
"Ziel Aufstieg": Dirk Schuster startet seine FCK-Mission
Dirk Schuster hat seine erste Einheit als neuer Trainer des 1. FC Kaiserslautern geleitet und sich anschließend den Fragen der Journalisten gestellt. Auch Sportchef Thomas Hengen stand Rede und Antwort zur Entlassung von Marco Antwerpen.
Pünktlich um 15:30 Uhr betrat Schuster mit seinem Co-Trainer Sascha Franz den Rasen des Fritz-Walter-Stadions und richtete sich zunächst mit einigen Worten an seine neue Mannschaft. Es folgte eine rund 100-minütige Trainingseinheit, in der zum Kennenlernen hauptsächlich lockere Übungen mit dem Ball, aber durchaus auch körperbetonte Zweikämpfe enthalten waren. Bei den 27 beteiligten Spielern war nach den Ereignissen der letzten Tage weder besonders schlechte noch gute Stimmung auszumachen, dafür aber eine hohe Konzentration. Im ausgiebigen Trainingsspiel griff Schuster immer wieder mit Anweisungen ein und achtete dabei insbesondere auf ein sicheres Auftreten in der Defensive. Abgeschlossen wurde die Einheit mit einem vielleicht auch für die Relegation relevanten Elfmeterschießen, nach dem das Verlierer-Team als "Strafe" das Equipment in die Kabine bringen musste. Trainingszuschauer waren mit Ausnahme der Pressevertreter sowie einiger Funktionäre von Seiten des Vereins nicht zugelassen.
Schuster: "Die leichte Enttäuschung in große Euphorie umwandeln"
Zwei Stunden später gab Dirk Schuster sein erstes offizielles Statement als Coach der Roten Teufel ab. Der 54-Jährige möchte die volle Kraft des Vereins schnell auf die Relegationsspiele gegen Dynamo Dresden am 20. und 24. Mai ausrichten: "Es geht um den Verein, es geht um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Mannschaft hat mit ihrem Trainerteam um Marco Antwerpen eine richtig gute Runde gespielt und steht nicht umsonst auf dem dritten Platz. Wir haben die Situation, dass wir in zwei Spielen noch den Aufstieg erreichen können - da würden viele Mannschaften, nämlich genau 17, gerne mit uns tauschen. Unser Ziel ist es, die leichte Enttäuschung in eine große Euphorie umzuwandeln. Dafür brauchen wir jeden Einzelnen. Und wenn dafür der Funke vom Platz auf die Ränge überspringen muss, dann ist es eben so. Für uns gilt es jetzt, nach vorne zu blicken. Wir wollen das Ziel erreichen, in diesen zwei Spielen in die 2. Bundesliga aufzusteigen - das ist ganz klar."
Hengen: "... dann muss ich als Verantwortlicher diesen Impuls setzen"
Auch Geschäftsführer Thomas Hengen möchte die Konzentration nach den jüngsten Turbulenzen schnell wieder auf das große Ziel Aufstieg lenken. Der 47-Jährige äußerte sich aber auch zur Entlassung des bei den Fans sehr beliebten Schuster-Vorgängers Marco Antwerpen: "Wenn gesagt wird, dass beim 1. FC Kaiserslautern Chaos herrscht, dann muss ich laut lachen. Wir haben in aller Ruhe die Dinge analysiert. In den letzten Wochen haben wir einen besorgniserregenden Trend festgestellt, sind in den Zweikampf- und Laufwerten abgesackt, der Leistungsabfall war nicht zu erklären. Dann kam das Spiel in Köln, wo wir ohne Druck aufspielen konnten und eine indiskutable Leistung gezeigt haben. Das war am Sonntag. Am Montag folgte die Analyse und die Kontaktaufnahme mit Dirk Schuster. Von fünf Stimmen in der Sitzung des Beirats waren am Dienstag vier für einen Trainerwechsel und einer hat sich enthalten (die Enthaltung kam vom zwischenzeitlich zurückgetretenen Fritz Fuchs; Anm. d. Red.). Das ist eine verdammt unpopuläre Entscheidung und ich habe mir das auch nicht leicht gemacht. Es hat auch nichts persönliches mit Marco Antwerpen und Frank Döpper zu tun. Aber es geht hier nicht um einzelne Personen, sondern es geht um den Erfolg des Vereins. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich diese Entscheidung für den Turnaround brauche, dann muss ich als Verantwortlicher diesen Impuls setzen."
