
Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - 1. FC Kaiserslautern 2:0
Perfekter Fußball-Nachmittag am Betze
"Oh, wie ist das schön": Beim FCK gibt es beim 2:0 gegen Osnabrück einiges zu feiern. Den zweiten Sieg hintereinander, zwei blitzsaubere Tore, eine starke Abwehrleistung und nicht zuletzt die stimmungsvolle Wiedereröffnung der Westkurve.
Momentan meint es der Fußball-Gott ganz gut mit dem 1. FC Kaiserslautern und seinen auch in dieser Saison schon leidgeprüften Anhängern. Nach dem in doppelter Unterzahl erkämpften Punkt gegen den Waldhof und dem ersten Auswärtssieg in der Woche darauf gelingt der Mannschaft von Trainer Marco Antwerpen auch gegen den VfL Osnabrück ein hochverdienter 2:0-Erfolg.
Beide Tore vor der West: Die Kurve feiert ausgelassen
Ausgelassen gefeiert wird der zuerst stürmisch herausgeschossene und dann clever verteidigte Sieg im Westen des Fritz-Walter-Stadions. Denn zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie vor 18 Monaten ist Kaiserslauterns berühmteste Kurve wieder ohne Abstandsregeln geöffnet. Voll ist die West bei insgesamt 14.656 Zuschauern im Stadion natürlich bei weitem nicht, auch die Ultras sind nicht geschlossen anwesend, die Stimmung bei spätsommerlichem Kaiserwetter trotzdem bestens. Als i-Tüpfelchen fallen auch beide Tore der Lautrer vor der frenetisch jubelnden Kurve. Wie hat der Betze-Besucher solche Bilder in den vergangenen Monaten vermisst. Am Ende steht zudem der zweite Sieg in Serie. Besser kann ein samstäglicher Fußball-Nachmittag eigentlich kaum laufen.
Knapp zwei Stunden vorher ist die Atmosphäre beim Warmlaufen der Mannschaften ebenfalls schon gut, auch wenn beim ein oder anderen sicher auch eine Portion Skepsis mitschwingt sowie die Warnung, das 2:0 gegen Verl bloß nicht wieder überzubewerten. Viel mehr als geschlossen hinter den Roten Teufeln zu stehen, können die Anhänger aber ohnehin nicht tun und so wird die Mannschaft kurz vor dem kurzen Gang zurück in die Kabine wiederholt lautstark eingeschworen für das erwartet schwere Match gegen die vor dem Spieltag auf Tabellenplatz drei rangierenden Niedersachsen.
Osnabrück hat die Sprüche, der FCK den Matchplan
Auch die Gäste haben mit rund 600 Schlachtenbummlern, die sich im ebenfalls zum ersten Mal seit langer Zeit geöffneten Stehbereich des Gästeblocks hinter einer "Kämpfen und Siegen"-Zaunfahne versammeln, einen ordentlichen Support auf die Beine gestellt. Zudem geben sich einige VfL-Profis betont selbstbewusst, Torwart Philipp Kühn etwa berichtet detailliert, wie die Gäste planen, den Betzenberg mit einem frühen Tor verstummen zu lassen. Dass solche Sprüche nicht immer die beste Idee sind, hat auch der FCK in der jüngeren Vergangenheit schon erfahren müssen. Und er weiß auch, wie schön es ist, die richtige Antwort auf dem Platz geben zu können.
An diesem Nachmittag haben jedenfalls die Roten Teufel den richtigen Plan und Matchplan dabei. Coach Antwerpen lässt die Startformation gegenüber der Partie gegen Verl unverändert und beordert auch den trotz einer Hüftblessur einsatzbereiten René Klingenburg immer wieder weit nach vorne, um gemeinsam mit Daniel Hanslik die vorderste Angriffsreihe zu bilden. Wie gut die Ausrichtung der Lautrer aufgeht, zeigt sich schon nach wenigen Sekunden, als Nicolas Sessa nach erfolgreichem Gegenpressing aus rund 20 Metern zum Abschluss kommt und das Ziel nur knapp verfehlt. Nur weitere fünf Minuten später läuft es noch besser. Dieses Mal serviert Mike Wunderlich ein Flanke von der linken Seite, Klingenburg läuft ein, setzt sich im Kopfballduell entschlossen durch und wuchtet den Ball per Aufsetzer ins Eck. Osnabrücks Kühn hat keine Abwehrchance und dürfte sich in diesem Moment womöglich auch an seine Ansage von vor dem Spiel erinnert haben. Ist ja tatsächlich nicht schlecht so ein frühes Tor.
