
Offensiv-Allrounder Ben Zolinski kommt aus Aue zum FCK
Der 1. FC Kaiserslautern verstärkt seinen Angriff mit Ben Zolinski. Der 30-Jährige war zuletzt für den Zweitligisten Erzgebirge Aue im Einsatz.
Der in Berlin geborene Offensivspieler wechselte, nachdem er unter anderem für den F.C. Hansa Rostock und Union Berlin II auflief, im Jahr 2016 zum SC Paderborn, mit dem er in den darauffolgenden Jahren an der Seite von Marlon Ritter den Durchmarsch bis in die Bundesliga feiern konnte. In den vergangenen beiden Jahren lief der vielseitig einsetzbare Rechtsfuß für den Zweitligisten FC Erzgebirge Aue auf, bei dem er u.a. auch mit Trainer Dirk Schuster zusammenarbeitete. Insgesamt kann er in seiner bisherigen Profikarriere auf 27 Bundesligaspiele (drei Tore, zwei Vorlagen), 85 Zweitligaspiele (elf Tore, zehn Vorlagen) und 76 Drittligaspiele (15 Tore, vier Vorlagen) zurückblicken.
FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen: "Ben Zolinski ist ein Offensiv-Allrounder, der viel Erfahrung, eine hohe Leistungsbereitschaft und die passende Mentalität für den FCK mitbringt. Zudem kennt er die Zweite Liga. Wir sind froh, dass wir ihn für uns gewinnen konnten."
"Ich freue mich auf eine neue Herausforderung, auf den Verein, die geilen Fans und das Stadion. Ich werde alles für den FCK geben und hoffe, dass ich mit meinen Fähigkeiten auf dem Platz der Mannschaft helfen kann, unsere Ziele zu erreichen", so Ben Zolinski zum Wechsel in die Pfalz.
Spielerdaten
Name: Ben Zolinski
Position: Angriff
Geboren: 03.05.1992 in Berlin
Nationalität: Deutsch
Größe: 1,81 m
Frühere Vereine: FC Erzgebirge Aue, SC Paderborn, TSG Neustrelitz, 1. FC Union Berlin II, F.C. Hansa Rostock, FC Carl Zeiss Jena, 1. FC Neubrandenburg 04, SV Möllenhagen/Bocksee
Quelle: Pressemeldung FCK
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Ergänzung, 09.06.2022:

Foto: Imago Images
Gereift im Auf und Ab: Ben Zolinski im DBB-Porträt
Ben Zolinski - "einer, der Durchmarsch kann"? Ist uns zu großspurig. Der 30- jährige Neuzugang des 1. FC Kaiserslautern ist eher einer, der schon alles erlebt hat, was der Fußball zu bieten hat - und darf gerade deswegen als gereifte Spielerpersönlichkeit gelten.
Bereits sein Karrierestart verlief alles andere als rund. Vor seinem 24. Geburtstag kickte der gebürtige Berliner, der Mecklenburg als seine Heimat und sich selbst als Dorfmensch bezeichnet, noch beim Regionalligisten TSG Neustrelitz. Und ihm war klar, dass sich sein Traum von der Profikarriere nun langsam erledigen würde, wenn ihm nicht in diesem Jahr der Sprung nach oben gelingt. Den hatte er geträumt, seit er in seiner Jugend bei Hansa Rostock spielte. Zwei Jahre über ihm kickte bis 2006 ein gewisser Toni Kroos, der schon als 16-Jähriger zu Bayern München transferiert wurde.
"Ich hab mich in dieser Saison 2015/16 dann nochmal voll auf Fußball fokussiert", erzählt Ben Zolinski später. Was sich auch in den Leistungsdaten dieser Spielzeit widerspiegelt: Als Rechtsverteidiger erzielt er sechs Treffer und gibt fünf direkte Vorlagen. Zweitliga-Absteiger Paderborn wird auf ihn aufmerksam und verpflichtet ihn, um mit ihm den direkten Wiederaufstieg anzupeilen.
