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Stadtrat stimmt reduzierter FCK-Stadionpacht zu

Stadtrat stimmt reduzierter FCK-Stadionpacht zu


Was lange währt, wird endlich gut: Der Stadtrat Kaiserslautern hat heute die reduzierte Stadionpacht des 1. FC Kaiserslautern für die Saisons 2020/21 und 2021/22 freigegeben. Damit hat der FCK einen wichtigen Schritt zur Lizenz für die kommende Drittliga-Saison gemacht.

Gleich zu Beginn der heutigen Sondersitzung im Stadtrat Kaiserslautern berichtete Oberbürgermeister Klaus Weichel von weiteren, diesmal erfolgreichen Verhandlungen mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in den letzten Tagen: Dabei konnte Weichel erreichen, dass die ADD das bereits genehmigte Sonderzuschussbudget zum Ausgleich der reduzierten FCK-Stadionpacht nochmals erweitert. Bis zum 31. Dezember 2020 hatte die Aufsichtsbehörde bereits die Freigabe erteilt, nun wurde diese Entscheidung bis zum 30. Juni 2021 ausgeweitet - also für die komplette Fußball-Saison 2020/21. Dieser Zeitraum ist entscheidend für den Verein und somit auch für die städtische Stadiongesellschaft.

Die Entscheidung: 31:7 Stimmen für die reduzierte Stadionpacht

Vor diesem aktualisierten Hintergrund beantragte Weichel ("Dies ist ein Schadensbegrenzungs-Modell") eine Aufhebung des bisher geltenden Vorbehalts im Stadtrat für die Saison 2020/21 sowie auch für die seitens der ADD noch unbeantwortete Saison 2021/22. Dem Antrag auf Pachtreduzierung stimmte der Stadtrat nach rund 90-minütiger Sitzung, in denen verschiedenste Argumente diskutiert wurden, mit 31 zu 7 Stimmen zu. Elf Stadträte enthielten sich ihrer Stimme.

Der vollständige Antrag der Stadiongesellschaft, der weitgehend identisch mit dem Antrag des 1. FC Kaiserslautern von Februar ist, wurde vorab im Ratsinformationssystem der Stadt Kaiserslautern veröffentlicht und ist hier nachlesbar:

» Zum Download: Der Antrag der Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH

Im Wesentlichen enthält die heutige Entscheidung mit Blick auf den FCK folgende fünf Punkte, denen von Seiten des Stadtrats nun die Zustimmung erteilt wurde:

1.) Die Stadionpacht wird für die Saisons 2020/21 und 2021/22 von regulär 3,2 Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro (in der 2. Bundesliga) bzw. 625.000 Euro (in der 3. Liga) abgesenkt. In der 3. Liga sind dies 200.000 Euro mehr als bisher.

2.) Ebenfalls neu: Bei Erfolgen im DFB-Pokal erhält die Stadiongesellschaft vom FCK je 40 Prozent der Erlöse aus der 2. und 3. Runde.

3.) Sollte der FCK in der 3. Liga einen Zuschauerschnitt von 21.000 übertreffen, erhielte die Stadiongesellschaft 100.000 Euro zusätzlich. Bisher lag diese Grenze bei 19.000 Zuschauern im Schnitt.

4.) Der FCK gibt Flächen im Stadion zur Nutzung für die Stadt frei, welche nicht für den regulären Spielbetrieb benötigt werden - zum Beispiel den Logenturm Ost.

5.) Die Stadt Kaiserslautern erhält Sponsoringleistungen im Wert von 100.000 Euro vom FCK, unter anderem Werbebanden und bis zu 100 Freikarten pro Spiel für soziale Einrichtungen.

Keine FCK-Aktien als Kompensation für die Stadt

Nicht mehr enthalten ist die frühere Forderung von OB Weichel nach FCK-Aktien als Gegenleistung für die Pachtreduzierung. Dieser Vorschlag wurde von Seiten des Vereins strikt abgelehnt, weil dann erstens die Stadionpacht nicht mehr marktkonform sei und zweitens der Rückzug von Investoren und infolgedessen eine Insolvenz drohen würde.