Die Abwehr steht: Zwei-Tore-Vorsprung nie in Gefahr
Die Gäste kommen in der 13. Minute, als nach einem Freistoß die Zuordnung in der Lautrer Deckung nicht optimal ist, zu einer Kopfballgelegenheit durch Sören Betrram, danach setzt wieder der FCK die Akzente. Nach einer schönen Einzelleistung von Klingenburg, der sich um seinen Gegenspieler herumwindet und flach abzieht wäre der zweite Treffer schon möglich gewesen. Nichts mehr zu retten gibt es für die Gäste schließlich bei einem von Kevin Kraus am ersten Pfosten verlängerten Eckball. Philipp Hercher, der sich immer mehr zum Torjäger mausert, drückt den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Hätte Sessa in der Nachspielzeit eine weitere gute Chance zum 3:0 verwertet, wäre die Partie schon zur Halbzeit praktisch entschieden gewesen.
Aber auch so erleben die Lautrer Fans einen zweiten Durchgang, in dem ihre Elf das Geschehen weitgehend unter Kontrolle hat. Zurückgezogener als vor der Pause lassen die Roten Teufel den Gegner kommen, dessen beste Gelegenheit bezeichnenderweise aus einem Distanzschuss von Ba-Muaka Simakala schon deutlich jenseits der 80. Spielminute resultiert. Wirklich gefährdet wirkt der Zwei-Tore-Vorsprung des FCK nie, der zusammen mit Mannheim nun die wenigsten Gegentore der gesamten Liga kassiert hat.
Jetzt mal eine Siegesserie? Am Samstag gehts zum Schlusslicht
Mit viel Applaus wird in den Schlussminuten der wochenlang mit einer Kopfverletzung fehlende Felix Götze bei seinem Comeback begrüßt. Ansonsten stimmen sich Westkurve und der Rest des Stadion bereits zehn Minuten vor dem Abpfiff auf die Siegesfeier ein - den lange nicht mehr erlebten Taschentuch-Gruß an die Gäste und ein "Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen" inklusive. Letzteres stimmt ja auch. Sowohl die Auswärtsmisere als auch die unsägliche Zwei-Siege-in-Folge-Serie sind seit dieser Woche aber endlich beendet. Vielleicht startet die Mannschaft nun mal eine Serie der anderen Art. Am kommenden Samstag geht es zum Tabellenletzten TSV Havelse.
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Ingo Konrad
Vorherige Meldungen ab 15:54 Uhr:

Zweiter Sieg in Folge: Lautern schlägt Osnabrück 2:0
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich mit einer starken Vorstellung gegen den VfL Osnabrück mit dem nächsten Sieg belohnt. Nach Toren von René Klingenburg und Philipp Hercher hieß es nach 90 Minuten auf dem Betzenberg 2:0 (2:0) für die Roten Teufel.
14.656 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion sahen vor allem in der ersten Halbzeit eine nahtlos an den guten zweiten Durchgang vom letzten Sonntag beim SC Verl anknüpfenden FCK, der bereits in der 7. Minute in Führung ging. Klingenburg setzte sich nach einer Flanke von Mike Wunderlich entschlossen durch und traf per Kopf zum 1:0.
