
Vorbericht: 1. FC Kaiserslautern - Hamburger SV
Ein Spieltag als Belohnung für den gesamten Verein
Es wartet etwas Großes auf uns. Am Traditionstag werden sich die Fans des 1. FC Kaiserslautern schon mittags in der Stadt auf das Heimspiel gegen den Hamburger SV einstimmen. Am Abend soll der Aufstiegsfavorit vor ausverkauftem Haus dann sein blaues Wunder erleben.
Es ist der 17. April 2022. Die Corona-Beschränkungen in den deutschen Stadien sind endgültig gefallen und 46.895 Fans pilgern an diesem Ostersonntag auf Deutschlands höchsten Fußballberg. Sie werden Zeuge eines unglaublichen Spiels gegen den Rivalen aus Saarbrücken, das der FCK in Unterzahl mit 3:1 für sich entscheidet. Mehrmals entwickelt der Betze an diesem Tag seine brachiale Gewalt, etwa beim Platzverweis gegen Kevin Kraus kurz vor der Pause oder bei den Toren von Terrence Boyd zum 2:1 und Kenny Redondo zum 3:1. Dieses Spiel ist der Beginn einer Reise, die in der Folge (fast) nur nach oben geht.
Zwölf Monate später schließt sich der Kreis irgendwie. Im Zweitliga-Heimspiel gegen den HSV dürfte der Hype vorläufig seinen Siedepunkt erreichen. Ein Spiel als gerechte Belohnung für Fans, Mannschaft und Umfeld. 49.327 Zuschauer werden am Samstagabend das seit Wochen restlos ausverkaufte Fritz-Walter-Stadion bevölkern, zudem bringt die Übertragung im Free-TV ein Millionenpublikum vor die TV-Bildschirme. Auch wenn es in den letzten Spielen nicht mehr so gut gelaufen ist: Mit der Saison kann man insgesamt mehr als zufrieden sein, auch wenn der FCK gerne noch ein paar Siege holen darf. Lasst uns am Samstag zeigen, dass wir der 1. FC Kaiserslautern sind! Zeigt euch von eurer lautesten Seite! Lasst den Betze nochmal mächtig brennen! Anpfiff ist um 20:30 Uhr.
Was muss man zum 28. Spieltag wissen? Hier kommen die wichtigsten Vorab-Informationen zum Heimspiel gegen Hamburg:
Der FCK: Ausgangslage und Personal
Letzter Sieg am 25. Februar, nur zwei Punkte aus fünf Spielen und fünf Auswärtsniederlagen in Folge ohne eigenes Tor.. Man kann es nicht wegdiskutieren: Der 1. FC Kaiserslautern befindet sich kurz vor Ende der Saison weiter in einer Ergebniskrise. Da ist es gut, dass nun wieder ein Heimspiel ansteht, denn auf dem Betze ist der FCK seit Mitte Oktober ungeschlagen und lieferte zuletzt eine wundersame und viel beachtete Aufholjagd gegen Heidenheim (2:2). Und da auch die anderen Teams nicht wirklich punkten können, ist der fünfte Tabellenplatz immer noch in Reichweite.
Kenny Redondo hat seinen Muskelfaserriss auskuriert und steht vor der Rückkehr in die Startelf. Aaron Opokus Einsatz ist dagegen noch fraglich. Der ehemalige Hamburger konnte nach seiner vor dem Braunschweig-Spiel (0:1) erlittenen Blessur im Oberschenkel in dieser Woche noch kein Mannschaftstraining absolvieren. Nicolai Rapp erlitt beim BTSV einen Muskelfaserriss und fällt sicher aus. Ihn dürfte Julian Niehues in der Startelf ersetzen. Aber auch Philipp Klement hat gute Chancen auf einen Einsatz von Beginn an. Gut denkbar ist, wie schon im Hinspiel erfolgreich praktiziert, eine taktische Umstellung auf eine Dreier-/Fünferkette im Defensivverbund.
