Fragen und Antworten zum Insolvenzantrag des FCK

"Der FCK steht für die DNA des deutschen Fußballs"

"Der FCK steht für die DNA des deutschen Fußballs"


Der 1. FC Kaiserslautern hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Was bedeutet das für Gegenwart und Zukunft, für Spieler und Transfers, für Investoren und Fans? Die FCK-Verantwortlichen haben heute die ersten drängenden Fragen zum Thema beantwortet.

Der 15. Juni 2020 wird als einschneidender Tag in die lange und stolze 120-jährige Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen. Heute hat der Verein offiziell den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Kaiserslautern gestellt. Doch was heißt das für Gegenwart und Zukunft des Vereins? Was passiert mit laufenden Spielerverträgen, was ist mit potentiellen Neuverpflichtungen? Und was geschieht mit dem Geld der Fans?

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten von der heutigen Pressekonferenz mit Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und dem neuen Generalbevollmächtigten Dirk Eichelbaum für Euch zusammengefasst.

Wie läuft das beantragte Insolvenzverfahren jetzt ab?

Der FCK hat am Montagmorgen beim Amtsgericht den Antrag zur Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Verein befindet sich jetzt für die nächsten drei Monate in einem sogenannten Insolvenzeröffnungsverfahren. In dieser Zeit erhält der FCK Insolvenzgeld bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900,- Euro und muss auch keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Der Verein hat jetzt in erster Linie einmal Zeit gewonnen, sich mit seinen Gläubigern am Ende doch noch zu einigen. Denn: Bis zum 31. August kann der Verein den Insolvenz-Antrag noch zurückziehen. Das hofft auch Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt weiterhin: "Wir sehen den heutigen Tag auch für Gläubiger als Chance. Wenn es zu einer wirklichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt, glaube ich nicht, dass es am Ende viele zufriedene Parteien gibt. Deswegen sollte es uns vorher gelingen, uns zu einigen."

Der neue Generalbevollmächtigte des Vereins, Dirk Eichelbaum äußerte sich dazu wie folgt: "Morgen um 13:00 Uhr konstituiert sich ein sogenannter Gläubigerausschuss. Die Verhandlungen gehen also direkt los. Dieser Ausschuss besteht aus fünf Vertretern von Quattrex, Lagadère Sports, der Agentur für Arbeit, einem Kleingläubiger und einem Arbeitnehmervertreter. Das Insolvenzeröffnungsverfahren endet voraussichtlich am 31. August oder 01. September 2020. Bis dahin wollen wir uns mit den Gläubigern soweit geeinigt haben und Gespräche mit potentiellen Investoren weitergeführt haben. Ansonsten startet danach das reguläre Insolvenzverfahren. Mein Ziel ist: Am 31. Oktober, zum Geburtstag Fritz-Walters, soll der Insolvenzplan angenommen sein."

Gab es zur jetzt beantragten Insolvenz wirklich keine Alternative?

Laut den FCK-Verantwortlichen ganz klar: Nein! Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt betont hierzu: "Es ist kein Szenario, das wir wollten. Wir nehmen es jetzt aber als Chance wahr, andere Möglichkeiten zu haben, auf Investoren zuzugehen. Wir wollen dahin kommen, nicht mehr in die Vergangenheit zu investieren, sondern in die Zukunft. Jeder, mit dem wir gesprochen haben, hat uns verdeutlicht, dass dies unabdingbar für ein Engagement ist. Das Fremdkapital hat uns bis zum Ersticken in diese Situation gebracht."

Dirk Eichelbaum: "Plan A war definitiv, es ohne Insolvenzverfahren zu bewältigen. Jetzt ist es aber tatsächlich die einzige Möglichkeit. Es ist die absolut letzte Patrone, die niemand wollte, denn die Gläubiger werden Geld verlieren. Doch das ist in letzter Konsequenz nicht zu vermeiden."

Eichelbaum sprach aber auch optimistische Worte, dass die angestrebte Sanierung gelingen kann: "Das Interesse am Verein ist einfach riesengroß und als Marke - je weiter man von Kaiserslautern wegkommt - auch weitgehend noch unbeschädigt. Der FCK steht für die DNA des deutschen Fußballs. Zudem steht auch die Stadt Kaiserslautern so sehr für Fußball, wie nur ganz wenige andere Städte auch - vielleicht im Fußball noch Mönchengladbach, oder Gummersbach im Handball."

