
Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - SV Sandhausen 0:1
So lange die Westkurve noch singt ...
Nach zuletzt zwei Siegen kassiert der FCK gegen Sandhausen wieder eine Niederlage. Der Kampf gegen Abstieg bleibt für die Roten Teufel eine Herkulesaufgabe. Umso wichtiger, dass sie die Anhänger wieder voll auf ihre Seite gebracht haben.
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Es dauerte etwas, ehe man am frühen Freitagabend rund um den Betzenberg die ersten Anzeichen für eine aufkommende Aufbruchstimmung ausmachen konnte. Wer rund 20 Minuten vor dem Anpfiff noch nicht im Stadion war, merkte dann aber doch, dass der jüngste Aufwärtstrend langsam aber sicher wieder ins Umfeld des 1. FC Kaiserslautern ausstrahlte. Zahlreiche Fans drängten zu diesem Zeitpunkt vor dem Horst-Eckel-Tor noch auf Einlass in die Westkurve, um die Mannschaft zum erhofften dritten Dreier in Folge zu schreien. Den ganz großen Andrang hatten die jüngsten Siege zwar noch nicht ausgelöst, dennoch hatten sich seit Mittwoch noch einmal rund 7.000 Anhänger kurzfristig ein Ticket gekauft und sorgten bei 23.811 Besuchern für die zweithöchste Zuschauerzahl der bisherigen Saison.
Schulterschluss vor Anpfiff: "mer paggens!"
Als müsste sie sich der wiedergewonnenen Rückendeckung erst noch versichern, tastete sich die Mannschaft schon während des Warmlaufens ein erstes Mal und fast noch etwas vorsichtig an die Westkurve heran. Spätestens nach dem zurückgegebenen stürmischen Applaus dürfte dann aber allen klar gewesen sein, dass in den vergangenen Wochen wieder ein Stück weit zusammengewachsen war, was ohnehin immer zusammen gehörte. Ein Eindruck, der sich unmittelbar vor dem Anpfiff dann noch einmal verstärkte und bei Spielern und Fans in diesem Moment wohl nur ein Gefühl vermitteln konnte: "mer paggens!"
"Pagge" musste es die Elf dieses Mal allerdings ohne Kapitän Christoph Moritz, der aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt zuschauen musste. Während Abwehrchef Jan-Ingwer Callsen-Bracker die Mannschaft nicht ganz überraschend als Kapitän aufs Feld führte, war Michael Frontzecks Entscheidung für Marcel Correia als Moritz-Ersatz im zentralen Mittelfeld schon seltener vorhergesagt worden. Alles andere als überraschend war derweil die Giftigkeit und unangenehme Spielweise des Gegners, bei dem Trainer Kenan Kocak auch unter Mithilfe mehrerer früherer FCK-Profis die beste Defensive der Zweiten Liga zusammengebaut hat.
Andere Lösungen als gegen Kiel gefragt
Wer also einen ähnlichen Angriffswirbel wie eine Woche zuvor gegen Kiel erwartet hatte, sah sich schnell eines besseren belehrt. Statt überfallartiger Gegenangriffe waren an diesem Abend andere Lösungen gefragt. Ab etwa der Mitte der ersten Halbzeit gelang es den Lautrern dann auch, den Gegner in dessen Hälfte einzuschnüren. Gefährlich wurde es meist nach Einzelaktionen von Osayamen Osawe, dessen Vorlage Ruben Jenssen bei der besten Möglichkeit im ersten Durchgang allerdings nicht verwerten konnte. Auch nach dem Seitenwechsel gehörte die erste Gelegenheit den Gastgebern durch einen Kopfball von Lukas Spalvis und als sich nach einer Stunde Halil Altintop als Joker bereit machte, fachte das die Stimmung in der Westkurve noch weiter an. Ausgerechnet nach der Einwechslung des Rückkehrers wurde das Offensivspiel dann aber fehlerhafter. Nicht nur standen die Gäste hinten nun wieder ausgesprochen sicher, sie kamen auch selbst zu einigen Chancen, von denen Marius Müller die Größte in der 69. Minute in einer Eins-gegen-eins-Situation zunichte machte.
