Kuntz: wobei ich in dem Fall immer noch keine Erklärung dafür habe, warum sich der Steuerzahlerbund ausgerechnet uns rausgepickt hat.
Antwort: Vielleicht, weil es sich um den Steuerzahlerbund Rheinland-Pfalz handelt? Und es in Rheinland-Pfalz nun mal eben nur EIN WM-Stadion gibt?
Kuntz: Andere Austragungsorte wurden nachweislich mit noch viel mehr Geld unterstützt. Aber warum das nur bei uns angeprangert wird, ist mir völlig unklar.
Antwort: Das mag sein. Die Konstruktion, dass ein Verein sich an der Stadionfinanzierung seines eigenen(!) Stadions beteiligt, dann in Finanzschwierigkeiten gerät und erst durch den Verkauf des Stadions an die Stadt vor der Insolvenz bewahrt wird, dürfte bundesweit, vielleicht sogar weltweit einmalig sein. Dass da der Steuerzahlerbund einhakt, liegt auf der Hand. Es ist seine Aufgabe. Übrigens tat er das bereits 2008.
Kuntz: Wenn uns dadurch ein wie auch immer gearteter Schaden entsteht, werden wir klagen. Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig.
Antwort: Viel Erfolg!
Kuntz: Dann haben Landesregierung und Stadt entschieden, dass man gerne WM-Standort wäre.
Antwort: Ääääh, halt. Stimmt nicht ganz. Der Verein war auch dabei, wenigstens ein klitzekleinesbisschen. Das Stadion gehörte damals immerhin dem FCK. Es ging um eine Dreierfinanzierung des Stadionausbaus Verein-Stadt-Land. Der Verein hat sich sogar bereit erklärt (!) für eventuelle Mehrkosten aufzukommen, genauso wäre das Delta von Wenigerkosten dem FCK zugute gekommen. Der FCK, und das tut weh, hat sich schlicht verzockt. Dass letztendlich Stadt und Land die Mehrkosten entgegen dieses Deals übernommen haben, hat Rene Quante bislang noch gar nicht berücksichtigt...
Kuntz: Und so wurde dem Verein das Stadion abgekauft und zum WM-Stadion inklusive Infrastrukturmaßnahmen ausgebaut. Nach der WM wurde dann gesagt: So, da steht es nun, hier habt ihr euer Stadion.
Antwort: Ääääh, halt. Stimmt nicht ganz. Das Stadion wurde verkauft, um den Verein – entgegen der von ihm selbst(!) getätigten Verpflichtungen – finanziell zu retten und die WM zu halten.
Kuntz: Wobei wir das Pachtmodell, das bis nach Brüssel ging, nun endlich ändern konnten, sodass wir in der zweiten Liga nur noch 2,4 Millionen Euro pro Jahr fürs Stadion zahlen.
Antwort: Ja ging’s jetzt nach Brüssel, war’s dort, ist es wieder zurückgekommen? Wo ist es denn? Hat Brüssel tatsächlich entschieden? Gibt es überhaupt ein Prüfverfahren?
Kuntz: Grundsätzlich habe ich da viele Ideen. Aber zwischen dem, was ich mir vorstelle und dem, was realistisch ist, liegen leider Welten.
Antwort: Stimmt.
Kuntz: Ich stelle mir da einen gewissen Traditionsklub-Bonus vor. Das könnte von Spielertransfers oder Leihgeschäften untereinander bis zu Zusammenschlüssen im Einkauf gehen, um bessere Preise erzielen zu können. Ich zweifle aber daran, dass genügend Vereine mitziehen würden. Letztlich hat jeder zu viel mit sich selbst zu tun.
Antwort: wtf...???
Kuntz: Ich sehe das so: Wer öffentlich äußert, dass man doch bitteschön aufpassen müsse, dass die Traditionsklubs nicht untergehen, der sollte auch über die möglichen Schritte nachdenken. Und vor allem: welche Kriterien dafür gelten sollten.
Antwort: Sollte nicht jeder Club für die eigenen Finanzen verantwortlich sein?
Kuntz: Ich finde schon, dass wir als FCK – schuldenfrei, aber ohne Guthaben – ein Anrecht auf einen Traditionsklub-Bonus hätten. Weil wir wirtschaftlich einwandfrei auf soliden Füßen stehen, und weil wir bei einem Auswärtsspiel nach Dortmund, Gladbach – wohin auch immer – hundert Prozent des Gästekontingents aufbrauchen würden. Wir füllen auch andere Stadien. Das ist ein Teil Bundesliga. Und ich bin der Meinung, dass man das honorieren sollte.
Antwort: „Schuldenfrei, aber ohne Guthaben“, „wirtschaftlich einwandfrei auf soliden Füßen“, „Anrecht auf Traditionsclub-Bonus“ Ja nee, iss klar. Meine Oma hat auch ein Anrecht auf einen Traditionsclub-Bonus.
Kuntz: Das hat man im Gefühl. Oder nicht? Ich behaupte mal: Die Traditionsvereine der Bundesliga wissen untereinander genau, wer dazu gehört und wer nicht. Zunächst mal muss man sich einig sein, dass Traditionsvereine wichtig sind für die Bundesliga. Wenn man das schon nicht bejaht, brauchen wir uns über den Rest nicht zu unterhalten.
Antwort: Gefühle???? Wie war das gleich mit Kriterien?
Kuntz: Das ist der falsche Ansatz – schauen Sie sich mal unser Eigenkapital an und dann das von Nürnberg. Wir sind sicher wirtschaftlich nicht in der Lage, auf irgendetwas zu verzichten, um Nürnberg zu helfen.
Antwort: Aber wieso sollen die dann dem FCK helfen???
Kuntz: Zunächst mal das reine Alter des Vereins (FCK wurde 1900 gegründet, Anm. d. Red.). Dazu die erfolgreiche Historie: Das beginnt bei uns allerspätestens mit den Meisterschaften 1951 und 1953 und geht über zur Tatsache, dass wir 1954 das Gerippe der Nationalmannschaft gestellt haben. Die Zuschauer, die damals auf den Betze gerannt sind, sind teilweise heute noch da. Zumindest deren Kinder. Oder deren Enkel. Dazu kommt die Bedeutung für die gesamte Region. Da ist der FCK schon einzigartig. Sie müssen nur mal auf eine Jahreshauptversammlung gehen, da erkennt man den Unterschied: Ob Sie dann wie bei Leipzig unter 14 Mitgliedern sitzen, oder wie bei uns, Stuttgart, Gladbach, Bremen, Schalke, München oder Hamburg zwischen 1000 aufwärts.
Antwort: Ahh, deswegen auch die hohe Wertschätzung der Mitglieder.
Kuntz: Ich habe einfach gemerkt, dass ich es zeitlich nicht mehr schaffe, mich zu hundert Prozent auch noch um diese Aufgabe zu kümmern. Und da war es meine Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Gott sei Dank waren wir nun auch endlich in der Lage, einen solchen sportlichen Leiter zu bezahlen.
Antwort: Gott sei Dank!
Kuntz: Als ich als Spieler aufgehört habe, hat sich meine Oma meine Autogrammkarte angeschaut und gesagt: „Bub, haschte doll gemacht, aber damit kannste später bei Aldi an der Kass' ned bezahle!“
Antwort: Genau.
Kuntz: Dann ruft, warum auch immer, irgendwann vielleicht mal Real Madrid an und dann muss ich denen sagen: Tut mir leid, aber ich habe damals bei Transfermarkt gesagt, dass ich nie wieder vom FCK weggehe?
Antwort: Richtig. Warum sollte Real Madrid anrufen?