
Spielbericht: VfL Bochum - 1. FC Kaiserslautern 3:2
On The Highway To Hell
Gut gekämpft und doch verloren. Für den 1. FC Kaiserslautern wird die Luft immer dünner: Das unglückliche 2:3 beim VfL Bochum ist ein schmerzhafter Tiefschlag im Abstiegskampf - und trotzdem ist es zum Aufgeben immer noch zu früh!
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"Living easy, living free", dröhnt es zu den Gitarrenriffs von Angus Young aus den Lautsprecherboxen des Stadions. Welches Lied könnte besser auf das nächste Schicksalsspiel der Roten Teufel hinführen, als der AC/DC-Klassiker "Highway To Hell"? Wird der 1. FC Kaiserslautern auf die Überholspur abbiegen oder führt der Weg immer weiter in die Hölle - also in Richtung 3. Liga?
Als diese Fragen rund eine Viertelstunde vor dem Anpfiff des Auswärtsspiels beim VfL Bochum gestellt werden, befinden sich viele Zuschauer noch vor den Toren des altehrwürdigen Ruhrstadions, das später mit 23.042 Zuschauern gut gefüllt sein sollte. Stau um Stau auf den Autobahnen in NRW hält vor allem die auswärtsfahrenden FCK-Fans auf, viele kommen erst knapp vor Spielbeginn an, manche sogar erst danach. 2.500 begleiten ihr Team auch an diesem Freitag wieder zum Auswärtsspiel und sorgen für einen klasse Support, nicht nur zweitligawürdig, sondern erstligareif!
Altintop bringt den Gästeblock zur Ekstase - doch Bochum antwortet schnell
Auf dem Rasen gibt es verletzungsbedingt fünf Wechsel in der Lautrer Anfangsformation und einen Knallerstart der Roten Teufel: Gino Fechner, der Bochumer Junge im FCK-Trikot, bedankt sich für einen Ballverlust im Mittelfeld, legt den Ball zu Sebastian Andersson, der wiederum Halil Altintop freispielt. Und der Routinier erzielt souverän das 1:0 für den FCK (7.). Jaaaaaaa!!! Die Fans im sich immer noch füllenden Gästeblock eskalieren zum ersten Mal so richtig, der FCK liegt in Führung, Altintop schießt bei seinem ersten Startelfeinsatz gleich sein erstes Tor. Ja, verdammt noch mal!
Doch Bochum antwortet. Auch im Heimbereich herrscht trotz anhaltendem Boykott der Ultras heute gute Stimmung, und diese wird vor allem durch zwei Tore für den VfL befeuert: Jeweils nach Eckbällen drehen Lukas Hinterseer (18.) und mit einem Eigentor Osayamen Osawe (27.) den Rückstand in eine Führung. Osawes Treffer war dabei gefühlt der erste "gewonnene" Kopfball im Spiel des FCK - wie kann so eine Unterlegenheit bei Eckbällen sein? Lautern hat Glück, nicht mit einem höheren Rückstand in die Pause zu gehen, Spieler und Fans wirken konsterniert.
Neues Feuer auf den Rängen und auf dem Platz: Der FCK kommt zurück ins Spiel
Doch dann wendet sich das Blatt erneut! Zur zweiten Halbzeit sorgen die Lautrer Ultras mit zahlreichen Bengalos im wahrsten Sinne des Wortes für frisches Feuer auf den Rängen. Und auf dem Rasen treibt das angeheizte FCK-Team die Stimmung sogleich auf den nächsten Siedepunkt: Einen Eckball von Altintop stochert Stipe Vucur über die Linie (48.) - Ausgleich für den FCK!