» Zum Video: Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen FCK-Trainers Dirk Schuster
Eine ausführliche Zitatesammlung von der Pressekonferenz sowie Fotos vom Training und der Vorstellung folgen heute Abend auf Der Betze brennt.
Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Chronologie im DBB-Forum: Marco Antwerpen entlassen, Dirk Schuster übernimmt
Vorherige Meldung vom 11.05.2022:

Foto: Imago Images
Porträt: Der neue Cheftrainer des 1. FC Kaiserslautern
Dirk Schuster: Warten auf das nächste Wunder
Dirk Schuster also. Ein Name, der die Fans des 1. FC Kaiserslautern erstmal fremdeln lässt. Und bis zum ersten Relegationsspiel am 20. Mai bleibt nicht viel Zeit, mit ihm warm zu werden. Wir stellen Euch den neuen Cheftrainer im DBB-Porträt näher vor.
Dirk Schuster? Als Trainer nachhaltig in Erinnerung geblieben ist der heute 54-Jährige nach wie vor mit der Erfolgsgeschichte, die er mit Darmstadt 98 zwischen 2013 und 2016 schrieb. Der gebürtige Chemnitzer und langjährige Aktive des Karlsruher SC übernahm den Verein im Dezember 2012. In der Saison 2013/14 stieg er mit ihm in die 2. Bundesliga auf - und schaffte in der darauffolgenden Spielzeit den Durchmarsch in die Bundesliga. Als Tabellenzweiter.
FCK-Fans ist, wie vieles im Zusammenhang mit Dirk Schuster, diese Zeit eher unangenehm in Erinnerung. Es war die Runde, in der die Lautrer mit "Coach Kosta" Runjaic an den letzten Spieltagen von Rang 2 auf Rang 4 zurückfielen und nach der sie nie wieder von der Bundesliga träumen durften.
Der Underdog, dem kein Respekt zuteil wurde
Aber zurück zu Schuster: Die Rocky-Story vom Underdog, der sich gegen alle Widerstände nach oben boxt, war damit noch nicht zu Ende. Im ersten Bundesliga-Jahr schafften die Lilien den Klassenverbleib, was ihnen, dem Klub mit geringstem Budget, absolut niemand zugetraut hatte. Und Schuster wechselte - nun bereit für den berühmten "nächsten Schritt" - zum bereits etablierten Bundesligisten FC Augsburg.
Doch selbst aus dieser Zeit ist der ehemalige Nationalspieler nicht nur als Lichtgestalt in Erinnerung. Der Fußball, für den er stand, sorgte bei Freunden des schönen Spiels für Hohn und Spott, wenn nicht gar für Empörung. Der FC Bayern wurde in diesem Jahr von einem gewissen Pep Guardiola trainiert, dem Hohepriester des schwindelerregenden Kurzpassspiels, der sich zuvor beim FC Barcelona den Ruf des bedeutendsten Fußballmodernisierers der Neuzeit erworben hatte.
Das Darmstädter Fußballwunder: Hoch und weit
Die Berichterstatter aller Medien hatten sich gerade in ihnen bis dato vollkommen unbekannte Fußballbeschreibungsvokabeln wie Dreiecksvermaschung, Positionsspiel und "One-Touch-Football" verliebt, da ließ dieser Schuster in Darmstadt einen Fußball spielen, der primitiver nicht sein konnte: Der Ball wurde hoch und weit nach vorne gedroschen, wo ein gewisser Sandro Wagner lauerte, der ihn entweder ablegte, meist auf einen gewissen Marcel Heller, oder ihn irgendwie selber reinmachte. Sandro Wagner, der Stürmer, der zuvor schon unter anderem als Leihgabe beim FCK so richtig gar nichts gerissen hatte.