Dennoch wurden auch zugunsten der Stadt Kaiserslautern und der Stadiongesellschaft einige Punkte beschlossen, die so weitgehend auch schon aus früheren Entscheidungen bekannt sind:

1.) Der FCK hat sicherzustellen und gegenüber der Stadiongesellschaft nachzuweisen, dass seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nachhaltig verbessert und seine Einsparbemühungen weiter optimiert werden.

2.) Die Stadt Kaiserslautern wird der Stadiongesellschaft eine Kapitalrücklage zuführen, mit dem die reduzierte Pacht und die fälligen Zinsen an die kreditgebende Bank ausgeglichen werden können.

3.) Die heutige Entscheidung steht unter dem Vorbehalt, dass der Wirtschaftsprüfer der Stadiongesellschaft, Dr. Jan-Christopher Kling, die Notwendigkeit der Pachtreduzierung seitens des FCK bestätigt. Diese Bestätigung hatte Kling schon bei einer früheren Stadtratssitzung in Aussicht gestellt, allerdings liegen ihm noch nicht alle benötigten Zahlen des Vereins vor.

Stadt soll nochmals beim Land zur finanziellen Hilfe vorsprechen

Eine zusätzlich eingebrachte Resolution, wonach die Stadt Kaiserslautern noch einen weiteren Versuch zur finanziellen Hilfe beim Land Rheinland-Pfalz starten soll, fand heute mit 32 zu 19 Stimmen ebenfalls eine Mehrheit im Stadtrat. Damit wollten die Fraktionen von CDU, FWG und Grünen die Möglichkeit einer längerfristigen Lösung der Stadion-Finanz-Problematik erreichen. Oberbürgermeister Weichel hatte diesen Versuch als quasi hoffnungslos dargestellt, fand mit seiner ablehnenden Haltung aber keine Mehrheit.

Ein Änderungsantrag der Linkspartei, dass der FCK noch zusätzlich zehn Prozent möglicher Investoren-Einnahmen für die Pachtreduzierung abgeben soll, fand mit 3 zu 47 Stimmen deutlich keine Mehrheit. Bei den elf Millionen Euro, die die FCK-Verantwortlichen gerne in den nächsten Monaten generieren möchten, wären dies zusätzliche 1,1 Millionen Euro für die Stadiongesellschaft gewesen. Der ebenfalls im Stadtrat anwesende Soeren Oliver Voigt hatte diesen Antrag wie folgt kommentiert: "Dies kommt für unsere Investoren und somit auch für uns nicht in Frage."

Ebenfalls abgelehnt wurde ein Änderungsantrag der FDP, die Pachtreduzierung aufgrund der Entscheidung der ADD nur für die Saison 2020/21 zu gewähren. 17 zu 31 Stadtratsmitglieder stimmten dagegen - vor allem weil dies die längerfristige Planungssicherheit des FCK einschränken würde.

Endlich eine Einigung nach monatelangen, harten Verhandlungen

Mit der heutigen Entscheidung gehen monatelange Verhandlungen zu Ende, die zwischenzeitlich für viel Aufsehen und einige Misstöne gesorgt hatten. Schlussendlich haben sich aber alle Seiten aufeinander zubewegt, um noch größeren finanziellen Schaden abzuwenden: Der FCK erhöhte sein Angebot nochmals durch feste sowie variable finanzielle Zusagen (siehe oben). Bürgermeister Weichel zog seine umstrittene Forderung nach FCK-Aktien für die Stadiongesellschaft zurück. Und auch die übrigen Mitglieder und Parteien des Stadtrats dürften einige kontroverse Diskussionen geführt haben.

Die komplette Chronologie mit allen Details zu den monatelangen Verhandlungen ist im DBB-Forum nachlesbar: FCK beantragt erneute Reduzierung der Stadionpacht - Stadtrat gibt nach harten Verhandlungen seine Zustimmung.

Fritz-Walter-Stadion

Quelle: Der Betze brennt

Weitere Links zum Thema:

- Chronologie im DBB-Forum: FCK beantragt Pachtreduzierung - Stadtrat erteilt Zustimmung

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