Der Gegner: Ausgangslage und Personal
Der Hamburger SV und die angestrebte Rückkehr in die Bundesliga. Seit der Saison 2018/2019 eine Neverending-Story. Aber: In dieser Spielzeit könnte es mit der Rückkehr ins Fußball-Oberhaus endlich klappen. Sieben Spieltage vor Saisonende liegen die Hanseaten mit 53 Punkten auf Platz 2, zwei Zähler vor Heidenheim, sechs vor Stadtrivale St. Pauli, dem Gegner in einer Woche. Ein Ausrufezeichen setzte die Mannschaft von Trainer Tim Walter am vergangenen Wochenende, als sie Hannover mit 6:1 vom Platz fegte und dadurch nun mit dem besten Angriff der Liga auf den Betze reist. 17 der 54 HSV-Treffer steuerte der ehemalige Lautrer Robert Glatzel bei, was auch klar macht, auf wen die FCK-Abwehr besonderes Augenmerk legen sollte.
Die Abwehrspieler Javi Montero und Miro Muheim haben ihre Sperren abgesessen und stehen wieder zur Verfügung. Moritz Heyer war in dieser Woche wie Ogechika Heil erkältet, das Mitwirken beider Spieler ist noch offen. Mario Vuskovic, der wegen Dopings gesperrt ist, fehlt.
Frühere Duelle
94 Mal trafen beide Klubs bislang in der Historie aufeinander. 28 Partien gewann Lautern, 43 Mal ging Hamburg als Sieger vom Platz. Das letzte Gastspiel des HSV in Kaiserslautern liegt bereits über elf Jahre zurück. Am 31. März 2012 gewannen die Rothosen durch ein Tor von Marcell Jansen mit 1:0 beim damals schon fast sicher feststehenden Bundesliga-Absteiger aus der Pfalz. Im Hinspiel der aktuellen Spielzeit sicherte Tyger Lobinger am 08. Oktober 2022 dem FCK wenige Minuten vor dem Abpfiff einen Punkt, nachdem Andreas Luthe kurz zuvor einen Elfmeter pariert hatte.
Fan-Infos
Man muss sich etwas länger zurückerinnern, um zu erkunden, wann es zuletzt so viele Kartennachfragen für ein Heimspiel des FCK gegeben hat. Klar, da waren in der letzten Saison die Partien gegen Saarbrücken, Dortmund II und Dresden, aber das Heimspiel gegen den HSV toppt nochmal alles. Binnen vier Stunden waren alle Tickets abgesetzt, das Spiel ist seit Wochen restlos ausverkauft. Am Samstag wird es keine Tageskassen mehr geben. Auch in Hamburg war der Run auf Eintrittskarten groß, auch hier gingen die 4.600 Karten für den Gästeblock in Rekordzeit über die Ladentheke. Plus/minus 7.000 HSV-Anhänger dürften sich in und um den Gästeblock tummeln. Weil zwischen beiden Fanszenen mittlerweile mehr Respekt als Rivalität besteht, dürften hier keine größeren Probleme zu erwarten sein. Wer noch ein Ticket sucht oder anzubieten hat, kann die DBB-Kartenbörse mit fairen Preisen von Fans für Fans nutzen.
Bereits ab 14:00 Uhr treffen sich die FCK-Fans zur Einstimmung am Sankt Martins Platz. Ab 16:30 Uhr geht es dann gemeinsam per Fanmarsch zum Stadion. Wegen der Ankunft des Sonderzugs vom HSV Supporters Club und der damit verbundenen Kreisel-Sperrung soll es für den Betze-Anhang möglichst frühzeitig durch das Nadelöhr gehen. Auf dem Hinweg ist voraussichtlich zwischen 17:00 und 17:30 Uhr mit einer Sperrung zu rechnen, nach dem Spiel ist eine Sperrung zwischen 23:30 und 00:05 Uhr angekündigt.