Die Gäste wurden kurz darauf durch einen Kopfball von Sören Bertram (13.) ebenfalls gefährlich. Davon abgesehen gehörten die ersten 45 Minuten aber klar den Gastgebern. Zunächst hätte schon Klingenburg auf 2:0 erhöhen können (17.), was dann Hercher nach einer Ecke in der 25. Minute nachholte. Auch Nicolas Sessa vergab in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch eine sehr gute Gelegenheit.
Nach Wiederbeginn bemühte sich der VfL um den Anschluss, wirklich gefährlich wurde es im Strafraum der sich nun etwas weiter zurückziehenden Lautrer aber kaum. Die beste Gästechance im zweiten Durchgang hatte Ba-Muaka Simkala mit einem Distanzschuss (83.). Dank des zweiten Siegs ins Folge springen die Roten Teufel in der Tabelle mit nun zwölf Punkten ins Mittelfeld. Nächster Gegner ist am kommenden Samstag um 14:00 Uhr auswärts der TSV Havelse.
Wie bewertest Du die heutige Leistung der Roten Teufel? Hier geht's zur Spielerbenotung zum Heimspiel gegen den VfL Osnabrück.
Quelle: Der Betze brennt
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Statistik zum Spiel: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück 2:0
Ergänzung, 18:00 Uhr:

Mentalität und Matchplan: "Das war Vollgas-Fußball"
Der 1. FC Kaiserslautern feiert mit einem hochverdienten 2:0 gegen den VfL Osnabrück den dritten Saisonsieg und den zweiten Dreier in Serie. Der Trainer lobt vor allem die Mentalität, seine Spieler den guten Matchplan.
Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen ohne ein einziges Gegentor: Die jüngste Bilanz der Roten Teufel kann sich sehen lassen und gipfelte am Samstag vorerst in einem überzeugenden und hochverdienten 2:0-Erfolg gegen den bisherigen Tabellendritten Osnabrück. "Wir haben in den letzten Wochen etwas auf den Weg gebracht", sagte Marco Antwerpen nach dem Spiel.
Antwerpen: "Wir haben etwas auf den Weg gebracht"
"Die Jungs hatten richtig Bock, Fußball zu spielen", lobte der FCK-Trainer, der zudem die frühe Gier der Mannschaft auf die Tore hervorhob. "Man hat gesehen, dass uns so ein frühes Tor extrem hilft. Auch das 2:0 war gegen so einen Gegner extrem wichtig."
Hauptverantwortlich für die frühe Führung war Torschütze René Klingenburg, der trotz seiner Hüftblessur auf die Zähne biss und bis zur 65. Minute durchhielt. "Ibuprofen macht’s möglich", grinste der 27-Jährige seine Verletzung weg und lobte lieber seine Mitstreiter. "Das war Vollgas-Fußball in der ersten Halbzeit. Unser Matchplan ist super aufgegangen." Die Situation vor seinem Kopfballtreffer zum 1:0 und die Vorlage von Mike Wunderlich beschrieb Klingenburg wie folgt: "Ich kenne Mike schon ein bisschen länger und weiß, dass er solche Situationen erkennt. Ich wusste, der Rasen ist nass und wenn ich den Ball richtig treffe, wird er schnell."
Hercher zum 2:0: "Die Standardsituation haben wir einstudiert"
Auch Philipp Hercher, der den zweiten Treffer an diesem Nachmittag nachlegte, betonte die Vorarbeit. "Die Standardsituation haben wir einstudiert. Das war super gemacht von Kevin Kraus", erklärte der torgefährliche Außenbahnspieler die gelungene Kopfball-Verlängerung von Innenverteidiger Kraus nach einem Eckball.
Lob für die Fans: "Das ist der Betze, wie man ihn haben möchte"
Ein Sonderlob hatten der Trainer und seine Spieler schließlich auch für die FCK-Fans und die erstmals wieder ohne Abstandsregeln geöffnete Westkurve parat. "Das war ein geiles Gefühl, wieder die Fans zu sehen, die uns in den wichtigen Situationen nach vorne pushen", sagte Antwerpen. Hendrick Zuck, der die Stimmung im Fritz-Walter-Stadion schon länger kennt, bestätigte: "Das ist der Betze, wie man ihn haben möchte!"
