Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon scheiss fc köln » 13.09.2021, 18:05


Als simple mind sage ich jetzt einfach mal: Wir hatten in den vergangenen Jahren immer stärkere Mannschaften, als die Punktausbeute erkennen lies.

Das war - trotz allem - immer zu wenig!



Beitragvon Kohlmeyer » 20.09.2021, 14:19


Und hier kommt unsere Taktik-Nachlese zum Auswärtssieg gegen Verl in Lotte:

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Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel SCV-FCK
Die DBB-Analyse: Über die Schienenspieler ins Glück

Das 2:0 des 1. FC Kaiserslautern gegen den SC Verl macht im übertragenen wie im wörtlichen Sinne deutlich: So ein Führungstreffer verleiht Flügel. Von einer Dreierkette abgesichert, treffen und flanken die Außenbahnspieler zum ersten Auswärtssieg.

Vor dem Spiel schien die Rückkehr zu einer Vierer-Abwehrkette eigentlich wahrscheinlich. Denn mit Felix Götze, Hikmet Ciftci, Max Hippe und dem nunmehr rotgesperrten Marvin Senger fehlten Marco Antwerpen vier mögliche Bausteine für eine Abwehrformation mit drei Mann auf einer Linie. Offenbar aber möchte der Trainer von dieser Variante, mit der er bereits vor Wochenfrist im Derby gegen Waldhof Mannheim wieder begonnen hatte, in nächster Zukunft nicht mehr abrücken. Drum nominierte er Alexander Winkler als dritten Innenverteidiger in die Startelf, einen Spieler, auf den er bislang nur selten setzte.

Welche positiven Effekte sich dadurch mit dem aktuellen Personal erzielen lassen, dafür bot die in Lotte ausgetragene Partie gegen Verl einmal mehr guten Anschauungsunterricht. Diese Grundordnung kommt vor allem den beiden Außenbahnspielern zupass, die mit der Dreierkette als Absicherung mehr Akzente nach vorne setzen können. Wenngleich sie nicht unbedingt spiegelbildlich agieren. Hendrick Zuck ist mehr der Mann für gedankenschnell gespielte Flanken und Pässe, Philipp Hercher der Marschierer, der nicht nur die Außenlinie entlang fegt, sondern gerne auch in den gegnerischen Strafraum eindringt.

Und eben diese Kombi bescherte dem FCK nach 33 Minuten den Führungstreffer: Zuck flankte, Hercher köpfte. Eingeleitet hatte die Aktion Mike Wunderlich mit einem überlegten Flankenwechsel. Im Interview mit "Magenta Sport" bestätigte Antwerpen nach der Partie, dass dies Teil seines Matchplans war: "Genau darauf haben wir hingewiesen, dass wir immer wieder auf unsere Schienenspieler spielen wollen. Dann kommt eine super Flanke, Philipp Hercher rückt super rein und zeigt sein gutes Kopfballspiel."

Hanslik diesmal "echter" Stürmer, Klingenburg auf der Zehn

Die Offensiv-Anordnung mit René Klingenburg als pendelndem zentralen Stürmer, mit der der Trainer vor einer Woche gegen Mannheim 24 Minuten bis zum ersten Platzverweis experimentierte, probierte er dagegen kein zweites Mal aus. In Verl gab Daniel Hanslik einen echten Mittelstürmer, hinter ihm bildeten gegen den Ball Wunderlich, René Klingenburg und Nicolas Sessa eine Dreierreihe. Wobei Wunderlich den Part des verletzten Jean Zimmer auf der rechten Seite übernahm und Klingenburg auf der Zehn agierte, was ein wenig überraschte - umgekehrt wär’s eher zu erwarten gewesen. Bei Ballbesitz schoben sich die Schienenspieler auf den Außenbahnen nach vorne, Wunderlich und Sessa in die Zentrale, Klingenburg in die Spitze, wo ihm der sehr bewegliche Hanslik Platz machte.

Das mochte gut durchdacht sein, sah aber in der ersten Halbzeit über weiten Strecke recht behäbig aus. Denn obwohl die Gäste die Partie kontrollierten, schafften sie es nicht, wirklich für Betrieb vor dem Verler Tor zu sorgen. Dazu wäre aggressiveres Pressing notwendig gewesen, außerdem fehlte nicht nur der berühmte "letzte Pass" ins Zentrum, sondern auch der Druckpass - der, der die Hintermannschaft des Gegners so in Bewegung bringt, dass das finale Zuspiel überhaupt erst möglich wird.

Die Gretchenfrage: War Lautern so stark oder Verl so schwach?

Glück für den FCK, dass bei den Gastgebern in diesen 90 Minuten nie so richtig ersichtlich wurde, wie sie an den acht Spieltagen zuvor zu bereits zwölf Punkten gekommen sind. Sie schienen keine andere Spielidee zu verfolgen als die, auf einen Bock des Gegners zu warten und dann möglichst schnell abzuschließen. Und so eine Diagonalflanke aus dem Halbfeld, wie Zuck sie auf Herchers Schädel segeln ließ, müsste ein Profiteam eigentlich verteidigen können. Das stellte nicht zuletzt auch der verletzte Mittelfeldspieler der Verler, Barne Pernot, fest, der als Halbzeitgast beim Streaming-Sender die Partie analysierte.