Am Ende wäre es wohl auf ein torloses Remis hinausgelaufen, wäre Correia in der Schlussphase der Partie nicht ein folgenschweres Malheur passiert. Der Lautrer kam in Ballbesitz etwa auf Höhe der Mittellinie ins Straucheln, verlor das Leder an Philipp Förster, der die Kugel Sekunden später schließlich im Fallen und überaus glücklich im Kasten der Lautrer unterbrachte. Dass der Torschütze dem strauchelnden Correia auf die Hand trat, die Sandhäuser den Ball aber nicht ins Aus spielten, sorgte anschließend für heftige Proteste. Als Ausrede wollten FCK-Trainer Frontzeck und auch die meisten Fans die Situation jedoch nicht gelten lassen. Tatsächlich hätte wohl kaum ein Team den eigenen Angriff in dieser Situation unterbrochen, für seinen provokanten Torjubel vor der Westkurve kassierte Dusel-Torschütze Förster dann aber völlig zurecht die wütende Reaktion des FCK-Anhangs.
"Lautrer geben niemals auf"
Nicht selten hatten genau solche Emotionen dem FCK in der Vergangenheit ja noch zu den verrücktesten Comebacks verholfen. Und auch die angezeigte Nachspielzeit von sechs Minuten weckte Erinnerungen an die guten alten Betze-Zeiten. Frenetisch peitschten die Fans das Team noch einmal nach vorne, allein es fehlte an diesem Abend die Durchschlagskraft. Ohne weitere Torchance pfiff Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie schließlich ab und sorgte im Rund zunächst für eine fast gespenstische Stille.
Als sich die Mannschaft dann aber aufmachte, um sich für die Unterstützung zu bedanken, brach es aus der Kurve wieder heraus. "Lautrer geben niemals auf”, schrien die Anhänger dem Team entgegen, das genau diese Einstellung in den jüngsten Spielen ja tatsächlich auf den Platz gebracht hat. Der Kampf um den Anschluss ans rettende Ufer ist und bleibt eine riesige Herausforderung, aber immerhin haben die Roten Teufel noch das Nachholspiel in Darmstadt in der Hinterhand - und sie haben sich die volle Rückendeckung der Fans zurückgeholt. Vorbei ist es auch nach dem Sandhausen-Spiel noch lange nicht. Oder um es mit einem leicht abgewandelten Sprichwort zu sagen: "So lange die Westkurve noch singt, ist die Oper nicht zu Ende!"
Quelle: Der Betze brennt

Stimmen zum Spiel
Callsen-Bracker: "Müssen das besser verteidigen"
Der kleine Siegeslauf des 1. FC Kaiserslautern ist beendet: Der SV Sandhausen besiegte die Roten Teufel mit 1:0. Die Blicke richteten sich bei den Lautrern aber schnell nach vorne.
Es war die Schlüsselszene einer zähen Partie: In der 78. Minute rutschte Marcel Correia im Mittelfeld weg, die Gäste aus Sandhausen starteten einen Gegenangriff, den Philipp Förster mit seinem Treffer zum spielentscheidenden 0:1 abschloss. Bitter, da Correia einen Tritt auf die Hand bekam und deshalb nicht mehr entscheidend nachsetzen konnte. "Wir müssen das im Endeffekt aber auch besser verteidigen", räumte Interimskapitän Jan-Ingwer Callsen-Bracker selbstkritisch ein. Torhüter Marius Müller konnte den Kullerschuss ins rechte Eck nicht mehr abfangen, weil ihm die Sicht versperrt war. "Als ich den Ball gesehen habe, war er schon vorbei", sagte der 24-Jährige.
