
Aufsichtsrat Bernhard Koblischeck erklärt Rücktritt
Nur vier Wochen nach seiner Wahl in den Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern hat Bernhard Koblischeck (61) heute seinen Rücktritt erklärt. Der Telekom-Manager prangert in seiner Mitteilung Missstände an, die er nicht länger mittragen wolle.
Die Rücktrittserklärung von Bernhard Koblischeck im Wortlaut:
Hiermit möchte ich Sie darüber informieren, dass ich als Aufsichtsratsmitglied und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V. heute, 26. März 2021 mit sofortiger Wirkung zurücktreten bin.
Wegen zahlreicher Vorkommnisse, über die ich in den ersten 4 Wochen meiner Tätigkeit Kenntnis erlangt habe, bzw. die mir zur Kenntnis gebracht worden sind, vor allem aber wegen angetroffener und fortgeführter Verhaltensmechanismen diverser Gremien im Verein, sehe ich mich zu diesem Schritt gezwungen. Dabei handelte es sich um Vorgänge, die ich weder mit meinem gelebten Werteverständnis noch mit meinem Verständnis von Recht und Gesetz in Einklang bringen kann.
In einem Umfeld, in dem den Mitgliedern vor der Jahreshauptversammlung bekannte und relevante Sachverhalte vorenthalten werden, obwohl sie möglicherweise Einfluss auf die Wahl und die Entlastung der zur Wiederwahl angetretenen Organe hätten haben können und in Gremien, denen jegliche Kraft fehlt, einen ordentlich getroffenen Beschluss zur Umsetzung zu bringen, kann ich nicht als Organ Kontrolle und Aufsicht führen.
Daher habe ich nach reiflicher Überlegung für mich die Entscheidung getroffen, mein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung niederzulegen; denn die Verantwortung für mögliche Konsequenzen der Handlungen der bisherigen und derzeitigen Führung und Aufsicht kann und möchte ich nicht mittragen.
Missstände verändern kann man nur, wenn auch die Mehrheit der Gremien verändern möchten. Das Gefühl, dass die Gremien das wollen oder können, hatte ich zu keinem Moment. Das Gefühl dagegen, dass alle Fans, Mitglieder und viele tolle Mitarbeiter im Verein die Veränderung wollen, hatte ich dagegen zu jeder Zeit. Das überwältigende Ergebnis meiner Wahl durch die Mitglieder bestätigte das eindrucksvoll.
Eine Zerreißprobe, wäre letztendlich unausweichlich gewesen. Dies kann und möchte ich dem Verein in seiner schwierigsten Situation seit Bestehen nicht zumuten. Insofern habe ich mit meinem Rücktritt den Platz frei gemacht. Damit können die bisherigen und wieder gewählten Aufsichtsratsmitglieder kontinuierlich an ihrem eingeschlagenen Weg festhalten. Dass dieser Weg bislang erfolgreich war, teile ich in keiner Weise und wird auch durch das für jeden offensichtliche Ergebnis nicht sichtbar.
Ich wünsche uns allen den sportlichen Erfolg noch in dieser Saison, an den ich nicht aufhöre zu glauben, solange wir es noch selbst in unserer Hand haben.
Dem 1.FC Kaiserslautern wünsche ich die Existenz auch in der Zukunft.
Mit sportlichen Grüßen
Bernhard Koblischeck
Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Koblischeck: "FCK wieder zu großem Ganzen machen" (Der Betze brennt, 22.02.2021)
Ergänzung, 15:34 Uhr:

Johannes Remy rückt in den FCK-Aufsichtsrat nach
Nach dem heutigen Rücktritt im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern wird Johannes B. Remy in das Gremium nachrücken. Das bestätigte der 50-Jährige auf DBB-Nachfrage. Auch der zurückgetretene Bernhard Koblischeck äußerte sich nochmal.
"Natürlich sehe ich mich in der Pflicht, das Amt anzunehmen", erklärte Remy gegenüber Der Betze brennt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Keßler wird nun Kontakt zum Nachrücker aufnehmen und ihn in das Gremium berufen. Danach folgt die offizielle Bestätigung durch den Verein.