Oder aber, die Darmstädter verzichteten ganz auf das bisschen, was sich aus dem Spiel heraus versuchen ließ, und setzten ausschließlich auf ruhende Bälle. Über 40 Prozent ihrer Treffer erzielten sie aus Standardsituationen. Aber: Sie hatten Erfolg. Schafften im ersten Bundesliga-Jahr Rang 14, im Grunde gegen jede Chance. Doch wer sich so dem damals angesagtem schönen Spiel verweigerte, dem wurde nicht einmal der Respekt vor dem Underdog zuteil.
Keine Frage: Dirk Schuster kann Aufstieg - und Relegation
Geschenkt. Der 1. FC Kaiserslautern startet in ein paar Tagen in die Relegationsspiele gegen Dynamo Dresden. Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist ein Aufstieg wieder greifbar. Da braucht es, gerade nach der Niederlagenserie und den Turbulenzen der vergangenen Tage, Hoffnungsanker. Welche in dieser Geschichte bis hierhin zu finden sind?
Dirk Schuster kann Aufstieg. Bewiesenermaßen. Und er kann Relegation. Bewiesenermaßen. Die Spiele gegen Arminia Bielefeld im Mai 2014 sind in und um Darmstadt Legende. Als Tabellendritter der 3. Liga unterlagen die Lilien zuerst zuhause 1:3, danach siegten sie beim Tabellen-16. der 2. Bundesliga 4:2, nach Verlängerung. Überhaupt waren die Darmstädter unter Schuster seinerzeit unerhört stark in der Fremde. Das besagte erste Bundesligajahr schlossen sie als viertbestes Auswärtsteam ab.
Und ab jetzt bitte keine Klischees mehr
Und, ganz wichtig: Das Spiel "Langer Ball - Zweiter Ball" ist keinesfalls charakteristisch für den Trainer Dirk Schuster. Er hat seinerzeit so spielen lassen, weil er keine andere Möglichkeit sah, sich mit seiner spielerisch limitierten Mannschaft in der Klasse zu behaupten. Er wird sogar regelrecht sauer, wenn man ihn immer noch mit diesem "Klischee" verbindet.
Der gebürtige Chemnitzer hat 2007 die Lizenz zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie als Jahrgangsbester erworben, verfügt also durchaus auch über das theoretische Rüstzeug, "modernen" Fußball spielen zu lassen. Dass er dessen Elemente sogar anschaulich vermitteln kann, beweist er unter anderem in den Sportclips, die bei "Sky Sport" von ihm zu finden sind. Hier erklärt er zum Beispiel, wie die Spieler von Hertha BSC hätten richtig anlaufen müssen, hätten sie ihr Derby gegen Union gewinnen wollen: Dirk Schuster an der Taktiktafel über Anlaufverhalten.
Schuster ist somit nicht in der Ecke des Hoch-Weit-Verfechters zu verorten, sondern eher in der des fußballerischen Pragmatikers. Er hat keine bestimmte "Vision" von Vollgas-, Ballbesitzfußball oder was auch immer, sondern lässt das spielen, was er mit dem ihm zur Verfügung stehenden Personal für angezeigt hält. In diesem Punkt ähnelt er Marco Antwerpen durchaus.
Karriereschritt Augsburg endet mit blauem Auge
Leider muss diese Geschichte aber weitererzählt werden. Und da muss gesagt werden: Ein zweites Wunder wie das lilienblaue hat Dirk Schuster seither nicht mehr geschaffen. Sein nächster Karriereschritt beim FC Augsburg endete nach nur 16 Partien, offiziell begründet mit "sportlich unterschiedlicher Auffassung". Inoffiziell machten Geschichten um irgendwelche Exzesse und ein "blaues Auge" Schusters die Runde, von dem nie ganz geklärt wurde, wo er sich dieses zugezogen hatte. Kurz zuvor war er zum "Fußballtrainer des Jahres" und zum "Kicker-Trainer des Jahres" gewählt worden.