Die Betze-Fans rocken jetzt das Ruhrstadion! Nicht nur im Stehplatzblock E1, sondern auch im Sitzplatzbereich E2/F hält es schon lange niemanden mehr auf den Stühlen und auch auf der anderen Seite des Gästeblocks in Block D sorgt ein größerer Pulk von FCK-Fans für Stimmung auf der Gegentribüne: "Kaiserslautern olé o-ho!" Die Roten Teufel drücken weiter und Bochum hat riesiges Glück, als ein Fernschuss von Brandon Borrello an den Innenpfosten knallt und hinter dem Rücken des Torwarts die Linie entlang nach draußen rollt.
Bochum hat das Glück im Nachschuss vom Nachschuss - und Lautern nicht
Doch der Führungstreffer soll heute nicht mehr dem FCK gelingen, sondern den Bochumern: So wie jede Woche wirft sich die Elf von Michael Frontzeck in die Bälle, in der 81. Minute sogar zwei Mal erfolgreich im eigenen Strafraum - und dann ist der Ball doch drin. Ausgerechnet der Ex-Lautrer Kevin Stöger erzielt den 3:2-Siegtreffer für Bochum. Partystimmung bei den Heimfans, die nun sogar vom Aufstieg zu träumen beginnen, und tiefste Ernüchterung bei allen FCK'lern.
Dabei gibt es sie noch, die Riesenchance auf den Ausgleich: In der Nachspielzeit sorgt der eingewechselte Lukas Spalvis für den zweiten Pfostentreffer des FCK, Osawe verzieht den Nachschuss, Ruben Jenssen bringt den Ball vom Fünfmeterraum nicht ins Tor, dann erneut Osawe am Tor vorbei. Eine unglaubliche Intensität begleitet diese letzten Spielminuten, die 2.500 Lautrer Fans sind jetzt so laut wie mindestens 5.000, es wird noch einmal alles rausgehauen. Aber dann heißt es doch: Vorbei, Aus, Ende. Die Roten Teufel haben aufopferungsvoll gekämpft und stehen trotzdem mit leeren Händen da.
Wer in Bochum dabei war, kann jetzt nicht aufgeben: "You'll Never Walk Alone"
Jetzt hilft wohl nur noch beten, um die Ausfahrt in die Hölle der 3. Liga doch noch zu umgehen. Zunächst braucht der FCK hilfreiche Ergebnisse bei den Sonntagsspielen der Konkurrenten aus Heidenheim und Darmstadt. Und dann muss ein neues Wunder vom Betzenberg her, von denen es doch schon so viele gegeben hat.
Die Fans, die sich für ihren FCK am Freitag die Autobahn hinauf gequält haben, lassen sich die Hoffnung auf das Wunder nicht nehmen: Mit "Lautrer geben niemals auf" und "You'll Never Walk Alone" wird die eigene Mannschaft auf den Heimweg geschickt. Wer in Bochum dabei war, wer den Kampf der Mannschaft auf dem Rasen und die Leidenschaft der Fans auf den Rängen miterlebt hat, der kann jetzt noch nicht aufgeben!
Quelle: Der Betze brennt

Frontzeck: "Regenerieren und wieder angreifen"
Ein Traumstart, eine gute zweite Hälfte, aber am Ende nicht mal ein Punkt: "Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen", haderte Halil Altintop nach dem 2:3 in Bochum. Während Michael Frontzeck versuchte, die Köpfe möglichst schnell wieder nach oben zu bringen, zollte selbst VfL-Trainer Robin Dutt dem unterlegenen FCK Respekt.
"Was Kaiserslautern uns in der zweiten Halbzeit abverlangt hat, wie sie alles in die Waagschale geworfen haben, da ziehe ich meinen Hut vor", sagte der Coach der Mannschaft der Stunde, die seit sieben Spielen ungeschlagen ist und den vierten Sieg hintereinander feierte. Auch Dutts Lautrer Kollege Frontzeck hatte "ein ausgeglichenes Spiel gesehen, das beide Mannschaften hätten gewinnen können". Es gebe keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. "Wir werden regenerieren und gegen Dresden wieder angreifen", sagte Frontzeck.