» Zum Video: Blau oder Schwatt - Fragerunde mit Ben Zolinski
"Leidenschaft und Wille": Trainer-Unikum Baumgart hat Zolinski geprägt
Der Neuling schafft auch sofort den Sprung in die Stammelf, doch für sein Team läuft es alles andere als rund. Der neu formierte SCP findet nicht zusammen, gerät in Abstiegsgefahr, wechselt zwei Mal den Trainer und landet am Ende dennoch auf Abstiegsplatz 18 - und Ben Zolinski droht nur ein Jahr nach seinem Aufstieg direkt wieder viertklassig zu werden. Nur der Lizenzentzug der Münchner Löwen sichert den Westfalen doch noch den Klassenerhalt. Und das ist nicht die einzige glückliche Fügung, von der der Spätstarter von nun an profitiert: Im April 2017 hat Paderborn Steffen Baumgart als Trainer verpflichtet. Ein Typ, der auch Zolinski in den kommenden Jahren prägen wird: "Baumgart steht, wofür ich auch stehe: Leidenschaft und hundertprozentigen Willen."
Baumgart krempelt den Paderborner Kader im Sommer nochmal tüchtig um, holt Spieler wie den heutigen Darmstädter Torjäger Phillip Tietz oder Marlon Ritter, der nun in Kaiserslautern erneut Zolinskis Teamgefährte sein wird. Den bisherigen Rechtsverteidiger setzt der Coach fortan mindestens eine Position weiter vorne ein, in der Schlussphase der Saison sogar als Stürmer. Zolinski erzielt zehn Treffer, gibt zwei Vorlagen - und Paderborn steigt als Tabellenzweiter auf.
Mit Paderborn in der Bundesliga gescheitert, aber "Duftmarken gesetzt"
In der Saison 2018/19 gelingt dem SC Paderborn sensationell der Durchmarsch - vom Fast-Absteiger in die Regionalliga hinauf in die Bundesliga. Der Klub schließt auch im Unterhaus auf Rang 2 ab, Zolinski spielt fast durchgehend im Sturm, wenngleich mit weniger Abschlüssen: nur vier Treffer und zwei Vorlagen stehen zu Buche. Die anschließende Spielzeit in der Ersten Liga mutet auf dem Papier an wie die vieler anderer Teams, die es mit einem im Grunde nicht wettbewerbsfähigen Etat dennoch ins Oberhaus schafften: Sie endet mit gerade mal 20 Punkten auf Rang 18.
Aber: Die Paderborner sind anders aufgetreten als die meisten Underdogs, haben stets mutig das Spiel nach vorne gesucht. Sind darum immer wieder mal böse untergegangen, haben aber auch "Duftmarken gesetzt", wie Zolinski erzählt. Vor allem das 3:3 in Dortmund ist ihm in Erinnerung geblieben, nach 3:0-Führung des SCP, wohlgemerkt. Zolinski hat zum zwischenzeitlichen 2:0 durch Streli Mamba die Vorlage gegeben. Er ist im Bundesliga-Jahr nicht mehr uneingeschränkt Stammspieler, kommt aber auf 14 Starfelf-Einsätze, drei Treffer, zwei Vorlagen. Wieder wird er fast ausschließlich im Sturm eingesetzt: "Die Rolle hab ich auf höchstem Niveau gespielt, da fühle ich mich auch am wohlsten."
» Zum Video: Paderborns fulminanter Auftritt mit Zolinski und Mamba in Dortmund
Nach Bundesliga zehn Wochen arbeitslos - Neustart bei Schuster in Aue
Nach diesem Höhenflug folgt wieder ein Rückschlag: Nach dem Abstieg verlängert Paderborn Zolinski Vertrag nicht mehr, und im Corona-Sommer 2020 will sich zunächst kein neuer Arbeitgeber finden. Erst im September erhält er die Chance, bei Erzgebirge Aue zu unterschreiben. Kurz zuvor ist Dirk Schuster dort Trainer geworden. "Ben bringt alle Voraussetzungen mit, um eine echte Verstärkung für unsere Mannschaft zu sein", erklärt dieser bei seiner Vorstellung. "Er besitzt eine gute Ausbildung und viel Erfahrung. Er kann sich durchsetzen und viel für unser Spiel leisten, defensiv wie auch offensiv." Schuster setzt den Rechtsfuß vornehmlich rechts offensiv, immer wieder aber auch auf anderen vorderen Postionen ein.
