Saisonrückblick 2017/18, Teil 2

Die Rückrunde: Unerfüllte Hoffnungen

Die Rückrunde: Unerfüllte Hoffnungen


Sorgen um Jeff Strasser, Wechselspiele im Vorstand, neue Spieler und Gesichter, ein großer Zusammenhalt - und am Ende doch unerfüllte Hoffnungen auf das Wunder. Die Rückrunde 2017/18 hielt den 1. FC Kaiserslautern in Atem. Am Ende stand der erste Abstieg in die 3. Liga. Teil 2 unseres Saisonrückblicks.

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Mit nur zwölf Punkten auf dem Konto hatte der 1. FC Kaiserslautern nach einer katastrophalen ersten Saisonhälfte auf dem letzten Platz überwintert. Um dem Abstieg doch noch zu entgehen, wollte sich der FCK "in allen Linien" verstärken. In der Winter-Transferphase kamen die beiden Ex-Lautrer Ruben Jenssen und Halil Altintop sowie als neuer Abwehr-Anker Jan-Ingwer Callsen-Bracker. War mit diesen überraschend starken Transfers das Wunder möglich?

Vorstand Gries geht - Sorgen um Strasser

Abseits des Rasens tat sich auch etwas: Der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries verließ relativ überraschend den Traditionsklub. Der Marketingfachmann, der seine Arbeit im Frühling 2017 aufgenommen und vielversprechend begonnen hatte, hinterließ viele unerfüllte Wünsche und Ziele. Der im Dezember auf vier neuen Posten zusammengestellte Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Patrick Banf sah viel Arbeit vor sich. Mit Klaus Drach als neuem Marketingdirektor und Vorstand Martin Bader besetzte das Kontrollgremium im Januar schließlich zwei Stellen neu. Dass allerdings beide Personalien zunächst in den Hintergrund rückten, lag an etwas anderem.

Das "Endspiel" bei Darmstadt 98 warf seine Schatten voraus - und sollte die Pfälzer lange beschäftigen. Eine Niederlage hätte einen Rückstand von zehn Punkten auf den Relegationsplatz, den Darmstadt besetzte, für die Roten Teufel bedeutet. Mit maximaler Anspannung ging es in die Partie am Böllenfalltor. Doch nach 45 Minuten waren alle Gedanken an den Abstiegskampf Nebensache. Merkwürdig lange hatte sich die Halbzeitpause ausgedehnt. In der aufkeimenden Unruhe im Stadion verbreitete sich schließlich eine Nachricht rasend schnell: "Ein medizinischer Notfall" bei FCK-Trainer Jeff Strasser sei für die Verzögerung verantwortlich.

Tatsächlich fuhr der Luxemburger kurz darauf unter lautem Applaus des gesamten Stadions im Krankenwagen aufgrund von Herzproblemen in die Klinik. Die Partie wurde beim Stand von 0:0 abgebrochen. Noch am selben Abend gab es aus ganz Deutschland von Fans, Vereinen und Prominenten viele Genesungswünsche.

Strasser kommt nicht zurück - Niederlage gegen Düsseldorf

Schnell stand fest: Jeff Strasser, der immerhin keinen Herzinfarkt erlitten hatte, würde so schnell nicht zurückkehren. Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf stand U23-Trainer Hans Werner Moser an der Seitenlinie.

Lange schien der FCK an der Überraschung zu schrauben und führte mit 1:0 gegen den Tabellenführer. Dann folgte ein Platzverweis für Torhüter Marius Müller - und alles fiel in sich zusammen. Am Ende stand eine 1:3-Schlappe und die Erkenntnis: Das FCK-Schicksal ist ein mieser Verräter.

Drei Siege in vier Spielen mit Frontzeck

Vor dem kommenden Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig präsentierte der Verein schließlich Michael Frontzeck als neuen Cheftrainer. "Wir packen das an, alle zusammen", sagte der neue Coach bei seiner Vorstellung. In seinem ersten Spiel setzten die Roten Teufel tatsächlich ein wichtiges Signal und gewannen 2:0, wobei vor allem der zuvor viel gescholtene Osayamen Osawe glänzte. Und im folgenden Heimspiel bezwangen die Pfälzer nach einer Partie voller Anspannung und purer Freude auch noch Holstein Kiel (3:1).

Gegen den SV Sandhausen (0:1) bekam die Euphorie zwar einen Dämpfer, doch solange die Westkurve sang, lebte die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Es war zwischen Mannschaft und Fans ein Zusammenhalt zu spüren. Und als im Nachholspiel in Darmstadt (2:1) tatsächlich der dritte Sieg im vierten Spiel unter Frontzeck gelang, waren sich alle einig: Der FCK ist wieder dran!

Niederlage in Aue - Willenssieg gegen Union

Ja, der FCK war nur noch einen Punkt vom Relegationsrang entfernt und die nächste Partie führte die Pfälzer zum direkten Konkurrenten Erzgebirge Aue. Dort, wo die Roten Teufel noch nie gewonnen haben, setzte es aber wieder einen Rückschlag. 1:2 geschlagen ging das ersatzgeschwächte Frontzeck-Team vom Feld. Es fühlte sich wie einen Schritt mehr an. Bei dem der FCK aber keinen Meter weiter gekommen war.