In einem "Sport1"-Interview äußert sich Schuster zu dieser Zeit distanzierter - und differenzierter: "Weil ich mit meinem Trainer-Team zu schlecht vorbereitet war", antwortet er auf die Frage, warum es in Augsburg damals nicht geklappt hat. "Es war ein Hoppla-Hopp-Wechsel von Darmstadt nach Augsburg, was eigentlich auf dem Papier her gepasst hat und der nächste Step hätte sein können. Ich habe mich zu wenig mit den Strukturen beschäftigt und bin ab und an in Kompetenzbereiche reingeschlittert, wo sich der eine oder andere auf den Schlips getreten gefühlt hat, durchaus zurecht." Nach Hoffnungsschimmern suchende FCK-Fans dürfen also notieren: Der Mann kann offenbar auch Selbstkritik.
Rückkehr nach Darmstadt: Geschichte wiederholt sich nicht
Im Dezember 2017 kehrte er zu Darmstadt 98 zurück und sicherte seinem alten Verein in der verbleibenden Saison den Klassenerhalt, unter anderem wieder zum Leidwesen des FCK. Mehr Wunder war zunächst auch nicht verlangt. Diesmal aber scheiterte der Versuch, sich nach gelungenem Start weiter nach vorne zu entwickeln. Nach nur einem Sieg in zehn Spielen wurde Schuster im Februar 2019 freigestellt. Aus dieser Zeit zog er die Erkenntnis: "Ich würde generell nicht mehr zu einem Klub gehen, bei dem ich schon war. Weil man immer mit der ersten Amtszeit verglichen wird. Und es wird nie eine Kopie des alten Erfolgs geben."
Im September 2019 wurde Schuster von Erzgebirge Aue angeheuert, musste also eine Mannschaft übernehmen, an deren Personalplanung und Saisonvorbereitung er nicht beteiligt war. Er schloss die Saison mit einem 7. Platz ab, für Auer Ansprüche also sehr ordentlich. Die Saison darauf endete auf Rang 12. Für Schuster war jedoch schon nach 32 Spieltagen Schluss, nach einem spektakulären 3:8 gegen den SC Paderborn. "Da muss man die Hintergründe kennen", erklärt der Trainer im "Sport1"-Interview. "Wir bekamen in der Winterpause keinen Neuzugang, hatten immer wieder Corona-Probleme und haben mit dem kleinen Kader fast die komplette Runde durchgespielt. Als die Rettung geschafft war, fiel bei den Jungs einiges an Spannung ab - was menschlich ist. Die Spieler waren überspielt und müde. Es ist jedoch so, dass das Team unter meiner Leitung nie in den Dunstkreis der Abstiegsränge kam."
Schuster kickte einst mit Hengen: Rührt daher die Verbindung?
Verbindungen zum 1. FC Kaiserslautern? Als Aktiver des Karlsruher SC spielte der überaus giftige Linksverteidiger eine Saison lang mit Thomas Hengen zusammen, dem momentan alleinigen FCK-Geschäftsführer. Ob der Draht, der ihn zum FCK führte, aus dieser Zeit herrührt? Kontakt hat es wohl schon länger gegeben. Beim mittlerweile legendären Derby gegen Waldhof Mannheim in der Hinrunde soll Schuster im Stadion und bereits als Nachfolger für Antwerpen ausgeguckt gewesen sein - für den Fall, dass dieser das Spiel verloren hätte und damals schon entlassen worden wäre. Die Partie endete bekanntlich mit einem 0:0, das die Roten Teufel in doppelter Unterzahl erkämpften und den Grundstein legte für die Wende, die nach dem verpatzten Saisonstart eintrat. Auch einige Jahre zuvor war Schuster schonmal als FCK-Trainer im Gespräch.
Ein paar gute Sprüche fürs Poesiealbum hat Dirk Schuster auch schon abgeliefert. "Meine Kabinenansprache ist so intim wie Sex", hat ihn die "Augsburger Allgemeine" mal zitiert. Im Fritz-Walter-Klub gut ankommen dürfte auch seine Antwort auf die Frage, ob er lieber ein großes Talent oder einen großen Charakter verpflichten würde: "Wenn ich wählen dürfte, würde der Charakter den Ausschlag geben."
Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Abwarten
Schön ist auch: "Mich nervt, dass es keine echte Fan-Nähe mehr gibt. Viele Stadien sind steril geworden, die Teams schotten sich ab. So kann richtiger Fan-Kontakt seitens der Spieler gar nicht mehr entstehen." Na, wenn solche Sätze nicht einfach nur Eigen-PR sind, sondern er sie wirklich lebt, könnten er und der FCK-Anhang ja am Beginn einer wunderbaren Freundschaft stehen.
Was Schuster in den wenigen Tagen bis zum ersten Relegationsspiel der Mannschaft auf den Weg geben kann? Da können wir leider nur abwarten. Was für ein Resümee sich aus diesen Zeilen ziehen lässt?
Vielleicht: Der FCK bekommt einen Coach, der einst als große deutsche Trainerhoffnung gehandelt wurde, der bislang aber auf ein erstes Wunder kein zweites folgen lassen konnte. Und der hoffentlich entsprechend heiß ist, nicht als One-Hit-Wonder in die Fußballgeschichte einzugehen. Keine schlechte Voraussetzung eigentlich, um es mal beim 1. FC Kaiserslautern zu versuchen. Wunder waren schließlich mal Lautrer Kernkompetenz.
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer
Ergänzung, 23:30 Uhr:

Im Blickpunkt: Vorstellung des neuen FCK-Trainers Dirk Schuster
"Es geht um den Verein und um den Aufstieg"
Der 1. FC Kaiserslautern hat den Mann vorgestellt, der als Nachfolger von Marco Antwerpen den Aufstieg über die Relegation erreichen soll. Wir haben die wichtigsten Aussagen von Dirk Schuster, Thomas Hengen und Rainer Keßler zusammengefasst.
- Pressemitteilung | Dirk Schuster wird neuer Cheftrainer der Roten Teufel
- Fotogalerie | Vorstellung und erstes Training mit Dirk Schuster
Zusammen mit dem neuen Co-Trainer Sascha Franz hat Schuster laut übereinstimmenden Medienberichten einen Vertrag bis zum 30. Juni 2024 unterschrieben - selbst bestätigen wollte er dieses Datum allerdings noch nicht. Nach der ersten Trainingseinheit mit seinen neuen Mannschaft standen der neue Cheftrainer Dirk Schuster, Geschäftsführer Thomas Hengen und nach der Pressekonferenz auch der Beiratsvorsitzende Rainer Keßler Rede und Antwort.
FCK-Trainer Dirk Schuster über ...
... seine neue Aufgabe bei den Roten Teufeln: "Ich musste nicht lange überlegen, als Thomas Hengen meinen Co-Trainer Sascha Franz angesprochen hat. Der FCK ist ein riesiger Traditionsverein. Wir haben die Relegation schon mal geschafft, damals mit Darmstadt. Mir haben Trainerkollegen hier schon berichtet, dass der dafür benötigte Teamgeist auch in dieser Mannschaft da ist."
... den ersten Tag mit seiner neuen Mannschaft: "In der Besprechung heute habe ich der Mannschaft gesagt: ‘Wir brauchen jeden einzelnen Spieler und die Bereitschaft in den Trainingseinheiten, sodass wir danach in den Spiegel schauen können und sagen: Wir haben alles gegeben.’ Im Heimspiel gegen Dresden müssen wir jeden mitnehmen. Vielleicht muss der Funke auch vom Platz aufs Publikum überspringen, dann ist es halt so. Für uns gilt es nun, nach vorne zu blicken. Das Training heute war anfangs ein bisschen zäh beim Passspiel. Da hat mir ein bisschen das Leben gefehlt. Wir haben dann eingefordert, dass die Mannschaft laut sein muss."
... die aktuell schlechte Stimmung rund um den FCK: "Ich persönlich nehme hier keine schlechte Stimmung wahr. Ich habe schon gefühlt 200 neue Freunde gefunden und die haben mir viel Glück gewünscht. Von Guido Buchwald, dem deutschen Weltmeister, der gestern bei einem Benefizspiel unten in Herxheim war, habe ich eine Whatsapp-Nachricht bekommen. Er hat mir geschrieben: ‘Geil, dass du es geworden bist - die ganze Pfalz drückt dir die Daumen!’ Falls es momentan Kritiker gibt, will ich die mit Leistung überzeugen. Das wollen wir auch gegen Dresden zeigen. Da muss eine Wand hinter der Mannschaft stehen."