Auf diese Allrounder-Qualitäten setzten in abgelaufenen Saison ebenso Schusters diverse Nachfolger, zuletzt der erfahrene Pavel Dotchev. Unterm Strich kam Zolinski sogar öfter auf der linken Seite zum Einsatz als auf seiner angestammten rechten. Mit vier Treffern und drei Vorlagen war er zweitbester Scorer des Zweitliga-Absteigers. Seinen spektakulärsten Auftritt hatte Ben Zolinski aber auf seiner Ursprungsposition als Rechtsverteidiger, beim 2:0-Auswärtssieg der Auer in Heidenheim. Da erzielte er beide Treffer. Und die Art, wie er sie erzielt, verrät ein wenig von seinen Qualitäten:
» Zum Video: Ben Zolinski schießt Aue zum 2:0-Sieg in Heidenheim
Treffer Nummer eins resultiert aus einer technisch sauberen Direktabnahme. Und wie er sich vor Treffer zwei von der rechten Seite in den Strafraum schmuggelt, erinnert ein wenig an Lauterns Philipp Hercher. Ob die zwei künftig als Duo auf der rechten Seite zu sehen sein werden?
Wie sehr Zolinski mit seinen 30 Jahren bereits als Persönlichkeit gereift ist, deutet dieser Ausschnitt an: Da analysiert Zolinski vor laufender MDR-Kamera das mit 0:3 verlorene Heimspiel der Auer gegen Karlsruhe. Und redet dabei eher wie ein Trainer als wie ein Spieler.
Und ganz viel über sich erzählt Ben Zolinski in dieser Fragerunde anlässlich seiner Vorstellung beim FC Erzgebirge Aue im September 2020.
» Zum Video: FCE-Neuzugang Ben Zolinski stellt sich den Fragen der Presse
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 30.06.2022:

"Alles außer Torwart": Im Gespräch mit Ben Zolinski
Uff e Wort: Ben Zolinski soll die neue Allzweckwaffe vom Betze werden. Wir haben mit ihm über seine Vielseitigkeit, seinen Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern und darüber, was Marlon Ritter und Manfred Starke damit zu tun haben, gesprochen.
"Polyvalente Spieler", dieser Begriff fällt immer wieder, seit Thomas Hengen Sportchef beim FCK ist. Früher hätte man solche Spieler einfach als vielseitig bezeichnet. Profis, die auf mehreren Positionen spielen können. Wenn das auf jemanden im besonderen Maße zutrifft, dann auf Ben Zolinski, den Neuzugang von Zweitliga-Absteiger Erzgebirge Aue. "Flexibilität ist schon mein Steckenpferd", sagt er im Gespräch während des Trainingslagers in Südtirol über sich selbst - und hat dennoch eine Lieblingsposition im Auge.
Drei Fragen und drei Antworten mit Ben Zolinski:
Der Betze brennt: Ben Zolinski, wenn man Deine Vita betrachtet, fällt sofort auf, wie vielseitig Du bist und dass du schon quasi alles außer Torwart gespielt hast. Für welche Position bist Du denn beim FCK eingeplant und wo spielst Du selbst am liebsten?
Ben Zolinski (30): Außer Innenverteidiger habe ich glaube ich tatsächlich schon alles gespielt ... (überlegt) ... wobei, das war ich zumindest in der Jugend auch schonmal (lacht). Es stimmt, ich habe in meiner Profi-Laufbahn tatsächlich fast schon jede Position bekleidet. Es ist schon interessant, wo man am Ende in seiner Karriere so landet. Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, du spielst irgendwann als Stürmer oder allgemein im offensiven Bereich, weiß ich nicht, ob ich das so unterschrieben hätte. Als Profi gehört Flexibilität aber ohnehin dazu, daher bin ich froh darüber, dass ich ungefähr weiß, was auf jeder Position gefordert ist. Dass ich da ein gewisses Spielverständnis mitbringe, würde ich schon als meine Stärke sehen. Ich sehe mich selbst aber schon eher als offensiver Spieler und so sehen mich auch die FCK-Verantwortlichen. Klar wurde meine Flexibilität im Vorhinein auch besprochen und ich könnte auch andere Positionen übernehmen, wenn Not am Mann wäre. Eingeplant bin ich aber für die Offensive. Dort fühle ich mich wohl, sowohl auf den Außen, als auch hinter den Spitzen. Da habe ich auch gespielt, als wir mit Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen sind.
