
Stadtrat diskutiert über FCK-Stadionpacht bis 2024
Alle Jahre wieder, aber dieses Mal mit weniger Tamtam: Der Kaiserslauterer Stadtrat diskutiert am Montag über die künftige Pacht des 1. FC Kaiserslautern für das Fritz-Walter-Stadion. Wahrscheinlich bleibt es größtenteils bei der bisherigen Regelung.
2020, 2018 und 2014 war das Thema Stadionmiete in der Stadt sowie in den Medien ein großes und es wurde teilweise bis unter die Gürtellinie darüber debattiert. Zuletzt wurde vor zwei Jahren ein Kompromiss geschlossen (siehe damalige Chronologie im DBB-Forum), der offiziell in diesem Sommer ausläuft, aber nun die Grundlage für eine Verlängerung über die laufende Saison hinaus bildet. Die Beschlussvorlage für den Stadtrat wurde vorab im Ratsinformationssystem der Stadt Kaiserslautern veröffentlicht und ist hier nachlesbar:
» Zum Download: Die Beschlussvorlage zur FCK-Stadionpacht für 2022/23 und 2023/24
Die zur Abstimmung vorgeschlagene Regelung ist nahezu identisch mit dem vor zwei Jahren gefassten Beschluss und umfasst folgende Eckpunkte:
1.) Die Stadionpacht wird für die Saisons 2022/23 und 2023/24 von regulär 3,2 Millionen Euro auf folgendes gestaffelte Modell umgestellt: 3,6 bis 4,6 Millionen Euro in der Bundesliga (orientiert an der Fernsehgeldtabelle) - 2,4 Millionen Euro in der 2. Bundesliga - 625.000 Euro in der 3. Liga (plus 100.000 Euro bei einem Zuschauerschnitt über 21.000).
2.) Bei Erfolgen im DFB-Pokal erhält die Stadiongesellschaft vom FCK je 40 Prozent der Erlöse aus der 2. und 3. Runde.
3.) Der FCK gibt Flächen im Stadion zur Nutzung für die Stadt frei, welche nicht für den regulären Spielbetrieb benötigt werden - zum Beispiel in den Bereichen Logenturm Ost, Osttribüne, Südtribüne.
4.) Die Stadt Kaiserslautern erhält Sponsoringleistungen im Wert von 100.000 Euro vom FCK, unter anderem Werbebanden und bis zu 100 Freikarten pro Spiel für soziale Einrichtungen.
In die bereits 2020 vereinbarte, aber bisher wenig umgesetzte Freigabe der Stadionflächen war zuletzt Bewegung gekommen: Vor einigen Wochen hatte Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) angekündigt, Räumlichkeiten in bisher ungenutzten Stadionbereichen zur gewerblichen Vermietung vorbereiten zu wollen (siehe Pressemitteilung).
Der Stadtrat tagt am Montag, den 14. Februar 2022 ab 15:00 Uhr in der Fruchthalle in Form einer "Hybrid-Sitzung", die über den Youtube-Kanal der Stadt gestreamt wird. Bei 41 Tagesordnungspunkten alleine im öffentlichen Teil ist allerdings mit einer langen Sitzungsdauer zu rechnen. Die Pachtzinsregelung mit dem 1. FC Kaiserslautern ist vorerst als Tagesordnungspunkt 34 einsortiert.
Ergänzung, 14.02.: Tagesordnungspunkt auf Anfang März verschoben
Der Stadtrat hat den Tagesordnungspunkt 34 "Pachtzinsregelung mit dem 1. FC Kaiserslautern für die Spielzeiten 2022/2023 und 2023/2024" heute nicht behandelt. Er wird voraussichtlich in der nächsten regulären Sitzung am 7. März nachgeholt.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 07.03.2022:
Stadionpacht bleibt auch 2022/23 und 2023/24 gestaffelt
Der 1. FC Kaiserslautern kann auch in den kommenden zwei Jahren mit einer gestaffelten, von der Liga-Zugehörigkeit abhängigen Pacht für das Fritz-Walter-Stadion planen. Der Stadtrat hat am Montag einem entsprechenden Vorschlag des Vereins zugestimmt.
Im Kern besagt der Beschluss, dass die Stadionpacht nicht wie im Originalvertrag von 2003/2006 bei pauschal 3,2 Millionen Euro pro Saison liegt, sondern sich an der Liga-Zugehörigkeit der Roten Teufel orientiert: In der Bundesliga werden 3,6 bis 4,6 Millionen Euro fällig, in der 2. Bundesliga 2,4 Millionen Euro und in der 3. Liga beträgt die Basissumme 625.000 Euro. Dem FCK bringt diese Entscheidung wichtige Planungssicherheit für die nächste und die übernächste Saison. Aber auch die städtische Stadiongesellschaft kann mit dem mittlerweile bewährten Mischmodell planen. Sie muss jährlich rund 2,95 Millionen Euro an Zinsen gegenüber der kreditgebenden Bank aufbringen.