Das Fritz-Walter-Stadion öffnet auch gegen den HSV bereits um 18:00 Uhr seine Tore, also wieder eine halbe Stunde früher als gewöhnlich. Bitte nutzt auch am Samstagabend wieder möglichst alle Eingänge, neben den gewohnt stark frequentierten Zugängen im Süden und Westen auch jene im Osten und Norden. Außer über den Gäste-Eingang können Fans mit Karten für den Heimbereich über alle verfügbaren Drehkreuze ins Stadion gelangen. Zum Einlaufen der Mannschaften ist eine große Choreographie in der Westkurve geplant. Beachtet hierzu bitte die Informationen vor den Blockeingängen und vom Vorsänger. Auch im Gästeblock ist eine Choreo angekündigt.
Die im Vorfeld der Partie angekündigte Vollsperrung der Dauerbaustelle auf der A6 an der Ausfahrt Kaiserslautern-Centrum wird verschoben, die Autobahn ist also befahrbar. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Heimspiel gegen den HSV findet Ihr auf der Homepage des FCK. Die Begegnung wird bei "Sport1" wie üblich am Samstagabend auch live im Free-TV übertragen.
O-Töne
FCK-Trainer Dirk Schuster: "Bei uns herrscht eine große Vorfreude auf das Spiel. Die Mannschaft brennt. Es ist etwas Außergewöhnliches, wenn mit dem HSV ein gefühlter Bundesligist zur Prime Time hierher kommt und die Hütte ausverkauft ist."
HSV-Trainer Tim Walter: "Wir fahren auf den Betzenberg und wollen drei Punkte holen - alles andere ist erstmal unwichtig. Wenn wir unsere Spiele gewinnen, müssen wir nicht auf die Konkurrenz schauen."
Daten und Fakten
Voraussichtliche Aufstellung:
1. FC Kaiserslautern: Luthe - Bormuth, Kraus, Tomiak - Zimmer, Ritter, Niehues, Zuck - Klement - Redondo, Boyd
Es fehlen: Basenach (Knieprobleme), Rapp (Muskelfaserriss), Weyand (Mandelentzündung), evtl. Opoku (muskuläre Probleme)
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Heyer (Katterbach), David, Schonlau, Muheim - Reis, Meffert, Benes - Jatta, Glatzel, Kittel
Es fehlen: Vuskovic (Doping-Sperre), evtl. Heyer, evtl. Heil (beide erkältet)
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Florian Reis
Vorherige Meldungen ab 10.04.2023:

Samstag, 20:30 Uhr: Nächstes Betze-Spektakel in Aussicht
Es ist einer der größten Höhepunkte nach dem Aufstieg und die Fangemeinde freut sich schon die ganze Saison darauf: Am Samstagabend empfängt der 1. FC Kaiserslautern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion den Hamburger SV.
"Kommt gegen den HSV alle nach Kaiserslautern, in das Herz der Region. Egal ob mit oder ohne Karte - ob im Stadion oder den Kneipen der Stadt. Gemeinsam wollen wir diesen Tag nutzen, um unseren Verein und seine Legenden zu feiern", lautet der Aufruf des Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern. In Lautern und den umliegenden Gemeinden lassen Spielankündigungsplakate im Old-School-Look die Vorfreude steigen. Weitere Informationen zu den geplanten Aktionen am und im Stadion folgen im Laufe der Woche. Der Betzenberg ist restlos ausverkauft und bietet - aufgrund der neugestalteten Gästeblock-Umzäunung - voraussichtlich 49.350 Zuschauern Platz. Sowohl beim FCK als auch in Hamburg waren die verfügbaren Karten innerhalb eines Tages ausverkauft. Manch ein Lautrer hat für befreundete HSVer aus der Region mit eingekauft, so dass mit plus/minus 7.000 Gäste-Anhängern zu rechnen sein könnte. Alle anderen Stadionbesucher werden die Roten Teufel nach vorne schreien und sicher nichts gegen ein ähnliches Spektakel wie beim jüngsten 2:2 gegen Heidenheim einzuwenden haben.
