Die originäre Idee der Fansäule war es niemals, dem Verein also dem e.V. Geld zukommen zu lassen, sondern der Kapitalgesellschaft (also der KGaA). In dem einen Fall verkauft der Verein seine Aktien und erhält einen Kaufpreis, in dem anderen Fall gibt die Kapitalgesellschaft neue Aktien aus, die dann durch Investoren erworben werden (Kapitalerhöhung). Letzteres passiert gerade mit den EUR 7,5 Mio.
Unter dem Strich ist seit Jahren klar, dass es seitens der Kapitalgesellschaft kein Interesse an einer Fansäule gibt. Ob die Kosten der Grund sind oder ob es daran liegt, dass die Investoren und die Geschäftsführung auf ihrer Aktionärsversammlung gerne alleine sind, sich nicht von nervigen Fans (die dann Aktionäre sind) reinquatschen lassen wollen und auch eine dann notwendige deutlich höhere Transparenz gescheut wird - da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Der Vortrag von Thorsten Lill war juristisch sicherlich fundiert - man merkte aber auch, dass jeglicher Gestaltungs- und Umsetzungswille fehlte.
Der FC St. Pauli hat mit einem Genossenschaftsmodell gerade EUR 29 Mio. eingenommen und dabei große und kleine Investoren gleich behandelt. Der aktuelle sportliche Erfolg, ein ausverkauftes Stadion, explodierende Mitgliederzahlen: Mir fehlt die Phantasie, warum das bei uns nicht auch möglich sein soll. Voraussetzung dafür ist aber eben, dass alle an einem Strang ziehen e.V., KGaA und die Investoren. Will einer dieser Stakeholder nicht, macht es keinen Sinn.
Der Vorstand des e.V. hatte gestern die ehrenvolle Aufgabe, seinen Mitgliedern zu erklären, dass eben einige nicht wollen, ohne dies auszusprechen und ohne jemanden zu brüskieren. Dazu muss man wissen, dass der e.V. durch den mangelnden Willen bei der Umsetzung der Planinsolvenz eben nach wie vor signifikante Schulden hat. Und die Gläubiger dieser Schulden sind die KGaA bzw. die Investoren. Ist es schlau, die Hand zu beißen, die einen füttert?
Die Fansäule und die Idee der Ausgliederung werden nicht heute verraten, sondern im Rahmen der Planinsolvenz und der anschließenden Investorensuche / Investorenvereinbarungen. Die einen sagen, das war alternativlos, die anderen sagen, man habe nicht ausreichend nach Alternativen gesucht.
Unterm Strich ist die Lage heute so, wie sie ist. Man könnte den Vorstand des e.V. in die Ecke drängen, man könnte den Aufsichtsrat und insbesondere Rainer Kessler Wortbruch vorwerfen und Sie verbal und mit Anträgen in die Ecke drängen. Aber mit welchem Ziel? Ohne die regionalen Investoren hätte der FCK am Wochenende wahrscheinlich in Mechtersheim verloren - und zwar nicht mit den Amateuren. Für die Rettung mussten gewisse Dinge geopfert werden: Dazu gehört die Fansäule. Sich einfach hinzustellen und zu sagen, dass dies so ist - wäre ehrlich und einfach - aber Politik - egal wo - ist eben nicht ehrlich und einfach.
In diesem Sinne freue ich mich darauf, weiter die sportliche Genesung des FCK zu verfolgen. Meine Mitgliedschaft im e.V. sehe ich als eine Art Mitgliedschaft in einem großen Fanclub an. Denn die wirklich höchste Instanz / etwas Wichtiges zu entscheiden hat die Mitgliederversammlung nicht mehr. Und das dokumentieren auch die seit Jahren eher inhaltsleeren JHVs.
https://mitgliedschafftzukunft.de/
Alles was damals versprochen und gesagt wurde ist im übrigen nach wie vor online verfügbar. S. Link oben.