» Zum Video: Pressekonferenz nach dem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 19:44 Uhr:

Blick in die Kurve: Beinahe Normalzustand am Betze
Endlich! Beim 2:0-Heimsieg des FCK gegen Osnabrück war zum ersten Mal seit 18 Monaten die Westkurve komplett geöffnet - ohne Masken, ohne Abstände. 14.656 Fans sorgten für eine tolle Atmosphäre im Fritz-Walter-Stadion.
Völlige Normalität herrschte allerdings noch nicht: Ohne Corona-Einschränkungen durften nur Geimpfte und Genesene in die Westkurve. Für negativ Getestete war der Oberrang der Nordtribüne vorgesehen, wo in den Blöcken 15.2 und 16.2 ein kleiner Fanblock eingerichtet wurde. Vor der Westkurve prangte ein Spruchband mit der Aufschrift: "Normalität gibt es erst, wenn sie für alle gilt!" Dieses hatten die Ultras der "Frenetic Youth" angebracht, von denen viele auf ihrem angestammten Platz in Block 7.1 anwesend waren und sich auch am Support beteiligten. Nicht ins Stadion gingen hingegen die beiden anderen Ultragruppen "Generation Luzifer" und "Pfalz Inferno". Nach dem Motto "Alle oder keiner" kritisieren sie trotz der Lockerungen die neue "2G+"-Regel, wegen der auch Jugendliche (12 bis 18 Jahre) nicht in die Westkurve und gegnerische Fans nicht in den Gästeblock dürfen, wenn sie eben nicht geimpft oder genesen sind.
Optisch war somit noch nicht das altbekannte Bild geboten, auch wenn doch einige Fanclubs ihre Zaun- und Schwenkfahnen mitgebracht hatten. Dennoch sorgten die 14.656 Zuschauer - fast so viele wie vor Corona - für eine euphorische Stimmung: Die so lange ersehnte Rückkehr in die Westkurve, der souveräne Sieg der Roten Teufel, das schöne Wetter, vielleicht noch ein Stadionbier und 'ne Bratwurst dazu - wer heute nicht uffem Betze war, egal aus welchen Gründen, hat auf jeden Fall etwas verpasst. Der Funke sprang von den Rängen auf den Rasen und wieder zurück, wie auch die beiden emotionalen Torjubel direkt vor der Kurve zeigten. Am Schluss wurde der Gegner mit den schon ewig nicht mehr gesehenen Taschentüchern beim "Schönen Gruß und auf Wiedersehen" verabschiedet und die siegreiche Mannschaft ausgiebig von der Kurve gefeiert. Es war zwar noch kein völliger Normalzustand, aber es fühlte sich auch nicht mehr weit weg davon an.
Aus Osnabrück waren rund 600 Fans mitgereist, darunter auch Ultras, die sich hinter einem Banner "Kämpfen und Siegen" im ebenfalls erstmals wieder geöffneten Stehplatz-Block 17.1 postierten. Aus diesem Wunsch wurde bekanntlich nichts, so dass sich die Lila-Weißen nur zum Anfang ein paarmal bemerkbar machen konnten.
Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Heimspiel gegen Osnabrück:
- Fotogalerie | 10. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 26.09.2021:

Vier mal "sehr gut": Die Spielernoten zum Heimsieg
Der 1. FC Kaiserslautern überzeugt beim 2:0 gegen den VfL Osnabrück auf ganzer Linie und man fragt sich: Wer war eigentlich der beste Mann auf dem Platz? Mehrere Kandidaten bieten sich an.
Das gibt es nicht oft: Gleich mehrere Spieler stechen beim FCK-Erfolg gegen Osnabrück besonders heraus und es ist kaum möglich, den einen Matchwinner zu bestimmen. Bei der DBB-Spielerbenotung kommen die beiden Torschützen René Klingenburg (Durchschnittsnote 1,5 bei bisher über 2.000 abgegebenen Bewertungen) und Philipp Hercher (1,6) sowie die Abwehrhünen Kevin Kraus (1,9) und Boris Tomiak (1,9) auf eine Eins vor dem Komma.
