Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Dynamo Dresden 0:1

Zwischen Trauer, Wut und Trotz

Zwischen Trauer, Wut und Trotz


Nach wochenlangem Aufbegehren gegen das scheinbar Unvermeidliche fehlen Mannschaft und Betze am Ende irgendwie die Kraft. Nach dem 0:1 gegen Dynamo Dresden ist der 1. FC Kaiserslautern so gut wie abgestiegen. Leid tun können einem vor allem die Fans.

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Ob gewollt oder zufällig: Auf jeden Fall passend zur allgemeinen Stimmungslage griff der Stadion-DJ im Fritz-Walter-Stadion in der Halbzeitpause zur Scheibe "In the end it doesn’t even matter" von Linkin Park. "I tried so hard. And got so far. But in the end it doesn't even matter" - "Ich habe es so sehr versucht. Und bin so weit gekommen. Aber jetzt, zum Schluss, spielt das auch keine Rolle mehr": Besser als mit diesen Zeilen kann das Stimmungsbild eines FCK-Fans, ja des ganzen Vereins in den vergangenen Monaten kaum beschrieben werden.

Ein trauriger Tag: Der Abstieg steht so gut wie fest

Tatsächlich haben Trainer Michael Frontzeck, seine Spieler, vor allem aber der leidensfähige Anhang des Pfälzer Traditionsvereins alles versucht. Sie haben angekämpft gegen die riesige Hypothek der völlig vermasselten Hinrunde, sind mit Tausenden zu den Auswärtsspielen in Darmstadt, Fürth, Duisburg oder Bochum gefahren. Sie haben Siege eingefahren, Hoffnung geschöpft, aber letztlich auch zu viele Rückschläge kassiert. Den letzten an diesem sommerlichen April-Sonntag in der 79. Minute gegen Dynamo Dresden, als Erich Berko den 1:0-Siegtreffer für die Gäste erzielte. Der vierfache Deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern spielt in der kommenden Saison mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur noch drittklassig. Der 22. April 2018 ist ein trauriger Tag in der langen Geschichte des FCK.

Dass er nicht das Ende bedeuten muss, zeigten die Anhänger der Roten Teufel aber auch an diesem 31. Spieltag. "Lautern ist der geilste Klub der Welt", intonierten die FCK-Fans vor dem Anpfiff. Als ob sie noch irgendjemanden überzeugen müssten, dass die Hoffnung auf das Wunder auf dem Betze immer noch irgendwie am glimmen war.

Erfahrung gefragt: Albaek und Altintop in der Startelf

Trainer Frontzeck stellte die Mannschaft zum Teil verletzungsbedingt auf vier Positionen um, zog bei der Aufstellung offensichtlich aber auch die Faktoren Druck und Erfahrung in Betracht. Schließlich fand sich neben dem erwarteten Halil Altintop auch erstmals seit September Mads Albaek in der ersten Elf wieder, der im zentralen Mittelfeld den Vorzug vor Youngster Nils Seufert erhielt. Vorne stürmte Lukas Spalvis von Beginn an für Sebastian Andersson, weiter hinten waren die genesenen Christoph Moritz und Leon Guwara wieder dabei. Passen musste allerdings Brandon Borrello wegen einer Knieverletzung. Ein Ausfall, der dem FCK weh tun sollte, denn ohne den quirligen Australier fehlte es dem Offensivspiel an diesem Sonntag gewaltig an Schwung.

Nach einer frühen Kopfballchance durch Spalvis warteten die 26.851 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion jedenfalls erstmal vergeblich auf weitere Möglichkeiten. Wenn auch nicht wirklich zwingend, sah es recht schnell danach aus, als könnten die Gäste aus Sachsen in dem schwachen Spiel eher einen Treffer erzielen. Zwar versuchte die Westkurve die Mannschaft immer wieder zu rütteln, zu schütteln und anzutreiben, abgesehen von einzelnen Aktionen wie etwa dem robusten Einsatz von Jan-Ingwer Callsen-Bracker in der 34. Minute kam vom Platz aber zu wenig zurück.

Bezeichnend für die vielen Fehler und Ungenauigkeiten im Spiel der Gastgeber war die riesige Konterchance in der 44. Minute, als die Lautrer mit Vier gegen Drei einen Gegenstoß liefen, Osayamen Osawe die Kugel mit einem schlampigen Pass am Ende aber fast schon herschenkte. Zur großen Ernüchterung des ersten Durchgangs hätte nur noch gepasst, wenn das Tor von Moussa Koné unmittelbar vor dem Pausenpfiff gezählt hätte. Zum Glück hatte der Assistent an der Linie ganz genau hingeschaut und die knappe Abseitsposition des Dresdners korrekt bewertet.

"Ehrmann, Ehrmann": Torwarttrainer muss auf Tribüne

Viel besser wurde es auch nach dem Seitenwechsel nicht. Guwara hatte in der 69. Minute die wohl schon beste Chance der Lautrer überhaupt, setzte seinen Schuss aber über den Kasten. Mit drei Wechseln - Sebastian Andersson, Nils Seufert und Ruben Jenssen kamen für Mads Albaek, Lukas Spalvis und Phillipp Mwene - versuchte Coach Frontzeck dem Spiel noch einmal eine neue Dynamik zu geben. Doch am Ende war alles vergeblich. Berko traf im Eins-gegen-Eins-Duell mit Marius Müller glücklich zum 0:1 und auch nach der folgenden Gelb-Roten Karte für Dresdens Marco Hartmann wurde es eigentlich nur deshalb noch einmal hektisch, weil Torwarttrainer Gerry Ehrmann nach einer verbalen Auseinandersetzung mit der Dynamo-Bank auf die Tribüne geschickt wurde.

"Ehrmann, Ehrmann", feierte die Kurve den Torwarttrainer und früheren Kultkeeper wohl auch in Erinnerung an bessere Tage. Denn spätestens als Schiedsrichter Daniel Siebert das Spiel dann um 15:24 Uhr beendete, bahnte sich die traurige Realität wieder Bahn. Der FCK ist so gut wie abgestiegen und es fällt schwer, in dieser Situation irgendeinen Trost zu finden. Vielleicht glaubt der ein oder andere ja immer noch an ein Wunder, die meisten ließen nach dem Schlusspfiff aber erst einmal ihren Frust an den vor der Kurve stehenden Spielern aus, die heute zu wenig Einsatz gezeigt hatten. Verständlich irgendwie nach den all den Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit. Irgendwie aber auch noch alles im Rahmen. Denn in den letzten Wochen sind Team und Umfeld ja tatsächlich wieder eng zusammengerückt.

So hatten am Ende nur die knapp 3.000 mitgereisten Dresdner Fans einen Grund zum lautstarken Feiern. Was auf Seiten des FCK bleibt, ist eine Mischung aus Trauer, Wut und Trotz.

Autor: Ingo

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