Mit Remy könnte auch ein alter Vorschlag neuen Rückenwind bekommen, nämlich die Erweiterung des FCK-Beirats von fünf auf maximal neun Personen. Damit könnten weiterhin alle fünf Mitglieder des Aufsichtsrats zugleich im mächtigen Beirat der ausgegliederten Kapitalgesellschaft sitzen - andernfalls müssten demnächst zwei gewählte Aufsichtsräte ausscheiden, um die Plätze für Vertreter der Investoren freizugeben. Nach DBB-Informationen war die Besetzung des Beirats einer von mehreren Knackpunkten, die zum heutigen Rücktritt des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Koblischeck geführt haben.
Remy: "Sehe mich in der Pflicht" - Koblischeck: "Darf nicht mehr sagen"
Auch Bernhard Koblischeck äußerte sich auf Nachfrage von Der Betze brennt nochmal kurz, wollte aber nicht viel genauer auf die Gründe für seine überraschende Demission eingehen. Zuvor hatte er Vorgänge innerhalb der FCK-Gremien angeprangert, die weder mit seinem Werteverständnis noch mit seinem Verständnis von Recht und Gesetz in Einklang zu bringen seien. Ergänzend sagte Koblischeck: "Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich mir bewusst, was es heißt, Aufsichtsrat und Geheimnisträger zu sein. Ich würde gerne mehr dazu sagen, aber ich darf es nicht. Der Fokus sollte jetzt zunächst ohnehin nur auf eines gerichtet werden, und das ist der sportliche Klassenerhalt unserer Mannschaft in der 3. Liga."
Bei der Aufsichtsratswahl am 26. Februar 2021 war Bernhard Koblischeck mit 1.717 Stimmen auf Platz 3 gelandet, Johannes B. Remy (762 Stimmen) wurde Sechster und damit erster Nachrücker. Weiterhin im Aufsichtsrat sitzen Martin Weimer (1.871), Rainer Keßler (1.845), Markus Merk (1.715) und Fritz Fuchs (1.066). Im Falle weiterer Rücktritte wären Valentin Helou (358) und Carsten Krick (209) die nächsten Nachrücker. In den Beirat der FCK Management GmbH sollen von Seiten der Investoren Klaus Dienes und Giuseppe Nardi rücken.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 27.03.2021:

Interne und externe Prüfung: Gremien nehmen Stellung
Die Vorsitzenden der Gremien des 1. FC Kaiserslautern e.V. sehen sich veranlasst, den erneuten Unruhen rund um den Verein entschieden entgegenzutreten. In der aktuellen Situation bedarf es ausschließlich einer Konzentration auf das sportliche Überleben in der 3. Liga.
Im Mitgliederinteresse versichern die Vorsitzenden der Gremien, dass die öffentlich gemachten Anschuldigungen die Gremien erreicht haben und dort in intensivem Austausch intern, sowie durch externe Juristen bewertet und aufgearbeitet werden. Da es sich bei der öffentlich gemachten Sache um eine Personalangelegenheit handelt, wird der Verein keine weiteren öffentlichen Verlautbarungen abgeben. Um weitere Rechtssicherheit zu erlangen, hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 13. März 2021 einstimmig beschlossen, eine weitere externe und neutrale Prüfung der Sachverhalte in Auftrag zu geben. Diesem Beschluss stimmt auch der Vorstand zu.
In diesem Zusammenhang haben wir den Rücktritt unseres Kollegen Bernhard Koblischeck von seinem Amt als Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern e.V. zur Kenntnis genommen.
Der Ehrenrat des 1. FC Kaiserslautern e.V.
Der Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern e.V.
Der Vorstand des 1. FC Kaiserslautern e.V.
Quelle: fck.de
Ergänzung, 29.03.2021:

Hielt gerade einmal vier Wochen: Der gewählte FCK-Aufsichtsrat mit Fritz Fuchs, Bernhard Koblischeck, Rainer Keßler, Markus Merk und Martin Weimer.
Kummt Senf druff
Zum Wohle des Vereins?
Dem FCK stehen sportlich entscheidende Wochen bevor: Bleibt er dem Profifußball erhalten oder muss er runter in die Amateurklasse? Doch hinter den Kulissen geht es um Machtspiele, Einmischungen und gekränkte Eitelkeiten. Dabei gibt es nur Verlierer, meint DBB-Autor Gerrit.