... die anstehenden Relegationsspiele gegen Dynamo Dresden: "Es geht um den Verein und den Aufstieg. Die Mannschaft hat mit Marco Antwerpen eine richtig gute Runde gespielt. Wir haben jetzt ein freies Wochenende und können dann in zwei Spielen aufsteigen. Wir wollen die leichte Enttäuschung in Euphorie verwandeln und in den zwei Spielen in die 2. Bundesliga aufsteigen, das ist ganz klar. Dafür sind die Jungs alle Profis geworden, um solche Highlights zu erleben. Wir müssen die Relegation als etwas Positives einschätzen. Vor der Saison hätte das wohl jeder unterschrieben. Es ist sicher ärgerlich, dass der zweite Platz noch verspielt wurde, aber man muss das jetzt abhaken, sich auf die zwei überragenden Spiele gegen Dresden freuen und darauf, dass man alles selbst in der Hand hat. Wir werden am Wochenende nochmal selbst nach Dresden fahren und uns den Gegner nochmal anschauen. Durch Zufall habe ich sie schon am vergangenen Wochenende in Karlsruhe gesehen, weil ich dort wohne. Da hat mich ‘Euro-Eddy’ Edgar Schmitt eingeladen. Zwei Tage später denkt man dann natürlich, dass es doch gar nicht so blöd war, sich das Spiel angeschaut zu haben."
... seine Spielphilosophie und Herangehensweise: "Wir wollen nicht alles umwerfen, werden nur ein paar Feinjustierungen vornehmen und Einzelgespräche führen. Wir wollen uns auch nicht hinten einmauern. Aber jede Mannschaft braucht eine gut strukturierte Defensive. Es muss erstmal ein verantwortungsvolles Spiel stattfinden. Wir wollen Fußball spielen und den Spielern Möglichkeiten an die Hand geben. Ich glaube, dass Terrence Boyd vorne alleine ein bisschen verloren ist. Er braucht die Unterstützung der anderen Mannschaftsteile oder eines zweiten, respektive eines hängenden Stürmers da sein muss. Wir werden den Fußball nicht neu erfinden, und die Mannschaft jetzt auch nicht total kirre machen. Es geht auch viel um den Kopf in diesen Spielen. Wir brauchen nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Frische. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber ich bin sehr optimistisch, dass wir es hinbekommen, auch mit Unterstützung der Fans. Es gibt immer Spieler, die Stammspieler waren und die diese Position jetzt auch verteidigen wollen. Dann gibt es andere, die vielleicht ein bisschen hintendran waren, die jetzt eine neue Chance bekommen. Jeder bekommt jetzt nochmal die Möglichkeit zu spielen. Wir werden uns jetzt ein Gesamtbild machen, wen wir für den Kader und die Startelf nominieren."
... die Planung für die kommenden Tage: "Morgen werden wir noch im taktischen Bereich trainieren und am Freitag ein internes Testspiel bestreiten. Am Samstag werden wird dann Auslaufen und am Sonntag einen Tag freimachen, um in den Rhythmus für die nächste Woche zu kommen. Am Dienstag starten wir dann die intensive Vorbereitung auf Dresden. Zum Heimspiel am kommenden Freitag werden wir dann gemeinsam in ein Tageshotel gehen."
... seine bisherigen Erfahrungen mit dem FCK: "Als Spieler bin ich immer sehr ungern hierher gefahren (lacht). Wenn es den Betzenberg hochging, hatte man schon Respekt und es war kaum mal was zu holen. Es gab immer richtig auf die Hölzer. Mit dem KSC war immer eine gehörige Portion Respekt im Spiel. Mit Darmstadt waren wir 2014 hier, da hat man beim Hochfahren auf den Berg schon so einen leichten Angstschweiß im Bus gemerkt. Zu meiner Geschichte mit dem FCK gehört aber auch der Vorfall mit Jeff Strasser. Das Spiel musste ja damals abgebrochen werden, weil Jeff Herzprobleme hatte, und das war auch unabhängig vom Spielstand die einzig richtige Entscheidung."
