca, anstatt eines Schuldenschnitts eine Stundung ihrer Forderungen angeboten. Diese Stundung würde dem Klub aber nicht entscheidend helfen, da nach DBB-Informationen trotzdem schon im Juli ein Liquiditätsengpass drohen würde. Das heißt, der FCK könnte dann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen - nicht nur, aber auch wegen der Einnahmeausfälle durch die Coronavirus-Pandemie.

Arbeitsagentur sichert per Insolvenzgeld die Liquidität des FCK

Die gesetzlichen Vorgaben für die jetzt gewählte Vorgehensweise sind in der Insolvenzordnung (InsO) festgelegt. Nach der Antragstellung befindet sich die FCK GmbH & Co. KGaA zunächst in einer vorläufigen Eigenverwaltung, bis das Verfahren offiziell vom Gericht eröffnet oder abgewiesen wird. Dabei bleibt der FCK selbst der Herr im Hause, fällt also nicht wie bei einer Regelinsolvenz in die Hände eines Insolvenzverwalters. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Insolvenzgeld, das von der Bundesagentur für Arbeit ausgeschüttet wird und für die nächsten drei Monate die Gehälter der Angestellten (bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 6.900,- Euro brutto) absichert. Dieses Geld bewahrt die Liquidität des FCK, muss bei erfolgreicher Sanierung aber auch wieder zurückbezahlt werden. Gleiches gilt für Lohnsteuer, Sozialversicherungs­beiträge und Umsatzsteuer, die während des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens nicht gezahlt werden müssen.

Voraussetzung zur Planinsolvenz: Eine positive Fortführungsprognose

Die erst 2012 gesetzlich eingeführte Variante der Planinsolvenz bzw. Eigenverwaltung ist möglich, wenn ein Unternehmen trotz hoher Schulden oder mangelnder Liquidität mittelfristig über positive Zukunftsaussichten verfügt - das ist bei den Roten Teufeln der Fall. "Nur wenn das Gericht die Pläne zur Fortführung des Unternehmens für glaubwürdig und nachvollziehbar hält, wird es einer Eigenverwaltung zustimmen", erklärte dazu im "Finance Magazin" kürzlich Robert Buchalik, Geschäftsführender Gesellschafter von Buchalik Brömmekamp - jener Kanzlei, in der auch der jetzige FCK-Generalbevollmächtigte und Planinsolvenz-Experte Dirk Eichelbaum tätig war. In dem Artikel "Sechs Antworten zur Insolvenz in Eigenverwaltung" sind viele weitere Details und Hintergründe zu diesem juristischen Fachthema erklärt:

» Finance Magazin vom 24.04.2020: Sechs Antworten zur Insolvenz in Eigenverwaltung

20 Millionen Euro Schulden bei Quattrex, Lagardère, Becca und den Fans

Der FCK hat über 20 Millionen Euro Schulden, die zwar nicht automatisch zum Bankrott führen - man vergleiche die Schuldenberge diverser Bundesligisten -, aber dem in der 3. Liga nicht dauerhaft überlebensfähigen Klub die Luft zum Atmen nehmen. Auch auf potentielle Investoren wirkt dieser Schuldenberg abschreckend. Größte Gläubiger sind die bereits genannten Quattrex-Sports AG (knapp 10 Millionen Euro), Lagardère Sports (rund 2 Millionen Euro) und Flavio Becca (2,6 Millionen Euro) sowie nachrangig die eigenen Fans, bei denen der Verein sich vor einem Jahr rund 3 Millionen Euro geliehen hat (aufgeteilt in die Betze-Anleihe II, die über den FCK e.V. an die FCK KGaA weitergeliehen wurde, und das Crowdlending "Kapilendo"). Hinzu kommt nach dem gestellten Antrag dann auch die Arbeitsagentur für die übernommenen Lohnkosten.

Sportlich wichtig für den FCK: Es gibt keinen Punktabzug vom DFB

Neben der drohenden fehlenden Liquidität gibt es auch einen sportlichen Aspekt, weshalb der FCK ausgerechnet jetzt diesen Schritt geht: Denn normalerweise sehen die DFB-Statuten den Abzug von neun Punkten vor, wenn ein Verein die Insolvenz anmeldet. Diese Regelung hat der Verband aber wegen der Coronavirus-Pandemie momentan ausgesetzt. Bei Beantragung bis zum 30. Juni 2020 gibt es gar keinen Punktabzug, danach vorläufig nur drei Punkte.

Drei Monate Zeit: Ergebnisdruck für Gläubiger und Verein

Die vorläufige Planinsolvenz ist somit also nicht das Ende, sondern die Fortsetzung der bereits eingeleiteten Schritte zur Sanierung des 1. FC Kaiserslautern: Es wird weiter über einen Schuldenschnitt verhandelt und nach Investoren gesucht. Alle bestehenden Gläubiger werden in fünf Gruppen eingeteilt und einen Ausschuss bilden, der über den Insolvenzplan des Vereins und einen möglichen Schuldenverzicht abstimmen wird.

Der Idealfall im September wäre: Weniger Schulden, mehr Eigenkapital

Entscheidend ist die jetzt geltende Frist von drei Monaten, mit der die FCK-Verantwortlichen die Gläubiger, aber auch sich selbst unter Druck setzen: Bis Anfang, Mitte September muss eine große Lösung gefunden werden. Die Gläubiger werden einen Teil ihrer Gelder abschreiben müssen, der FCK parallel dazu weiter Gespräche mit potentiellen Investoren führen. Im Idealfall stehen die Roten Teufel dann im Herbst mit weniger Schulden und mehr Eigenkapital da. Dafür wird viel Verhandlungsgeschick und hohes Fachwissen seitens der FCK-Verantwortlichen nötig sein. Es stehen also auch neben dem Platz mal wieder spannende Wochen auf dem Betzenberg bevor.

Der Betze brennt wird am Montag wie gewohnt ausführlich über alle weiteren Entwicklungen und die geplante Pressekonferenz im Fritz-Walter-Stadion berichten.

Quelle: Der Betze brennt

Weitere Links zum Thema:

- Fragen und Antworten zur möglichen Planinsolvenz (Der Betze brennt, 04.04.2020)
- Dirk Eichelbaum ist neuer Generalbevollmächtigter (Der Betze brennt, 05.06.2020)
- Sanierung: Harte Verhandlungsrunde auf dem Betze (Der Betze brennt, 09.06.2020)


Ergänzung, 23:30 Uhr:

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Kummt Senf druff
Kommentar zur Planinsolvenz: Großes Risiko, große Chance


Der 1. FC Kaiserslautern beantragt die Insolvenz! Jahrelang war dieses Szenario das Schlimmste, was man sich jenseits des grünen Rasens vorstellen konnte. Jetzt ist es tatsächlich soweit - und neben Gefahren kann man plötzlich auch Hoffnungen darin sehen.

Eines gleich vorweg: Man kann eine Insolvenz nicht pauschal positiv sehen und man kann sie auch nicht schönreden. Dieser Schritt, den der 1. FC Kaiserslautern jetzt geht, ist das Zeugnis für jahrelange Misswirtschaft im sportlichen und im finanziellen Bereich. Schlechte Transfers, falsche Funktionäre, gebrochene Versprechen, interne Grabenkämpfe und, ja, auch Fehlentscheidungen von den Mitgliedern - all das hat den Klub von Fritz Walter dorthin geführt, wo er jetzt steht. Am Abgrund.

Entscheidender Unterschied zu den FCK-Krisen von 2003 und 2008

Nachdem auch die als "wichtigste Zukunftsentscheidung der Vereinsgeschichte" beworbene Ausgliederung vor zwei Jahren nichts gebracht hat, kommt nun also mit zeitlicher Verzögerung doch noch die Insolvenz. Gegenüber den Fast-Pleiten des FCK von 2003 und 2008 bietet sich aus heutiger Sicht aber ein entscheidender Vorteil: Das 2012 in Kraft getretene "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG). Dieses Gesetz ermöglicht neue Instrumente wie die jetzt vom FCK in Anspruch genommene "Eigenverwaltung" und hat, wie der Name schon sagt, statt der Ausschlachtung des Unternehmens seine Rettung und Sanierung zum Ziel. Dafür gibt es unter anderem finanzielle Unterstützung von der Bundesagentur für Arbeit.