Frontzeck: "Es war ein Abnutzungskampf"
Während Müller es "aus Fairplay-Sicht zumindest fragwürdig" fand, dass Sandhausen den Ball trotz des liegengebliebenen Correias weitergespielt hat, wollte Cheftrainer Michael Frontzeck die Szene nicht überbewerten. "Ich bin kein Freund von Alibis", sagte der 53-Jährige. "Es war ein Abnutzungskampf. Ob das Ergebnis jetzt verdient ist oder nicht, spielt keine Rolle", fasste Frontzeck die Partie zusammen. Callsen-Bracker hatte eine "enge Partie" gesehen. "Nur schade, dass das Ding am Ende bei uns reinkullert", fügte der Innenverteidiger an.
Müller: "Wir werden alles reinhauen"
Die Blicke richteten sich aber schon kurz nach dem Spiel voraus: Am Mittwoch steht für den FCK das wegweisende Nachholspiel bei Darmstadt 98 hat. "Uns bleibt keine Zeit, groß darin zu verharren", sagte Frontzeck. Marius Müller wertete es als Vorteil, dass schon am Mittwoch die Chance zur Wiedergutmachung kommt. "Wir werden alles reinhauen", kündigte der Keeper trotz des "kleinen Knicks" gegen Sandhausen an. Es gelte "Spiel für Spiel Vollgas" zu geben.
Correia im Krankenhaus
Während am Böllenfalltor der gesperrte Christoph Moritz wieder an Bord ist (Callsen-Bracker: "Er hat heute gefehlt"), ist noch unklar, ob Correia einsatzbereit ist. Die verletzte Hand des Defensivmanns wird im Krankenhaus untersucht. Eine Diagnose könnte bereits am Samstag vorliegen.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 17.02.2018:

Auch Darmstadt verliert, sechs Punkte zu Rang 16
Gleich drei direkte Konkurrenten des 1. FC Kaiserslautern waren in den Samstagsspielen des 23. Spieltages im Einsatz. Gewonnen hat zum Glück keiner, wenngleich Fürth und Aue jeweils einen überraschenden Auswärtspunkt einfahren konnten.
Die Veilchen aus dem Erzgebirge holten beim zuletzt allerdings schwächelnden Tabellendritten Holstein Kiel einen 0:2-Rückstand auf und spielten am Ende 2:2 (2:2), während das Fürther Kleeblatt bei Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf zu einem 1:1 (1:0) kam. Wie der FCK am Freitagabend gegen Sandhausen ging der SV Darmstadt komplett leer aus. Bei Arminia Bielefeld hieß es aus Sicht der Lilien 0:2 (0:1).
Die Ergebnisse der Samstagsspiele auf einen Blick:
FC Ingolstadt - FC St. Pauli 0:1 (0:1)
Fortuna Düsseldorf - SpVgg Fürth 1:1 (0:1)
Arminia Bielefeld - Darmstadt 98 2:0 (1:0)
Holstein Kiel - Erzgebirge Aue 2:2 (2:2)
Fürth macht einen Zähler gut
Vor dem brisanten Nachholspiel der Roten Teufel am Mittwoch in Darmstadt trennen die Kontrahenten somit weiter vier Zähler. Bis zum Relegationsplatz sind es aus Sicht der Lautrer bei einem Spiel weniger sechs Punkte und damit einer mehr als nach dem vergangenen Spieltag.
Angesichts der Spielverläufe hätte der Rückstand aber auch noch größer werden können. Die Fürther lagen in Düsseldorf bis in die 76. Minute mit 1:0 vorne, ehe Takashi Usami für die Gastgeber noch der Ausgleich gelang. So bleibt Fürth mit 24 Punkten auf dem Relegationsrang. Einen Platz und einen Punkt davor steht der FC Erzgebirge Aue.
Gewaltiger Druck auch in Darmstadt
Interessant ist neben dem aktuellen Tabellenstand auch die sogenannte Formkurve der Kontrahenten. Dort blieben die Fürther im vierten von fünf Spielen nach der Winterpause ungeschlagen (ein Sieg, drei Unentschieden). Aue holte nach zuvor drei Niederlagen das zweite Remis in Folge, während Darmstadt zum dritten Mal hintereinander als Verlierer vom Platz ging. Der Druck vor dem Kellerduell mit dem FCK ist somit auch auf Seiten der Gastgeber gewaltig.
Quelle: Der Betze brennt
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