... seine Vertragssituation beim FCK: "Grundsätzlich werden bei uns Vertragsdetails nicht breitgetreten. Ich hoffe aber natürlich, dass ich länger hier bleiben darf." (Auch der FCK wollte sich auf Nachfrage nicht zur Vertragslaufzeit äußern - laut übereinstimmenden Medienberichten beträgt diese zwei Jahre; Anm. d. Red.)
FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen über ...
... die Freistellung von Schusters Vorgänger Marco Antwerpen: "Das waren turbulente Tage und es war eine schwere Zeit. Am Wochenende ist alles für uns gelaufen. Meppen gewinnt 3:2 gegen Braunschweig und Magdeburg gewinnt 4:0 gegen 1860. Alle waren hochmotiviert, am nächsten Tag den direkten Aufstiegsplatz zu erreichen. Bei unserem Spiel bei Viktoria Köln war ich dann aber sehr erschrocken. Wir hatten den dritten Matchball und es haben die Basics gefehlt - das darf dem FCK nicht passieren. Wir hatten gegen einen Abstiegskandidaten keinen Mut. Man hatte das Gefühl, irgendwas stimmt da nicht bei uns. Der Entscheidung lag aber ein längerer Prozess als nur der Auftritt in Köln zugrunde. Wir haben schon länger einen besorgniserregenden Trend festgestellt, sind in den Zweikampf- und Laufwerten abgesackt, der Leistungsabfall war nicht zu erklären. Die Trennung ist eine verdammt unpopuläre Entscheidung, das weiß ich, aber ich habe sie mir nicht leicht gemacht. Es geht hier um den 1. FC Kaiserslautern. Ich muss die Verantwortung wahrnehmen. Das ist nichts Persönliches. Marco Antwerpen und Frank Döpper haben immer Vollgas gegeben. DDass wir oben stehen, ist ihr auch ihr Erfolg. Nach drei solchen Niederlagen war ich aber der Meinung, dass ich eingreifen muss. Wenn man den Spielern in die Augen sieht, und der Glaube ist nicht da, dann ist das das Schlimmste."
... die Unruhe und Gerüchte der letzten Tage: "Wenn dann auch noch so ein Gerücht wie beim ‘Express’ gestreut wird (dass Marco Antwerpen durch Miroslav Klose ersetzt werden solle; Anm. d. Red.), dann finde ich es ungeheuerlich, dass wir uns dazu gleich nach so einer Niederlage äußern sollen. Man muss rational denken. Wir haben das am Montag getan und die Diskussionen in den sozialen Medien haben dann natürlich trotzdem ihren Lauf genommen. Wenn ein Medium sagt, es herrscht Chaos beim FCK, dann kann ich darüber nur lachen. Ich frage mich, woher diese Kritik kommt. Ich kann mich schlecht hinstellen und dazu was sagen."
... die Kontaktaufnahme mit Dirk Schuster: "Am Montag haben wir uns mit Dirk Schuster und seinem Assistenten Sascha Franz treffen können. Dirk und Sascha waren sofort Feuer und Flamme für die Aufgabe. Dass davon nichts rausgekommen ist, das spricht für die Gremien. In der folgenden Sitzung des Beirats am Dienstag waren vier Stimmen für den Trainerwechsel, es gab nur eine Enthaltung (vom inzwischen zurückgetretenen Fritz Fuchs; Anm. d. Red.). Der Rest war der Meinung, dass wir einen neuen Impuls brauchen. Es kann nicht sein, dass wir eine Relegation spielen dürfen und keiner freut sich darüber. Marco Antwerpen und Frank Döpper habe ich beide telefonisch informiert und danach haben wir die Sache mit Dirk Schuster zu Papier gebracht. Relegationsspiele haben sie schon mitgemacht. Es geht jetzt darum, den Turnaround zu schaffen. Die Fans müssen das Trainerteam unterstützen mit allem was sie haben. Es geht um die Zukunft des Vereins."