Klingenburg, Hercher, Kraus und Tomiak mit der Eins vor dem Komma
Die Fan-Noten auf Der Betze brennt bewegen sich durchweg in einem engen Spektrum zwischen 1,6 und 2,6, während die Journalisten der "Rheinpfalz" das Team in einem etwas breiteren Rahmen bewerten: In der Zeitung wird Kevin Kraus mit einer 1,5 am besten benotet, Hendrick Zuck und Nicolas Sessa fallen mit jeweils einer 3,5 ein wenig, aber nicht entscheidend ab.
» Zur kompletten Notenübersicht: 1. FC Kaiserslautern - VfL Osnabrück

Die DBB-Noten zum Heimspiel gegen Osnabrück können noch bis heute, 15:45 Uhr abgegeben werden: Zur Notenabgabe FCK-VfL. Die Bewertungen des "Kicker" folgen am Montag.
Quelle: Der Betze brennt / Rheinpfalz
Ergänzung, 28.09.2021:

Reportage: Fan-Rückkehr in die Westkurve
Die Rückkehr der Betze-Emotion
18 Monate lagen zwischen dem letzten Spiel vor gefüllter Westkurve und ihrem Comeback an diesem Samstag. Damals wie heute war DBB-Autor Gerrit dabei und berichtet über einen emotionalen Samstagnachmittag beim 1. FC Kaiserslautern.
Als ich das letzte Mal die Westkurve nach einem Spiel verlassen habe, da war die FCK-Welt gerade ziemlich am Boden. Die Roten Teufel hatten eine 3:1-Führung gegen Meppen aus der Hand gegeben, vier Minuten vor dem Ende noch den 3:3-Ausgleich hinnehmen müssen. Lediglich 15.701 Zuschauer waren damals noch auf Deutschlands höchsten Fußballberg gepilgert, der nur zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen in der 3. Liga rumdümpelte. Und in Deutschland und der Welt verbreitete sich gerade das noch weitgehend unbekannte Coronavirus. Welche Auswirkungen dieses auf unser aller Leben und das vierzehntägliche Stadionerlebnis nehmen würde, war da noch nicht im Geringsten zu erahnen.
18 Monate später stehe ich wieder hier. Und mit mir erstmals auch wieder eine ordentlich gefüllte Westkurve. Wieder sind zwar nur knapp 14.600 Fans im Stadion, wieder tut sich der FCK in der Tabelle schwer. Trotzdem ist an diesem Tag alles anders. Nach anderthalb Jahren spüre ich an jeder Faser meines Körpers, an jeder Ecke des Fritz-Walter-Stadions und bei jedem Fan, den ich im Block treffe, eine riesengroße Erleichterung: Endlich dürfen wir wieder in unser Wohnzimmer, endlich darf sich unsere Liebe zu diesem Verein wieder ihren Platz bahnen. Ich verfolge diesen Tag zur Abwechslung mal wieder ausschließlich mit Fan-Brille, meine persönliche Westkurven-Rückkehr beginnt schon recht früh. Und wird emotional.
Chronik eines emotionalen Heimsieges: Endlich wieder Westkurve!
Kaiserslautern, 05:30 Uhr: Mein Wecker klingelt früh, denn ein 50. Geburtstag in der Familie will vorbereitet und gefeiert werden. Doch das Heimspiel gegen Osnabrück wird darunter natürlich nicht leiden. Als ich gegen 06:00 Uhr mit Schal, Trikot und Betze-Pullover meine Wohnung verlasse, kontrolliere ich nochmal meinen Geldbeutel. Die frisch eingetroffene Dauerkarte ist eingesteckt. Ich blicke von meiner Haustür auf einen noch im dunkel ruhenden Betzenberg. Noch acht Stunden bis zur Westkurven-Rückkehr.