Und ebenfalls wichtig: Wegen der Coronavirus-Pandemie hat der DFB den sonst üblichen Neun-Punkte-Abzug bei Insolvenz ausgesetzt. Für den FCK bietet sich somit eine vielleicht einmalige Chance auf ein Glück im Unglück.

Die Uhr tickt: Gespräche mit Gläubigern und Investoren gehen weiter

Aber es bleibt auch eine Herkulesaufgabe, für die in der Eigenverwaltung weiter das Team um den Beiratsvorsitzenden Markus Merk, den Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Keßler, Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt sowie den neuen Generalbevollmächtigten und Planinsolvenz-Experten Dirk Eichelbaum verantwortlich sein wird. Das erste Ziel des stets optimistischen "Team Merk" bleibt es, Investoren und strategische Partner zu finden, mit denen eine sportlich erfolgreiche Zukunft gestaltet werden kann. Wenn das gelingt, könnte der Insolvenzantrag innerhalb von drei Monaten noch zurückgezogen werden. Heißt also: Ab Montag tickt die Uhr!

Das zweite Ziel ist eine Einigung mit den Gläubigern, denen der FCK über 20 Millionen Euro schuldet. Sie werden höchstwahrscheinlich auf einen großen Teil ihres Geldes verzichten müssen - entweder in beidseitigem Einvernehmen oder dann eben doch später im Rahmen der Insolvenz. Neben Quattrex und Flavio Becca gehören zu diesen Gläubigern auch die Fans, die ihrer großen Liebe noch unter der alten Vereinsführung rund drei Millionen Euro geliehen haben (Betze-Anleihe II & Crowdlending "Kapilendo"). Und spätestens hier bekommt die Sache einen bitteren Beigeschmack. Es bleibt zu hoffen, dass für die Fans juristische Möglichkeiten gefunden werden, etwa die Umwandlung der Anleihe in Anteile.

"Solang's in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK!"

Denn die nach wie vor gewaltige Fan-Basis kann und wird auch in dieser schweren Stunde wieder der große Trumpf sein. Das kann man schon aus den ersten Stunden nach der Insolvenz-Verkündung heute Abend herauslesen. "Der FCK ist unzerstörbar", predigt auch Markus Merk seit Monaten und wenn man ihm dabei in die Augen blickt, spürt man den ehrlichen Glauben des gebürtigen Lautrers daran. Merk und sein Team sind angetreten, um die bevorstehende Herkulesaufgabe zu meistern. Sie wollen den FCK nicht nur finanziell, sondern auch sportlich retten. Erst die Sanierung, dann der Aufstieg, muss das Motto lauten. Oder wie es so schön passend im Betze-Lied heißt:

"… wenn am Schluss wir dann doch Sieger sind, dann wird es allen klar:
Solang's in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK!"


#Unzerstörbar

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Thomas


Ergänzung, 15.06.2020:

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Offiziell: FCK bestätigt Anmeldung der Planinsolvenz

Die Geschäftsführung der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA (FCK KGaA) hat beim zuständigen Amtsgericht in Kaiserslautern Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. "Ziel des Verfahrens ist es, zügig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen", erklärt Soeren Oliver Voigt, seit Anfang Dezember 2019 Geschäftsführer der FCK KGaA. Als Generalbevollmächtigter der FCK KGaA unterstützt ihn der erfahrene Sanierungsexperte Dirk Eichelbaum.

Das Gericht wird nunmehr einen vorläufigen Sachwalter bestellen. Beraten wird die Geschäftsführung durch die renommierte Kanzlei Menold Bezler unter Federführung des auf Restrukturierungen und Sanierungen spezialisierten Rechtsanwalts Dr. Frank Schäffler.

Für die Geschäftsführung und die Gremien der FCK KGaA war absehbar nicht mehr sichergestellt, dass Forderungen und fällige Verbindlichkeiten noch termingerecht und vollständig beglichen werden können.

Das vorläufige Verfahren zur wirtschaftlichen Sanierung wurde ausschließlich für die 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA beantragt. Weder die die FCK Gastronomie GmbH noch die FCK Management GmbH sind von diesem Antrag betroffen. Auch der Verein ist derzeit von dem Antrag der FCK KGaA nicht betroffen.

Mit Investoren Chancen für einen grundlegenden wirtschaftlichen Neustart nutzen

"Wir wollen und können die Chance nutzen, unsere Eigenkapitalbasis mit Investoren für einen grundlegenden wirtschaftlichen Neustart zu stärken", erläutert Voigt.

In den kommenden Wochen wird er gemeinsam mit dem Generalbevollmächtigten mit allen Beteiligten und interessierten Investoren über deren jeweilige Beiträge zu einem Sanierungsplan sprechen. Die Mannschaft hat mit ihrem teilweisen Gehaltsverzicht bereits ein bemerkenswertes Signal gesetzt.

"Niemandem von uns ist diese Entscheidung leichtgefallen", so Voigt weiter. "Mit dieser Option auf eine mittel- und langfristige wirtschaftliche Sanierung können wir jedoch unsere Handlungsspielräume spürbar erweitern und dem Spielbetrieb den Rücken freihalten".

Konkretes Interesse, die Marke FCK von stabiler wirtschaftlicher Basis aus weiter zu entwickeln

"Das Investoren-Interesse an der Marke FCK war und ist enorm", erklärt Voigt. "Ebenso der Wille, diese Marke weiter zu entwickeln".

Seit dem Jahreswechsel hat der Geschäftsführer vielversprechende Gespräche und Verhandlungen mit ernsthaft interessierten potenziellen Partnern geführt. Teilweise waren diese Verhandlungen weit fortgeschritten, konnten in nahezu allen Fällen wegen Unsicherheiten rund um die COVID-19-Pandemie nicht zeitgerecht abgeschlossen werden. Sämtliche interessierten Investoren haben dabei signalisiert: Grundvoraussetzung für ihre Entscheidung, sich nachhaltig beim FCK zu engagieren und den FCK weiter zu entwickeln, ist eine stabile wirtschaftliche Basis.

Wie angekündigt haben die Mitglieder des Beirats und die Geschäftsführung seit Dezember 2019 unverzüglich Verbindung mit privaten sowie institutionellen Investoren aufgenommen, um die Eigenkapitalbasis der FCK KGaA nachhaltig zu stärken. Wegen dieses Engagements hat der Beirat noch vor wenigen Tagen eine konkrete Offerte in beträchtlichem Umfang diskutiert. Diese steht unter dem Vorbehalt, das frische Geld in die Zukunft und nicht in Altverbindlichkeiten investieren zu können. Ein weiteres, ähnlich strukturiertes Angebot erreichte die Gremien vor dem Wochenende.

"Die Maßnahmen, eine weltweite Pandemie einzudämmen, haben nahezu alle Gespräche um einige Wochen verzögert. Doch kein Gesprächspartner hat den Dialog abgebrochen", kommentiert Voigt die jüngsten Gespräche. "Letztendlich signalisieren uns aktuelle wie künftige Interessenten unverändert deren Bereitschaft, unsere Eigenkapitalbasis fundamental zu stärken". Die Gespräche mit Vertretern wesentlicher Gläubiger zur Entschuldung des FCK gilt es in den nächsten Tagen und Wochen zu konkretisieren.

Offensichtlich rückt der FCK mit der geforderten robusten ökonomischen Grundlage wieder bei jenen sport- und fußballbegeisterten Institutionen oder Unternehmen wieder in den Fokus, die den Traditionsclub bislang als weniger attraktives Investment eingestuft hatten.

Operatives Geschäft sowie Spielbetrieb fortführen

"Wir haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere Spieler und Betreuer bereits darüber informiert, dass sie weiter bei der KGaA angestellt bleiben und das Arbeitsverhältnis unverändert fortbesteht", fasst Voigt die aktuelle Lage zusammen. "Unser operatives Geschäft sowie den Spielbetrieb führen wir fort. Unsere Fans, Anhänger, Freunde und Förderer bitten wir darum, den FCK mit kühlem Kopf und heißem Herzen zu unterstützen. Wir sind sanierungsfähig und ganz sicher sanierungswürdig".

