
Nach Rot und Gelb-Rot: 0:3-Niederlage auf Schalke
Der 1. FC Kaiserslautern hat trotz eines äußerst couragierten Auftritts bei Bundesliga-Absteiger Schalke 04 mit 0:3 verloren. Andreas Luthe und Boris Tomiak mussten dabei vorzeitig vom Platz.
Dirk Schuster veränderte seine Mannschaft zunächst auf vier Positionen: Abwehrchef Kevin Kraus kehrte in die defensive Dreierkette zurück, Julian Niehues rückte wieder nach vorne ins Mittelfeld und verdrängte dort Aaron Opoku. Im Angriff begann Neuzugang Ragnar Ache anstelle des offensiv gegen St. Pauli glücklos gebliebenen Tyger Lobinger. Außerdem feierte Tymo Puchacz sein Startelf-Debüt, Kapitän Jean Zimmer begann nach abgesessener Rot-Sperre anstelle von Erik Durm. Taktisch formierte sich das in einem 3-5-2-System.
Die Roten Teufel starteten vor 61.801 Zuschauern bei geschlossenem Dach in der Arena AufSchalke mutig und offensiv in die Partie - und hätten beinahe mit einem Paukenschlag begonnen: Nach vier Minuten war es Ache, der sich auf der linken Seite frei lief und in der Mitte Marlon Ritter fand. Der setzte sich im Zweikampf gegen Ron Schallenberg durch und zwang mit einem strammen Schuss aus 20 Metern den Schalker Keeper und Ex-Lautrer Marius Müller zu einer Glanzparade. Doch in der 13. Minute zeigte Schalke, dass sie nicht viele Chancen brauchen, um Tore zu erzielen: Tobias Raschl foulte knapp vor dem Strafraum unglücklich, den nachfolgenden Freistoß trat Thomas Ouwejan und fand in der Mitte Simon Terodde, der sich gegen Kraus in der Luft durchsetzte und zum 1:0 einköpfen konnte. Zu diesem Zeitpunkt eine durchaus glückliche Führung.
Doch auch danach versteckten sich die Männer in Rot nicht und suchten immer wieder den Weg in die Offensive. So prüfte Raschl Müller, der allerdings erneut stark zur Ecke abwehren konnte (31.). Acht Minuten später machte es sich der FCK dann aber selbst schwer: Nachdem die Defensive nach einem langen Müller-Abschlag geschlafen hatte, stürmte Andreas Luthe etwas ungestüm und unentschlossen aus seinem Kasten und foulte Ouwejan. Die Folge: Glatt Rot. Die Schuster-Elf spielte ab sofort mehr als eine Halbzeit mit einem Mann weniger. Für Luthe stand nun Julian Krahl im Tor.
Der zweite Durchgang begann mit einem optischen Übergewicht für die nun in Überzahl agierenden Hausherren. Dennoch waren auch die Gäste immer wieder in der Lage, offensive Nadelstiche zu setzen. Doch in der 57. Minute folgte dann der nächste Nackenschlag: Boris Tomiak, der in der ersten Halbzeit bereits Gelb gesehen hatte, sah nach einem unnötigen Zupfer gegen Cedric Brunner Gelb-Rot. Von nun an spielte der FCK nur noch zu Neunt. In der Folge wurde der S04 natürlich dominanter. Krahl rettete mehrfach, etwa gegen Kenan Karaman (65.). Die Entscheidung fiel dann aber in der 70. Minute nach einem Fehler von Krahl: Eine Hereingabe von Bryan Lasme ließ der 23-Jährige kurz abklatschen, den Nachschuss konnte Karaman problemlos verwandeln. Obwohl sich die Lautrer weiter aufopferungsvoll wehrten, erhöhte Lasme in der dritten Minute der Nachspielzeit sogar noch auf 3:0.
Nach der Niederlage auf Schalke steht nun in acht Tagen die 1. Runde im DFB-Pokal auf dem Programm. Dann gastieren die Roten Teufel am Sonntag beim Oberligisten Rot-Weiß Koblenz.
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Quelle: Der Betze brennt
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- Statistik zum Spiel: Schalke 04 - 1. FC Kaiserslautern 3:0
Ergänzung, 06.08.2023:

Stimmen zum Spiel
"Brutal:" Teufel zwischen Enttäuschung, Frust und Trotz
Zweites Spiel, zweite Niederlage für den 1. FC Kaiserslautern: Dabei spiegelt das 0:3 bei Schalke 04 die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nicht wirklich wider. Entsprechend groß ist der Ärger im Lager der Roten Teufel.
"Wir sind sehr gefrustet und sehr enttäuscht. Ich denke, dass wir in der ersten Halbzeit ein sehr ordentliches Spiel gemacht haben. Wir haben vorne früh gepresst, hinten gut verteidigt und wenig Chancen zugelassen. Aus einer Standardsituation haben wir dann das 0:1 kassiert. Dann kam auch noch eine Rote Karte dazu, so dass wir uns ein bisschen in die Halbzeit retten mussten, um uns zu sammeln und neu auszurichten. Es sah zu Beginn der zweiten Hälfte auch nicht ganz schlecht aus, bis dann die Gelb-Rote Karte kam und wir nur noch zu Neunt auf dem Platz standen", sagte Trainer Dirk Schuster nach der Partie und betonte, dass die Mannschaft auch nach dem zweiten Gegentreffer nicht aufgegeben habe. "Mit einem Anschlusstreffer hätten wir das Ganze noch etwas zum wackeln bringen und noch ein bisschen mehr Unruhe im Stadion schaffen können. Jetzt fahren wir mit einem 0:3 nach Hause, was sich sportlich brutal anhört. Trotzdem glaube ich, dass wir uns teuer verkauft haben. Die positiven Dinge, die wir in beiden Spielen gezeigt haben, müssen wir mitnehmen."
Krahl enttäuscht, aber: "Sorgen um uns mache ich mir nicht"
Wie schon bei der 1:2-Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen St. Pauli schwächte sich der FCK mit einigen Aktionen auch auf Schalke selbst und verlor nach dem frühen 0:1 zuerst Torwart Andreas Luthe mit Rot nach einer Notbremse und dann Verteidiger Boris Tomiak mit Gelb-Rot. "Die Mannschaft hat in der doppelten Unterzahl alles rausgehauen. Aber das ist hier auf Schalke dann einfach schwer. Beim 0:2 bin ich ehrlich gesagt etwas weggerutscht, man weiß nicht, wie es anders gelaufen wäre, das muss ich mir in Ruhe nochmal anschauen. Aber Gegentore sind immer scheiße", sagte Julian Krahl, der kurz vor der Pause für Luthe zwischen die Pfosten rückte.
"Wir hatten wie jede Woche einen guten Matchplan. Und genau wie letzte Woche haben wir das Herz auf dem Platz gelassen, da kann man den Jungs nichts vorwerfen. Die Fans waren wieder unfassbar. Das ist eine unglaubliche Motivation für uns", so der Schlussmann weiter, der den Blick auch schon nach vorne richtete: "Im Pokal gegen Koblenz will jeder weiterkommen, natürlich wollen wir auch danach gegen Elversberg gewinnen. Von vornherein zu sagen, das sind einfache Gegner, wäre fatal. Aber Sorgen um uns mache ich mir überhaupt nicht."
Raschl zur Situation vorm 0:2: “Ganz klare Ecke für uns"
Das Positive im Spiel vor über 60.000 Zuschauern auf Schalke betonte auch Mittelfeldspieler Tobias Raschl: "Wir waren komplett da. Wir haben ein besseres Spiel gemacht als gegen St. Pauli, haben gut gefightet, aber am Ende stehen wir mit leeren Händen da, deshalb bringt uns das nichts. Es war eine ganz klare Ecke für uns vor dem 2:0. Ich habe mit dem Spieler Schallenberg gesprochen, der hat es zugegeben, ich habe es dem Schiedsrichter nochmal gesagt, aber der meinte, er hätte es nicht gesehen. Da frage ich mich, wofür es Linienrichter oder den VAR gibt."
Wie seine Mitspieler schwärmte auch der Neuzugang einmal mehr von den über 6.000 mitgereisten Betze-Fans: "Die Unterstützung heute war wieder fantastisch. Das ist nicht normal. Wir stehen in der Pflicht, Punkte zu holen. Jetzt haben wir leider noch keine, deshalb ist es jetzt eine Pflichtaufgabe, im Pokal weiterzukommen. Darauf fokussieren wir uns jetzt, damit wir die Fans weiter bei uns behalten."
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Quelle: Der Betze brennt
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- Nach Rot und Gelb-Rot: 0:3-Niederlage auf Schalke (Der Betze brennt)
Ergänzung, 06.08.2023:

Blick in die Kurve
"Nur nach vorne": Betze-Fans auf Schalke mit Top-Support
In Sachen Stimmung hält das Spiel des 1. FC Kaiserslautern bei Schalke 04, was es verspricht. Die 7.000 mitgereisten Betze-Fans zeigen in der ausverkauften Arena in beiden Halbzeiten ihr Können.
Die rot-weiße Auswärts-Karawane ist wieder unterwegs und weil es der Spielplan so will, steht eines der größten Saison-Highlights gleich bei der erstbesten Gelegenheit auf dem Programm: das Auswärtsspiel in der Arena AufSchalke. Mehr als elf Jahre hat es das Duell der beiden Traditionsvereine nicht mehr gegeben und entsprechend schnell sind sämtliche der mehr als 61.801 Tickets für den Klassiker verkauft. Bei beiden Vereinen dauert es nur wenige Minuten, ehe das jeweilige Kontingent komplett vergriffen ist. Da einige Lautrer Fans auch Karten außerhalb des Gästeblocks ergattern können, sind am Ende knapp 7.000 Schlachtenbummler - die meisten wie vom Fanbündnis FCK aufgerufen im roten Trikot - im Stadion mit dabei.

Zum Spielbeginn präsentieren die Lautrer Ultras eine weitere Choreo mit einer "Kaiserslautern"-Zaunfahne, einem Banner mit dem Motto "Nur nach vorne" zwischen Ober- und Unterrang sowie roten Fähnchen und rotem Rauch. Dazwischen sind zehn einheitliche Fahnen mit FCK-Wappen integriert. Um auch die Anhänger außerhalb des mit Plexiglas eingezäunten Stehplatzblocks besser zu erreichen, haben sich einige Ultras mit Trommel und Megafon im Oberrang platziert. Das Ergebnis kann sich sehen oder besser hören lassen. Trotz der zahlenmäßig klaren Unterlegenheit ist der Gästeblock über das komplette Spiel immer wieder brachial laut zu hören und lässt auch im Angesicht der Niederlage in den Schlussminuten nicht nach. Im Gegenteil: Auch nach Abpfiff wird die Mannschaft lautstark aufgebaut und für den couragierten Auftritt beklatscht: "Ein Leben lang, woll’n wir zu dir steh’n, bis der Tod uns trennt, bis die Welt untergeht, für immer FCK!"

Die zweite Halbzeit läuten die Gästefans mit einer großen Pyroshow aus Bengalos und Silvesterfeuerwerk ein. Damit der Rauch schneller abziehen kann, öffnen die Gastgeber das aufgrund des Regens bereits am frühen Abend geschlossene Arena-Dach wieder ein Stück und lassen es auch für den Rest des Spiels etwas offen. Im Gästeblock werden während der 90 Minuten zudem zwei Spruchbänder gegen Öffentlichkeitsfahndungen nach Fußballfans ("Fußballfans sind keine Verbrecher") und gegen selbst auszudruckende Print@Home-Tickets gezeigt - gerade von dem Saison-Highlight auf Schalke hätte man als Sammler doch gerne eine richtige Eintrittskarte mitgebracht.

In der heimischen Nordkurve wird nach den vom ganzen Stadion mitgetragenen Songs "Steigerlied" und "Blau und Weiß wie lieb ich dich" ein Spruchband mit der Aufschrift “Choreoverbot aufheben sofort” gezeigt. Hintergrund ist ein im Vorfeld des Spiels ergangenes Verbot der Sicherheitsbehörden gegen eine geplante Choreografie der Schalke-Fans. Aber auch ohne optisches Highlight hat die Nordkurve einiges zu bieten und feiert am Ende den angesichts des Spielverlaufs viel zu hoch ausgefallenen ersten Saisonsieg.

Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Auswärtsspiel bei Schalke 04:
- Fotogalerie | 02. Spieltag: Schalke 04 - 1. FC Kaiserslautern
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 06.08.2023:

Von knapp Zwei bis glatt Fünf: Die FCK-Noten aus Schalke
Der 1. FC Kaiserslautern zeigt bei Schalke 04 in doppelter Unterzahl einen leidenschaftlichen Kampf. Zu viele individuelle Fehler kosten am Ende aber die Punkte, was sich auch in den Spielernoten niederschlägt.
Es war einer der Wendepunkte des Spiels: Die Lautrer Defensive hatte in einer passiven Abseitssituation kollektiv geschlafen, der wach gebliebene Schalker Thomas Ouwejan war auf dem Weg zum Tor, als Andreas Luthe aus seinem Kasten stürmte und zu spät kam. Der von seinen Vorderleuten im Stich gelassene Schlussmann hätte hierbei wohl gar nicht zwingend rauskommen müssen, und wenn, dann etwas entschlossener und schneller. So sah er die Rote Karte. Bei rund 3.000 abgegebenen Einzelnoten auf Der Betze brennt erhält der Schlussmann dafür im Durchschnitt eine glatte Fünf. Dieser Einschätzung der FCK-Fans schließen sich auch die Journalisten der "Rheinpfalz" und des "Kicker" an. Die beiden Medien bewerten auch Luthes Ersatz Julian Krahl kritisch und geben ihm ebenfalls eine Fünf. Der 23-Jährige zeigte zwar auch einige gute Paraden, beim vorentscheidenden 0:2 ließ er aber den Ball unglücklich abprallen. Die Fans sind da wohlwollender und bewerten Krahl mehr als eine ganze Note besser (3,7). Kurz nach Luthe musste auch Boris Tomiak den Platz verlassen. Seine Gelb-Rote Karte hätte man mit etwas Fingerspitzengefühl zwar stecken lassen können, vor allem die erste Gelbe, doch auch er wird für seinen unnötigen Zupfer gegen einen Schalker Spieler von Fans und Journalisten abgestraft (DBB: 4,8 / Rheinpfalz: 4,5 / Kicker: 5).
Trotz guter Leistung: Zu viele Fehler trüben das Notenbild
Trotz einer insgesamt couragierten Leistung beim Bundesliga-Absteiger fallen auch die restlichen Spielernoten nach der deutlichen Niederlage und vielen individuellen Fehlern sehr durchwachsen aus. Wobei insbesondere der "Kicker" dann doch übertrieben bewertet mit fünf glatten Fünfern für den FCK, darunter der definitiv nicht in diese Kategorie fallende Ragnar Ache - hier hat offensichtlich der Schalker Reporter und nicht der Lautrer die Noten eingegeben und dabei nicht so richtig aufgepasst. Die FCK-Fans sehen derweil die Leistung von Startelf-Debütant Tymo Puchacz (DBB: 2,8 / Rheinpfalz: 3,0 / Kicker: 4,0), Jan Elvedi (2,8 / 2,5 / 3,5), Tobias Raschl (2,8 / 3,5 / 3) und Ragnar Ache (2,8 / 3,0 / 5) noch tendenziell positiv. Davon kann sich am Betze keiner was kaufen, aber es macht zumindest Hoffnung für die nächsten Spiele.
» Zur kompletten Notenübersicht: Schalke 04 - 1. FC Kaiserslautern

Quelle: Der Betze brennt / Rheinpfalz / Kicker
Ergänzung, 26.09.2023:
DFB verhängt Geldstrafe nach Auswärtsspiel auf Schalke
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger mit einer Geldstrafe in Höhe von 71.900 Euro belegt. Davon kann der Verein bis zu 24.000 Euro für sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden, was dem DFB bis zum 31. März 2024 nachzuweisen wäre.
Beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Zweitligaspiel beim FC Schalke 04 am 5. August 2023 brannten Kaiserslauterer Zuschauer mindestens vier Rauchkörper ab. Vor Beginn der zweiten Halbzeit zündeten Gästeanhänger zudem mindestens 40 Bengalische Feuer, ein Stroboskop und mindestens 18 Raketen, wodurch zwei Pressefotografen Knalltraumata erlitten und sich der Anstoß um etwa eineinhalb Minuten verzögerte.
Quelle: DFB