Am Rande der Pressekonferenz äußerte sich auch der Vorsitzende des FCK-Beirats, das Lautrer Urgestein Markus Merk: "Dieser Weg ist für den Verein alternativlos. Es ist eine Chance. Eine neue Geburtsstunde und eine Chance für den Neuanfang."

Was bedeutet die beantragte Insolvenz für laufende Spielerverträge und eventuelle Abgänge oder Zugänge von Spielern?

Erst einmal nichts. Alle Verträge bleiben bestehen, die Gehälter übernimmt für drei Monate lang die Agentur für Arbeit bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.900,- Euro. Das heißt: Die FCK-Spieler müssen auf einen großen Teil ihres Gehalts verzichten.

Soeren Oliver Voigt: "Es gibt bestehende Verträge. Wir haben schon vor Corona betont, dass wir einen konkurrenzfähigen Kader haben wollen und daran arbeiten wir. Wir sind nicht gut beraten, die kommenden Monate mit Angst anzugehen, im Gegenteil: Wir haben klare Vorstellungen. Wir haben mit der Mannschaft gesprochen und ihr signalisiert: Es geht hier weiter. Mit den Leistungsträgern, die wir nächstes Jahr brauchen, werden wir intensive Gespräche führen. Wir wollen Spieler halten, werden den Kader aber auch verkleinern müssen. Wir werden alles dafür tun, am Ende eine gute Mannschaft auf den Platz zu bringen."

Welchen Etat wird der FCK nächstes Jahr zur Verfügung haben und welches Saisonziel ist realistisch?

Soeren Oliver Voigt: "Wir wollen natürlich eine sportliche Entwicklung sehen, denn die aktuelle Tabellensituation kann nicht unser Anspruch sein. Eine Prognose zur jetzigen Zeit wäre aber rein spekulativ. Wir werden auf Basis dessen was möglich ist und in enger Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss unsere Ideen vorstellen. Wir bleiben aber diejenigen, die entscheiden. Das ist der Vorteil der Eigenverwaltung, dass wir nicht ferngesteuert werden."

Welche Risiken birgt eine Insolvenz des FCK?

Dirk Eichelbaum: "Das Insolvenzeröffnungsverfahren endet am voraussichtlich 31. August oder 01. September 2020. Bis dahin erhält der FCK Insolvenzgeld. Danach würde das reguläre Insolvenzverfahren beginnen. Dann muss die FCK-Kapitalgesellschaft alle Kosten wieder selbst bestreiten. Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass es nicht gelingt, bis dahin eine Einigung mit Gläubigern und Investoren erzielt zu haben und die KGaA das dann nicht kann. Ich bin aber sehr optimistisch, dass es gelingt."

Wie konkret sind die Verhandlungen mit potentiellen Investoren, die beim FCK einsteigen wollen?

"Die Hoffnung, dass wir jetzt frisches Eigenkapital über die Investoren einsammeln werden, ist nicht unbegründet. Ganz im Gegenteil: Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten sehr gute Gespräche weiterführen werden. Aber es ist ein langer Weg", sagt Soeren Oliver Voigt.

Wie der Verein in einer Pressemitteilung heute mitteilte, erreichten den Klub gerade erst zwei "konkrete Offerte(n) in beträchtlichem Umfang" von potentiellen Investoren, die aber wie alle anderen interessierten Geldgeber eine Schuldenreduzierung zur Bedingung machen. Voigt: "Wir haben diese Angebote sehr kurzfristig erhalten. Sie sind noch nicht verhandelt, es handelt sich also noch um eine einseitige Offerte. Das große Interesse an der Marke FCK ist aber zu spüren. Jedoch wurden immer wieder auf die großen finanziellen Altlasten hingewiesen, die erst getilgt werden müssten. Wir haben bis heute keine Absagen erhalten, nur Corona bedingte Aussagen, dass sich Investoren jetzt erst einmal um sich selbst kümmern müssten." Bei den zwei neuen Investoren-Kandidaten handelt es sich laut Voigt nicht um die früher schon beim FCK im Gespräch gewesenen Flavio Becca oder Mikhail Ponomarew.

Kann der FCK e.V. in die Insolvenz mit hineingezogen werden?

Theoretisch schon. Alle FCK-Verantwortlichen wollen das aber unbedingt vermeiden. Soeren Oliver Voigt: "Wir werden alles daran setzen, den e.V und die Betze Anleihe II aus der Insolvenz herauszuhalten. Wir können in der jetzigen Situation aber nicht mehr alle Risiken ausschließen."