Quelle: Pressemeldung FCK


Ergänzung, 15.06.2020:

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Jetzt live: Die Pressekonferenz zum Insolvenzantrag

Der 1. FC Kaiserslautern überträgt ab 16:00 Uhr die Pressekonferenz zum heute gestellten Insolvenzantrag im kostenlosen Live-Stream. Auf Der Betze brennt wird es im Anschluss eine schriftliche Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten geben.

» Zum Live-Stream: Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Lage des FCK

Quelle: Der Betze brennt / FCK


Ergänzung, 15.06.2020:

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Fragen und Antworten zum Insolvenzantrag des FCK
"Der FCK steht für die DNA des deutschen Fußballs"


Der 1. FC Kaiserslautern hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Was bedeutet das für Gegenwart und Zukunft, für Spieler und Transfers, für Investoren und Fans? Die FCK-Verantwortlichen haben heute die ersten drängenden Fragen zum Thema beantwortet.

Der 15. Juni 2020 wird als einschneidender Tag in die lange und stolze 120-jährige Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen. Heute hat der Verein offiziell den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Kaiserslautern gestellt. Doch was heißt das für Gegenwart und Zukunft des Vereins? Was passiert mit laufenden Spielerverträgen, was ist mit potentiellen Neuverpflichtungen? Und was geschieht mit dem Geld der Fans?

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten von der heutigen Pressekonferenz mit Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und dem neuen Generalbevollmächtigten Dirk Eichelbaum für Euch zusammengefasst.

Wie läuft das beantragte Insolvenzverfahren jetzt ab?

Der FCK hat am Montagmorgen beim Amtsgericht den Antrag zur Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Verein befindet sich jetzt für die nächsten drei Monate in einem sogenannten Insolvenzeröffnungsverfahren. In dieser Zeit erhält der FCK Insolvenzgeld bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900,- Euro und muss auch keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Der Verein hat jetzt in erster Linie einmal Zeit gewonnen, sich mit seinen Gläubigern am Ende doch noch zu einigen. Denn: Bis zum 31. August kann der Verein den Insolvenz-Antrag noch zurückziehen. Das hofft auch Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt weiterhin: "Wir sehen den heutigen Tag auch für Gläubiger als Chance. Wenn es zu einer wirklichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt, glaube ich nicht, dass es am Ende viele zufriedene Parteien gibt. Deswegen sollte es uns vorher gelingen, uns zu einigen."

Der neue Generalbevollmächtigte des Vereins, Dirk Eichelbaum äußerte sich dazu wie folgt: "Morgen um 13:00 Uhr konstituiert sich ein sogenannter Gläubigerausschuss. Die Verhandlungen gehen also direkt los. Dieser Ausschuss besteht aus fünf Vertretern von Quattrex, Lagadère Sports, der Agentur für Arbeit, einem Kleingläubiger und einem Arbeitnehmervertreter. Das Insolvenzeröffnungsverfahren endet voraussichtlich am 31. August oder 01. September 2020. Bis dahin wollen wir uns mit den Gläubigern soweit geeinigt haben und Gespräche mit potentiellen Investoren weitergeführt haben. Ansonsten startet danach das reguläre Insolvenzverfahren. Mein Ziel ist: Am 31. Oktober, zum Geburtstag Fritz-Walters, soll der Insolvenzplan angenommen sein."

Gab es zur jetzt beantragten Insolvenz wirklich keine Alternative?

Laut den FCK-Verantwortlichen ganz klar: Nein! Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt betont hierzu: "Es ist kein Szenario, das wir wollten. Wir nehmen es jetzt aber als Chance wahr, andere Möglichkeiten zu haben, auf Investoren zuzugehen. Wir wollen dahin kommen, nicht mehr in die Vergangenheit zu investieren, sondern in die Zukunft. Jeder, mit dem wir gesprochen haben, hat uns verdeutlicht, dass dies unabdingbar für ein Engagement ist. Das Fremdkapital hat uns bis zum Ersticken in diese Situation gebracht."

Dirk Eichelbaum: "Plan A war definitiv, es ohne Insolvenzverfahren zu bewältigen. Jetzt ist es aber tatsächlich die einzige Möglichkeit. Es ist die absolut letzte Patrone, die niemand wollte, denn die Gläubiger werden Geld verlieren. Doch das ist in letzter Konsequenz nicht zu vermeiden."

Eichelbaum sprach aber auch optimistische Worte, dass die angestrebte Sanierung gelingen kann: "Das Interesse am Verein ist einfach riesengroß und als Marke - je weiter man von Kaiserslautern wegkommt - auch weitgehend noch unbeschädigt. Der FCK steht für die DNA des deutschen Fußballs. Zudem steht auch die Stadt Kaiserslautern so sehr für Fußball, wie nur ganz wenige andere Städte auch - vielleicht im Fußball noch Mönchengladbach, oder Gummersbach im Handball."

Am Rande der Pressekonferenz äußerte sich auch der Vorsitzende des FCK-Beirats, das Lautrer Urgestein Markus Merk: "Dieser Weg ist für den Verein alternativlos. Es ist eine Chance. Eine neue Geburtsstunde und eine Chance für den Neuanfang."

Was bedeutet die beantragte Insolvenz für laufende Spielerverträge und eventuelle Abgänge oder Zugänge von Spielern?

Erst einmal nichts. Alle Verträge bleiben bestehen, die Gehälter übernimmt für drei Monate lang die Agentur für Arbeit bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900,- Euro. Das heißt: Die FCK-Spieler müssen auf einen großen Teil ihres Gehalts verzichten.

Soeren Oliver Voigt: "Es gibt bestehende Verträge. Wir haben schon vor Corona betont, dass wir einen konkurrenzfähigen Kader haben wollen und daran arbeiten wir. Wir sind nicht gut beraten, die kommenden Monate mit Angst anzugehen, im Gegenteil: Wir haben klare Vorstellungen. Wir haben mit der Mannschaft gesprochen und ihr signalisiert: Es geht hier weiter. Mit den Leistungsträgern, die wir nächstes Jahr brauchen, werden wir intensive Gespräche führen. Wir wollen Spieler halten, werden den Kader aber auch verkleinern müssen. Wir werden alles dafür tun, am Ende eine gute Mannschaft auf den Platz zu bringen."

Welchen Etat wird der FCK nächstes Jahr zur Verfügung haben und welches Saisonziel ist realistisch?

Soeren Oliver Voigt: "Wir wollen natürlich eine sportliche Entwicklung sehen, denn die aktuelle Tabellensituation kann nicht unser Anspruch sein. Eine Prognose zur jetzigen Zeit wäre aber rein spekulativ. Wir werden auf Basis dessen was möglich ist und in enger Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss unsere Ideen vorstellen. Wir bleiben aber diejenigen, die entscheiden. Das ist der Vorteil der Eigenverwaltung, dass wir nicht ferngesteuert werden."

Welche Risiken birgt eine Insolvenz des FCK?

Dirk Eichelbaum: "Das Insolvenzeröffnungsverfahren endet am voraussichtlich 31. August oder 01. September 2020. Bis dahin erhält der FCK Insolvenzgeld. Danach würde das reguläre Insolvenzverfahren beginnen. Dann muss die FCK-Kapitalgesellschaft alle Kosten wieder selbst bestreiten. Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass es nicht gelingt, bis dahin eine Einigung mit Gläubigern und Investoren erzielt zu haben und die KGaA das dann nicht kann. Ich bin aber sehr optimistisch, dass es gelingt."

Wie konkret sind die Verhandlungen mit potentiellen Investoren, die beim FCK einsteigen wollen?

"Die Hoffnung, dass wir jetzt frisches Eigenkapital über die Investoren einsammeln werden, ist nicht unbegründet. Ganz im Gegenteil: Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten sehr gute Gespräche weiterführen werden. Aber es ist ein langer Weg", sagt Soeren Oliver Voigt.

Wie der Verein in einer Pressemitteilung heute mitteilte, erreichten den Klub gerade erst zwei "konkrete Offerte(n) in beträchtlichem Umfang" von potentiellen Investoren, die aber wie alle anderen interessierten Geldgeber eine Schuldenreduzierung zur Bedingung machen. Voigt: "Wir haben diese Angebote sehr kurzfristig erhalten. Sie sind noch nicht verhandelt, es handelt sich also noch um eine einseitige Offerte. Das große Interesse an der Marke FCK ist aber zu spüren. Jedoch wurden immer wieder auf die großen finanziellen Altlasten hingewiesen, die erst getilgt werden müssten. Wir haben bis heute keine Absagen erhalten, nur Corona bedingte Aussagen, dass sich Investoren jetzt erst einmal um sich selbst kümmern müssten." Bei den zwei neuen Investoren-Kandidaten handelt es sich laut Voigt nicht um die früher schon beim FCK im Gespräch gewesenen Flavio Becca oder Mikhail Ponomarew.

