
Ekstase in Düsseldorf: FCK siegt in letzter Minute 2:1
Der 1. FC Kaiserslautern verabschiedet sich mit einem irren Comeback in die Winterpause. Bei Fortuna Düsseldorf legen die Lautrer in der zweiten Halbzeit deutlich zu und drehen einen Rückstand mit der letzten Aktion in einen 2:1 (0:1)-Erfolg.
Im letzten Spiel des Jahres nahm FCK-Trainer Dirk Schuster gegenüber dem Derbysieg gegen den KSC vier Änderungen vor. So kam Mike Wunderlich überraschend zu seinem Startelf-Comeback für den auf der Bank sitzenden Philipp Klement. Fast zu erwarten war die Rückkehr von Erik Durm und Kenny Redondo in die erste Elf. Hikmet Ciftci ersetzte den verletzt fehlenden Julian Niehues auf der Doppelsechs.
Rund 9.000 Betze-Fans unter den insgesamt 44.422 Zuschauern sahen zunächst eine Lautrer Mannschaft, die sich schwer tat. Düsseldorf setzte die Gäste früh unter Druck und bestimmte klar die Partie - Chancen inklusive. In der 7. Minute musste Andreas Luthe zuerst einen Kopfball von Christoph Klarer parieren, ehe Sekunden später auch Tim Oberdorf nach einer verlängerten Ecke per Kopf zum Abschluss kam. Luthe konnte den schlecht platzierten Ball halten. Der FCK hatte kaum Ballbesitzphasen und sah sich schließlich nach der nächsten Möglichkeit für die Fortuna im Hintertreffen. Michael Karbownik konnte mit Tempo auf den Lautrer Sechzehner zudribbeln, wurde nicht wirklich gestört und setzte seinen Schuss von Strafraumgrenze unter die Latte zum 0:1 (14.).
Der Rückstand hatte sich abgezeichnet, zumal die Gastgeber durch einen Fernschuss in der 17. Minute gleich zur nächsten Gelegenheit kamen. Danach schwammen sich die Roten Teufel zumindest ein bisschen frei und tauchten auch selbst in der gegnerischen Hälfte auf. Gefährlich war das im ersten Durchgang aber nicht. Bei einer Abschluss-Chance traf Terrence Boyd nach Pass von Jean Zimmer den Ball nicht richtig (19.). Bereits in der Schlussphase der ersten Hälfte spielte dann der unter Druck gesetzte Luthe einen Fehlpass. Marcel Sobottka verfehlte die lange Ecke nur knapp (41.).
Mit Wiederbeginn wechselte Trainer Schuster doppelt aus und nahm in der Grundformation eine größere Umbaumaßnahme vor. Für Hikmet Ciftci und Dominik Schad kamen Aaron Opoku und Kevin Kraus, der neben Robin Bormuth in die Innenverteidigung ging. Boris Tomiak rückte nach vorne auf die Doppelsechs, Jean Zimmer nach hinten als rechter Verteidiger und Erik Durm wechselte auf die linke Seite. Die Änderungen zeigten sofort Wirkung und der FCK verströmte gleich in den ersten Minuten mehr Torgefahr als in der kompletten ersten Halbzeit. Ein erster Schuss von Wunderlich klatschte an den Pfosten (46.), ein zweiter ging auch nicht allzu weit vorbei (47.). Im Anschluss an eine Ecke war es dann Kraus, der zum 1:1-Ausgleich einköpfte (50.).
Es war nun ein ganz anderes Spiel und Marlon Ritter hätte mit einem abgefälschten Schuss die Partie um ein Haar komplett gedreht. Torwart Florian Kastenmeier rettete den Gastgebern das 1:1 (54.). Kurz vor Schluss musste auch Luthe noch eine Glanzparade auspacken und lenkte einen Versuch der Fortuna über die Latte (87.). In der Nachspielzeit hatten sich beide Teams fast schon mit einem Remis abgefunden, als Lex Tyger Lobinger im Strafraum von Karbownik gefoult wurde. Der eingewechselte Klement übernahm die Verantwortung und verwandelte den Strafstoß zum 2:1 (90.+6).
Mit dem Auswärtssieg holen die Roten Teufel zum wiederholten Mal in dieser Saison nach Rückstand noch etwas Zählbares. Sie bleiben die komplette Hinrunde auswärts ungeschlagen und gehen mit ganz starken 29 Zählern in die bedingt durch die WM in Katar extralange Winterpause. Weiter geht es für den FCK mit dem 18. Spieltag und dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 erst am 28. Januar 2023 um 20:30 Uhr.
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Quelle: Der Betze brennt
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- Statistik zum Spiel: Fortuna Düsseldorf - 1. FC Kaiserslautern 1:2
Ergänzung, 22:11 Uhr:

Stimmen zum Spiel
"Einfach Wahnsinn": FCK feiert grandioses Jahresfinale
Der 1. FC Kaiserslautern ist nach dem Last-Minute-Sieg bei Fortuna Düsseldorf im siebten Fußballhimmel. Mit 29 Punkten nach der Hinrunde sind die Roten Teufel stolz und blicken auf ein ganz besonderes Jahr zurück.
Gebührender hätte das Jahr 2022 für den FCK gar nicht enden können. Nach einer schwachen ersten Hälfte und einem Rückstand drehten die Roten Teufel in der zweiten Hälfte auf und glichen - wie schon so oft in dieser Saison - direkt nach der Pause aus. Und als sich alle schon damit abgefunden hatten, traf Philipp Klement tatsächlich noch per Elfmeter zum 2:1-Endstand. Trainer Dirk Schuster sah dementsprechend einen durchaus glücklichen Sieg, über den er aber selbst noch glücklicher war, ihn eingefahren zu haben. "Wir haben wieder ein hoch emotionales Spiel gesehen, wo es ohne Drama fast nicht geht, wie eigentlich in fast jeder Partie in unserer Hinrunde. Dass wir dieses Spiel in der letzten Sekunde gewinnen konnten, das war sicher sehr glücklich. Die drei Punkte nehmen wir aber natürlich trotzdem sehr gerne mit." Mit 29 Zählern ist seine Mannschaft nun nur noch elf Zähler von der für einen Aufsteiger magischen 40-Punkte-Marke entfernt und hat mit 16 Punkten in acht Auswärtsspielen zudem den bestehenden Zweitliga-Rekord für einen Neuling eingestellt.
Zimmer blickt zurück: "Wir standen mit dem Arsch an der Wand"
Kapitän Jean Zimmer war ob des späten Siegtreffers seiner Mannschaft an alter Wirkungsstätte noch etwas sprachlos. Der 28-Jährige ist besonders stolz auf die Entwicklung des Vereins in den vergangenen anderthalb Jahren: "Die letzten zwei Jahre FCK waren voller Höhen und Tiefen. Wir waren fast von der Bildfläche verschwunden, das war auch für mich eine sehr anstrengende Zeit. Da standen wir mit dem Arsch an der Wand. Hätte uns vor der Saison jemand gesagt, dass wir nach der Hinrunde 29 Punkte haben und unsere Fans hier 'Oh, wie ist das schön' singen, dann hätte das jeder, wirklich jeder unterschrieben. Wir sind eine richtige Truppe auf dem Platz, die nicht aufsteckt. Wir haben sehr viele Spiele noch gedreht, in denen wir zurücklagen. Das ist für einen Aufsteiger außergewöhnlich."
Angesprochen auf den Spielverlauf hob Zimmer vor allem die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte hervor: "Heute war ein Abbild für das ganze Jahr: Nie aufgesteckt, alles rausgehauen, was ging. Und dann erarbeiten wir uns am Ende das Quäntchen Glück, was Du brauchst im Fußball. Was heute insgesamt abging, auch in der Kurve, das war einfach Wahnsinn."
Bormuth lobt "Raketenstart" und freut sich auf die Heimfahrt
Robin Bormuth, der selbst zwischen 2013 und 2020 in Düsseldorf spielte, war nach der Partie voll des Lobes für die neuerliche Aufholjagd seiner Mannschaft. "Gegen uns ist es schwierig, in der ersten Halbzeit den Deckel draufzumachen, weil wir immer wieder zurückkommen. Es war ein wildes Spiel. Nach hinten raus ist es etwas glücklich, aber wir nehmen den Sieg mit und machen so die perfekte Englische Woche voll. Wir haben in der zweiten Halbzeit einen Raketenstart hingelegt, so war es heute ein rundum gelungener Tag. Jetzt haben wir eine schöne Rückfahrt vor uns, da freuen wir uns alle drauf. Es ist ein gutes Gefühl, mit so einem Erlebnis in die Winterpause zu gehen."
Klement wird zum Elfmeter-Held: "Hatte Vertrauen in mich"
Nerven aus Stahl bewies Philipp Klement. Der Spielmacher, der in der 71. Minute für Mike Wunderlich eingewechselt worden war, verwandelte in der Nachspielzeit den Elfmeter zum 2:1, danach wurde das Spiel gar nicht mehr angepfiffen. "In dem Moment musste ich einfach in meine eigene Stärke vertrauen und habe dann gute Nerven, oder keine Nerven gezeigt, wie man es ausdrücken möchte", erzählte der 30-Jährige mit einem Schmunzeln nach dem Schlusspfiff.
Auch Klement fand zur bärenstarken Hinrunde der Lautrer durchweg positive Worte und wagt sich dabei sogar etwas aus der Deckung: "Ich finde das immer etwas unnötig, wenn man abstreitet, dass man gut da steht. Wir haben 29 Punkte, wenn wir den Klassenerhalt jetzt noch verspielen würden, dann hätten wir es auch nicht anders verdient. Wir müssen nach der Pause einfach so weitermachen, jede Partie so anzugehen, dass wir sie gewinnen wollen. Wir müssen aber auch so ehrlich sein, dass wir die vergangenen Spiele unser Glück etwas ausgereizt haben. Wir müssen wieder besser spielen. Aber zu weit voraus zu blicken, das bringt jetzt noch nichts." Mit Blick auf seine ersten Monate nach seiner Rückkehr zum FCK fügt Klement schließlich noch an: "Es war sehr ereignisreich. Es macht Spaß, jedes Heimspiel, jedes Auswärtsspiel war ein Highlight."
» Zum Video: Pressekonferenz nach dem Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 12.11.2022:

Blick in die Kurve
9.000 FCK-Fans zeigen in Düsseldorf nochmal großes Kino
44.422 Zuschauer, davon 9.000 Gästefans. Klasse Stimmung, Spruchband-Lob fürs Team und -Kritik an der DFL, eine Choreo sowie ein kleiner Platzsturm. Beim Hinrun-den-Finale des FCK in Düsseldorf war auch auf den Rängen nochmal einiges geboten.
Der 1. FC Kaiserslautern hatte von Fortuna Düsseldorf zwei Mal ein zusätzliches Ticket-Kontingent erhalten, aber selbst dieses reichte nicht aus. Etwa 6.200 Karten wurden im Vorfeld vom FCK verkauft, viele mitreisende Anhänger deckten sich zusätzlich bei den Gastgebern ein. So dürften es am Ende um die 9.000 Betze-Fans gewesen sein, die sich vor allem rund um den offiziellen Gästebereich, auf der Hintertortribüne bis an den Fünfmeterraum sowie auf der Gegentribüne bis fast zur Mittellinie verteilten. Auch auf der Haupttribüne saßen relativ viele FCK-Anhänger, auch wenn hier natürlich die Heimzuschauer in der Überzahl waren. Für die Roten Teufel bedeutet diese Zahl den zweitgrößten Auswärtssupport in diesem Jahr (nach den 10.000 Mitreisenden in Hamburg), für Düsseldorf war es gar die höchste Zuschauerzahl seit Anfang 2020.


Die Lautrer Ultras hatten sich größtenteils im Oberrang eingefunden und begrüßten ihre Mannschaft schon zum Aufwärmen mit einem Danke-Spruchband: "Super Hinrunde, Jungs! Weiter so!" Zu diesem Zeitpunkt ahnte freilich noch niemand, was für ein erneut dramatischer Fußball-Abend bevorstehen sollte, der der Hinrunde förmlich das i-Tüpfelchen aufsetzte: Nach schwacher erster Halbzeit und 0:1-Rückstand drehten die Roten Teufel das Spiel und gehen nach dem 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit nun sogar unter den Top Fünf der 2. Bundesliga in die Winterpause. Dementsprechend euphorisch war die Stimmung: Schon während des Spiels hatten die FCK-Fans das Rheinstadion immer wieder in der Hand, was auch von den Düsseldorfer Zuschauern staunend und anerkennend registriert wurde. "Schön, dass ihr wieder da seid", lautete ein vielfach gehörter Satz. Nach dem dritten Sieg binnen sieben Tagen wurde ausgiebig mit der Mannschaft gefeiert, die 45 Minuten nach Schlusspfiff sogar nochmal aus den Katakomben kam und sich bei rund 2.000 immer noch im Stadion singenden Fans ein zweites Mal bedankte. Terrence Boyd brachte den Anhängern dabei einen Karton mit Pizza aus der Mannschaftskabine an den Gästeblock.
Im Gästebereich wurden außerdem noch per Spruchband die in der Tat ungewöhnlichen Spielterminierungen für den FCK in der Hinrunde kritisiert: "17 Spiele, 4x samstags - Scheiß DFL!"