Doch mit welcher Phrase lässt sich da gut dagegen halten? Richtig: "Man spielt nur so stark, wie der Gegner es zulässt." Ob Lautern allerdings so stark war, wie der Sportclub schwach war, lassen wir mal dahingestellt.

Zweite Halbzeit: Statt schnelle Konter weiter Passspiel

In der zweiten Halbzeit schafften es die Roten Teufel, erst einmal drei exzellente Torchancen zu versemmeln, ehe sie den zweiten Treffer nachlegten: Klingenburg vergab nach schöner Vorarbeit Wunderlichs, Hanslik donnerte aus spitzem Winkel gegen den kurzen Pfosten, Sessa scheiterte nach genialem Zuspiel Hansliks an Verls Keeper Niclas Thiede.

Aus analytischer Sicht ist dabei interessant: Die Gelegenheiten wurden gar nicht einmal so herausgearbeitet, wie es bei diesem Spielstand zu vermuten gewesen wäre. Sie wurden nämlich nicht nach Balleroberungen im Verteidigungsdrittel und schnellen Kontern erspielt, weil sich die Mannschaft, die in Führung ist, tief stellt und auf solche Situationen lauert. So ist es gerade in der 3. Liga doch üblich. Stattdessen resultierten alle FCK-Chancen am Ende mehr oder weniger aus langen Ballstafetten gegen eine weitgehend wiederformierte Deckung. Was mit dieser personellen Besetzung im Grunde auch gar nicht anders möglich war, denn die Männer mit Speed hockten weiterhin auf der Bank: Dominik Schad, Marius Kleinsorge oder Simon Stehle.

Auf der Suche nach Stabilität: Antwerpen wechselt spät und wenig

Überhaupt hielt sich Marco Antwerpen, der bei fünf erlaubten Wechseln oft schon früh in der zweiten Halbzeit erste Änderungen vornimmt, diesmal sehr zurück. Erst nach 59 Minuten tauschte er zum ersten Mal, und das gezwungenermaßen: Klingenburgs Oberschenkel zwickte, er musste raus, für ihn kam Muhammed Kiprit.

Der zweite Wechsel folgte erst in der 74. Minute: Schad kam für Sessa, der in der Tat mehr Tempo ins Spiel brachte. Und zehn Minuten später wurde Wunderlich für Kleinsorge vom Feld genommen. Es schien als fürsorgliche Geste gedacht zu sein, denn der Routinier war nach seiner verpassten Großchance, als er sich vorm leeren Tor den Ball vom Fuß spitzeln ließ, nervlich von der Rolle. Shit happens. Vorher gab es übrigens eine Abseitsstellung, die aber der Schiedsrichter und auch die meisten medialen Beobachter nicht wahrgenommen hatten.

Nur drei von fünf möglichen Wechseln wurden also ausgeschöpft, und einer davon war verletzungsbedingt. Anscheinend versucht der Trainer, endlich die Stabilität im Mannschaftsgefüge herzustellen, die sich angesichts der vielen Verletzungen und Sperren seit Saisonbeginn noch nicht eingestellt hat. Dafür spricht auch, dass er sich im Interview hinterher wünschte, gegen den VfL Osnabrück am kommenden Samstag endlich einmal zum zweiten Mal hintereinander mit der gleichen Startelf beginnen zu können, sofern ihm Klingenburgs Verletzung keinen Strich durch die Rechnung macht.

Die Abwehr steht - und auch zwei Stürmer finden langsam ihre Linie

Dieser Auswärtssieg nach dem spektakulär mit neun gegen elf Mann erfighteten 0:0 im Derby vor eine Woche gibt da sicher zusätzlich Selbstvertrauen. Der Abwehrverbund mit erst acht Gegentreffern nach neun Spielen steht ohnehin besser, als er oft gemacht wird. Auch zwei Offensivspieler scheinen nun langsam ihre Linie zu finden.

Für einen jungen Stürmer wie Kiprit ist dieser zweite Saisontreffer, den er nach Flanke von Hercher erzielte - wieder also war ein Schienenspieler beteiligt - sicher geistiges Kraftfutter. Aber auch Hanslik überzeugte mit seiner Beweglichkeit und guten Zuspielen. Er war es auch, der vor dem 2:0 Hercher auf dem rechten Flügel einsetzte.

Die xG-Plots: Der Sack hätte schon lange vor dem 2:0 zu sein müssen

Wer keine Lust hatte, diese Analyse zu lesen, wird eigentlich auch aus diesen xG-Plots ausreichend schlau. Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen zeigt: Der FCK hätte schon lange vor dem 2:0 den Sack zumachen müssen. Aber auch: Bis zu Herchers Treffer war vorne tote Hose, trotz ordentlicher Spielkontrolle. Wenn’s ganz dumm gelaufen wäre, hätte doch wieder der Gegner den ersten Treffer gemacht.