Die Länderspielpause hätte der 1. FC Kaiserslautern für Vieles nutzen können. Er hätte sich darauf konzentrieren können, seine Einstellung im Abstiegskampf zu überdenken. Er hätte sich daran versuchen können, ein Gemeinschaftsgefühl, ja einen Schulterschluss mit den Fans zu entwickeln, um die mittlerweile sieben Punkte Rückstand - bei einem Spiel weniger - auf das rettende Ufer noch aufzuholen. Doch was macht der Klub, der sich gerne als Verein Fritz Walters "vermarktet"? Er dreht sich wieder einmal nur um sich selbst. Zerfleischt sich und beweist, dass er in Teilen schon im Reich der Amateure angekommen zu sein scheint. Dabei geht es zur Abwechslung einmal nicht um die Mannschaft. Sie ist seit der 0:1-Schmach in Magdeburg täglich bis zu dreimal auf dem Trainingsplatz und legt den Fokus auf das Wesentliche. Ob es noch was hilft, wird sich zeigen.
Der Brief des Boris Notzon: Brisant und doch nicht überraschend
Ein schon fünf Wochen alter interner Brandbrief von Ex-Sportdirektor Boris Notzon sorgt seit drei Tagen für Wirbel. Dieser bemängelt das Eingreifen von Investor Klaus Dienes und dem Beiratsvorsitzenden Markus Merk ins operative Geschäft sowie die öffentliche Demontage seiner Person rund um die Verpflichtung von Trainer Marco Antwerpen. Aufsichtsratsmitglied Bernhard Koblischek - erst vor vier Wochen in das Gremium gewählt - wollte unter anderem diese Vorwürfe juristisch prüfen lassen, scheiterte jedoch an Widerständen innerhalb der Gremien und trat daraufhin zurück. Die siebenseitige Analyse Notzons ist brisant, aber nicht überraschend. Vieles davon war hinlänglich bekannt - auch schon vor der Jahreshauptversammlung am 26. Februar, etwa durch eine entsprechende Veröffentlichung von Notzons Vorwürfen im "Kicker", welche als Meldung auch hier auf DBB geteilt wurde. Gleiches gilt für die berufliche Tätigkeit von Aufsichtsrat Martin Weimer, die ebenfalls auf DBB schon vor der JHV thematisiert wurde. Daraufhin hätte etwa Ex-Aufsichtsrat Jörg Wilhelm auf der Versammlung von seinem Rederecht als letztjähriger Funktionär Gebrauch machen und die Herren damit konfrontieren können. Warum tut er es stattdessen erst nach der Neuwahl, eine Woche später? "Anonyme" Gedichte helfen dem FCK in seiner aktuellen Situation jedenfalls auch mit Sicherheit nicht.
Das Problem ist der Zeitpunkt: Der Fokus muss jetzt auf den Sport!
Notzon klagt auch absolut zu recht, dass es ein großes Übel sei, dass beim FCK immer wieder derartige Interna an die Medien gelangen und damit rein persönliche Interessen forciert werden. Dass ausgerechnet sein internes Schreiben an die Gremien jetzt öffentlich wird, passt dabei ins Bild. Es zeigt aber leider auch die Doppelmoral, die am Betze schon lange um sich greift. Als beispielsweise im Zuge der Investorensuche immer wieder Interna an die Boulevardpresse gelangten, herrschte allgemeiner Konsens, das dies ein Unding sei. Zu recht. Werden aber Details bekannt, die die jeweils andere Seite in schlechtem Licht darstellen lassen, ist eine Veröffentlichung plötzlich gern gesehen. Und das in einer Phase, in der es notwendig wäre, der Mannschaft jedwede Ablenkung zu nehmen. Sie zu unterstützen, bis der Abstiegskampf rechnerisch entschieden ist.