Auch die Düsseldorfer Fans trugen ihren Teil zur Erstliga-reifen Atmosphäre bei. Am Abend des 11.11. waren viele dem Aufruf ihres Vereins gefolgt und mit teils aufwändigen Verkleidungen ins Stadion gekommen. Im Gästeblock hingegen gingen die FCK-Fans überwiegend den Aufruf des Fanbündnis FCK mit und stellten den Fußball statt der Fastnacht in den Mittelpunkt. Die 2007 gegründete "Division West" der "Ultras Düsseldorf" zeigte zum 15-jährigen Jubiläum eine Choreo mit Luftballons, Blockfahne, hochgezogenen Buchstaben und ein wenig Pyrotechnik: "Mein Leben hängt an Dir". In der Schlussphase stand das halbe Stadion und peitschte die Fortuna sehr lautstark nach vorne, ehe in der Nachspielzeit die kalte Dusche folgte. Weil Torschütze Philipp Klement und seine Mitspieler um Marlon Ritter direkt vor der Kurve feierten, fühlte sich eine handvoll F95-Anhänger provoziert und stürmte an den Spielfeldrand zur Jubeltraube. Die Situation beruhigte sich jedoch schnell, unter anderem dank der Intervention von FCK-Kapitän und Ex-Fortune Jean Zimmer. Spieler und Trainer beider Mannschaften waren sich nach dem Schlusspfiff einig, dass eine derartige Attacke ein No-Go ist, aber in diesem Fall auch nicht dramatischer gemacht werden sollte, als sie wirklich war. Besonders unschön war dennoch, dass Aaron Opoku von einem fliegenden Getränkebecher am Kopf gestreift wurde, wie auf den Fernsehbildern zu erkennen ist. Aber auch der Lautrer Flügelstürmer trug keinen Schaden davon und feierte wenig später mit einem breiten Grinsen vor der Gästekurve weiter.


Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Auswärtsspiel in Düsseldorf:
- Fotogalerie | 17. Spieltag: Fortuna Düsseldorf - 1. FC Kaiserslautern
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 12.11.2022:

Die Joker stechen: Die FCK-Noten zum Sieg in Düsseldorf
Der 1. FC Kaiserslautern feiert bei Fortuna Düsseldorf einen weiteren Gänsehaut-Sieg, zeigt dabei aber zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten. Dies wird auch beim Blick auf die mit einigen Ausreißern versehenen Spielernoten deutlich.
Dirk Schuster musste nach der ersten Halbzeit etwas verändern, und er tat es: Innenverteidiger Kevin Kraus war nicht länger als fünf Minuten auf dem Platz, da stieg er zum Kopfball hoch und erzielte den 1:1-Ausgleich. Es war der erste Höhepunkt einer starken zweiten Halbzeit, an deren Ende in letzter Sekunde der von rund 9.000 mitgereisten FCK-Fans frenetisch bejubelte 2:1-Auswärtssieg stand - auch hier traf mit Philipp Klement ein Einwechselspieler. Bei bisher 3.000 abgegebenen Einzelbewertungen auf Der Betze brennt erhält Kraus gemeinsam mit Keeper Andreas Luthe mit 1,7 die beste Durchschnittsnote. Die Journalisten der "Rheinpfalz" schließen sich dieser Einschätzung an, sehen die beiden Defensivspieler ebenfalls vorne und vergeben je eine glatte Zwei.
Schad und Ciftci enttäuschen - Uneinigkeit bei Redondo und Boyd
In der Kabine bleiben mussten in der Halbzeit Hikmet Ciftci und Dominik Schad. Ciftci war für den verletzten Julian Niehues in die Startelf gerückt und in der ersten Halbzeit sichtbar überfordert. Mit 4,1 wird er von den Fans am schlechtesten benotet. Der zum dritten Mal von Anfang an aufgebotene Schad, der ebenfalls keinen Glanztag erwischte, kommt im Mittel immerhin noch auf eine 3,9. Die "Rheinpfalz" straft beide Spieler sogar mit einer glatten Fünf ab. Unterschiede gibt es bei der Einschätzung von Kenny Redondo und Terrence Boyd: Im Fan-Ranking liegen sowohl Redondo (2,7), als auch Boyd (2,8) im Mannschaftsdurchschnitt, die schreibende Zunft versieht die beiden Offensivkräfte dagegen nur mit einer glatten Vier.
» Zur kompletten Notenübersicht: Fortuna Düsseldorf - 1. FC Kaiserslautern

Die DBB-Noten zum Auswärtsspiel in Düsseldorf können noch bis heute, 20:15 Uhr abgegeben werden: Zur Notenabgabe F95-FCK. Die Bewertungen des "Kicker" folgen am Montag.
Quelle: Der Betze brennt