... frühere Begegnungen mit Dirk Schuster: "Dirk und ich sind ja schon ein paar Tage in dem Business. Im DFB-Pokal-Finale 1996 haben wir gegeneinander, das will ich gerne erwähnen (lacht - das Spiel endete mit dem Pokalsieg des FCK; Anm. d. Red.) dann zwei Jahre beim KSC zusammen gespielt. Wir haben später den Fußballlehrer zusammen gemacht, uns dann aber im Alltagsgeschäft nicht mehr so häufig gesehen. Dirks Co-Trainer Sascha Franz habe ich öfter bei den Scouting-Trips getroffen, wir haben vor Wochen mal telefoniert, weil er Spieler, die wir beobachtet haben, auch schon trainiert hatte. Wenn dann sowas wie bei uns passiert, dann reifen Ideen. Dirk war immer ein harter Arbeiter."
Beiratsvorsitzender Rainer Keßler über...
... den Rücktritt von Fritz Fuchs aus Beirat und Aufsichtsrat: "Ich muss zunächst sagen, dass ich einen Riesenrespekt von Fritz Fuchs habe. Seine Lebensleistung für den FCK ist extrem hoch einzuschätzen. Ich bin auf der einen Seite überrascht über seine Entscheidung, andererseits aber auch wieder nicht. Denn er hatte mich bereits im April über seinen Rücktritt zum 30. Juni informiert. Letzte Woche hat er dann alle Gremienmitglieder schriftlich darüber informiert. Zu argumentieren, die Entscheidung der Beurlaubung von Marco Antwerpen sei unfair, irritiert mich. Warum er das so interpretiert, das müssen sie ihn fragen. Unser direkter Ansprechpartner als Beirat ist der Geschäftsführer. Man kann dessen Entscheidung nicht untergraben und sagen: ‘Das machen wir anders, wir wollen das jetzt erstmal selbst mit dem Trainer ausdiskutieren.’ Denn dann greift man ins operative Geschäft ein, und genau das wollen wir ja nach den früheren Erfahrungen beim FCK nicht. Dennoch möchte ich nochmal betonen, dass es in der Abstimmung des Beirats - weil es sich hierbei um ein sogenanntes zustimmungspflichtiges Geschäft in wirtschaftlicher Hinsicht handelte - keine Gegenstimme zum Trainerwechsel gab."
... die mögliche Nachfolge von Fuchs in Aufsichtsrat und Beirat: "Ich werde zeitnah eine Aufsichtsratssitzung einberufen und dann werden wir entscheiden, ob wir ein fünftes Mitglied in den Aufsichtsrat des FCK e.V. nominieren und wer dann als Vereinsvertreter in den Beirat der FCK Management GmbH entsandt wird. Wir haben gerade jemanden mit sportlicher Kompetenz in den beiden Gremien verloren. Eine mögliche Entscheidung könnte sein, dass wir jemand mit ähnlichen Fähigkeiten nachberufen. Das wäre eine von mehreren Optionen."
... die gestreuten medialen Gerüchte um Miroslav Klose: "Dieser Name stand nie zur Disposition. Ich kann mir in keinster Weise erklären, wo diese Meldung im ‘Express’ herkam. In der Meldung stand ja, unsere Investoren hätten diesen Namen ins Spiel gebracht. Wir haben da aber nie drüber geredet, auch nicht über andere Trainer. Das ist die Aufgabe des Geschäftsführers."
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Florian Reis
Ergänzung, 15.05.2022:

Schuster: "Die Mannschaft lebt, sie will, sie gibt Gas"
Dirk Schuster spricht im exklusiven Interview mit SWR Sport darüber, warum der 1. FC Kaiserslautern in der Relegation gegen Dynamo Dresden nur gewinnen kann.
» Zum Video: FCK-Trainer Dirk Schuster im Interview mit SWR Sport (ca. 15 Min.)
"Ich bin der Überzeugung, wenn wir alle gemeinsam ziehen, die Gemeinschaft im Vordergrund steht und der 12. Mann auch seinen Teil dazu beiträgt – und das sind am Freitag nun mal 50.000 Leute - dann können wir hier eine gute Ausgangsposition schaffen", sagte Schuster, der die Reise dann jedoch noch nicht beendet sieht. "Und dann fahren wir nach Dresden und gucken mal, wie wir Dynamo nochmal wehtun können." (…)
Quelle und kompletter Text: SWR