Aufklärung ist notwendig, aber es gibt auch Grenzen in der Familie
Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Die Zustände beim FCK sind - sollten sich die Anschuldigungen als wahr herausstellen - zu verurteilen und einem professionell geführten Fußballklub nicht würdig. Weder ein Aufsichtsrat noch ein Investor haben im operativen Geschäft Entscheidungen zu treffen. Auch die völlig inhaltsleere Stellungnahme der FCK-Gremien verbessert dieses Bild keineswegs. Amtsträger aber unflätig zu beleidigen - wie in einem in WhatsApp-Gruppen kursierenden Video geschehen, wo das Bild von Markus Merk mit dem Songtext "Halt dein Maul, du dummes Schwein" unterlegt ist - hat mit den so oft zitierten Werten Fritz Walters ebenso wenig zu tun. Es braucht Aufklärung, ja, und es braucht grundsätzlich auch Transparenz über kritische Vorkommnisse im Verein. Aber nicht inmitten des Saisonfinales. Für die verbleibenden zehn Spiele verdient die Mannschaft, der Trainer und auch der neue Geschäftsführer noch einmal volle Rückendeckung, um den Super-Gau doch noch zu verhindern. Von den Fans, aber auch vom inneren Zirkel des Vereins, von der ganzen FCK-Familie. Denn schon der Schriftsteller Heinrich Zschokke wusste: "Zwietracht ist die Vernichtung aller Kraft." Und Kraft brauchen wir jetzt. Mehr denn je. Andernfalls heißt der Verlierer am Ende nicht nur Merk oder nur Wilhelm - sondern vor allem 1. FC Kaiserslautern.
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Gerrit Schnabel
Ergänzung, 29.03.2021:

FCK-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Erfurt; Foto: FCK
FCK-Vorstand tritt Koblischecks Vorwürfen entgegen
In der von Bernhard Koblischeck am Freitag, 26. März 2021 veröffentlichten Presseerklärung anlässlich seines Rücktritts als Mitglied des Aufsichtsrats werden Vereinsgremien dem Verdacht ausgesetzt, gegen Gesetz und Satzung zu verstoßen. Diesem Eindruck tritt der Vorstand entschieden entgegen und sieht sich zu folgender Klarstellung veranlasst:
1. Der Vorstand hat Bernhard Koblischeck am Freitag, den 26. März 2021*, per Mail mitgeteilt, dass der Inhalt des Schreibens von Boris Notzon inhaltlich weiter aufgearbeitet und von einer neutralen und fachlich geeigneten Kanzlei juristisch bewertet werden wird. Die Entscheidung, das Schreiben von Boris Notzon juristisch prüfen zu lassen, erfolgte mit Zustimmung von Aufsichts- und Ehrenrat. Der in der Öffentlichkeit entstandene Eindruck, der FCK beabsichtige keine juristische Klärung, ist nachweislich falsch. Inhaltlich waren die Vorwürfe von Boris Notzon spätestens seit den Veröffentlichungen auf „Der Betze brennt“ am 21. Februar 2021 und im Kicker am 22. Februar 2021 bekannt.
2. Der Vorstand sah sich weiter veranlasst, gegenüber Bernhard Koblischeck am 26. März 2021 deutlich auf die gesetzlichen und satzungsrechtlichen Grenzen der Kompetenz des Aufsichtsrates und seiner Mitglieder hinzuweisen und diesen Komplex in die Prüfung gem. Ziff. 1 einzubeziehen.
Dem Vorstand ist es wichtig, Gesetz- und Satzungsverstöße auszuschließen. Werden dem Vorstand Anhaltspunkte für solche Verstöße bekannt, so werden diese von den zuständigen Gremien inhaltlich aufgearbeitet und ggf. juristisch bewertet und verfolgt. Aus diesem Grund wird der Vorstand aufgrund der wiederholten Weitergabe vertraulicher Informationen strafrechtliche Ermittlungen einleiten. Gleiches gilt für die rechtswidrige Aufzeichnung von Teilen der Mitgliederversammlung.
*in einer früheren Version dieser Meldung wurde hier Donnerstag, der 25. März 2021, angegeben. Der Vorstand bittet diesen Fehler zu entschuldigen.
Quelle: fck.de
Ergänzung, 29.03.2021:

Mitglied erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft
Nach den jüngsten Unruhen beim 1. FC Kaiserslautern in Folge des Rücktritts des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Koblischeck und des Schreibens von FCK-Sportdirektor Boris Notzon an die Führungsgremien des Vereins, droht weiteres Ungemach. Nach Informationen des Wochenblatts Kaiserslautern hat ein langjähriges Mitglied des 1. FC Kaiserslautern am 28. März Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken gestellt.
Der Anzeigenerstatter sehe einen Anfangsverdacht im Hinblick auf mögliche Verstöße gegen den Paragraphen 404 Abs. 1 Nr. 1 Aktiengesetz ("Verletzung der Geheimhaltungspflicht") und den Paragraphen 400 Aktiengesetz ("Unrichtige Darstellung") gegeben. (…)
Quelle und kompletter Text: Wochenblatt
