
DFB nimmt Ermittlungen gegen Michael Henke auf
Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat ein Ermittlungsverfahren gegen Michael Henke eingeleitet. Der Sportdirektor des FC Ingolstadt steht unter Verdacht, sich nach Abpfiff des Drittligaspiels beim 1. FC Kaiserslautern am Mittwochabend eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht zu haben.
Der Sportdirektor wird verdächtigt, den Kaiserslauterer Trainer Jeff Sabeine nach Ende des Spiels von hinten getreten zu haben. Schiedsrichter Asmir Osmanagic (Stuttgart) hat auf Nachfrage erklärt, diese Szene nicht gesehen zu haben, weshalb der Kontrollausschuss nachträglich ermitteln kann.
Das Gremium hat den Ingolstädter nunmehr angeschrieben und zu einer zeitnahen Stellungnahme aufgefordert. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahme wird der Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden.
Quelle: DFB
Ergänzung, 18:47 Uhr:

Foto: Imago Images
Kummt Senf druff
Peinlich, peinlich, Herr Oral und Herr Henke
Nach der schweren Verletzung von Dominik Schad tritt das Sportliche beim 1. FC Kaiserslautern kurz in den Hintergrund. Doch beinahe genauso ätzend wie der Ausfall des Leistungsträgers ist das Verhalten einiger Verantwortlicher des FC Ingolstadt. Ein Kommentar von DBB-Autor Gerrit1993.
Es läuft bereits die Nachspielzeit, als das Drittliga-Spiel zwischen dem FCK und Ingolstadt faktisch abgepfiffen wird. In diesem Moment geht Dominik Schad schmerzerfüllt zu Boden. Diagnose: Wadenbeinbruch. Im Block halten sich Fans die Hände vors Gesicht, Mannschaftskameraden sind entsetzt. Minutenlang wird Schad behandelt, ehe er ins Krankenhaus eingeliefert wird. Beide Mannschaften applaudieren, die rund 3.000 Fans stehen auf und machen Schad Mut. Sofort weiß jeder im weiten Rund des Fritz-Walter-Stadions: Das ist eine ganz schlimme Verletzung. Jeder? Wirklich jeder? Offenbar nicht.
Das Verhalten Orals und Henkes ist dem Fußball nicht würdig
Was nämlich die Offiziellen des FC Ingolstadt - namentlich Trainer Tomas Oral und Sportdirektor Michael Henke - ja jenes Trainer-Missverständnis, das sich vor 15 Jahren auch am Betzenberg versucht hat - nach der Partie veranstalten, ist eines Verantwortlichen im Profifußball nicht würdig.
Während FCI-Kapitän Stefan Kutschke Größe beweist, in der achten Minute der Nachspielzeit auf eine vom Schiedsrichter zu Unrecht gegebene Ecke verzichtet und nach der Partie Genesungswünsche an Schad ausspricht, tadelt Kutschkes Trainer ihn für seinen Sportsgeist vor laufenden Kameras: "Er gibt auch einen Eckball einfach her, was ich noch nicht gesehen habe." Und damit nicht genug. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erwähnt Oral Schad und dessen Horrorverletzung direkt vor der Ingolstädter Trainerbank mit keinem einzigen Wort, schiebt stattdessen auf unglaublich arrogante Art und Weise dem - zugegebenermaßen gestern sehr schlechten - Schiedsrichter Osmanagic sowie dem vermeintlich genauso schlechten Rasen des Fritz-Walter-Stadions die Schuld für eine magere erste Halbzeit des FCI in die Schuhe. Hallo, geht’s noch?
Kapitän Kutschke zeigt Größe, die seine Vorgesetzten nicht haben
Und als ob das nicht schon unsportlich genug wäre, tritt nach dem Schlusspfiff im wahrsten Sinne des Wortes auch noch der ehemalige FCK-Trainer - wenn man ihn denn so bezeichnen möchte - in Erscheinung. Michael Henke offenbarte ein Jahr nach seiner Roten Karte als Co-Trainer an gleicher Stelle einmal mehr, dass auch mit dem Alter nicht jeder unbedingt weiser wird: Vor über 25 Jahren fiel der heute 63-Jährige schon mit einem gestörten Verhalten beim legendären Pokalspiel des FCK gegen Dortmund auf, es folgten vergleichbare Anekdoten in anderen Stadien, ehe sich Henke 2005 auch als kurzzeitiger Trainer der Roten Teufel trotz Erfolgslosigkeit immer noch auf einem unpassend hohen Ross zeigte.
Und nun also gestern die nächste Episode: Während Lautern-Coach Saibene am Mittelkreis mit dem Schiedsrichter spricht, nähert sich FCI-Sportdirektor Michael Henke von hinten und tritt im Getümmel Saibene in die Hacken. Schnurstracks marschiert Henke anschließend im Stile eines kleinen Kindes, das weiß, was es eben angestellt hat, in Richtung Kabine. Saibene, der sofort merkt, was gerade geschehen ist, kann von umstehenden Spielern nur mühsam zurückgehalten werden. Natürlich gehört Rivalität und Emotion zum Fußball dazu, ja gerade deswegen lieben wir ihn ja auch. Doch mit gesunder Würze eines Spiels hat Henkes Aktion ungefähr genauso viel zu tun wie Ingolstadt und Tradition. So etwas ist einfach nur dämlich und unsportlich!
