Spielbericht: Eintracht Braunschweig - 1. FC Kaiserslautern 1:2

Da ist das Signal

Da ist das Signal


Mit neuem Trainer und Königstransfer wollten die Roten Teufel bei taumelnden Braunschweigern Fahrt aufnehmen. Von einer Auswärtsfahrt, die fast vergessene Glücksgefühle erzeugt hat, berichtet DBB-Autor Toco.

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Woche für Woche pilgern die FCK-Fans auf den Betzenberg oder durch das Land den Jungs aus Lautern hinterher und lassen sich auch vom x-ten Rückschlag nicht beirren. Wo andere schon aufgeben, werden in Scharen die Fäuste trotzig in die Luft gereckt, die Fahnen geschwenkt und die Mannschaft nach vorne gebrüllt. Trainerwechsel, Neuanfang, Kehrtwende, neues Personal, Auswärtstouren, alles machbar. Abstieg ist ein Szenario, aber keine Option. Der Glaube an den Klassenerhalt - egal wie - ist noch nicht erloschen, wenn denn von der Mannschaft auf dem Platz ein Signal kommt.

Das erste Ausrufezeichen kommt von den Rängen

Feierlich wird es zunächst aber schon vor dem Anpfiff: 20 Jahre liegt die Gründung der "Generation Luzifer" zurück und in Braunschweig nimmt sich die Gruppe die Freiheit, unter tatkräftiger Mithilfe aller Gästefans, den Geburtstag zu zelebrieren. "Don't Stop Believin'" steht auf dem Spruchband, es könnte auch das Motto des FCK für diesen Tag sein. Im Block werden Luftkissen in Rot-Weiß-Rot hochgehalten und ein Hauch von Rotwein und billigem Parfüm, subtil angedeutet von Rauchtöpfen, wabert Richtung Platz, während die Mannschaften einlaufen. Herzlichen Glückwunsch, GL98!

Im 20. Ligaspiel am 21. Spieltag sorgt der Neuzugang an der Seitenlinie, Michael Frontzeck, für eine kleine Überraschung, als er Sebastian Andersson zugunsten von Osayamen Osawe aus der Startelf herausrotiert. Im Tor war Jan Ole Sievers für den gesperrten Marius Müller gesetzt und Stipe Vucur darf für den angeschlagenen Marcel Correia in der Abwehr ran. Was wird er bringen, der erneute Neuanfang bei den Roten Teufeln?

Der erste Torabschluss gebührt noch den Hausherren, doch nur wenige Minuten später zappelt der Ball im Netz der Braunschweiger. Lukas Spalvis köpft in der fünften Minute nach Borello-Flanke zur Lautrer Führung ein, die tonnenweise Last von den Schultern nimmt. Die kollektive Erleichterung kanalisiert sich in einem ohrenbetäubenden Aufschrei und die Koordinierung der Fangesänge gerät danach zum Kinderspiel. Laut, wild und unbeirrt peitschen die Lautrer Fans ihre Mannschaft nach vorne. Auf dem Platz wiederum kämpft die Mannschaft füreinander, bügelt Fehler der Mitspieler aus, rennt und ackert und verdient sich immer wieder Szenenapplaus der eigenen Anhänger. Am Ende laufen die Roten Teufeln den Löwen aus Braunschweig fast acht Kilometer davon: 123,32 vs. 115,53 Kilometer, der FCK zeigte an diesem Wochenende die höchste Laufleistung im gesamten deutschen Profifußball.

Ein Doppelpack sorgt für fast vergessene Glücksgefühle

In der 35. Minute wird es für die Gästefans bei einem Eckball noch unübersichtlicher als für die Gastgeber. Als jedoch Spalvis die Arme abspreizt und zur Eckfahne "fliegt", dämmert es dem Anhang, dass der Ball hinter der Linie gelandet sein muss. Ein Zappeln im Netz ist für die FCK-Fans auf der anderen Seite des Stadions zwar nicht zu erkennen, aber auch die Anzeigetafel würdigt den Doppeltorschützen. Und genau genommen weiß man gar nicht wohin mit der Freude: Eine 2:0-Führung gab es in dieser Saison nicht oft. Doch mit einem verdienten 2:0 geht es in die Halbzeitpause. Einfach wow!

Die Ansprache des fünften Trainers dieser Saison in der Kabine verfehlt ihre Wirkung nicht. Die Männer in Rot stellen die Braunschweiger im blau-weißen Karnevalskostüm vor einige Rätsel und glänzen mit gefährlichen, aber leider erfolglosen Spielzügen. So kehrt auch etwas Nervosität im Gästeblock ein, während sich das Spiel stetig mehr dem Lautrer Tor nähert. Mit der Hereinnahme von Rückkehrer Halil Altintop steigt aber die Hoffnung auf drei wichtige Auswärtspunkte. Den letzten Treffer des Spiels erzielen aber die Gastgeber und sorgen noch mal für großes Zittern: In der 72. Minute überwindet Suleiman Abdullahi FCK-Torwart Sievers. Bis dahin und danach hält die Nummer 1 mit der Nummer 32 den Kasten sauber. Auch in höchster Not und trotz fünf Minuten Verlängerung halten die Roten Teufel dem Druck stand, hauen sich voll rein und haben endlich auch mal das Quäntchen Glück.

Nachdem Schiedsrichter Alexander Sather das Spiel abpfeift, steht der 1. FC Kaiserslautern zwar noch immer auf Platz 18 der zweiten Liga, aber das ist erstmal egal. Im Gästeblock feiern die Fans ihre Mannschaft und das Signal, dass diese geben mit einer gemeinsamen Welle. Der Sonderapplaus aus dem Block gebührt Jan Ole Sievers, der nur zögerlich vor sein Team tritt und von Ruben Jenssen vor die Kurve geschubst werden muss. Zusammen ist es gelungen, einen ambitionierten Gegner in den Abstiegsstrudel zu ziehen. Jetzt folgen erstmal zwei wichtige Heimspiele und dann zwei Partien gegen direkte Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel. Heizen wir doch einfach dem Rest der Liga ein, und dann lasst uns am 30. Spieltag in Richtung Tabelle gucken!

Autor: Toco

Weitere Links zum Thema:

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