HSV-Coach Walter kündigt an: "Wir steigen definitiv auf"
Jene Heidenheimer sind momentan der größte Aufstiegskonkurrent der Hamburger, die ganz im Gegensatz zum FCK saumäßig unter Druck stehen: In Lautern reicht zur Verteidigung von Platz 2 wohl kein Unentschieden, sondern ein Auswärtssieg muss her, auch um danach mit breiter Brust ins noch wichtigere Stadtderby gegen das unbesiegbar scheinende St. Pauli (nur noch sechs Punkte hinter dem HSV) gehen zu können. Da sorgt auch das jüngste 6:1-Feuerwerk gegen Hannover nur kurz für Entspannung, zumal davor drei Partien ohne Sieg standen: 2:2 in Düsseldorf, 0:0 gegen Kiel, 2:4 in Karlsruhe. Die seinerzeitige Nervosität im HSV-Umfeld beantwortete Trainer-Heißsporn Tim Walter mit einer bemerkenswerten Ankündigung, die er auch vor wenigen Tagen nochmals bekräftigte: "Wir sind ganz weit weg von einer Delle und steigen definitiv auf." Wirklich? Auf dem Weg zur Bundesliga liegt jedenfalls erstmal der Betzenberg, den in dieser Saison erst zwei Gegner bezwingen konnten.
FCK hofft auf Redondo und Opoku - und erinnert sich ans Hinspiel
Die beim FCK zurzeit in aller Munde befindliche Auswärtsschwäche (fünf Spiele ohne Tor und Punkt) ist für das Heimspiel am Samstag kein relevantes Thema. Sehr wohl aber die taktische Herangehensweise: Weil der ganz große Druck wie beschrieben beim HSV liegt, kann man wohl davon ausgehen, dass Dirk Schuster erstmal wieder abwarten und auf Gegenstöße lauern lässt. Wobei natürlich viel davon abhängen wird, ob die verletzten Kenny Redondo und Ex-Hamburger Aaron Opoku rechtzeitig wieder fit werden. Auch Nicolas de Préville und Philipp Klement drängen (zurück) in die Startelf. Beim denkwürdigen 1:1 im Hinspiel hat der FCK dem HSV in dieser Saison jedenfalls schon ein Schnippchen geschlagen. Warum nicht nochmal?
Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Übersicht: Kompletter Team-Status des 1. FC Kaiserslautern
Ergänzung, 11.04.2023:
Opoku und Rapp fehlen beim Start in die Trainingswoche
Beim 1. FC Kaiserslautern hat die Vorbereitung auf das Highlight-Heimspiel gegen den Hamburger SV begonnen. Mit Aaron Opoku und Nicolai Rapp konnten zwei Akteure am Dienstag noch nicht mitwirken. Kenny Redondo steht dagegen vor dem Comeback.
Ostern ist vorbei, in vier Tagen reist der HSV zum Traditions-Duell auf Deutschlands höchsten Fußball-Berg. Rund 100 Fans haben in Vorfreude auf Samstag schon heute die Chance ergriffen, ihren Roten Teufeln bei der einzigen öffentlichen Trainingseinheit der Woche über die Schulter zu schauen. Und die Kiebitze bekamen eine intensive Einheit zu sehen, in welcher der nach dem 0:1 in Braunschweig sehr verärgerte Dirk Schuster immer wieder lautstarke Anweisungen an seine Spieler richtete.
In den rund 100 Minuten im Sportpark Rote Teufel konnte Kenny Redondo wieder von Anfang bis Ende mit seinen Kollegen schuften. Schon vergangene Woche war der Flügelstürmer, der sich Mitte März in den Spielen gegen Sandhausen und Darmstadt einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, auf den Platz zurückgekehrt, hatte jedoch größtenteils nur individuell trainiert und die Partie in Braunschweig noch verpasst. Jetzt ist die Hoffnung entsprechend groß, dass der 28-Jährige gegen die Rothosen wieder einsatzbereit ist.