Kann der FCK e.V. in die Insolvenz mit hineingezogen werden?

Theoretisch schon. Alle FCK-Verantwortlichen wollen das aber unbedingt vermeiden. Soeren Oliver Voigt: "Wir werden alles daran setzen, den e.V und die Betze Anleihe II aus der Insolvenz herauszuhalten. Wir können in der jetzigen Situation aber nicht mehr alle Risiken ausschließen."

Was ist mit dem Geld, das die Fans durch das Crowdlending "Kapilendo" und die neue Betze-Anleihe in den Verein investiert haben?

Hier muss unterschieden werden zwischen der Betze-Anleihe I, der Betze-Anleihe II und dem eingesammelten Geld über Kapilendo.

Dirk Eichelbaum: "Das Geld der Betze-Anleihe I besteht noch aus einem Restbetrag, für die auch de e.V. haftet. Die Betze-Anleihe II wird erst in zwei Jahren fällig, hier hat der Verein also noch etwas Zeit, um eine Lösung zu finden. Bei den Kapilendo-Gläubigern sieht das allerdings etwas anders aus. Sie finden sich im Insolvenzverfahren wieder und müssen genauso wie alle anderen Gläubiger behandelt werden."

Eine Chance, dass Fans doch noch etwas von ihrem Geld sehen, besteht laut Eichelbaum aber doch: "Sollten andere Gläubiger sich bereit erklären, den Anteil der Insolvenzquote - also das was die Gläubiger nach der Insolvenz an Restgeld erhalten, für die Fans höher zu gestalten, wäre das möglich. Wir werden das versuchen."

Abgesehen davon, plant der Verein etwas, um den Fans seinen guten Willen zu beweisen und ihnen zu signalisieren, dass man ihre Unterstützung nicht vergessen hat: "Wenn Corona es wieder zulässt, ist eine Entschädigungsveranstaltung für die Fans geplant, die bei Kapilendo gezeichnet haben. Der Verlust wird aber nicht komplett aufgewogen werden", so Eichelbaum.

Inwieweit wirkt sich der Antrag der Insolvenz auf die Verträge mit der Stadiongesellschaft und die zukünftige Stadionpacht aus?

Noch gar nicht. Der Stadtrat hat im März die Reduzierung der Stadionpacht auf 625.000 Euro für die nächsten zwei Jahre beschlossen, der Verein hat diesen Pachtvertrag aber noch nicht unterschrieben. Sollten nach der Sanierung potentielle Investoren beim FCK einsteigen, könnte der Verein die Stadionmiete auch leichter stemmen. Der Verein steht derweil in Verhandlungen mit der Stadt und Oberbürgermeister Klaus Weichel.

Soeren Oliver Voigt dazu: "Ich habe noch heute Morgen mit Dr. Weichel telefoniert. Wir wollen eine enge Beziehung zur Stadt und sind kurz vor Vertragsunterschrift unter die schon verabschiedete Stadionpacht. Ich bin optimistisch noch vor dem 01. Juli das ganze Thema abgeschlossen zu haben."

Hat die Insolvenz Auswirkungen auf die immer noch nicht geöffnete Fan-Säule?

Soeren Oliver Voigt: "Nach wie vor spielt die Fan-Säule eine sehr wichtige Rolle für uns. Aber wir wussten, dass die Situation schwierig wird. Genau deshalb wollten wir ja die Fan-Säule nicht früher öffnen. Am Ende wäre Geld aus der Fan-Säule in die Insolvenzmasse geflossen - das wäre das total falsche Signal gewesen. Wir sind jetzt dabei, Wege vorzubereiten, es in der Zukunft möglich zu machen. Wann, das ist jetzt aber noch nicht absehbar."

Gibt es für Fans jetzt noch Möglichkeiten, den Verein finanziell zu unterstützen? Und ist das überhaupt sinnvoll oder fließt das Geld dann direkt durch auf die Konten der Gläubiger Quattrex und Co.?

Jein. Der Verein bietet weiter die Möglichkeit an, Geistertickets zu erwerben. Auch Fanartikel-Verkäufe bringen dem Verein natürlich weiter Geld. Allerdings werden diese Einnahmen nun mehr zum Druckmittel, als zum Eigenkapital.

Soeren Oliver Voigt: "Alle Einnahmen aus Tickets und Merchandising helfen weiter dem Verein und gehen erstmal nicht an Gläubiger. Das Geld der Fans hilft, unsere Verhandlungsposition gegenüber den Gläubigern zu verbessern."

» Zum Video: Die komplette Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Lage des FCK

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Redaktion


Ergänzung, 15.06.2020:

FCK soll bei Insolvenz volle Stadionpacht zahlen

Der 1. FC Kaiserslautern soll bei einer Insolvenz die volle Stadionpacht von 3,2 Millionen Euro pro Jahr zahlen. Das hat der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) gegenüber dem SWR bekräftigt.

Erst im März hatten sich Stadtrat, Stadiongesellschaft und FCK nach monatelangen Diskussionen auf eine reduzierte Pacht von 625.000 Euro für die Nutzung des Fritz-Walter-Stadions geeinigt. (...) Die volle Pacht wird der FCK allerdings so oder so nicht zahlen können. Die Stadt erhofft sich als Gläubigerin des Clubs allerdings, dass sie durch die Forderung der vollen Pacht in einem Insolvenzverfahren mehr Geld bekommt, als es der Fall wäre, wenn sie in einem Insolvenzverfahren nur die reduzierte Pacht geltend machen kann.

Quelle und kompletter Text: SWR


Ergänzung, 16.06.2020:

Merk: "Es ist die große Chance für einen Neuanfang"

Der 1. FC Kaiserslautern stellt einen Insolvenzantrag. Aufsichtsratssprecher Markus Merk erklärt bei SPORT1 den Schritt und welche Chancen darin liegen.

An diesem so schicksalhaften Tag für den 1. FC Kaiserslautern hingen dunkle Wolken über dem Fritz-Walter-Stadion. Doch obwohl der Traditionsklub am Montag 120 Jahre nach seiner Gründung Insolvenz angemeldet hat, wollte Markus Merk von Untergangsstimmung nichts wissen.

"Viele werden es im Moment mit dieser Begrifflichkeit als Tiefpunkt sehen, aber ich glaube Fritz (Walter, Anm.d.Red.) würde es genauso sehen wie wir es sehen: Es ist eine Geburtsstunde und die große Chance zu einem Neuanfang", sagte der FCK-Aufsichtsratssprecher Merk zu SPORT1. (…)

Quelle und kompletter Text: Sport1


Ergänzung, 16.06.2020:

Insolvenz: Eckel, Dreyer, Beck und Kuntz äußern sich

Nach dem Antrag des 1. FC Kaiserslautern auf Eigeninsolvenz hofft nicht nur Vereinslegende Horst Eckel auf eine Zukunft des Traditionsclubs. Ministerpräsidentin Malu Dreyer sieht darin "eine Chance für den FCK, den Neuanfang mitzugestalten", sagte die SPD-Politikerin am Dienstag. Finanzielle Unterstützung vom Land Rheinland-Pfalz wird es allerdings nicht geben. "Das Land ist dabei außen vor", betonte Dreyer.

Der 88 Jahre alte Eckel äußerte sich zurückhaltend zur Entscheidung des finanziell gebeutelten Fußball-Drittligisten. "Ich bin nicht nah genug am Verein und habe nicht genügend Informationen, um etwas dazu sagen zu können. Ich muss abwarten, wie sich die Dinge für den 1. FC Kaiserslautern entwickeln. Natürlich hoffe und wünsche ich, dass er gut aus der Sache kommt", sagte der letzte noch lebende deutsche Weltmeister von 1954 der "Rheinpfalz" (Dienstag). (…)

Quelle und kompletter Text: Süddeutsche Zeitung


Ergänzung, 17.06.2020:

Goldener Rettungsring: Der FCK in der Insolvenz

In der Coronakrise haben DFL und DFB eine Brücke für verschuldete Klubs gebaut. Kaiserslautern hat sie als erster überquert. Der Abstieg wird zwar abgewendet, doch jahrelanges Missmanagement lässt sich nicht ausradieren.