12:00 Uhr: Die Vorfreude steigt. Mit insgesamt zwölf Geburtstagsgästen aus ganz Deutschland machen wir uns bei herrlichem Spätsommerwetter vom Ort der Geburtstagsfeier in Kaiserslautern auf den Weg zur nahe gelegenen Bahnstation, von wo aus uns der Zug innerhalb von drei Minuten zum Hauptbahnhof bringen wird. "Mer kumme glei noh", rufen uns Nachbarn in Trikots lachend hinterher. Am Bahnsteig warten bereits eine handvoll weiterer FCK-Fans, die sich mit Kaltgetränken die Wartezeit vertreiben und erste Lieder anstimmen. Noch zwei Stunden bis zur Westkurven-Rückkehr.
12:30 Uhr: Vom Lautrer Hauptbahnhof geht es in Richtung Betzebud, schließlich soll sich jeder vor dem Erklimmen von Deutschlands höchstem Fußballberg noch einmal stärken können. Dort angekommen ist spürbar, dass der Betze heute wieder voller sein wird als in den vergangenen Wochen. Gerade als die ersten Weinschorlen über die Theke gehen, biegt der Osnabrücker Mannschaftsbus in Richtung Elf-Freunde-Kreisel ein. Es wird gepfiffen und etwas gepöbelt, der ein oder anderer Osnabrücker, der sich ebenfalls hierher verirrt hat, schaut irritiert. Fußballherz, was willst du mehr. Noch 90 Minuten bis zur Westkurven-Rückkehr.
Fritz-Walter-Stadion, 13:00 Uhr: Wir sind da. Vor den Toren der West bilden sich bereits Schlangen. Als wir vollzählig sind, stellen wir uns an. Das Prozedere dauert aber insgesamt keine fünf Minuten. Nachdem der Impfnachweis kontrolliert und der Ordner alles einmal abgetastet und durchsucht hat, geht es zum Drehkreuz. Ich zücke meine Dauerkarte, die Anzeige zeigt grün, ich bin drin. Nach einem kurzen Stop im Fanshop geht es weiter in die heiligen Hallen der Westkurve. Die ersten Minuten ist es noch etwas ungewohnt, wieder so viele Leute um einen herum zu haben. Doch schnell gewinnt das Gefühl der Erleichterung Überhand, endlich wieder mit lieben Menschen in seinem zweiten Zuhause zu sein. Wir decken uns mit Essen und Getränken ein und nehmen dann die Stufen hinauf zu Block 9.2. Erstmals seit 18 Monaten gehe ich vorbei an "unserem" Ordner. Noch 60 Minuten bis zur Westkurven-Rückkehr.
Westkurve, Block 9.2, 13:15 Uhr: "Ich bin wieder hier, in meinem Revier. War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt." Die Zeilen von Marius Müller-Westernhagen gehen mir an diesem Nachmittag mehr als einmal durch den Kopf, nachdem wir unsere Plätze eingenommen haben. Im Block treffe ich noch einen weiteren Freund, ansonsten suche ich viele vertraute Gesichter leider vergebens. Es ist eben doch noch nicht alles, wie es einmal war. Viele Sitze und Reihen bleiben leer, wo früher um diese Uhrzeit kein Platz mehr zu bekommen gewesen wäre. Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf das Erlebnis der West nämlich noch nicht wieder genießen. Vor allem für Kinder zwischen 12 und 18 Jahren ist das hart, denn diese können noch gar nicht voll geimpft sein, die Empfehlung dafür gibt es schließlich erst seit wenigen Wochen. Auch die Ultras kehren an diesem Samstag nur zum Teil ins Stadion zurück, die Frenetic Youth bringt vor der Kurve ein Spruchband an mit der Aufschrift: "Normalität gibt es erst, wenn sie für alle gilt!" Es ist also noch ein Stück weit, zurück zum alten Betze-Feeling. Aber als die Mannschaft ins Stadion einläuft und tausende Fans anfangen zu klatschen, da überfährt mich dennoch eine lange nicht mehr da gewesene Gänsehaut. Ich checke kurz mein Handy und erhasche bei DBB die Aufstellung. Keine Änderungen, Felix Götze ist zurück im Kader. Ich gönne mir einen großen Schluck und esse eine Frikadelle. Noch 45 Minuten bis zur Westkurven-Rückkehr.