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Auch die Positions- und Passgrafik des FCK ist hübsch anzuschauen. So sieht eine muntere, ausgeglichene Ballzirkulation aus. Auffällig: Die Innenverteidiger spielen Sechser Marlon Ritter eigentlich kaum an. Der Aufbau läuft im wesentlich über die Schienenspieler Zuck und Hercher.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des SC Verl. Stürmer Oliver Schmitt hängt ziemlich in der Luft. Fixpunkt der Mannschaft ist vorne der Ballstreichler Kasim Rabihic. Ihn gilt es, in Strafraumnähe anzuspielen, auf dass er sich oder einen Mitspieler freitanzt. War an diesem Sonntag einfach zu wenig. Aber gehen wir mal davon aus, dass die Verler es auch besser können, sonst würden sie nicht generell so gut dastehen.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

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- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon YessinetheGreat » 20.09.2021, 22:48


Ich finde es interessant zu sehen, dass wir wie Schommers ein erfolgreiches System hatten, und als wir es dann in der Pause umgestellt hatten (BS in der Winterpause), haben nicht mehr die gleiche Leistung gezeigt.

Deswegen bin ich froh, dass Antwerpen wieder im 343 oder 541 spielen lässt, ein System in dem wir Ende letzter Saison sehr erfolgreich waren. Hercher und Zuck können sich in dem System viel besser Offensiv einbringen, unsere Defensive steht stabil weil wir 3 Kopfballstarke Abwehrspieler haben und wir haben eine viel bessere Ballkontrolle…



Beitragvon Kimmelweck » 23.09.2021, 18:58


Der Wirt in meiner Stammkneipe hat die Abseitsstellung von Wunderlich auch erkannt.
Dadurch,dass der tormann so weit raus war, hatte Wunderlich bei der Ballabgabe nur noch einen Gegenspieler (den Verteidiger) vor sich.



Beitragvon Kohlmeyer » 26.09.2021, 13:20


Hier kommt die DBB-Analyse zum 10. Spieltag der Saison und dem zweiten Sieg in Folge:

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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-VfL
Die DBB-Analyse: Gut, aber es geht noch besser

Sonne, Sieg und Seligkeit: So schön kann Fußball auf dem Betze sein. Immer noch. In Hälfte zwei belegte das 2:0 gegen Aufstiegsfavorit Osnabrück allerdings: Das FCK-Team 2021/22 ist immer noch ein "Work in Progress".

Zum ersten Mal in dieser Spielzeit bot sich Coach Marco Antwerpen die Möglichkeit, zum zweiten Mal hintereinander die gleiche Startelf aufzubieten. Und die nutzte er. Das mag nicht allein entscheidend für den insgesamt überzeugenden Sieg gewesen sein, dürfte aber seinen Teil dazu beigetragen haben, dass sich eine Mannschaft präsentierte, bei der Struktur und Abläufe sich weiter zu festigen scheinen. Die Neuausrichtungen, die Antwerpen bereits vor zwei Wochen zum Lokalderby gegen Mannheim (0:0) auf den Weg brachte und beim 2:0-Sieg in Lotte gegen Verl fortsetzte, greifen zusehends besser.

Wie stark die Außenbahnspieler Hendrick Zuck/Philipp Hercher durch die Umstellung auf Dreier-/Fünferkette aufblühen, haben wir bereits in unserer Analyse der Partie gegen Verl. Diesmal lohnt sich eine Betrachtung der neuen Anordnungen in Mittelfeld und Angriff.

Klingenburg und Hanslik: Nicht neben-, sondern hintereinander

Mit René Klingenburg und Daniel Hanslik sind die beiden vordersten Spieler nicht neben-, sondern hintereinander angeordnet. Klingenburg stößt dort in die Spitze, wo der bewegliche Hanslik im Räume geschaffen hat. Dadurch geht von Klingenburg die größte Torgefahr aus. Was sich nicht nur bei seinem Treffer zum 1:0 nach nur sieben Minuten zeigte, als er eine Linksflanke von Mike Wunderlich einköpfte. Der 27-Jährige hätte danach noch zwei Mal als Torschütze in Erscheinung treten können, jeweils nach Zuspielen von rechts, nach denen er sich aufs kurze Eck orientiert hatte. Einmal scheiterte er per Drehschuss, einmal per Dropkick an VfL-Keeper Philipp Kühn.

Hanslik dagegen verschliss sich in der Spitze als Arbeitstier - und das machte er gut, drum sollte die Latte, die einen Stürmer nur nach Toren misst, bei ihm nicht angelegt werden. Signifikant die Szene kurz vor der Pause, als Zuck mit einem tollen Pass halblinks in den Strafraum Hanslik fast an die Grundlinie schickte und dieser auf Nicolas Sessa zurücklegte.