Deutliche Mehrheit im Stadtrat - Kaum Änderungen zur bisherigen Regelung
Der Stadtrat Kaiserslautern stimmte auf seiner heutigen Sitzung in der Fruchthalle mit deutlicher Mehrheit für den vorliegenden Beschlussvorschlag. Dieser ist fast deckungsgleich mit der schon seit 2020 geltenden Regelung und wurde am 18. November 2021 vom FCK eingereicht. Der Beschluss enthält folgende Eckpunkte und wurde in vollständiger Fassung vorab im Ratsinformationssystem der Stadt Kaiserslautern veröffentlicht:
1.) Die Stadionpacht wird auch für die Saisons 2022/23 und 2023/24 von regulär 3,2 Millionen Euro auf das folgende gestaffelte Modell umgestellt: 3,6 bis 4,6 Millionen Euro in der Bundesliga (orientiert an der Fernsehgeldtabelle) - 2,4 Millionen Euro in der 2. Bundesliga - 625.000 Euro in der 3. Liga (plus 100.000 Euro bei einem Zuschauerschnitt über 21.000).
2.) Bei Erfolgen im DFB-Pokal erhält die Stadiongesellschaft vom FCK je 40 Prozent der Erlöse aus der 2. und 3. Runde.
3.) Der FCK gibt Flächen im Stadion zur Nutzung für die Stadt frei, welche nicht für den regulären Spielbetrieb benötigt werden - zum Beispiel in den Bereichen Logenturm Ost, Osttribüne, Südtribüne.
4.) Die Stadt Kaiserslautern erhält Sponsoringleistungen im Wert von 100.000 Euro vom FCK, unter anderem Werbebanden und bis zu 100 Freikarten pro Spiel für soziale Einrichtungen.
» Zum Download: Die Beschlussvorlage zur FCK-Stadionpacht für 2022/23 und 2023/24
Ursprünglich sollte die heutige Entscheidung schon am 14. Februar gefällt werden, sie wurde dann aber zusammen mit anderen Tagesordnungspunkten auf den 7. März verschoben. Ein zwischenzeitlich eingegangener Antrag der Linkspartei, die eine etwas höhere Mindestpacht für die ersten drei Ligen ansetzen wollte, fand keine Mehrheit. Der FCK hat unterdessen Anfang März fristgerecht die Lizenzunterlagen für die 3. Liga und die 2. Bundesliga eingereicht. Dort war der heutige Beschluss des Stadtrats schon unter Vorbehalt berücksichtigt, wie Geschäftsführer Thomas Hengen im DBB-Interview erklärt hatte.
Thema Stadionpacht: Deutlich weniger Aufregung als in den Vorjahren
In Jahren, in denen der FCK weniger als die für die Bank fälligen 2,95 Millionen Euro zahlt, muss die Stadt die jeweilige Differenz ausgleichen. Dieser Sachverhalt hatte in den Jahren 2014, 2018 und 2020 für erhebliche, teils giftige Diskussionen in der Stadt und in den Medien geführt. Umso hervorhebenswerter ist, dass Stadtrat und Verein dieses Mal ohne öffentliche Streitigkeiten zu einer Lösung gekommen sind. Um mögliche Defizite auszugleichen, sollen verschiedene Möglichkeiten geschaffen werden, etwa unter Einbeziehung der sogenannten "Tilgungsrücklage" oder durch die Vermarktung nicht genutzter Stadionflächen. Die "günstigste" Variante für alle Beteiligten wäre aber zweifellos der sportliche Aufstieg des FCK, mit dem die Einnahmen aus dem Kerngeschäft Fußball um ein vielfaches steigen würden. Nicht nur in der Fankurve, sondern auch im Stadtrat dürften dafür die Daumen gedrückt werden.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 09.03.2022:
Stadtrat stimmt neuer Stadionpachtvereinbarung zu
Bestehende Bedingungen gelten auch für die Saisons 22/23 und 23/24
Kaiserslautern, 08.03.2022
Bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag der neuen Pachtzinsregelung mit dem 1. FC Kaiserslautern für die Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 zugestimmt. Das neue Zahlenwerk entspricht dabei exakt der bisherigen Vereinbarung.
Anstatt der eigentlich vereinbarten 3,2 Millionen Euro pro Saison zahlt der Verein damit wie auch in den vergangenen zwei Spielzeiten 2,4 Millionen Euro in der Zweiten Bundesliga und 625.000 Euro in der Dritten Liga. Um die dadurch entstehenden Verluste für die Fritz-Walter-Stadion-Gesellschaft abzufedern, enthält der neue Pacht- und Betreibervertrag wie bisher verschiedene Zusatzklauseln. So erhöht sich die Mindestpacht in der Dritten Liga um weitere 100.000 Euro, wenn der Club mindestens 21.000 zahlende Zuschauer hatte. Auch erhält die Stadiongesellschaft jeweils eine Erlösbeteiligung in Höhe von 40 Prozent beim Erreichen der zweiten und dritten Runde des DFB-Pokals. Der Stadt werden darüber hinaus Sponsoringleistungen in Höhe von 100.000 Euro pro Jahr gewährt, das beinhaltet etwa Werbeflächen und Freikarten für soziale Einrichtungen im Stadtgebiet.