Ärger über "dämliche" Gegentore
Routinier Halil Altintop, der bei seinem ersten Spiel von Beginn an direkt das frühe 1:0 erzielt hatte, ärgerte sich derweil über das Defensivverhalten. "Dämlich" seien die Gegentore gewesen, sagte Altintop und meinte wohl vor allem den Treffer zum 1:2, den sein Angriffskollege Osayamen Osawe mit einem Eigentor besiegelte. Nach einer Ecke der Bochumer muss man tatsächlich die Frage stellen, wohin der Stürmer die Kugel eigentlich köpfen wollte. Die genaue Gegenrichtung auf Kosten eines weiteren Eckballs wäre wohl die richtige Wahl gewesen. Schon beim Ausgleich sahen die Lauter bei einem Eckstoß nicht gut aus, als Lukas Hinterseer unbedrängt zum 1:1 einschießen konnte. "Standardtore sind immer vermeidbar", sagte Stipe Vucur.
Auch unabhängig von den Gegentreffern sah Altintop die Gastgeber im ersten Durchgang "klar besser". "Da haben wir es nicht verstanden, gegen den Ball zu arbeiten, so der Rückkehrer. "Aber dann sind wir super aus der Pause gekommen und ein Unentschieden wäre gerecht gewesen", so Altintop, der zudem den beiden Pfostentreffern durch Brandon Borrello und Lukas Spalvis nachtrauerte.
Dutt drückt dem FCK die Daumen
Durch die Niederlage ist die Hoffnung auf den Klassenerhalt natürlich nicht größer geworden. "Das ist uns allen bewusst", sagte Altintop. "Je weniger die Spiele werden, desto schwieriger wird es." Einen weiteren Unterstützer für die restlichen vier Saisonpartien haben die Lautrer im Bochumer Trainer Dutt gewonnen. "Es tut jedem Fußballer leid, wenn es so ein Verein nicht mehr schaffen sollte", sagte Dutt. "Wir drücken dem FCK die Daumen."
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 15.04.2018:

Der 1. FC Heidenheim schlug Fortuna Düsseldorf 3:1; Foto: Imago
Heidenheim siegt: FCK-Chancen sinken weiter
Weil der 1. FC Heidenheim sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf gewonnen hat, haben die Hoffnungen auf den Klassenerhalt des 1. FC Kaiserslautern einen herben Dämpfer erhalten.
Der 1. FC Heidenheim setzte sich am Sonntagnachmittag im Heimspiel gegen Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf mit 3:1 durch. Die Schwaben, bei denen Nikola Dovedan mit einem Doppelpack glänzte, ließen sich in einer intensiven Partie auch nicht vom zwischenzeitlichen Ausgleich der Fortunen schocken und fuhren letztlich drei verdiente Punkte ein. Damit sprang das Team von Cheftrainer Frank Schmidt auf den 13. Tabellenplatz und überholte die SpVgg Fürth, Dynamo Dresden und den FC St. Pauli, die nun wie der FCH mit 37 Punkten acht Zähler vor dem FCK rangieren.
Gegen Dresden und Heidenheim bestreiten die Pfälzer ihre beiden noch ausstehenden Heimspiele. Auf den Relegationsplatz rutschten mit 37 Punkten die Kiezkicker ab, die am Samstag 0:1 gegen Union Berlin verloren haben. Für den FCK mit 29 Punkten bedeutet der Sieg des FCH einen vier Spieltage vor Saisonende auf acht Punkte angewachsenen Rückstand auf den 16. Rang.
Darmstadt spielt 1:1 gegen Braunschweig
Wenig ins Gewicht fällt da der Punktgewinn von Darmstadt 98. Die Lilien waren gegen die Braunschweiger Eintracht durch ein Eigentor von Slobodan Medojevic in Rückstand geraten. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss glich Tobias Kempe vom Elfmeterpunkt aus. Der Bundesliga-Absteiger steht damit vier Zähler vor dem FCK und hat vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz.
Quelle: Der Betze brennt
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