Kaiserslautern braucht jetzt wieder ein Wunder
Als Katja Ebstein 1970 ihren Schlager „Wunder gibt es immer wieder“ trällerte, hat sie vielleicht gar nicht an Fußball gedacht. Aber es gibt einen Verein, der sich ihren Song in die Statuten schreiben lassen sollte. Schließlich hat er ja sowieso eine „anormale Satzung“, wie uns ein ehemaliger Aufsichtschef in einem denkwürdigen Moment deutscher Sportfernsehgeschichte verriet.
Wir melden uns vom Rande zur Schande, aus Kaiserslautern. Es gibt zwar keinen Robert Wieschemann mehr, den Erfinder der „anormalen Satzung“, keinen Atze Friedrich, Andy Brehme oder Mario Basler mehr beim FCK, aber Wunder vollbringt der Klub noch immer. Er steigt gerade aus der Zweiten Liga ab, Respekt. Das muss an der Vorgeschichte liegen. Standen nicht anno 1954 sechs Lauterer im Finale von Bern, dem Wunder schlechthin?
Keiner von ihnen spielte mehr, als im Oktober 1973 der FC Bayern nach 59 Minuten 4:1 in Führung ging am Betzenberg – und mit 4:7 nach hause geschickt wurde. Mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller. Bis heute einmalig in der Bayern-Historie. Bis heute ein Wunder. Es gab danach noch so manche Sensation, die kein Wunder war, weil ein Spiel in Kaiserslautern eben 93 Minuten dauert, jedenfalls so lange, bis der FCK gewonnen hatte. Vor fast zehn Jahren geschah es jedoch, dass ein Aufsteiger Deutscher Meister wurde – das größte Wunder in der Bundesliga-Geschichte. Wieder spielte es in der Pfalz. Aber was tun, wenn man den Drang verspürt, immer neue Wunder zu vollbringen?
Ganz einfach, man reißt das ganze Bauwerk wieder ein und trifft spektakuläre Fehlentscheidungen. ...
Quelle und kompletter Text:
http://www.welt.de/sport/article1726766 ... nberg.html
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Niedergang eines Traditionsvereins
Das Horror-Szenario in der Pfalz nimmt langsam Konturen an. Dem 1. FC Kaiserslautern droht der Abstieg aus der Zweiten Fußball-Bundesliga und damit der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Der Ursprung für diesen traurigen Niedergang liegt bereits zehn Jahre zurück.
Eine ganze Region hängt an diesem Traditionsverein, der in seiner Geschichte vier deutsche Fußball-Meisterschaften feierte und spätestens nach der 2:3-Heimniederlage im Südwest-Derby gegen TuS Koblenz am Montagabend dem Abgrund immer näher kommt.
Als Tabellen-Sechzehnter hat der FCK vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Dabei sah es nach der Entlassung von Trainer Kjetil Rekdal am vierten Spieltag der Rückrunde und der Verpflichtung von Nachfolger Milan Sasic kurze Zeit so aus, als ob sich Kaiserslautern etwas gefangen hätte. Doch die Heimpleite gegen Koblenz hat der Hoffnung rund um den Betzenberg wieder einen Dämpfer versetzt. Das Chaos, das den Klub seit zehn Jahren immer wieder begleitet, geht weiter.
Der traurige Niedergang eines Klubs, der Spieler wie Fritz Walter, Hans-Peter Briegel oder Andreas Brehme hervorgebracht hat und dessen Festung "Betzenberg" europaweit gefürchtet war, nimmt paradoxer Weise ihren Lauf mit dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Der FCK feiert 1998 seine vierte deutsche Meisterschaft. Diesem Triumph kommt deshalb so besondere Bedeutung bei, weil die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel als Aufsteiger sensationell den Titel gewinnt.
Dieser Erfolg verschleiert bei den FCK-Verantwortlichen aber den Blick für die Realität. Hat der Verein gerade noch den Abstieg aus der Bundesliga verdaut, will er nach dem Sensations-Coup nachlegen und mit Liga-Größen wie dem FC Bayern München mithalten. Zur Saison-Eröffnungsfeier 1999/2000 steht Coach Rehhagel vor der Haupttribüne und verkündet stolz: "Euer Trainer hat euch einen Weltmeister gekauft." In die pfälzische Provinz kommt der kostspielige französische Weltmeister Youri Djorkaeff und mit ihm gleich Mario Basler vom FC Bayern. Fortan herrscht Großmannsucht in der Pfalz. (...)
Quelle und kompletter Text:
http://www.zeit.de/news/artikel/2008/02/27/2484667.xml