Westkurve, Block 9.2, 14:00 Uhr: Es ist soweit. Die Mannschaften betreten den Rasen. Die Kurve intoniert lauthals "You'll never walk alone", ebenso leidenschaftlich wie sie zuvor bereits das Betze- und Palzlied vertont hatte. Im ersten Durchgang geht es für den FCK Richtung Westen. Als Osnabrücks Keeper Philipp Kühn in Richtung seines Kastens läuft wird er von einem gellenden Pfeifkonzert und einem lauten "Da steht ein A... im Tor" empfangen. Kühn hatte vor der Partie getönt, mit einem frühen Tor den Betze schnell zum schweigen bringen zu wollen. Die Lautrer Antwort "Macht sie platt, schießt sie aus der Stadt" wird wenige Minuten später mit Leben gefüllt werden. Wenige Reihen vor mir ist ein Fan mit einer Trommel bewaffnet und sorgt ebenso wie die anwesenden Ultras und restlichen Fans dafür, dass die Stimmung von Beginn an sehr gut ist. Der Funke, er springt an diesem Nachmittag über. Von der Kurve auf die Mannschaft und wieder zurück.
Von Bierduschen und Bier-Holern: Nicht jeder sieht zwei FCK-Tore
14:09 Uhr: Es läuft die siebte Spielminute, als wir Mike Wunderlich beim Flanken beobachten und René Klingenburg zum Kopfball ansetzt. Der Ball fliegt, wird immer länger, und senkt sich tatsächlich hinter dem so herzlich empfangenen Torwart Kühn in die Maschen. Jaaaaaaa! Bei diesem Torjubel schreit sich die Kurve gefühlt die ganze Last der letzten anderthalb Jahre von der Seele. Aus den hinteren Reihen folgt eine kleine Bierdusche, Klingenburg und seine Mannschaftskollegen lassen sich vor der Kurve feiern. Was haben wir diese Momente vermisst. Betze, dafür lieben wir dich.
14:27 Uhr: Da in unserer Reihe die Getränke zur Neige gegangen sind und zudem der ein oder andere Becher dem Torjubel zum Opfer gefallen ist, beschließen wir, uns um Nachschub zu kümmern. Da der Getränkestand in Block 9.2 noch geschlossen hat, müssen wir ganz nach unten. Als wir gerade in der Schlange anstehen, hören wir, dass es aus der Kurve immer lauter wird. Auf einmal wird aus dem Lärm Geschrei und die Tormusik ertönt. Da wird mir bewusst: Das muss das 2:0 gewesen sein. Ich spurte zum Aufgang von Block 8.1 und vergewissere mich der frohen Botschaft. Zurück am Platz will man mich am liebsten wieder wegschicken, hat mein kurzer Ausflug schließlich Glück gebracht. Auch solche Erlebnisse hat man eben nur live im Block.
14:45 Uhr. Halbzeit am Betze. Erstmal durchatmen. Nicht nur, dass diese Rückkehr in das Wohnzimmer der FCK-Familie eine recht emotionale Angelegenheit ist, an diesem sonnigen Nachmittag scheint auch sportlich einfach alles zu passen. Die Roten Teufel treten so auf, wie man das in einem Heimspiel erwartet, sind zudem brutal effektiv, sieht man einmal davon ab, dass Nicolas Sessa kurz vor der Pause eigentlich das 3:0 hätte nachlegen müssen. Und auch hinten lassen wir nichts anbrennen. Da sollte eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Kurz denke ich an meinen letzten Westkurven-Besuch im März 2020 gegen Meppen zurück. Diesen Gedanken verdränge und verwerfe ich aber schnell wieder.