(...)

Die Gründe sind vielfältig. Das wegen fünf WM-Spielen teuer ausgebaute und überdimensionierte Stadion belastet vor allem die Kommune. Schwerer wiegen die Folgen von Missmanagement und sportlicher Inkompetenz. Teure Fehleinkäufe, ein zu hohes Gehaltsniveau, 25 Trainer, seit Otto Rehhagel den Verein im Jahr 2000 verlassen hat. Und immer wurde dieser Größenwahn mit der angeblich überzogenen Erwartungshaltung von Fans und Mitgliedern begründet. Die, so hieß es stets, akzeptierten eben nur die Bundesliga.

Thomas Hilmes, Redaktionsleiter des journalistisch arbeitenden Online-Magazins "Der Betze brennt", muss lachen, wenn er das hört. "Die meisten Fans hier wären schon froh, wenn sie statt in der 3. Liga gegen Großaspach wieder in der 2. Bundesliga gegen Fürth spielen können. So vermessen finde ich das nicht. Vom Europacup oder ähnlichem redet doch kein Mensch." Hilmes stellt eine andere Diagnose: "2003 hieß es, wir müssen das vereinseigene Stadion verkaufen, um die Insolvenz abzuwenden. 2018 musste die Ausgliederung her, und all die Jahre über mussten die besten Spieler verkauft werden. Die Mitglieder haben sich immer brav gefügt - und jetzt kommt trotzdem die Insolvenz."

Als Hilmes das sagt, sitzt er auf der Pressetribüne des Stadions in Würzburg. 0:2 verliert der FCK gegen die Kickers. "Stets bemüht am Dallenberg", überschreibt Hilmes später seinen Spielbericht.

Quelle und kompletter Text: Der Spiegel


Ergänzung, 17.06.2020:

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Eichelbaum: "Heilungschancen bei 100 Prozent"

Der Generalbevollmächtigte des FCK, Dirk Eichelbaum, und der Sachwalter Andreas Kleinschmidt sind optimistisch, dass es beim 1. FC Kaiserslautern weitergeht. Gesucht wird ein Investor, der sich langfristig engagiert, um die finanzielle Situation so abzusichern, damit sich der FCK nicht mehr "von einer Saison wo‘s kribbelig ist zur nächsten hangeln muss".

Es gab in der Tat schon bessere Zeiten beim 1. FC Kaiserslautern. Sportlich ist der Klassenerhalt in der dritten Liga zwar so gut wie geschafft, aber noch nicht gesichert. Daneben bereitet sich der Traditionsklub auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung vor - um den Weg frei zu machen für neue Investoren. Für die kommenden drei Monate wurde dem FCK ein Generalbevollmächtigter zur Seite gestellt. Der Stuttgarter Dirk Eichelbaum wird sich neben Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt um die Belange außerhalb des Fußballs kümmern. "Ich werde mich definitiv nicht in die sportlichen Dinge einmischen", sagt Eichelbaum im SWR Sport Podcast "Nur der FCK".

» Zum kompletten Podcast: Insolvenzpatient FCK - Heilungschancen 100 Prozent

Das war keine Veranstaltung, die man wollte

Der Schritt, den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu stellen, war laut Eichelbaum unumgänglich. "Man war zwar zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht zahlungsunfähig, doch diese Zahlungsunfähigkeit wäre Ende des Monats eingetreten. Und Geld für ein Verfahren sollte dann schon noch vorhanden sein." Natürlich kam den Pfälzern in Zeiten der Coronapandemie die Entscheidung des DFB entgegen, den 9 Punkte Abzug auszusetzen. Außerdem dürfte das Transferfenster im Hinblick auf die kommende Saison nach hinten verschoben werden. (…)

Quelle und kompletter Text: SWR


Ergänzung, 18.06.2020:

Diese Juristen verhandeln über die FCK-Sanierung
Fußball: 1. FC Kaiserslautern mit Eichelbaum, Menold Bezler und White & Case in der Insolvenz


Der wirtschaftliche Druck in der 3. Fußball-Liga ist durch Corona weiter gestiegen. Nun hat die Kapitalgesellschaft des Traditionsvereins 1. FC Kaiserslautern eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Anwalt Dirk Eichelbaum zieht in die Geschäftsführung ein, Dr. Frank Schäffler von Menold Bezler berät das Management und Dr. Andreas Kleinschmidt von White & Case ist vorläufiger Sachwalter. (…)

Quelle und kompletter Text: Juve Magazin


Ergänzung, 18.06.2020:

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Interview mit Sport-Ökonom Dr. Daniel Weimar
"Die Angst, dass der FCK stirbt, ist nahezu unbegründet" 


Daniel Weimar sprach schon über das Insolvenz-Szenario beim 1. FC Kaiserslautern, als es sonst noch niemand hören wollte. Wir haben den Wirtschaftswissenschaftler zur neuesten Entwicklung am Betze befragt.

In der berühmt-berüchtigten "Kammgarn-Diskussion" von SWR4, wo im März 2019 die Konflikte in der damaligen FCK-Führung öffentlich zutage traten, saß Dr. Daniel Weimar als neutrale Stimme mit auf dem Podium. Der FCK nehme seit Monaten "einen idealtypischen Verlauf" für einen Klub, der bald in die Insolvenz rutsche, warnte der Wirtschaftswissenschaftler schon damals.

Der heute 36-jährige Weimar ist wissenschaftlicher Rat an der Universität Duisburg-Essen und beschäftigt sich unter anderem mit Insolvenzen im Fußball. In einer gemeinsamen Studie mit Dr. Stefan Szymanski von der University of Michigan hat er mehr als 100 Insolvenzen im deutschen Fußball seit 1994 von der fünfte Liga aufwärts untersucht. Im DBB-Interview spricht er über die neue Situation beim 1. FC Kaiserslautern sowie über Chancen und Risiken des am Montag eingeleiteten vorläufigen Insolvenzverfahrens.

Der Betze brennt: Daniel Weimar, der Antrag des 1. FC Kaiserslautern auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hat sie vermutlich nicht besonders überrascht? 

Weimar: Nein, beim FCK war es eher ein Frage der Zeit als eine Frage, ob es überhaupt zu einem Insolvenzverfahren kommt. Als ich 2019 zu der Podiumsdiskussion in Kaiserslautern eingeladen war, hat man schon gemerkt, wie negativ das Umfeld gestimmt war. Im Prospekt zur Betze-Anleihe II konnte man bereits sehen, dass der Stammverein strukturell überschuldet war. Fußball-Unternehmen "retten" sich aber häufig mit einer positiven Fortführungsprognose, die andererseits oft auch gerechtfertigt ist. Denn Fußball geht ja doch immer weiter. Die Nachfrage ist da, die Fans sind da. Das ist mit anderen Unternehmen nicht vergleichbar.

Der Betze brennt: Sie haben sich in einer Studie wissenschaftlich mit Insolvenzen in den oberen fünf Ligen des deutschen Fußball beschäftigt. Was zunächst auffällt, ist die hohe Zahl von mehr als 100 Fällen.

Weimar: Es kommt im Fußball relativ häufig zu Insolvenzen. Deutlich häufiger als in der Grundgesamtheit der Unternehmen in Deutschland - die Anzahl ist ungefähr viermal höher. Mit dem 1. FC Kaiserslautern haben wir jetzt 125 Fälle.

"Der FCK ist Fußball-kulturell und ökonomisch eine andere Dimension"

Der Betze brennt: Was macht den Insolvenzantrag des FCK vor diesem Hintergrund trotzdem besonders?

Weimar: Der 1. FC Kaiserslautern ist der erste ehemalige Bundesliga-Meister, der in ein Insolvenzverfahren gehen muss. Dieser Fall ist in Sachen Reichweite und Größe des Fan-Umfelds einmalig. In Ansätzen ähnlich brisant sind allenfalls die Insolvenzverfahren bei anderen Traditionsklubs wie etwa Rot-Weiß Essen Anfang des letzten Jahrzehnts. Auch die Summe der in Lautern im Raum stehenden Verbindlichkeiten (über 20 Millionen Euro; Anm. d. Red.) ist einmalig. Kurzum: Der Insolvenzantrag des FCK ist sowohl Fußball-kulturell als auch ökonomisch der Fall mit der bislang größten Dimension. 