Die einzige Szene, in der auch Hanslik beinahe zum Abschluss gekommen wäre, auch die einzige nennenswerte Chance, die aus einer "Umschaltsituation" entstand. Hanslik nahm nach einem Befreiungsschlag vom Sechzehner den Ball kurz hinter der Mittellinie an, drehte sich lehrbuchmäßig um seinen Gegenspieler, kam aber gegen den herauseilenden Kühn zu spät. Auf die Reise geschickt hatte Hanslik übrigens ein gewisser Alex Winkler - einer, der sich vom Abstellgleis in die Startelf zurück gearbeitet hat. Verdient ebenfalls Respekt.

Interessant: Als Antwerpen nach 65 Minuten für Klingenburg Muhammed Kiprit brachte, blieb die Anordnung der Offensivspieler hintereinander erhalten - obwohl Kiprit ein "echter" Stürmer ist.

Achter in der Raute: Neue Rollen für Wunderlich und Sessa

Ansonsten - und das ist für die 3. Liga bemerkenswert - erspielte sich dieser FCK seine besten Einschussgelegenheiten gegen einen Gegner, dem im Grunde genug Zeit gegeben war, sich defensiv zu formieren. Der zweite Treffer fiel - das gab's in den vergangenen Jahren nicht oft zu sehen - nach einem ruhenden Ball. Nach einer Ecke von rechts, die Sessa, nicht Wunderlich, getreten hatte, und Kevin Kraus am kurzen Pfosten auf Hercher verlängerte. Das sah regelrecht einstudiert aus.

Die neue Rolle von Klingenburg hinter der Spitze bedingt auch neue Wirkungszonen für zwei, die man bislang eher als "klassische Zehner" bezeichnete. Wunderlich und Sessa nehmen in einem nun rautenförmig angeordneten Mittelfeld die Achterpositionen ein - hinten auf der Sechs verteilt Marlon Ritter seine bevorzugt diagonalen Bälle. Dabei tauschten Wunderlich und Sessa gerne die Seiten, woran vor allem Wunderlich sichtlich Freude hatte. Von ihm kamen sowohl von links als auch von rechts immer wieder starke Zuspiele. Auf den Seiten hat der Routinier mehr Platz und mehr Zeit zur Verfügung, mit 35 ist man nun einmal nicht mehr der Fixeste.

Kein Angriffspressing mehr? Könnte noch wichtig werden

Gegen den Ball erwartet Lautern den Gegner nun mit fünf Mann auf einer Linie. Angesichts des dritten Zu-Null-Spiels hintereinander verbietet sich da im Grunde jede Kritik. Zumal die Roten Teufel mit erst acht Gegentreffern in dieser Saison gemeinsam mit Waldhof jetzt auch die stärkste Abwehr der Liga stellen, nachdem sie dem bisherigen Defensivprimus Osnabrück höchstpersönlich zwei weitere Gegentreffer verpassten.

Angemerkt werden muss aber: Mit der Fünferkette hinten scheint es nun gar nicht mehr möglich, phasenweise Angriffspressing zu spielen, wie es Antwerpen in der vergangenen Rückrunde öfter anordnete und wie es in dieser Spielzeit nur noch selten zu war. In der aktuellen Spielanlage macht die Elf das zentrale Mittelfeld so dicht, dass dem Gegner kaum eine andere Wahl bleibt als auf die Seiten zu spielen, wo er dann etwa in Höhe der Mittellinie erstmals attackiert wird. Das klappt derzeit gut, allerdings könnte künftig gegen Kontrahenten, die nicht so gerne mitspielen wollen, auch mal eine forschere Gangart gefragt sein - vielleicht schon kommenden Samstag gegen Havelse.

Hälfte zwei: Ohne Tempospieler keine Entlastung

Außerdem muss über das Nachlassen in der zweiten Hälfte geredet werden - und zwar ohne die üblichen Gemeinplätze wie "schwindende Kraft" oder "Konzentrationsmängel" zu bemühen. Richtig ist: Als Osnabrück sich angesichts der Rückstand immer weiter nach vorn schob, wirkten die Befreiungsversuche der Pfälzer zunehmend hilfloser. Da fehlte einer, der mal mit einem langen Sprint einen Konter fährt.

Erst nach 73 Minuten kam mit Dominik Schad für Sessa der erste echte Tempospieler aufs Feld. Die beiden anderen Kaderspieler mit Flitzer-Eigenschaften, Marius Kleinsorge und Simon Stehle, ließ Antwerpen bis zum Ende auf der Bank schmoren. Stattdessen brachte der Trainer ab der 85. Minute Felix Götze für Wunderlich - das ist nachvollziehbar, schließt braucht Götze nach seiner Kopfverletzung wieder Spielpraxis. Und Defensivspieler Julian Niehues kam für Stürmer Hanslik - so viel Zurücknahme, um einen 2:0-Vorsprung über die Zeit zu bringen, überraschte dann doch ein wenig. Schließlich war's ein Heimspiel, und der Gegner drückte zwar nach vorne, brannte aber alles andere Feuerwerk ab.

