Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon Kohlmeyer » 12.01.2022, 23:45


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Im Blickpunkt
Die DBB-Halbzeit-Analyse: Die Kraft der ruhenden Bälle


Bevor der Ball wieder rollt, erlauben wir uns noch ein wenig Zahlenakrobatik: Welche Erkenntnisse liefern die bislang erzielten xG-Ergebnisse des 1. FC Kaiserslautern? Wie hat er seine eigenen Treffer markiert, wie die gegnerischen kassiert?

Bereits vergangenes Jahr um diese Zeit haben wir die xG-Ergebnisse, die Sander Ijtsma nach jedem Spieltag für uns erhebt, zusammengerechnet und mit denen verglichen, die der FCK tatsächlich erzielt hat. Dabei stellten wir fest, dass die Roten Teufel nach qualitativ bewerteten Tormöglichkeiten acht Punkte mehr hätten holen können als die mageren 18, die zu dieser Zeit verbucht waren.

Und wie sieht's aktuell aus? 33 Punkte hat das Antwerpen-Team in den bislang 20 absolvierten Partien der Spielzeit 2021/22 geholt. Nach expected Goals hätten es 34 sein können. Kein großer Unterschied also. Die Lautrer haben also gelernt, ihre Chancen so nutzen, wie es der statistischen Wahrscheinlichkeit entspricht - könnte man sagen. Bei genauerem Blick fällt allerdings auf: Nur in zwölf Partien entspricht die tatsächlich erzielte Punktausbeute der, die auch nach qualitativ bewerteten Torchancen zu erwarten gewesen wäre.

Laut xG waren vier Siege mehr drin - aber auch vier Niederlagen

Doch auch die Abweichungen gleichen sich unterm Strich aus: Vier Mal hätte der FCK demnach gewinnen, vier Mal verlieren müssen. Interessant: Zu den Spielen, die der FCK für sich entscheiden könnte, gehören beide Partien gegen den starken Aufstiegskandidaten Braunschweig. Das sollte Mut machen für 2022. Dass in Duisburg drei Punkte angesagt gewesen wären, wird jeder bestätigen, der sich an Partie noch erinnert. Dass das ziemlich vergeigte Heimspiel gegen Würzburg laut xG ein Sieg sein durfte, überrascht schon mehr. Allerdings nicht so wie die Niederlagen, die keine waren.

Zwickau hätte "uffem Betze" gewinnen müssen? Das ist gar nicht so abwegig: Die Schwäne hatten in der zweiten Hälfte einige ausgezeichnete Gelegenheiten, die Partie zu ihren Gunsten zu drehen. In Saarbrücken und bei Türkgücü wären null Punkte ebenfalls wahrscheinlicher gewesen? Das leuchtet im ersten Moment weniger ein, lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass der FCK in beiden Partien schon in früh in Führung lag und der Gastgeber mit zunehmender Spieldauer gezwungen war, mit immer mehr Risiko nach vorne zu gehen. Und in der Tat: Wer sich unsere xG-Analyse vom Derbysieg gegen den FCS nochmal aufruft, wird sehen, dass die Saarländer ihre Torchancen erst nach 78 Minuten zu produzieren begannen. Zuvor hatten die Pfälzer kaum was anbrennen lassen.

Insgesamt sieht das Ganze so aus:

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Dazu noch eine Anmerkung noch: Wo die erwarteten Tore und Gegentore nicht mehr als 0.1 Punkte auseinander lagen, haben wir ein Unentschieden gewertet. Dies war bei der Partie gegen den BVB II der Fall, die ja auch "in echt" mit 0:0 endete.

Endlich! Neun von 28 Treffern nach Standardsituationen

Damit soll es diesmal aber nicht genug sein mit unserer Halbzeit-Analyse. Wie genau hat der FCK seine Treffer erzielt? Und wie hat er seine Gegentore gefangen? Auch da haben wir mal genauer hingeschaut - und festgestellt: Ursächlich dafür, dass die Roten Teufel heuer besser dastehen als in den Jahren zuvor, ist die endlich wiedergefundene Stärke nach ruhenden Bällen. Insgesamt neun der 28 erzielten Tore erzielten sie nach Freistößen und Eckbällen. Ein Freistoß wurde direkt verwandelt - von Mike Wunderlich zum 3:0-Endstand gegen 1860 München.