Der Betze brennt: Abgesehen von dieser neuen Dimension: Inwiefern ist die Entwicklung beim FCK mit Insolvenzanträgen an anderen Fußball-Standorten vergleichbar?

Weimar: Wir sehen bei ganz vielen Vereinen einen klassischen Verlauf. Ein Klub unterschreitet eine Hürde aufgrund eines Abstiegs, wichtige Einnahmen werden dadurch abgeschnürt. Gelingt dann nicht innerhalb von ein, zwei Jahren der Wiederaufstieg, sind die Reserven aufgezehrt. Diesen typischen Verlauf sieht man auch beim 1. FC Kaiserslautern.

"Die Ausgliederung hat dem FCK nur etwas Luft verschafft"

Der Betze brennt: Wäre die Öffnung der Fan-Säule im Lautrer Vier-Säulen-Modell nach der Ausgliederung die bessere Option gewesen als das Auflegen einer neuen Fan-Anleihe? Und hätte das etwas an der Entwicklung geändert?

Weimar: Das ist schwer zu sagen. Letztlich ist das Volumen der über Fan-Anleihe und Crowdlending eingenommenen Gelder in Relation zu den Gesamtschulden relativ klein. Womöglich hätte man schon vor zwei Jahren einen Insolvenzantrag stellen sollen. Stattdessen hat man sich durch die Ausgliederung nur etwas Luft verschafft.

Der Betze brennt: Beim FCK war dieser beschriebene Abstieg zunächst der aus der Bundesliga von 2012, aber dann vor allem der Sturz in die 3. Liga im Jahr 2018. Welche Bedeutung kommt den wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen in dieser Spielklasse zu?

Weimar: In absoluten Zahlen gibt es in der vierten und fünften Liga die meisten Insolvenzen. Aber im Verhältnis zur Grundgesamtheit ist die Insolvenzwahrscheinlichkeit in der 3. Liga am höchsten. Die 3. Liga ist mit Blick auf die Insolvenzstatistik ganz klar die "Todesliga". Das Hauptproblem ist die harte Grenze zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga in Sachen TV-Geld. Die einfachste Lösung für dieses Problem wäre, die TV-Erträge bis hinunter in die fünfte Liga linear zu verteilen.

Einflüsse von außen und von innen könnten das Insolvenzverfahren stören

Der Betze brennt: Und welche Rolle spielen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie beziehungsweise der Vorwurf mancher Kritiker, der FCK nutze den ausgesetzten Neun-Punkte-Abzug jetzt zur Sanierung?

Weimar: Auch die Frage, ob die Corona-bedingte Aussetzung der Sanktionen ausgenutzt werden kann, ist schwer zu beantworten. Die Verantwortlichen müssen aber alleine schon insolvenzrechtlich beweisen, dass der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens notwendig war, und zwar zum jetzigen Zeitpunkt. Sie müssen belegen, dass die strukturelle Überschuldung der Kapitalgesellschaft nicht schon vor Corona vorlag. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit muss dann beantragt werden, wenn absehbar ist, dass man die Rechnungen nicht bezahlen kann. Da man weiß, wann Verträge auslaufen, wann Verbindlichkeiten fällig werden, kann dieser Zeitpunkt nicht frei gewählt werden. Eine Wahloption sehe ich hier eigentlich nicht. Und man darf die Risiken des ganzen Verfahrens ja auch nicht außer Acht lassen.

Der Betze brennt: Inwiefern?

Weimar: Es gibt im Insolvenzverfahren beim FCK mit Quattrex und Flavio Becca zwei Akteure, die vielleicht nicht unbedingt auf eine friedliche Lösung aus sind. Es könnte sein, dass sich beide Gläubiger durch den Insolvenzantrag unter Druck gesetzt fühlen und nun das Verfahren gefährden, indem sie beispielsweise den Eigenverwalter ablehnen oder Anträgen nicht zustimmen.

Der Betze brennt: Kann auch die wahrscheinlich sehr große öffentliche Beachtung des Verfahrens Probleme mit sich bringen?

Weimar: Grundsätzlich können externe Störgeräusche ein Verfahren behindern und Unsicherheiten bei den Beteiligten hervorrufen. Gegenseitige Äußerungen etwa über die Medien könnten dazu führen, dass sich die Fronten verhärten. Wir haben zum Beispiel im Insolvenzverfahren des Chemnitzer FC zahlreiche Probleme gesehen zwischen dem Vorstand, dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern. An kleineren Standorten wie bei Wattenscheid 09, dem FSV Frankfurt oder dem VfR Aalen wurde medial dagegen ganz wenig berichtet - und wenn dann eher über Fortschritte im Insolvenzverfahren. 

"Die beste Lösung zur Sanierung ist natürlich der Aufstieg, aber..."

Der Betze brennt: Welche potentiellen Schwierigkeiten im Verfahren sehen Sie noch?

Weimar: Ich bin nicht sicher, ob es für den FCK so gut ist, eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen. Denn die Fremdverwaltung hat einen Riesenvorteil: In einem Insolvenzverfahren müssen Entscheidungen getroffen werden, die emotional hart, aber ökonomisch wichtig sind. Werden solche Entscheidungen vom Insolvenzverwalter getroffen, wird es vom Umfeld eher akzeptiert, da der Verein ja nicht verantwortlich ist. Auf die externe Person des Insolvenzverwalters kann man viel besser wütend sein. Der ist das gewohnt, der kann das ab. 

Der Betze brennt: Was können die Fans und das Umfeld tun, um das Verfahren positiv zu beeinflussen?

Weimar: Die Anhänger können etwas beitragen, indem sie das Verfahren nicht zusätzlich befeuern und beispielsweise gegen Gläubiger oder die Eigenverwaltung schießen. Man muss realistisch sein und und auch emotional harte Einschnitte akzeptieren. Es geht dabei viel um Akzeptanz.

Der Betze brennt: Das heißt auch, die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.

Weimar: Der FCK ist in seinen Strukturen in vielerlei Hinsicht noch ein Zweitliga-Verein. Die beste Lösung zur Sanierung ist natürlich der Wiederaufstieg. Aber man kann sich auch in der 3. Liga konsolidieren. Dann muss man aber anders denken. Vielleicht muss man eher denken wie ein Regionalligist. Man muss zum Beispiel das Ehrenamt viel mehr forcieren. Es kann nicht jeder für jede Tätigkeit eine Entlohnung verlangen. Auch das NLZ, dessen Strukturkosten enorm hoch sind, muss man auf den Prüfstand stellen. Ob dieses Umdenken gelingt, wird spannend zu beobachten. 

"Es ist tatsächlich die größte Chance seit dem Bundesliga-Aufstieg 2010"

Der Betze brennt: Die FCK-Verantwortlichen haben bei der Pressekonferenz am Montag das Potential und die Zukunftsfähigkeit betont und auch von einer Chance gesprochen.

Weimar: Im Fußball ist eine Korrelation zwischen Insolvenz und Fan-Nachfrage oder dem Interesse von Sponsoren fast nicht vorhanden. Deshalb ist die Insolvenz im Fußball im Gegensatz zur Realwirtschaft wirklich eine Chance. Die Überlebensquote ist sehr hoch. 

Der Betze brennt: Die Aussichten, dass auf dem Betzenberg auch künftig professionell Fußball gespielt wird, sind also gar nicht schlecht?

Weimar: Die Angst, dass der FCK stirbt, ist nahezu unbegründet. Es gab bei den bisher 125 Insolvenzanträgen im Fußball seit 1994 nur ganz wenige Klubs, die komplett liquidiert wurden. Für Kaiserslautern ist es eine Chance, sich komplett neu aufzustellen. Auch die Stadt muss doch ein großes Interesse daran haben, dass der Klub als einziger Mieter des Stadions und als wichtiger Repräsentant weiter spielt. Es ist tatsächlich die größte Chance für den FCK seit dem Aufstieg in die Bundesliga 2010.