Für die Rückkehrer wird's nun schwer

Wie auch immer: Mit dieser zum zweiten Mal unveränderten Startelf präsentiert sich das FCK-Team nun erstmals in dieser Spielzeit wirklich gefestigt. Drum hat sie es verdient, auch bis auf Weiteres das Fundament zu bilden. Auch wenn nun die zuletzt rotgesperrten Kenny Redondo und Marvin Senger zurückkehren, der zurückgekehrte Götze sicher keiner für die Bank ist und auch Kapitän Jean Zimmer von seinen Rückenproblemen in Kürze genesen sein dürfte. Da wird der Trainer die Qual der Wahl haben.

Optimisten bezeichnen dergleichen als "Luxusproblem", Pessimisten werden um den Betriebsfrieden fürchten. Wer recht behalten wird? Schau'n mer mal, wie immer. Auf jeden Fall bleibt es spannend. Wie Fußball nun einmal sein sollte.

Ergänzung, 27.09.2021: xG-Plots: Verdienter Sieg, aber wo sind die Konterchancen?

Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen belegt den verdienten FCK-Sieg. Die durchgehend flache Linie in der finalen halben Stunde zeigt aber auch: Mit einer Führung im Rücken Konter zu fahren, weil der Gegner gezwungen ist anzugreifen, ist offenbar nicht ihr Ding. Was eigentlich untypisch für die 3. Liga ist. "Umschaltsituationen" zu nutzen, ist für die meisten Teams das wichtigste Stilmittel. Manche scheinen sogar gar kein anderes zu kennen.

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Interessant: René Klingenbergs Kopfballtreffer zum 1:0 resultierte laut Sander Ijtsmas Computersoftware aus einer gar nicht mal so guten Einschussmöglichkeit. Vermutlich, weil zwischen ihm und der Torlinie noch diverse Spieler postiert waren.

Bei der Betrachtung der Positions- und Passgrafik der Roten Teufel lohnt sich ein Vergleich mit der Grafik aus der Vorwoche gegen Verl. Beide ähneln sich im Großen und Ganzen, nur erschienen diesmal Sessa und Wunderlich wesentlich zentraler. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass beide öfter die Seiten tauschten, und die Computersoftware ihre Spots daher in der Mitte setzte.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Osnabrücker: Man erkennt die Absicht, forciertes Flügelspiel bieten zu wollen, wobei Trainer Daniel Scherning seine Außenstürmer mit ihrem starken Fuß innen aufstellt: Mehr Linksfuß als Rechtsaußen Sören Bertram kann man eigentlich kaum sein. Mittelstürmer Heider hängt aber arg in der Luft. Auch da ist ein Vergleich zur Vorwoche interessant: In der Spielanlage der Verler ist der zentrale Stürmer Rabihic die fast schon ausschließliche Anspielstation.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Thomas » 27.09.2021, 09:24


Aktueller Nachtrag: Die xG-Grafiken sind jetzt auch da und im Artikel ergänzt - einfach paar Zentimeter nach oben scrollen, und Ihr findet alle Daten. :)
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon ExilDeiwl » 27.09.2021, 18:24


Kohlmeyer hat geschrieben:Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen belegt den verdienten FCK-Sieg. Die durchgehend flache Linie in der finalen halben Stunde zeigt aber auch: Mit einer Führung im Rücken


Als ob ich‘s gesagt hätte, @Thomas! :D Aber okay, war ja auch nicht zu schwer vorherzusagen. :wink:
🇺🇦 STOP WAR! FUCK PUTIN! 🇺🇦



Beitragvon Kohlmeyer » 03.10.2021, 14:23


Hier folgt unsere Taktik-Nachlese, xG-Grafiken werden Anfang der Woche nachgereicht:

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Taktik-Nachlese zum Spiel Havelse-FCK
Die DBB-Analyse: Die Mischung macht's

Höchster Auswärtssieg seit 1994, drittes gewonnenes Spiel in Folge, sechstes "zu null" in elf Partien - beim 6:0 des 1. FC Kaiserslautern gegen den TSV Havelse hagelt es Rekorde. Gehen wir es mal nüchterner an - und betrachten, wie die Tore erzielt wurden.

Ein Treffer aus einer Umschaltsituation heraus, zwei nach ruhenden Bällen, drei gegen im Grunde sortierte Gegner. Oder sagen wir lieber: aus Situationen, in denen der Gegner eigentlich Zeit hatte, sich zu sortieren. Das ist eine gesunde Mischung, die in diesem Verhältnis gerne beibehalten werden darf. Optimal wäre natürlich, wenn sich auch der Anteil an Konter-Toren noch auf ein Drittel erhöhen würde. Aber wer will nach so einem Spiel schon meckern?