Dagegen suchte man Aufbauspieler Nicolai Rapp und Flügelstürmer Aaron Opoku heute vergeblich. Beide laborieren weiter an muskulären Problemen. Rapp war in Braunschweig in der Halbzeitpause ausgewechselt worden, Opoku hatte sich vor einer Woche im Training einen Pferdekuss zugezogen und so die Reise nach Niedersachsen gar nicht erst antreten. Wann die beiden auf den Platz zurückkehren und ob sie am Samstag spielen können, ist somit weiter unklar. Für Opoku wäre die Partie eine ganz besondere, schließlich spielte er bis vor acht Monaten noch für den HSV, ehe er kurz vor Transferschluss in die Pfalz wechselte.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 12.04.2023:
Gegner-Check HSV: Wenn, dann havariert Hamburg hinten
Zum dritten Mal in vier Wochen zeigt sich der 1. FC Kaiserslautern live zur Prime Time. Der schwache Auftritt in Braunschweig kann getrost vergessen werden. Gegen den Hamburger SV ist klassischer "Schuster-Style" angezeigt, aber auch "högschde Konzentration".
So lief’s seit dem Hinspiel: Als der FCK am 11. Spieltag an die Waterkant reiste, war der HSV Tabellenführer. Und das 1:1 gegen die Roten Teufel bildete für die Hamburger den Auftakt zu einer kleinen Ergebnisflaute. Es folgten Niederlagen im Derby gegen den FC St. Pauli (0:3) und gegen den 1. FC Magdeburg (2:3). Die Hinrunde schlossen sie dennoch auf Aufstiegsplatz 2 ab. Vor dem fetten 6:1 vergangene Woche gegen Hannover 96 aber waren die Nordlichter noch gar nicht zufrieden, wie die Rückrunde bislang gelaufen war: Zu viele Unentschieden, zu viele Gegentore, und das 2:4 beim Karlsruher SC schmerzte ganz besonders. Das machte die Hanseaten auch deswegen nervös, weil schon seit vier Jahren der in der Weltstadt sehnsüchtig erwartete Wiederaufstieg in die Bundesliga vergeigt wird. Insbesondere, weil sie in der Rückrunde (und besonders im Monat April) regelmäßig nachlassen. Und vor Relegationsspielen hat vor allem Sechser Jonas Meffert einen Heiden-Horror: Drei Mal schon stand er in den Playoffs um den Aufstieg in die Erste Klasse, drei Mal scheiterte er - erst mit dem KSC, dann mit Holstein Kiel und zuletzt mit dem HSV. Nach dem Kantersieg gegen 96 scheint wieder alles im Lot an der Elbe. Doch nach dem Gastspiel in der Pfalz steht direkt das nächste Derby gegen die St. Paulianer an, die schon das ganze Jahr nur noch am Gewinnen sind. Dadurch rücken sie nach zehn Siegen in Folge nun den Top 3 der Liga schwer auf die Pelle. Der HSV steht also unter Druck, wenn er den ungeliebten Relegationsplatz von sich weghalten will - oder gar den schon drei Mal belegten Rang 4.
Das hat sich geändert: Vier Gegentore beim 2:4 gegen Karlsruhe, drei beim 3:3 in Heidenheim, zwei beim 2:2 in Düsseldorf. Das war nicht nur für Trainer Tim Walter too much, nachdem der HSV am Ende der Hinrunde mit nur 19 Gegentreffern noch die drittbeste Abwehr der Liga stellte. Das Schwächeln hatte Gründe: In Karlsruhe und in Düsseldorf fehlte Stamm-Innenverteidiger Sebastian Schonlau. Die zweite Abwehr-Säule der Hinrunde, der Kroate Mario Vuskovic, ist seit November wegen eines Doping-Vergehens gesperrt. Schonlau steht nunmehr wieder zur Verfügung, aber die Besetzung der Position daneben bereitet Walter nach wie vor Kopfzerbrechen. Noch hat er keinen weiteren Innenverteidiger auf dem Niveau des Duos Vuskovic/Schonlau gefunden. Jonas David überzeugte zuletzt trotz des glatten 6:1 gegen Hannover nicht, hätte, wenn’s dumm gelaufen wäre, nach 37 Minuten sogar Gelb-Rot sehen können, so wie der Spanier Javi Montero in der Woche zuvor. Die Leihgabe aus Istanbul entzückte den Trainer auch sonst noch nicht. Alternativen für das Gastspiel in Kaiserslautern wären der Schweizer Miro Muheim oder Moritz Heyer, der bislang als Rechtsverteidiger spielte, aber gelernter Innenverteidiger ist - FCK-Fans dürfte er noch aus seiner Zeit in Halle in Erinnerung sein. Eine Dreierkette wäre ebenfalls möglich, mit der aber hat Walter erst einmal experimentiert, beim 2:2 gegen Düsseldorf. Grundsätzlich ist der Coach ein Verfechter eines offensiven, dominanten 4-3-3.