Der Betze brennt: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Korrektur: Im Text war zunächst die Rede davon, dass der FCK "der erste ehemalige Deutsche Meister" sei, der in ein Insolvenzverfahren gehen muss. Präziser ist die Bezeichnung "der erste ehemalige Bundesliga-Meister", da zuvor mit Rot-Weiß Essen (1955 vor Gründung der Bundesliga) und dem Chemnitzer FC (1967 in der DDR) auch schon zwei andere Ex-Meister Insolvenz angemeldet haben.

Quelle: Der Betze brennt


Ergänzung, 05.08.2020:

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Vorstand bittet um Stundung der Anleihe-Zinsen

Der Vorstand des 1. FC Kaiserslautern e.V. bittet auf diesem Wege die Zeichner der Betze-Anleihe II 2019/2022 im Hinblick auf die im August 2020 fällig gewordene Zinszahlung zunächst um Geduld und Verständnis.

Hintergrund dieser Bitte: Die Vereinsvertreter sind als Gesellschafter in die intensiven Gespräche mit den Gläubigern und Investoren eingebunden, die insolvente Tochtergesellschaft 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA finanziell zu stabilisieren.

Darüber hinaus sind die Vereinsvertreter mit diesen Gesprächen befasst, da der Verein einzelnen Gläubigern gegenüber aus der Vergangenheit vor Ausgründung der KGaA noch in der Pflicht steht.

Angesichts der einstimmigen Entscheidung des vorläufigen Gläubigerausschusses für einen Investor sowie die abgestimmte Vorgehensweise zu einem Insolvenzplan der KGaA sind die Sanierungsbeteiligten zuversichtlich, in den nächsten Wochen eine konstruktive Lösung zu finden. Damit leisten diese Beteiligten im Sanierungsverfahren auch einen wichtigen Beitrag zum Werterhalt der Anleihe.

Der Vorstand wird den Zeichnern der Anleihe einen Vorschlag im Hinblick auf den Zahlungstermin der fälligen Zinsen unterbreiten, sobald die Gespräche mit Gläubigern und Investoren abgeschlossen sind.

Wir bitten die Zeichner der Anleihe insoweit um ihr Entgegenkommen. Sie leisten hierdurch einen Beitrag, die Ausfallrisiken für die Anleihe deutlich zu verringern und die Verhandlungsposition des Vereins zu stärken.

Die Betze-Anleihe II wurde im Mai 2019 vom 1. FC Kaiserslautern e.V. aufgelegt und hat eine Laufzeit bis zum 31. Juli 2022. Der Zinssatz beträgt 5% p.a.

Quelle: fck.de


Ergänzung, 08.08.2020:

Thema Sonderkündigungsrecht: Ein Jurist klärt auf

Während zum Beispiel der Karlsruher SC die Insolvenz abwenden konnte, musste Drittligist 1. FC Kaiserslautern den Gang in die Insolvenz antreten. Was bedeutet die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für Klub und Spieler arbeitsrechtlich?

(...)

Kündigung von Verträgen: Gerade im Profisport kann die Insolvenzeröffnung auch für die Kündbarkeit von Spielerverträgen - sowohl von Klub- als auch von Spielerseite aus - sehr bedeutsam sein. Außerhalb der Insolvenz können sie nämlich wegen ihrer befristeten Laufzeit nicht ordentlich, sondern nur außerordentlich gekündigt werden (§ 15 Abs. 3 Teilzeit- und Befristungsgesetz).

Letzteres aber ist in der Regel nur möglich, wenn der Vertragspartner eine schwerwiegende Vertragsverletzung begangen hat. Mit Insolvenzeröffnung entfällt diese "Sperre" für ordentliche Kündigungen, sodass eine einseitige Vertragsbeendigung deutlich leichter ist (§ 113 S. 1 InsO). (…)

Quelle und kompletter Text: Kicker
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon Thomas » 14.06.2020, 19:47


Vor dem Start der Diskussion ein ganz wichtiger Hinweis: Uns allen ist bewusst, dass dieses Thema sehr emotional und kontrovers ist, gleichzeitig aber auch sehr wichtig für die Zukunft unseres 1. FC Kaiserslautern. Deshalb bleibt bitte sachlich und konstruktiv! Beleidigungen, Falschbehauptungen und Sinnlosbeiträge werden ggf. gelöscht.

:danke:

Hier die vorherigen Threads und Beiträge zu dem Themenkomplex:

- Thread von April: https://www.der-betze-brennt.de/forum/viewtopic.php?t=26521
- Thread von Juni: https://www.der-betze-brennt.de/forum/viewtopic.php?t=26643
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon Saarländer1973 » 14.06.2020, 19:51


War klar da dieskommen mußte. Hoffe es geht gut für den FCK aus .



Beitragvon Ostseeteufel » 14.06.2020, 19:55


Endlich eine Vereinsführung, die ranklotzt und nicht rumeiert. Konsequent und richtig! Wartet ab: es wird alles gut werden!



Beitragvon Hellboy » 14.06.2020, 19:57


Ich kann wirklich null einschätzen, ob das der entscheidende Schritt zur Sanierung ist unter cleverer Nutzung der aktuellen Gegebenheiten (kein Punktabzug)...

...oder der Anfang vom endgültigen Ende.

Ich hoffe mal vertrauensvoll darauf, dass Merk und Co. wissen, was sie tun.
Agiter le peuple avant de s'en servir.



Beitragvon Seit1969 » 14.06.2020, 19:58


Hoffnung, mehr bleibt da nicht zu sagen. Die Zeit des Schönredens endgültig vorbei.
Fly with the eagle or scratch with the chicken



Beitragvon Hephaistos » 14.06.2020, 19:59


Der 1. FC Kaiserslautern wird nach kicker-Informationen den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Sportliche Konsequenzen hat dies aber erstmal nicht. Für den Traditionsverein ist es hingegen eine wohl einmalige Chance zum Neuanfang. Doch wie geht es weiter?


Moritz Kreilinger im kicker



Beitragvon Betze_FUX » 14.06.2020, 20:04


Das ist sie dann jetzt... die 96 Minute. Bin gespannt wer den längeren Atem hat. QBL oder der FCK. Ich hoffe inständig dass das alles klappt...
Der FCK steht für die DNA des deutschen Fussballs
Dirk Eichelbaum, 15.06.2020
Uno, Duo, tre - Scheiss KSC



Beitragvon Heise » 14.06.2020, 20:04


Meine Meinung dazu? Leider der letzte Ausweg. Ich halte von Insolvenzen zur Sanierung überhaupt nix. Weil nicht nur die großen Gläubiger dran glauben müssen, sondern auch kleine Firmen und evtl. Mitarbeiter gekündigt werden müssen. Noch dazu hat Merk doch eine Insolvenz abgelehnt oder nicht? Korrigiert mich bitte.

Sollte es gut gehen, die Schulden nahezu gegen 0 sinken und Investoren einsteigen, verlange ich mit dem Geld vernünftig umzugehen und dann will ich in spätestens 2 Jahren den Aufstieg. Alles andere wäre ein Witz.

Ich denke Becca wird kurz vor knapp sein Kredit in Eigenkapital umwandeln, damit er nicht vor einem Totalverlust steht.

Quattrex wird wohl ein Teil Stunden, ein Teil verlieren und einen Teil in Eigenkapital umwandeln. Bin dann nur gespannt, ob dann endlich andere einreigen bzw, nixj genug Anteile da sind.

Mal eine Frage, wird bestimmt schwer während eines Insolvenzverfahrens Spieler zu verpflichten, oder ?



Beitragvon Strafraum » 14.06.2020, 20:05


Für die Fans und Mitglieder ( Fananleihe / Kapilendo ) schlecht. Das muss man so sehen.
Im Prinzip geht es um den Verein. So war auch damals der Beweggrund dem FCK via Fananleihe zu unterstützen. Die jetzige Führung ging in Klatts Keller und fand statt Geld im Tresor, nur Leichen.

Sollte man dem SWR glauben schenken ist es so, das die Insolvenz im Planverfahren beantragt wurde und der Generalbevollmächtigte noch 3 Monate mit den Gläubigern über einen etwaigen Schuldenschnitt verhandeln kann.
Denke das es auch eine Art Druck auf die Gläubiger ist.