Was ist mit dem Geld, das die Fans durch das Crowdlending "Kapilendo" und die neue Betze-Anleihe in den Verein investiert haben?

Hier muss unterschieden werden zwischen der Betze-Anleihe I, der Betze-Anleihe II und dem eingesammelten Geld über Kapilendo.

Dirk Eichelbaum: "Das Geld der Betze-Anleihe I besteht noch aus einem Restbetrag, für die auch de e.V. haftet. Die Betze-Anleihe II wird erst in zwei Jahren fällig, hier hat der Verein also noch etwas Zeit, um eine Lösung zu finden. Bei den Kapilendo-Gläubigern sieht das allerdings etwas anders aus. Sie finden sich im Insolvenzverfahren wieder und müssen genauso wie alle anderen Gläubiger behandelt werden."

Eine Chance, dass Fans doch noch etwas von ihrem Geld sehen, besteht laut Eichelbaum aber doch: "Sollten andere Gläubiger sich bereit erklären, den Anteil der Insolvenzquote - also das was die Gläubiger nach der Insolvenz an Restgeld erhalten, für die Fans höher zu gestalten, wäre das möglich. Wir werden das versuchen."

Abgesehen davon, plant der Verein etwas, um den Fans seinen guten Willen zu beweisen und ihnen zu signalisieren, dass man ihre Unterstützung nicht vergessen hat: "Wenn Corona es wieder zulässt, ist eine Entschädigungsveranstaltung für die Fans geplant, die bei Kapilendo gezeichnet haben. Der Verlust wird aber nicht komplett aufgewogen werden", so Eichelbaum.

Inwieweit wirkt sich der Antrag der Insolvenz auf die Verträge mit der Stadiongesellschaft und die zukünftige Stadionpacht aus?

Noch gar nicht. Der Stadtrat hat im März die Reduzierung der Stadionpacht auf 625.000 Euro für die nächsten zwei Jahre beschlossen, der Verein hat diesen Pachtvertrag aber noch nicht unterschrieben. Sollten nach der Sanierung potentielle Investoren beim FCK einsteigen, könnte der Verein die Stadionmiete auch leichter stemmen. Der Verein steht derweil in Verhandlungen mit der Stadt und Oberbürgermeister Klaus Weichel.

Soeren Oliver Voigt dazu: "Ich habe noch heute Morgen mit Dr. Weichel telefoniert. Wir wollen eine enge Beziehung zur Stadt und sind kurz vor Vertragsunterschrift unter die schon verabschiedete Stadionpacht. Ich bin optimistisch noch vor dem 01. Juli das ganze Thema abgeschlossen zu haben."

Hat die Insolvenz Auswirkungen auf die immer noch nicht geöffnete Fan-Säule?

Soeren Oliver Voigt: "Nach wie vor spielt die Fan-Säule eine sehr wichtige Rolle für uns. Aber wir wussten, dass die Situation schwierig wird. Genau deshalb wollten wir ja die Fan-Säule nicht früher öffnen. Am Ende wäre Geld aus der Fan-Säule in die Insolvenzmasse geflossen - das wäre das total falsche Signal gewesen. Wir sind jetzt dabei, Wege vorzubereiten, es in der Zukunft möglich zu machen. Wann, das ist jetzt aber noch nicht absehbar."

Gibt es für Fans jetzt noch Möglichkeiten, den Verein finanziell zu unterstützen? Und ist das überhaupt sinnvoll oder fließt das Geld dann direkt durch auf die Konten der Gläubiger Quattrex und Co.?

Jein. Der Verein bietet weiter die Möglichkeit an, Geistertickets zu erwerben. Auch Fanartikel-Verkäufe bringen dem Verein natürlich weiter Geld. Allerdings werden diese Einnahmen nun mehr zum Druckmittel, als zum Eigenkapital.

Soeren Oliver Voigt: "Alle Einnahmen aus Tickets und Merchandising helfen weiter dem Verein und gehen erstmal nicht an Gläubiger. Das Geld der Fans hilft, unsere Verhandlungsposition gegenüber den Gläubigern zu verbessern."

» Zum Video: Die komplette Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Lage des FCK

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Redaktion

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: Der FCK beantragt eine Insolvenz in Eigenverwaltung

Kommentare 600 Kommentare | Empfehlen Artikel weiter empfehlen | Drucken Artikel drucken