Gewinner und Verlierer: Kürzlich hat Walter Xavier Amaechi endgültig aus seinem Kader verbannt. Den Engländer hatte der HSV 2019 für 2,5 Millionen Euro vom FC Arsenal verpflichtet, er hat jedoch nie den Durchbruch geschafft - Fehleinkäufe dieser Größenordnung muss ein Zweitligist sich erst einmal leisten können. Der drei Millionen Euro schwere Vuskovic dagegen schien ein Volltreffer zu sein - bis ihm die angesprochene Dopingsperre in die Quere kam. Die Investitionen in Jean-Luc Dompé (1,1 Millionen Euro) sowie Ransford-Yeboah Königsdörffer (1,2 Millionen Euro) lohnten sich jedoch. Gegen Hannover mussten die beiden Flügelstürmer allerdings einem wieder einmal wiedererstarkten Sonny Kittel Platz machen. Der Ex-Frankfurter spielte als Linksaußen groß auf, erzielte einen Treffer, ebenso stark präsentierte sich der zwei Mal erfolgreiche Achter László Bénes, der vergangenen Sommer für 1,5 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach kam. Da ist im Kader also viel Qualität zu Preisen, von denen der FCK nach wie vor nur träumen kann. Vor allem auf den Flügeln hat Walter die Qual der Wahl, zumal da auch noch Bakery Jatta unterwegs ist, der als Rechtsaußen normalerweise gesetzt ist. Und über den Ex-Lautrer Robert Glatzel müssen wir kein Wort mehr verlieren - 17 Saisontreffer und drei Vorlagen sprechen für sich.
Zahlen, Daten, Fakten: Seit dem vergangenen Wochenende ist der HSV nicht nur die Mannschaft, die die meisten Tore in der Liga geschossen hat - 54. Sie beansprucht auch den meisten Ballbesitz (59 Prozent im Schnitt), verfügt über die beste Passquote (85,9 Prozent), schlägt die meisten Flanken (bislang 386) und die gibt die zweitmeisten Torschüsse ab (bislang 424). Da ist nur Lokalrivale St. Pauli besser, allerdings nur einen einzigen Torschuss (Quelle: bundesliga.de). Überragender Passspieler ist Sechser Jonas Mefffert mit einer Präzision von 89,93 Prozent, und das bei Zuspielen ins letzte Drittel (Quelle: Wyscout). Nur auf den ersten Blick erstaunlich: In punkto "Eckball-Gefährlichkeit" rangiert der Tabellenzweite im Ranking von "bundesliga.de" auf dem vorletzten Platz, die Hamburger Ecken wären demnach 49 Prozent schwächer als der Liga-Durchschnitt. Lautern wiederum ist in diesem Tableau Erster, mit 48 Prozent über dem Mittel. Wie diese Werte errechnet worden sind, bleibt allerdings rätselhaft. Faktisch hat der HSV bereits sechs Treffer nach Ecken erzielt, nur zwei weniger als der FCK. Und Kopfball-Treffer (13) haben die Hanseaten sogar einen mehr gemacht als die Pfälzer (Quelle: Wyscout). Von einem wirklichen Vorteil für den FCK bei Standards und in der Luft - beides hängt ja zu einem guten Teil zusammen - ist also nicht auszugehen.