Henke hat sich nicht verändert - Saibene macht vor, wie es geht
Dass sich Henke heute auch noch die Frechheit erlaubt zu behaupten, sein Tritt sei "freundschaftlich gemeint" gewesen und Saibene habe "offenbar etwas falsch verstanden", ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Auch wenn der Sportchef der Ingolstädter sich nach der Ankündigung von Ermittlungen seitens des DFB mittlerweile bei Saibene "entschuldigt" hat: Die Art und Weise - auch, dass er Saibene vorwirft, er habe seine Entlassung in Ingolstadt offenbar noch nicht überwunden - beweist, dass Henke keine sportliche Größe besitzt. Nein, er ist immer noch das gleiche Rumpelstilzchen wie vor 25 und vor 15 Jahren. Saibene hat diese Größe mit seiner ruhigen Art und einer beeindruckenden Souveränität gestern Abend bewiesen. Vielmehr ist es offensichtlich Henke, der allem Anschein nach seine Erfolglosigkeit abseits des Co-Trainer-Daseins unter Ottmar Hitzfeld nie ganz überwunden zu haben scheint.
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Gerrit1993
Ergänzung, 21:06 Uhr:

Ingolstadt-Boss Sternisa entschuldigt sich für Henke
Manuel Sternisa, der Geschäftsführer des FC Ingolstadt, hat sich am Tag nach dem 1:1 seines Teams beim 1. FC Kaiserslautern für das Verhalten von FCI-Sportdirektor Michael Henke entschuldigt.
"Wir wünschen Dominik Schad von Herzen alles Gute für seine Genesung und hoffen, dass Du schnell wieder auf dem Platz stehst", sagt Stendera in dem in den Sozialen Netzwerken veröffentlichten Video zunächst, um dann auf den zweiten Aufreger des gestrigen Abends einzugehen: Den Fußtritt seines Sportdirektors Michael Henke gegen FCK-Trainer Jeff Saibene nach dem Schlusspfiff. Stendera: "Die Protagonisten haben heute miteinander gesprochen und den Vorfall für sich endgültig und final ausgeräumt haben. Dennoch ist es mir ein riesiges Anliegen, im Namen des gesamten FC Ingolstadt auch nochmal aufrichtig 'Entschuldigung' zu sagen dafür, was da gestern passiert ist. So etwas tolerieren wir natürlich nicht und haben das heute intern intensiv aufgearbeitet."
Von Seiten des FCI-Geschäftsführers ist diese Entschuldigung sicher ein feiner Zug, den die FCK-Fans in den Sozialen Netzwerken anerkennen, aber auch gleichzeitig fragen, warum diese öffentliche Entschuldigung nicht von Henke kommt. Der DFB hat Ermittlungen eingeleitet und den ehemaligen FCK-Trainer und jetzigen Ingolstädter Sportdirektor zu einer Stellungnahme aufgefordert.
» Zum Video: Das komplette Statement von FCI-Geschäftsführer Manuel Sternisa
Quelle: Der Betze brennt / FCI-TV
Ergänzung, 29.10.2020:
DFB bestraft Henke nach Fußtritt gegen Saibene
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Michael Henke, Sportdirektor des Drittligisten FC Ingolstadt, im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines unsportlichen Verhaltens mit einem Innenraumverbot für die nächsten beiden Meisterschaftsspiele seines Vereins belegt. Darüber hinaus wurde eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro verhängt.
Während eines Aufenthaltsverbots für den Innenraum ist es einem Mannschafts-Offiziellen nicht gestattet, während eines Spiels seiner Mannschaft im Stadion-Innenraum zu sein. Das Innenraum-Verbot beginnt jeweils eine halbe Stunde vor Spielbeginn und endet eine halbe Stunde nach Abpfiff. Der Sportdirektor darf sich in dieser Zeit weder im Innenraum noch in den Umkleidekabinen, im Spielertunnel oder im Kabinengang aufhalten. Im gesamten Zeitraum darf er mit der Mannschaft weder unmittelbar noch mittelbar in Kontakt treten.
Henke hatte den Kaiserslauterer Trainer Jeff Saibene nach Ende des Drittligaspiels beim FCK am 21. Oktober 2020 von hinten mit dem Knie Richtung Gesäß gestoßen. Schiedsrichter Asmir Osmanagic (Stuttgart) hatte auf Nachfrage erklärt, diese Szene nicht gesehen zu haben, weshalb der Kontrollausschuss nachträglich ermitteln konnte.
Gegen die Entscheidung des Einzelrichters kann binnen 24 Stunden Einspruch beim DFB-Sportgericht eingelegt werden.
Quelle: DFB