Immerhin: Mit zwei Treffern nach Standards lag deren Quote in Hannover bei exakt den 30 Prozent, die laut Statistik angestrebt werden sollte - richtig gut spezialisierte Teams erzielen sogar über 40 Prozent ihrer Treffer nach ruhenden Bällen. Damit ist das FCK-Team 2020/21 im Begriff, eine Schwäche auszumerzen, die am Betzenberg seit Jahren beklagt wird.

Bereits in der Pressekonferenz vor der Havelse-Partie äußerte sich Trainer Marco Antwerpen darauf angesprochen, dass sich in dieser Disziplin langsam etwas bessert. Denn schon in der Woche zuvor gegen den VfL Osnabrück hatte Philipp Hercher einen Treffer nach einer Ecke von Nicolas Sessa und einer Kopfball-Verlängerung von Kevin Kraus erzielt. Gegen Havelse waren es Boris Tomiak und ein Gegenspieler, die sich vor dem 4:0 eine Ecke von Mike Wunderlich über den Scheitel rutschen ließen. Hercher stand abermals am langen Pfosten und vollstreckte.

Eckbälle: Gut treten, gut köpfen, aber auch die Abläufe sind wichtig

"Wir trainieren das natürlich", hatte Antwerpen auf die DBB-Frage nach den Standardsituationen geantwortet. Damit die Ecken tatsächlich besser werden konnten, habe man zunächst mal Spieler gebraucht, die diese "gut treten" könnten. Dann "muss man gute Abläufe drin haben und Kopfballspieler, die das verwerten können." Die einzelnen Varianten gäbe gar nicht mal das Trainerteam vor, sondern würden größtenteils "von den Jungs selbst einstudiert".

Dass mit Tomiak und René Klingenburg zwei hochgewachsene Spieler zum Kader gestoßen sind, die für mehr Torgefahr nach hohen Flugbällen sorgen, ist bekannt. Ebenso, dass mit Wunderlich einer dazugekommen ist, der diese "gut treten" kann, wie es der Trainer verlangt. Allerdings: für den Kopfballtreffer zum 2:0 nach Freistoß-Flanke aus dem rechten Halbfeld zeichneten Hendrick Zuck und Kevin Kraus verantwortlich, zwei der dienstältesten Spieler im aktuellen FCK-Team. Es kann also nicht nur an neuem Personal liegen. Eher schon an verbesserten Abläufen.

Spätstarter Marlon Ritter: Schlanker, schneller, gereifter

Für den Treffer aus der bereits zitierten Umschaltsituation sorgte einer, der schon über ein Jahr beim FCK weilt, aber erst seit Saisonbeginn positiv auffällt - zwischenzeitlich war er allerdings vier Wochen wegen einer Muskelquetschung ausgeschaltet. Marlon Ritter beeindruckte am ersten Spieltag gegen Braunschweig in neuer Rolle als tiefer Aufbauspieler vor der Abwehrkette. Dorthin kehrte er auch nach seiner Genesung im September zurück und trumpft seither weiter stark auf.

"Wir haben seine Position jetzt gefunden. Die füllt er sehr gut aus, weil er einer ist, der ein Spiel lesen kann", hatte Antwerpen ebenfalls am Donnerstag erklärt. Dass Ritter ein Jahr gebraucht habe, um in Lautern anzukommen, habe auch das Trainerteam mit Ungeduld verfolgt, aber bei manchen dauere es eben länger. "Er hat seine körperlichen Defizite in den Griff gekriegt", ergänzt der Coach. In der Tat präsentiert sich Ritter bereits seit Saisonbeginn mit einer ganz anderen Körperspannung, wirkt um ein paar Kilo leichter. Eben das spielte er bei seinem Treffer zum 1:0 aus.

Die Vier in der Raute: Mit Götze munter am Rotieren

Havelse war kurz zuvor ein Freistoß aus dem Halbfeld zugesprochen worden, und da auch höher gewachsenen Offensivspieler in den eigenen Strafraum zurück mussten, um den Flugball abzuwehren, war der 1,73 Meter große Ritter eingeteilt worden, an der Mittellinie zu lauern. Dort nahm er den Befreiungsschlag in einer derart formvollendeten fließenden Bewegung an und mit, dass selbst Havelses Sportlicher Leiter Matthias Limbach in der Halbzeit ins Schwärmen geriet: "Wenn das Absicht war, gehört Ritter nicht in diese Liga." Beim anschließenden Sprint Richtung Tor dürfte die gesteigerte Fitness Ritter den Weg leichter gemacht haben.

Der durfte seine Sechser-Rolle diesmal übrigens variabler ausfüllen als zuletzt. Nachdem Sessa mit einem grippalen Infekt ausfiel, war Felix Götze in die Startelf gerückt, der normalerweise weiter hinten im Mittelfeld zuhause ist. Also switchte Götze öfter mal mit Ritter, und auch Wunderlich und Klingenburg interpretierten ihre Rollen als Zehner und Achter in der Raute nicht stur, sondern rotierten munter im Zentrum des Lautrer Spiels.