Fazit: Der FCK hat gegen die Top 3 der Liga zwar noch kein Spiel gewonnen, aber außer beim 0:2 in Darmstadt vor vier Wochen sah er gegen die besten Teams der Liga immer gut aus. Im Hinspiel hatte der HSV in den ersten 24 Minuten 80 Prozent Ballbesitz, die erste Torchance aber bot sich nach 18 Minuten Terrence Boyd per Kopf. Danach markierte Glatzel den Führungstreffer mit der ersten Hamburger Tor-Aktion überhaupt. Beim 2:2 jüngst gegen Heidenheim überließen die Roten Teufel ihren Gästen ebenfalls öfter den Ball, ließen aber bis zu deren Führungstreffer in der 51. Minute kaum etwas zu, verzeichneten selbst vielleicht keine überragenden Gelegenheiten, aber mehrere vielversprechende Ansätze. Will sagen: Am Samstagabend ist der Schustersche Underdog-Style wieder mal absolut angezeigt, während zuletzt in Braunschweig mehr Wille zur Eigeninitiative nötig gewesen wäre. Allerdings ist "högschde Konzentration" im besten Jogi Löwschen Sinne gefragt, denn der Gegner mag der bevorzugten Spielweise der Lautrer zwar entgegenkommen, verfügt aber über eine ungleich höhere individuelle Qualität als die Braunschweiger. Einmal mehr gilt: Bei allem Respekt vor den überragenden Offensivkräften der Gäste: Nicht vergessen, dass die Hanseaten ihre Schwächen in der Hintermannschaft haben. Die aber muss gestresst werden, damit sie Fehler macht. Und wenn es nur in situativen, aber gut kalkulierten Pressing-Phasen ist. Wenn dann vielleicht auch mal der Führungstreffer gelingt, ist gegen "tief stehen und auf Konter lauern" ohnehin nichts mehr zu sagen.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 12.04.2023:
Treffpunkt, Fanmarsch, Mottoschal: Infos zum Traditionstag
Noch dreimal schlafen, dann ist es soweit. Das Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern hat die Eckpunkte zum Traditionstag rund um das ausverkaufte FCK-Heimspiel gegen Hamburg bekanntgegeben.
Schon jetzt hängen in Kaiserslautern und Umgebung hunderte Spielankündigungsplakate im Retro-Style mit den Traditionslogos der beiden Bundesliga-Gründungsmitglieder. Bevor und während der 1. FC Kaiserslautern und der Hamburger SV am Samstagabend (Anpfiff 20:30 Uhr) im restlos ausverkauften Fritz-Walter-Stadion aufeinandertreffen, sind verschiedene Fan-Aktionen geplant. Die Anhänger treffen sich bereits ab 14:00 Uhr in der Innenstadt, von wo aus es gegen 16:30 Uhr gemeinsam hoch zum Stadion geht, das eine halbe Stunde früher als üblich um 18:00 Uhr öffnet. Zum Spieltag wird ein extra produzierter Schal verkauft, dessen Erlös unter anderem ans FCK-Museum gespendet wird. Weitere Infos über geplante Aktionen in der Westkurve folgen dann vor Ort im Stadion.
Die Ankündigung des Fanbündnis FCK im Wortlaut:
"Hallo FCK Fans, hier die finalen Infos zum Traditionstag:
- Treffpunkt ab 14:00 Uhr am Sankt-Martins-Platz zum gemeinsamen Einstimmen
- Am Treffpunkt, sowie später an verschiedenen Stellen rund um das Fritz-Walter-Stadion, wird es einen Mottoschal und eine zusätzliche Überraschung gegen eine Spende von 15 € geben. Bitte haltet den Betrag passend bereit.
Ein Teil des Gewinns wird an das FCK-Museum gespendet, um deren ehrenamtliche Arbeit rund um die Vereinshistorie zu unterstützen.