Vor dem Heimspiel gegen Union Berlin war der Druck nun wieder größer. Bei Schnee und unter Flutlicht folgte eine turbulente Partie, in der sich Mannschaft und Fans mit allem, was sie hatten, für die drei Punkte einsetzten. Dreimal kassierte das Team den Ausgleich. Mit Phillipp Mwenes 4:3 waren dann aber drei so unendlich wichtige Punkte eingetütet. Die wilde Jagd auf Platz 16, sie ging weiter.

Die Freude hält nicht lange

Mit guten Gefühlen gingen Spieler, Fans und Verantwortliche an diesem Freitagabend nach Hause. Doch der zaghafte Optimismus war spätestens zwei Tage später wie weggeblasen. Denn plötzlich begann die Konkurrenz im Tabellenkeller konstant zu punkten. Was ein wichtiger Sieg im Abstiegskampf hätte sein sollen, entpuppte sich für den FCK nur als lebenserhaltende Maßnahme. Im Auswärtsspiel bei der SpVgg Fürth war der Druck wieder gewaltig - und wie schon in Aue zwei Wochen zuvor kassierten die Lautrer eine kraftlose 1:2-Niederlage.

Immerhin: Der Schulterschluss zwischen Team und Tribüne hielt und rang allen voran Trainer Michael Frontzeck viel Respekt ab. Am nächsten Spieltag folgte ein 1:1 gegen den FC St. Pauli, das zwar in seinem Zustandekommen guttat, auf dem Papier jedoch viel zu wenig war.

Ausrufezeichen in Duisburg - Tränen in Bochum

In der letzten Länderspielpause wurden Rechenspiele angestellt: Von sieben noch ausstehenden Partien musste der FCK fünf gewinnen, meinten viele, um die acht Punkte Rückstand auf den Relegationsrang noch aufzuholen.

Immerhin: Mit einem 4:1-Sieg beim MSV Duisburg setzten die Männer in Rot ein echtes Ausrufezeichen. Auch nach den drei Punkten war mit Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz klar: Der FCK hat das Messer weiter im Nacken, sein Ziel jedoch fest im Blick. Das 1:1 gegen Jahn Regensburg am Folge-Spieltag tat da allerdings weh, auch wenn fünf Punkte trotzdem noch aufzuholen waren.

Ausrutscher durften sich die Roten Teufel jedoch nicht mehr erlauben - doch genau das passierte auswärts gegen den VfL Bochum. Trotz Führung und ganz viel Leidenschaft unterlag die Frontzeck-Elf dem VfL 2:3. Danach flossen Tränen. Nein, einfach aufgeben konnte man jetzt nicht. Aber der Klassenverbleib war nun ein ganzes Stück unwahrscheinlicher.

Tiefschlag gegen Dresden - Gewissheit in Bielefeld

Die letzten zaghaften Hoffnungen zerstörte ein weiteres schwaches Heimspiel gegen Dynamo Dresden am 31. Spieltag. Mit Trauer, Wut und Trotz registrierten alle, die es mit dem FCK hielten, bei noch drei Spielen und acht Punkten Rückstand: Der Abstieg so gut wie besiegelt, auch weil die Konkurrenten im Keller punkteten und punkteten. Die Lautrer schafften es zudem nicht, sich endlich mal vom letzten Platz zu lösen, den sie vom 10. Spieltag an durchgehend besetzt hatten.

Im vorletzten Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld allerdings schien sich die Mannschaft noch einmal nach Kräften gegen das schier Unausweichliche zu stemmen, führte in einer hochemotionalen Partie mit 2:0. Dann aber brachen die Pfälzer wieder einmal ein. Mit dem Schlusspfiff erzielte die Arminia den 3:2-Siegtreffer und besiegelte damit endgültig den Lautrer Gang in die 3. Liga. Auch wenn sich der Abstieg durch eine desolate Hinrunde und verlorene Schlüsselspiele angekündigt hatte - im Moment der Gewissheit tat es richtig weh. Tränen flossen, gebrochene Herzen.

Zwei Siege zum Abschied

Ab sofort galt der ganze Fokus der "Mission Wiederaufstieg", in erster Linie natürlich in Sachen Kader- und Personalplanung. Aber: Es waren auch noch zwei Spiele zu spielen. Und die ging vor allem das Umfeld mit einer Mischung aus Trotz, Stolz und Zuversicht an. Vor dem Rückspiel gegen den 1. FC Heidenheim, das mit 1:0 gewonnen wurde, übersang das Publikum einfach die Mannschaftaufstellung und machte wie auch im letzten Saisonspiel beim FC Ingolstadt (3:1) deutlich: "So lang's in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK!"

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Saisonrückblick 2017/18, Teil 1: Die Hinrunde: Desolate Rote Teufel

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