4:0, 5:0, 6:0: Mal mit Gegners Hilfe, mal gekonnt, mal mit Kraft

Erfolge am Unvermögen des Gegners festzumachen, gilt dagegen als unfein. Doch zumindest angesichts des dritten Treffers durch Wunderlich muss es gesagt werden. Da verteidigte der Aufsteiger einfach nur schlecht. Einen nach einem Einwurf eingeleiteten langen Ball von Hercher verlängerte erst Niklas Tasky ungelenk in den eigenen Strafraum, wo Daniel Hanslik sich gegen Tobias Fölster den Ball nahezu unbedrängt zurechtlegen und abschließen durfte. Stark war lediglich die Reaktion von TSV-Keeper Norman Quindt, der Pech hatte, dass der von ihm abgewehrte Ball direkt vor den Füßen von Wunderlich landete. So leicht wird's den Lautrern in dieser Spielzeit sicher nicht allzu oft gemacht werden.

Das 5:0 wiederum war schön herausgespielt und gleichzeitig Resultat eines energisch zurückeroberten zweiten Balles. Hanslik legte einen langen Ball von Tomiak in den Laufweg des heraneilenden Wunderlich, der dribbelte sich in Schussposition, traf den Pfosten, Hercher behauptete den zurückprallenden Ball und flankte flach von rechts auf Hanslik, der den Fuß hinhielt. So sieht Fußball aus, der Laune macht.

Das 6:0 wiederum resultierte eher aus einem Kraftakt. Tomiak, der schon seit Wochen mit Kraus und Alex Winkler eine kaum zu überwindende Dreier-Abwehrkette bildet, wollte offenbar um jeden Preis seinen ersten Treffer im Dress der Roten Teufel erzielen und riskierte halbrechts aus 30 Meter einen Gewaltschuss, der tatsächlich am Lattenkreuz landete. Den Abpraller verwertete Hanslik per Kopf, sodass auch der Stürmer, der sich mit seiner Beweglichkeit und seinem taktischen Verständnis gegen seine Mitbewerber als 1a-Lösung für ganz vorne profilierte, gleich mit zwei Treffern in der Torschützenliste dieser Spielzeit debütierte. Das ist gut fürs Selbstvertrauen.

Formation gefunden: Ungewöhnlich, aber optimal fürs Personal

Zehn Punkte und ein Torverhältnis von 10:0 aus den jüngsten vier Spielen - keine Frage, der FCK präsentiert sich so stark und gefestigt wie lange nicht mehr. Mit Dreier-/Fünferkette, Rauten-Mittelfeld und nur einem echten Stürmer hat der Trainer endlich eine Grundformation gefunden, die ungewöhnlich sein mag, in der die individuelle Qualität jedes Einzelnen aber am besten zur Geltung kommen kann. Dies alles brauchte jedoch seine Zeit.

Mag sich da überhaupt noch jemand daran erinnern, dass noch vor vier Wochen recht konkrete Gerüchte um den Betzenberg kreisten, Marco Antwerpen könnte im Fall einer Derby-Niederlage gegen Waldhof Mannheim entlassen werden? Zumindest die, die für eine Ablösung verantwortlich gezeichnet hätten, sollten dies im Hinterkopf behalten. Denn die nächste Talsohle, in der es die Nerven zu bewahren gilt, kommt bestimmt.

Ergänzung, 05.10.2021: Die xG-Grafik: So richtig Raute ist das nicht

Zu den xG-Grafiken. Zur Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen gibt es nicht viel zu sagen: Die sieht so aus, wie das tatsächliche Endergebnis es vermuten lässt. Erwähnenswert vielleicht, dass die zwei, drei Torszenen, die Havelse durchaus hatte, als es noch 0:0 stand, so gut wie keine Ausschläge verursachen. Dabei mutete zumindest Yannik Jaeschkes Kopfballposition unmittelbar nach Spielbeginn eigentlich gar nicht so schlecht an. Und wenn dem TSV ein solcher Startschuss geglückt wäre, hätte auch dieses Spiel eine andere Wendung nehmen können.



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Die Positions- und Passgrafik: Nun ja, wie eine Raute sieht die Anordnung der Vier im Mittelfeld nun nicht gerade aus. Da ist ein gewisser Linksdrall erkennbar, und Götzes Spot ist sogar hinter dem Ritters platziert. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden. Die Spots markieren lediglich die Ballannahmeposition im Durchschnitt.