15:47 Uhr: Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist relativ schnell erzählt. All zu viel nach vorne geht beim FCK nicht mehr. Da aber auch Osnabrücks Bemühungen meistens versanden bleibt die Westkurve gelassen. Es ist Zeit für die obligatorischen Gesänge, die man so lange vermisst hat. Als in der 85. Minute Felix Götze nach rund fünf Wochen sein Comeback feiert, wird er frenetisch willkommen geheißen. Kurz vor dem Ende hat die Zwei-Tore-Führung des FCK immer noch Bestand. Hier brennt heute nichts mehr an, daran besteht kein Zweifel mehr. Dadurch ist Zeit für ein fast schon vergessenes Ritual. Endlich werden im Fritz-Walter-Stadion wieder Taschentücher herausgeholt, Osnabrück mit "schönem Gruß und auf Wiedersehen" auf die Heimreise verabschiedet.
15:54 Uhr: Abpfiff. Jaaa! Der FCK gewinnt sein Heimspiel. Er gewinnt zum zweiten Mal in Folge. Und die Westkurve ist sogar dabei. Noch vor wenigen Wochen hätte dieses Szenario wohl noch jeder Fan als Wunschtraum abgetan. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die Kurve nach Schlusspfiff wie befreit wirkt. "Der FCK ist wieder da" und "Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen" wird ebenso angestimmt wie "Lautern ist der geilste Klub der Welt." Die Mannschaft kommt vor die West und macht die obligatorische Laola mit den Fans, muss sich "Hinsetzen" und gemeinsam ein lautes "F-C-K" in den Lautrer Himmel hinaus rufen. Da wir den Zug zurück erwischen müssen, begeben wir uns jedoch zügig hinunter.
Die Westkurve feiert ihre Rückkehr, aber: Zum Mythos Betze ist es noch ein weiter Weg
16:00 Uhr: Hinter den Blöcken der Westkurve angekommen wird nochmal deutlich, dass dieser Tag für die anwesenden Fans ein ganz besonderer war. Es wird getanzt und gesungen, die Chöre wollen fünf Minuten, zehn Minuten lang gar nicht mehr aufhören, es dröhnt durch die Katakomben: "Ooooh, wie ist das schöööön!" Für viele ist es die erste derartige Party nach 18 Monaten Pandemie. Erneut wird jubiliert, "der FCK ist wieder da", gemeint ist in diesem Moment aber wohl mindestens genauso sehr: Wir, die Fans des FCK, dürfen endlich wieder da sein. Die ganze Last der vergangenen Monate soll in diesem Moment abgeschüttelt werden. Natürlich gelingt das nur bedingt, aber in diesem Moment ist die Westkurve einfach nur glückselig. Es zeigt wieder einmal mehr: Der FCK ist für viele Menschen in dieser Region mehr als nur ein Teil ihres Lebens, für ganz viele ist er ihr Leben. Einmal mehr überfährt mich Gänsehaut.
Für uns geht es danach zurück zum Hauptbahnhof. "Dat war richtig geiler Betze-Fußball heute", ruft mir ein freudestrahlender Geburtstagsgast in seiner Berliner Schnauze zu, der heute unbedingt einmal den Mythos Betze hautnah erleben wollte, wie er sagte. Der Mythos Betze wurde beim 2:0 über Osnabrück sicher noch nicht wieder bemüht, und zur richtigen Normalität fehlt wie bereits erwähnt auch noch ein gutes Stück. Aber an diesem Nachmittag steige ich mit einem wohligen Gefühl die Stufen des Betze hinab. Und als ich abends wieder nach Hause komme und den Betzenberg wie viele Stunden zuvor wieder im Dunklen stehen sehe, da denke ich mir hoffnungsvoll, ja, es ist etwas dran: Der FCK ist wieder da!
Wie war Dein Stadionerlebnis beim Heimspiel gegen Osnabrück? Teile Deine Gefühlslage mit anderen FCK-Fans im Diskussionsforum von Der Betze brennt.
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Gerrit Schnabel