Wichtig: Der Schal ist aus der Fanszene für die Fanszene! Wer sich durch Weiterverkäufe persönlich daran bereichern will, muss mit Konsequenzen rechnen. - Nuff uff de Betze geht's zusammen gegen 16:30 Uhr. Schließt euch an und verzichtet bitte wie immer auf Foto- oder Videoaufnahmen. Der Spieltag findet in Kaiserslautern statt und nicht auf Social-Media.
- Im Stadion folgen weitere Infos. Bitte haltet dort Augen und Ohren offen.
Nicht nur im Fritz-Walter-Stadion sollen deswegen an diesem Tag die rot-weißen Farben präsent sein, sondern auch weit darüber hinaus. Schmückt das Auto mit eurem Schal, hängt eure Fahnen vom Balkon und aus dem Fenster oder nutzt andere kreative Wege, um eure Verbundenheit und eure ganz eigene Geschichte mit dem 1. FC Kaiserslautern zu erzählen."
Quelle: Der Betze brennt / Fanbündnis FCK
Weitere Links zum Thema:
- FCK-Fanszene ruft zum "Traditionstag" gegen den HSV auf (Der Betze brennt)
Ergänzung, 13.04.2023:
"Die Mannschaft brennt": Lautern will den HSV ärgern
Der 1. FC Kaiserslautern geht mit Vorfreude, Mut und Motivation ins Traditionsduell gegen den Hamburger SV. Kenny Redondo kann wieder mitspielen, bei Aaron Opoku wird es knapp.
"Die Mannschaft brennt, die Mannschaft ist heiß", beurteilt Dirk Schuster die Situation vor dem nicht nur von den Fans als Highlight eingestuften Spiel gegen die Hanseaten, die auf dem Betze unter Druck stehen, ihren zweiten Tabellenplatz zu verteidigen. Das ernüchternde 0:1 in Braunschweig hat der FCK-Trainer abgehakt, diese Woche aber nochmal besonderes Augenmerk auf die "Basics" gelegt, die ihm bei der fünften Auswärtsniederlage in Folge gefehlt hatten. Es habe eine deutliche und kritische Analyse mit der Mannschaft gegeben, die nun mit voller Motivation an die Aufgabe am Samstag (Anstoß: 20:30 Uhr) herangehe. Schuster: "Bei uns herrscht eine große Vorfreude auf das Spiel. Wenn ein gefühlter Bundesligist wie der HSV hier ins Fritz-Walter-Stadion kommt, dazu am Samstagabend zur Prime Time, ein Gegner, der um den Aufstieg kämpft, dann ist das etwas Besonderes. Wir wollen sauber verteidigen, mit Mut nach vorne spielen, und unsere Fans möglichst glücklich nachhause schicken."
Opoku weiter fraglich - Rapp fällt aus - Redondo wieder dabei
Der FCK bangt weiter um den Einsatz von Aaron Opoku, der nach seinem Pferdekuss von vor neun Tagen nach wie vor nur individuell trainieren kann. Schuster hat allerdings noch Hoffnung auf die Einsatzfähigkeit des Ex-Hamburgers und will hier die kommenden zwei Tage noch abwarten. Auch sonst gab es unter der Woche einige kleinere Blessuren im Team, so der Trainer, ohne konkrete Namen zu nennen. Sicher ausfallen werden Nicolai Rapp (Muskelfaserriss) und Nachwuchsprofi Aaron Basenach (Knieprobleme). Derweil hat Kenny Redondo seinen Muskelfaserriss vollständig auskuriert und ist dementsprechend wieder ein Kandidat für die Startelf.
Das Fritz-Walter-Stadion ist mit 49.327 Zuschauern restlos ausverkauft.
» Zum Video: Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV
Alle weiteren Informationen zum FCK-Spiel gegen Hamburg folgen am Freitag im ausführlichen Vorbericht auf Der Betze brennt.
Quelle: Der Betze brennt