Keine Mehrheit fand im Rat ein Vorschlag, die Miete inflationsbedingt anzupassen, d.h. zu erhöhen.
Quelle: Pressemitteilung Stadt Kaiserslautern
Ergänzung, 30.05.2022:
OB Weichel: "Es kommt kein Geld rein, es geht nur weniger ab"
FCK-Aufstieg: Mehreinnahmen aus erhöhter Stadionpacht zweckgebunden
Der Aufstieg des 1. FC Kaiserslautern in die zweite Bundesliga bringt neben dem tollen sportlichen Erfolg und der Freude, die dadurch die ganze Region ergriffen hat, natürlich auch finanzielle Vorteile für die Stadt mit sich.
Allerdings ergeben sich aus der durch den Aufstieg des 1. FC Kaiserslautern in die zweite Bundesliga anfallenden höheren Stadionpacht keine automatisch frei verfügbaren Liquiditäten. Bei diesen Geldern handelt es sich lediglich um Minderaufwendungen der Stadt für die Fritz-Walter-Stadiongesellschaft, um die Mietnachlasse der Gesellschaft für den 1. FC Kaiserslautern zu kompensieren. Diese Zuführungen hätten durch Kredite finanziert werden müssen, um die Stadiongesellschaft zu stabilisieren. Es sind Aufwendungen, die durch die höhere Pacht von 2,4 Millionen Euro glücklicherweise vermieden werden können. "Wer glaubt, diese eingesparten Aufwendungen stünden für andere Projekte zur freien Verfügung, verkennt die Haushaltsverfügungen völlig", kommentiert Oberbürgermeister Klaus Weichel die aktuelle finanzielle Situation nach den erfreulichen sportlichen Ereignissen der vergangenen Tage.
Die Kommunalaufsicht (ADD) hat der Stadt Kaiserslautern im Bereich der freiwilligen Leistungen ein Sonderzuschussbudget in Aussicht gestellt, das nun auf Grund des Aufstiegs in die zweite Bundesliga und der daraus resultierenden erhöhten Stadionmiete an die Fritz-Walter-Stadiongesellschaft höchstwahrscheinlich entsprechend der tatsächlichen Verhältnisse angepasst werden wird. Die Genehmigung steht noch aus. Von einer Sonderbudgeterhöhung im Umfang der Notwendigkeiten in der zweiten Bundesliga und einem größeren Spielraum im Bereich freiwilliger Aufgaben geht OB Weichel aber nicht aus. Die Stadt Kaiserslautern ist zudem laut Verfügung der Kommunalaufsicht in erster Linie zur Schuldentilgung verpflichtet.
"Tatsächlich führen die erhöhten Pachtzahlungen durch den sportlichen Erfolg des Vereins zu einer verbesserten städtischen Haushaltssituation, denn die Stadt vermindert ihren Investitionskreditbedarf und mindert die Abschreibungen", erklärt Weichel. Die Stadt könne mit Vorlage des ausgeglichenen Entwurfs nach ausführlichen politischen Diskussionen während der Beratungen auch davon ausgehen, dass alle geplanten freiwilligen Ausgaben ohne Einschränkungen gewährt werden. "Das kommt der ganzen Stadt zu Gute!", so Weichel. Die Schwerpunkte seien in den Beratungen in angemessenem Rahmen der finanziellen Möglichkeiten verantwortlich und vertretbar gesetzt worden.
"Bei aller Euphorie müssen die bestehenden, erheblichen Verbindlichkeiten eben auch genannt werden und einer ständigen Risikobetrachtung unterzogen werden", ist Weichel überzeugt. Die Stadt trage seit vielen Jahren ein nicht unerhebliches Risiko aus den Verpflichtungen, die die Stadiongesellschaft mit Erwerb des Fritz-Walter-Stadions eingegangen ist. "Der städtische Haushaltsplan wurde in einem aufwendigen Verfahren fachlich und demokratisch aufgestellt, diskutiert und beschlossen. Warum nun in einem ‚flüchtigen Moment‘ des sportlichen Erfolges von einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsplanung und -führung bei einem Schuldenstand von rund 762,5 Millionen Euro abgegangen werden soll, wird schwer zu begründen sein", ist sich das Stadtoberhaupt sicher. "Alleine die Möglichkeit eines ‚Strohfeuers im Bereich freiwilliger Leistungen‘ sollte uns nicht von einem sparsamen Umgang mit öffentlichen Geldern abhalten, auch wenn politisch absolut verlockend."
Das gelte auch für die Diskussion um die Renovierungen im Umfeld des Asternwegs. "Die Renovierung ist im vollen Gange, es wurden bereits um die 1,8 Millionen Euro in die Hand genommen und schon eine große Anzahl der Wohneinheiten fertiggestellt", so Weichel. "Es wird alles menschenmögliche getan, um den Menschen im Umfeld des Asternweges bessere Unterkünfte zur Verfügung stellen zu können." Bei eventuell auftretenden Verzögerungen spielten derzeit auch die Preisentwicklung im Baugewerbe sowie fehlendes Fachpersonal eine Rolle.
Quelle: Stadt KL