Sollte es wirklich so sein das einige Investoren einsteigen würden, wenn der Schuldenschnitt bzw. Insolvenz vollzogen ist, sind wir ja nicht alle Probleme los (Stadion etc.). Es steht zwar dann alles auf Null, aber neben der Chance bleibt auch der Ruf des Insolvenz Verein.

Mein Standpunkt ist so, Schuldenschnitt wäre besser als die Planinsolvenz, aber es sind beides Chancen die wir nutzen sollten, so leid es mir für die Fans/Mitgelieder es tut, welche in Anleihe & Co investiert haben. Aber es geht um den Verein und das ist unsere Chance welche wir haben.
Der Pfad der Gerächten ist von beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyranneien böser Männer!



Beitragvon FCKPersey1962 » 14.06.2020, 20:05


Ich hoffe, dass ein oder mehrere Investoren bereitstehen und verbindliche Zusagen gemacht haben, sollte das mit dem Schuldenerlass hinhauen.
Dauerkarte Süd 3.1



Beitragvon Schuhseppel » 14.06.2020, 20:06


Drücken wir die Daumen, dass das alles gut ausgeht. Es ist aber der einzige vernüftige Weg.



Beitragvon DePeTe » 14.06.2020, 20:09


Sollten die aktuellen Gläubiger bis zuletzt wirklich nur eine einjährige Stundung der Schulden zugestanden haben, ist die Planinsolvenz die einzige logische Konsequenz.



Beitragvon zille » 14.06.2020, 20:10


Traurig! Das heißt, die Spieler verdienen aktuell maximal 6900€ brutto?
Vor allen Dingen: wie kann man sportlich die nächste Saison planen? Wie kann man in so einer Situation die Mannschaft zusammenhalten und gute Neuverpflichtungen tätigen?



Beitragvon Betze_FUX » 14.06.2020, 20:12


@Heise:
Merk meine das sei der Notausgang vom Notausgang (oder so). Aber momentan gibt es nur 2 Wege. Und einer davon ist durch QBL derzeit gesperrt. Also bleibt nur noch der andere. Und zum BVB sagt auch keiner "Insolvenz Verein"!!

@zille:
Nein....der Agentur zahlt nur max 6900. Siehst du andere Alternativen?
Zuletzt geändert von Thomas am 14.06.2020, 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Doppelbeitrag zusammengefügt.
Der FCK steht für die DNA des deutschen Fussballs
Dirk Eichelbaum, 15.06.2020
Uno, Duo, tre - Scheiss KSC



Beitragvon bladde3.0 » 14.06.2020, 20:15


Strafraum hat geschrieben:... aber neben der Chance bleibt auch der Ruf des Insolvenz Verein.


Welchen Ruf haben wir zu verlieren? Wir sind der Inbegriff des ewiggestrigen Chaosvereins, der Prototyp eines, von den durch die Mitglieder gewählten Totalversager, abgewrackten Traditionsvereines. Wer weiß denn, welche Vereine alles Insolvenz angemeldet haben/hatten?



Beitragvon Heise » 14.06.2020, 20:16


Unser Vorbild sollte Bielefeld sein, ausbaden fast Insolvenz mit regionalen Investoren und Partnern wieder Schuldenfrei. Und das Geld klug angelegt und nicht einfach rausgehauen.

Und zum BVB sagt keiner Insolvenzverein, da der BVB nie Insolvenz angemeldet hat, am letzten Tag wurde mit den Gläubigern nich eine Einigung erzielt, sonst wären sie am nächsten Tag zum Amtsgericht gegangen.

Schuldenschnitt, Investoren und das Geld gezielt investieren, man kann das Geld nur 1 mal ausgeben, daher lieber langsam und mit einem Plan und dann lieber noch 1 Jahr 3. Liga, als alles auf die Karte Aufstieg setzen, Uerdingen sollte ein mahnendes Beispiel sein, dass man sich den Erfolg nicht unbedingt erkaufen kann



Beitragvon DePeTe » 14.06.2020, 20:22


Rein von den Fakten her sind wir am Tiefpunkt unserer fast 120 jährigen Vereinsgeschichte. Mein Bauchgefühl sagt mir dennoch, dass das jahrelange Leiden vielleicht ein Ende haben könnte. Das es langsam wieder bergauf gehen kann. Wer, wenn nicht unser FCK wäre dafür wie gemacht?

Der FCK sind wir, wir Fans! Deswegen können wir uns nicht allein auf Aufsichtsrat und Vereinsführung verlassen, auch auf uns kommt es an. Auch wir müssen alles für unseren Verein tun.



Beitragvon Rheinteufel2222 » 14.06.2020, 20:26


Da hammer den Salat.

Die schlechte Nachricht: Es ist der Tiefpunkt der Vereinsgeschichte

Die gute Nachricht: Es ist (hoffentlich) der Tiefpunkt der Vereinsgeschichte.
"Ein Verein gehört nicht einem Menschen - er gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren."
Christian Streich



Beitragvon Lonly Devil » 14.06.2020, 20:28


Nun sollten unsere Gebete beginnen, dass der 1.FCK relativ schadlos und gestärkt die bevorstehenden Wochen übersteht.

All den Blendern, die sich ohne wirkliche Hilfe nur am 1.FCK bereichern und ihn ausbluten wollten, wünsche ich dass sie auf diesem Weg abschmieren.

Hier noch einmal der Link zum Artikel von @Horst Eckel und dessen Statement über unsere "Geldgeber und Gönner".
https://www.transfermarkt.de/bewertung- ... 20/page/29
Lesen lohnt sich.
Zuletzt geändert von Lonly Devil am 14.06.2020, 20:48, insgesamt 1-mal geändert.
https://www.youtube.com/watch?v=48grx-7 ... H-y_g9MkxO
Zitat: "Willst Du Unkraut dauerhaft vermeiden, musst Du die Wurzel ausreißen."
Gott mag gewissen Individuen eventuell vergeben, ICH NICHT!



Beitragvon Rickstar » 14.06.2020, 20:36


Was da wirtschaftlich passiert, kann ich nicht einschätzen. Wenn wir so wieder in die Bundesliga kommen, sollten wir das machen. Aber wie sieht es denn mit der sportlichen Seite aus? Können wir Spieler kaufen? Was passiert bei Verkaufen? Geht die Ablöse dann an die Gläubiger?



Beitragvon Thelord » 14.06.2020, 20:46


Wenn sich der Fck mal nicht verzockt. Das eigentliche Problem, nämlich das Stadion, ist überhaupt nicht geklärt. Durch die Insolvenz kann der Vertrag wohl aufgelöst werden aber was danach? Die Stadt wird sich kaum mehr vom Fck auf der Nase herum tanzen lassen und noch niedrigere Mieten akzeptieren... Da machen selbst die Bürger dort nicht mehr mit. Wenn der fck nicht aufpasst wird das Stadion abgerissen und er kann schauen wo er spielt.

Die Stadt wäre gut daran beraten dem Kapitel ein für alle vernünftiges Ende zu bereiten. So macht das kein Sinn... Selbst wenn wir bei 0 anfangen würden dann wäre das Stadion viel zu teuer.



Beitragvon Bergtroll2_1998 » 14.06.2020, 20:46


Ich finde es fatal, vom Anfang des Endes zu reden. Der liegt zwanzig Jahre zurück. Merk hat hier nur Mut, den Schlussstrich zu ziehen. Entweder es klappt und wir gehen gestärkt hier raus oder es ist das Ende.

Ich traue Merk und co das zu. Aber Angst um den FCK habe ich trotzdem.

Keine Ahnung hab ich, wie man jetzt die nächste Saison planen kann...



Beitragvon Dierk » 14.06.2020, 20:53


"Mit Glück und Verstand" lautete die Überschrift des Spielberichtes gegen Chemnitz. Das wünsche ich den handelnden Personen nun auch.

Bleibt abzuwarten wie hoch der Verlust der Fananleihe sein wird. Für mein Geld habe ich immerhin ein unterschriebenes Trikot bekommen (über Kapilendo, war einer der ersten 50, oder so) und ein Ausfall würde mir nicht weh tun, ich hoffe es geht jedem kleinen Fan so.



Beitragvon FORZA85 » 14.06.2020, 20:55


Chemnitz hat sogar eine Regelinsolvenz. Sie leben auch...




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