Der Artikel klärt nicht ganz auf, wieso Harry zur Kultfigur bei den Fans wurde - und vielleicht ist es ihm selbst auch nie ganz klar gewesen.
Viele der angesprochenen Punkte - Arbeiter, Einsatzwille, Offenheit - waren ein Teil davon. Aber eigentlich war es erst Mal sein Äusseres, wieso die Leute erst mal gelacht haben. Dann haben ein paar "Harryyyyyy" gerufen - und die Leute haben wieder gelacht. Gerade auch, weil gar nicht so klar war, ob es dabei um seinen Namen - oder eben um die Haare geht.
Daraus wurde dann erst der Selbstläufer, dass die Kurve praktisch bei jedem Ballkontakt von ihm gerufen hat.
Ich würde sagen - das war der Ausgangspunkt. Dass er dann aber sowohl mit Leistung als auch mit Sympathie überzeugen konnte, hat das Ganze aber dauerhaft gemacht.
Mit der späteren Einschätzung zur aktuellen Lage im Fussball hat er völlig Recht. Nicht nur bei uns fehlen die Identifikationsfiguren. Früher - so in den 70ern, 80ern - gabs noch richtig skurrile Typen. Erst durch die Vermarktung, dass praktisch jedes Spiel von 14 Kameras eingefangen wird - ging das kaputt, da jeder aufpassen musste, was er tat oder was er sagte.
Aber gerade in der Nach-Bosman-Zeit im Fussball wechseln bei jedem Verein die Spieler so häufig - und gar nicht mal aus eigenem Antrieb - dass damit auch die Identifikation total verloren gegangen ist.
Es gab auch in letzter Vergangenheit immer wieder Spieler, die vom Verein abgegeben worden sind, obwohl die Fans sie sicher noch gerne länger gesehen hätten. Als aktuelles Beispiel fällt mir Amedick ein.
Zum Vergleich: der hatte mal so 4-5 schlechte Spiele in der letzten Vorrunde, schon hat man ihn weggejagt. Ein Hans-Peter Briegel hatte mal ein ganz schlechtes Jahr - und wurde trotzdem behalten. Oder Melzer - der war eigentlich schon 2 Jahre mit der Karriere fertig - trotzdem durfte er so lange bei uns spielen, wie er noch wollte und es Sinn machte, einfach weil er zum Gesicht der Mannschaft gehörte.
Aber dafür ist Fussball heute viel zu sehr eines - Geschäft. Und viel zu wenig was anderes - Emotion und Gefühl.
Vieles im Leben kann man mit Geld kaufen.
Emotion und Leidenschaft nicht.