Wobei wir Marlon Ritters Elfmetertore nicht zu den Standardtreffern gezählt haben, sondern lieber deren Entstehungsgeschichte in unsere Statistik einpflegten, da wir dies für aussagekräftiger halten. Dem Siegtreffer gegen Wiesbaden ging ein Foul an Felix Götze voraus, das wiederum einen Angriff über die rechte Seite stoppte. Der Pfiff gegen Braunschweig erfolgte nach einer Attacke gegen Kenny Redondo und einem vertikalen Pass von Marlon Ritter durch die Spielfeldmitte.

Daniel Hansliks 1:0 gegen Viktoria Köln haben wir zu den Eckball-Treffern gerechnet, obwohl er sich lediglich einen zweiten Ball schnappte, den Ritter nach einer zu kurzen Abwehr aufs Gehäuse zu zimmern versuchte. Wir denken aber, der Eckball kann dennoch als ursächlich für den Torerfolg angesehen werden.

Keine Überraschung: Die rechte ist die Schokoladenseite

Dass die Schokoladenseite des FCK die rechte ist, bestätigt unsere Aufrechnung ebenfalls eindrucksvoll: Elf Treffer wurden von Philipp Hercher, Jean Zimmer und Co. vorbereitet, lediglich fünf über die linke Flanke.

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Neun Treffer erzielten die Lautrer, obwohl der Gegner Zeit hatte, seinen Abwehrverband zu formieren. Das ist insofern interessant, als dass viele Trainer-Statements, gerade in der 3. Liga, den Eindruck erwecken, das allein selig machende Stilmittel zur Torerzielung wäre das "schnelle Umschalten" nach Ballgewinn, um noch ungeordneten Gegner zu erwischen.

Tatsächlich gilt für diese Klasse ebenso wie für die höheren: Wer oben mitspielen will, muss auch bereits formierte Defensivreihen bespielen können, und wenn das nicht klappt, über Standardsituationen punkten. Drum steht der FCK in dieser Winterpause besser da als in den Jahren zuvor. So sieht's aus.

Nur 13 Gegentore - ein paar aber ärgern dennoch

Wenn man sich Gegentreffer des FCK betrachtet, bestätigt sich diese Erkenntnis ebenfalls. Die meisten fielen, obwohl genug Zeit war, sich fürs Spiel gegen den Ball zu ordnen. Grund zur generellen Klage besteht bei insgesamt 13 kassierten Buden in 20 Spielen natürlich nicht, schließlich stellt Lautern damit die stärkste Abwehr der Liga. Doch ein paar Gegentore ärgern besonders. Etwa zum 1:1 gegen Zwickau, als Marvin Senger einen hohen Ball, der von links kurz hinter der Mittellinie geschlagen und entsprechend lang in der Luft war, zur Mitte des Sechzehners abwehrt, direkt vor die Füße von Ronny König. Freilich kam da auch Pech hinzu, denn Königs Geschoss wurde anschließend noch abgefälscht.

Ebenfalls tunlichst zu vermeiden sind Ballverluste in der eigenen Hälfte. Diese führten exakt drei Mal zu Gegentreffern - bei Viktoria Berlin, in Halle und jüngst in Braunschweig.

Erfreulich allerdings: Nach Ecken kassierten die Roten Teufel nur einen Treffer - der allerdings leitete die 0:2-Heimniederlage gegen Würzburg ein.

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Nicht als Treffer nach Standard gewertet haben wir das erste Gegentor bei Viktoria Berlin. Dem ging zwar eine kurze Ecke der Gastgeber voraus, allerdings haben diese anschließend über zehn Sekunden Zeit, das Leder ins Lautrer Tor zu knoddeln. Das haben wir als Treffer gegen eine eigentlich formierte Abwehr gezählt.

Unterm Strich aber steht ein Standard-Gegentreffer gegen neun erzielte. Eine starke Quote, die so gerne bis Saisonende aufrecht erhalten werden darf.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Kirchheimer » 13.01.2022, 18:49


Meiner Meinung nach sehr gelungene Analyse von @Kohlmeyer :daumen:
Danke für die viele Arbeit. Es macht immer Freude, die Analysen zu lesen. :teufel2:
Gruß, Kirchheimer



Beitragvon BetzeBodega » 14.01.2022, 08:54


Ja vielen dank für die Analyse. Auch wenn hier in den Kommentaren leider nicht so viel los ist, wie z.B. bei den Neuverpflichtungen etc. Ich freue mich über jede Analyse und finde es sehr spannend abseits von Floskeln wie "wir brauchen mehr kampf, etc." auch mal etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Bin mir sicher so geht es auch vielen (stillen) Mitlesern.
"Kritisiert mir den nicht so viel, das ist ein guter Mann"




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