Im Blickpunkt: Zum Abgang von Thomas Gries

Stark angefangen und noch stärker nachgelassen

Stark angefangen und noch stärker nachgelassen


Thomas Gries hat sich verabschiedet, der FCK muss sich einen neuen Vorstands­vorsitzenden suchen. Wir blicken zurück auf die kurze Amtszeit des gebürtigen Lautrers und ehemaligen Coca-Cola-Managers.

Mehr als 40.000 Zuschauer bei einem Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern. Diese Zahl, von der man aktuell nur träumen kann, hatte Thomas Gries vor anderthalb Jahren geschafft: Zum Saisonauftakt gegen Hannover 96 pilgerten am 5. August 2016 exakt 40.021 Zuschauer ins Fritz-Walter-Stadion und sorgten für eine bundesligareife Atmosphäre. Gries war da gerade seit drei Monaten Vorstandsvorsitzender seines Heimatvereins und hatte eine vielzitierte "Aufbruchstimmung" produziert - von der heute leider nichts mehr übrig ist. Gries ist gescheitert und nimmt seinen Hut.

Gries' Ziel beim Amtsantritt: Bundesliga-Rückkehr bis 2019

Er sei 1991 gegen Barcelona dabei gewesen, wolle im Verein die alte "Winner-Kultur" etablieren und werde notfalls jeden Bäckermeister in der Pfalz besuchen, um den FCK wieder nach vorne zu bringen, hatte Gries bei seinem Amtsantritt verkündet. Das neue Vereinsmotto "Nur zusammen sind wir Lautern" wurde ausgerufen, der Teufelsrat mit Größen wie Marcel Reif gegründet, beim Stadionfest trat Mark Forster auf. Und als i-Tüpfelchen elektrisierte Gries bei seinem ersten "Flutlicht"-Auftritt die Fangemeinde auch noch mit einer angeblich möglichen Rückkehr von Miroslav Klose - es blieb unklar, ob diese Äußerung ein kluger PR-Schachzug war oder ob der Ex-Marketingdirektor von Coca-Cola sich einfach unglücklich ausgedrückt hatte. Klar formuliert hatte Gries hingegen, zusammen mit Vorstandskollege Michael Klatt und Sportdirektor Uwe Stöver, sein sportliches Ziel: Innerhalb von drei Jahren, also bis 2019, sollten die Roten Teufel wieder in die Bundesliga zurückkehren.

Als Vorstand Marketing konnte Thomas Gries zwar tatsächlich die Werbeeinnahmen erhöhen, auch weil einige zuvor verprellte Sponsoren zurückkehrten, allerdings nicht in dem erhofften Ausmaß. Als der Reifenhändler Euromaster im November 2017 via "Flutlicht" das mangelhafte Konzept des FCK beklagte, konnte Gries sich nicht an die Verhandlungen ein Jahr zuvor erinnern und antwortete lapidar, dass es sich hierbei ja sowieso nur um die Größenordnung "Herz der Pfalz-Partner" (ab 20.000 Euro und mehr pro Saison; Anm. d. Red.) gehandelt habe. Wie müssen sich bei dieser Aussage andere FCK-Sponsoren gefühlt haben - oder die Ehrenamtler der Zukunftsinitiative FCK, die dem Verein in mühsamer Kleinstarbeit neue Sponsoren im Tausend-Euro-Bereich akquirieren?

Als Vorstandsvorsitzendem fehlte Gries ein schlüssiges Gesamtkonzept

Mit der sportlichen Krise begann auch der Stern von Thomas Gries beim FCK zu sinken, schon in der verkorksten ersten Saison 2016/17. "Wo sind die Sponsoren?" - "Was macht eigentlich der Teufelsrat?" - "Warum wird das Motto 'Nur zusammen' nicht von oben vorgelebt?" - "Weshalb äußert sich der Vorstand nicht zur aktuellen Krise?" - diese und weitere Fragen waren immer häufiger zu hören und Gries wirkte immer stärker angeschlagen. Der Dreijahresplan zur Rückkehr in die Bundesliga wurde in die Tonne gekloppt, stattdessen eine Ausgliederung mit Verkauf von Anteilen als neues Wundermittel präsentiert. Ein konkretes sportliches Konzept konnte Gries jedoch nicht präsentieren, blieb trotz mehrfacher Nachfrage bei einer Informationsveranstaltung in Krickenbach Ende November eine Antwort schuldig. Für Unmutsbekundungen sorgte er auch bei der Mitgliederversammlung im Dezember, als er hartnäckige Nachfragen von Fans beiseite wischen wollte: "Wir wollen uns heute nicht mit der 3. Liga beschäftigen!" Einen Monat später folgt nun der Abgang von Gries, in beiderseitigem Einvernehmen, wie es heißt.

Mit einer nur 20-monatigen Amtszeit ist Gries einer der am kürzesten amtierenden FCK-Bosse überhaupt, selbst der farblose Erwin Göbel war länger im Amt. Die meisten Vorstandsvorsitzenden bzw. früher Präsidenten standen vier, fünf oder noch mehr Jahre an der Spitze des Fritz-Walter-Klubs. Gries konnte den Abwärtstrend des FCK nicht umkehren, er konnte ihn nichtmal anhalten, vielmehr ging es noch weiter nach unten: Die Zuschauerzahlen sind auf unter 20.000 geschrumpft, die Roten Teufel sind auf den letzten Tabellenplatz abgestürzt und müssen um ihre Existenz bangen. Thomas Gries kann man für seine persönliche Zukunft nur alles Gute wünschen - und dem FCK erst recht!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Vorstandsvorsitzender Thomas Gries verlässt den FCK (Pressemeldung FCK)
- Kommentar zum FCK: Überschätzt in schwerer See (Rheinpfalz)
- Abgangszeugnis: Schlechte Noten für Thomas Gries (SWR)

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