Der Betze brennt: Du hast vergangene Saison mit Aue in der 2. Bundesliga gespielt, viele unserer neuen Gegner und Stadien kennst Du also schon. Worauf kommt es in dieser Liga an, auf was müssen wir uns einstellen?
Zolinski: Uns erwartet eine sehr, sehr ausgeglichene Spielklasse. Ich weiß, dass das in der 3. Liga durchaus auch der Fall ist, aber in der 2. Bundesliga hattest du in den vergangenen Jahren hinter den Spitzenteams wie zuletzt Werder Bremen und Schalke 04 immer ein sehr breit gefächertes Mittelfeld, wo jeder die Möglichkeit hatte, in den oberen Bereich vorzustoßen. Ganz wichtig ist mannschaftliche Geschlossenheit, das steht über allem. Das kann die eine oder andere individuelle Schwäche ausgleichen, dich aber auch in schweren Saisonphasen beflügeln. Ich habe im letzten Jahr bei Aue gemerkt, dass es gegen die gestandenen Mannschaften wie Heidenheim oder andere, die schon über einen längeren Zeitraum zusammen spielen, schnell schwer wird, wenn dein eigenes Team nicht voll harmoniert.. Es ist in jedem Spiel wichtig, dass du bis zum Abpfiff konzentriert bleibst, um nicht in der Nachspielzeit noch Punkte herzuschenken. Und nicht zuletzt ist der Saisonstart ein entscheidender Faktor. Wenn du in der Hinrunde in dieser Liga deine Hausaufgaben nicht machst, dann wird es in der Rückrunde eklig. Hier in Kaiserslautern herrscht nach dem Aufstieg eine große Euphorie, da ist es sehr wichtig, dass wir die mitnehmen und einen guten Start hinlegen.
Der Betze brennt: Du hast mit Paderborn schon in der Bundesliga gespielt, hast auch Erfahrung in der 2. Bundesliga. Kurioserweise hast Du aber auch als Gegner noch nie im Fritz-Walter-Stadion gespielt. Was hat dich bewogen, das jetzt zu ändern und mit welchen Gefühlen blickst Du auf dein erstes Spiel?
Zolinski: Ja, ich habe tatsächlich noch nie auf dem Betzenberg gespielt, die Wege gingen immer gerade so aneinander vorbei. Ich habe aber natürlich die Relegationsspiele verfolgt. Da ist man ein Stück weit sprachlos, wenn man diese rote Wand sieht. Das verursacht Gänsehaut-Feeling, für sowas hast du als kleiner Junge angefangen, Fußball zu spielen. Das hat mich im Endeffekt auch begeistert an diesem Verein. Diese Wucht hat mich gefesselt und ist das, worauf ich schon beim Zuschauen richtig Bock hatte. Ich kenne ja auch schon einige aktuelle oder ehemalige FCK-Profis, mit denen ich in der Vergangenheit zusammengespielt habe. Marlon Ritter hatte ich kurz vor meinem Wechsel auf einer Hochzeit getroffen, der hat mir dann noch die eine oder andere Information gegeben. Auch mit Manfred Starke habe ich gesprochen. Beide haben sehr positiv über den FCK erzählt. Das war zwar nicht ausschlaggebend für meine Entscheidung, aber hat mich trotzdem nochmal darin bestärkt. Die Vorfreude ist enorm. Auf die Zuschauer, auf das Stadion, aber auch darauf, das offizielle Eröffnungsspiel bestreiten zu dürfen, was ich bisher noch nie durfte.
Quelle: Der Betze brennt