Götze war durchaus auch weiter vorne zu finden. Man denke nur an die Szene in der 62. Minute, als Götze mit dem Rücken zum Tor den Ball annimmt und elegant Hintermann Niklas Tasky umgeht - den Ball mit der Hacke links am Gegner vorbeigelegt und rechts herumgelaufen. Worauf Tasky ihn anschließend - Frustfoul oder taktisches? - mit dem Ellenbogen von den Beinen holt. Gab’s übrigens nicht mal Gelb für. Für den Spielberichterstatter des SWR war’s sogar rotwürdig.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik des TSV Havelse: Sieht eigentlich ganz nett aus. Bisschen viel Spiel hintenrum, aber sonst sind die Spots schön vernetzt. Wenn nur die Realität und das tatsächliche Endergebnis nicht wären …



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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon MarcoReichGott » 04.10.2021, 16:05


Auf jedenfall kann man Antwerpen keine Sturheit vorwerfen. Eine solche 180 Gradwende des Spielstils hab ich unter einem Trainer selten erlebt. Von dem Aggresivpressig ist kaum noch etwas übrig geblieben, stattdessen stehen wir selbst gegen den Tabellenletzten mit einer tiefen 5er Kette drinnen und greifen teilweise erst weit in unseren eigenen Hälfte an.

Im Prinzip hat Antwerpen sehr viel von dem umgsetzt, was ich selbst hier im Thread und in den Spieltagthreads gefordert habe. Die Rückkehr zu einem Spiel mit 3er Kette und einem rautenartigem Gebilde im Mittelfeld. Klingenburg weg von der 6 wo er einfach zu viele einfach Ballverluste gespielt hat und öfters auch mal nen Schritt zu spät dran war.

Aus hohem aktivem Offensivpressing ist eine Die-Null-Muss-Stehen geworden. Und siehe da: Auf einmal läuft es. Denn letztlich ist die Qualität im Kader eben doch so hoch, dass einer wie Marlon Ritter ein Tor schießt, was von 99 anderen Drittligaspielern höchstens einem anderen gelungen wäre.

Trotzdem merkt man unserem Spiel teilweise an, dass die Umstellung recht frisch ist. Wie oben schon angedeutet sahen die ersten Minuten gegen Halvelse jetzt nicht restlos überzeugend auch, aber auch schon in den vergangenen Spielen gab es durchaus ein oaar Phasenm wo man den Zugriff verloren hat.

Spielt man mit einer echten 5er Kette anstatt mit einer 4er Kette werden die Bewegungsbaläufe vor der Abwehrwette deutlich relevanter. Die 5er Kette selbst ist ja recht intuitiv, da man hier meistens die Überzahl hat und einfach nach außen schieben kann. Damit man den Zugriff aber nicht verliert und nur hinten drinnen steht, müssen die 5 Spieler davor es natürlich trotzdem schaffen ein tiefes Pressig zu spielen. Das sah teilweise aber noch nicht restlos überzeugend aus.

Man kann mich nach nem 6:0 natürlich für die Aussage steinigen, aber taktisch seh ich da durchaus defensiv noch Verbesserungspotential für die nächsten Trainingswochen.

Offensiv tut uns Klingenburg mit seiner galligkeit vorne einfach nur gut und schafft es immer wieder Räume zu öffnen, die nun Hercher auch als echter Schienenspieler nutzen kann. Wunderlich scheint auch anzukommen, der hatte ja neben seinemn Tor noch zwei weitere tolle Szenen im Spiel, die leider aber nicht belohnt wurden. Hut ab vor Antwerpen übrigens dafür Ritter weiter nach hinten zu ziehen. Ich hatte das ja eher für eine Notlösung gehalten, aber nachdem Götze nun auch zurück ist hat Ritter nochmal eindrucksvoll gezeigt, dass Antwerpen da einen verdammt guten Riecher mit hatte.



Beitragvon Thomas » 05.10.2021, 10:29


Sorry für die kleine Verspätung: Die xG-Grafiken sind jetzt online, siehe oben direkt im Analyse-Beitrag. :)
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon MarcoReichGott » 05.10.2021, 12:51


Kohlmeyer hat geschrieben:
Die Positions- und Passgrafik: Nun ja, wie eine Raute sieht die Anordnung der Vier im Mittelfeld nun nicht gerade aus. Da ist ein gewisser Linksdrall erkennbar, und Götzes Spot ist sogar hinter dem Ritters platziert. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden. Die Spots markieren lediglich die Ballannahmeposition im Durchschnitt.





Mir war das aber auch im Spiel aufgefallen, dass Götze gerade am Anfang mit seiner Position etwas am fremdeln war und öfters zu weit hinten zu finden war. Genau das meinte ich auch mit den Zuordnungsproblemen vor der 5er kette. War genau einer der Gründe, weshalb uns in manchen Szenen der Zugriff gefehlt hat und wir teilweise zu passiv standen anstatt im Mittelfeld zu pressen.



Beitragvon Zamorano » 06.10.2021, 01:33


MarcoReichGott hat geschrieben:Auf jedenfall kann man Antwerpen keine Sturheit vorwerfen. Eine solche 180 Gradwende des Spielstils hab ich unter einem Trainer selten erlebt. Von dem Aggresivpressig ist kaum noch etwas übrig geblieben, stattdessen stehen wir selbst gegen den Tabellenletzten mit einer tiefen 5er Kette drinnen und greifen teilweise erst weit in unseren eigenen Hälfte an.


Da ich die letzten drei Spiele nicht in voller Länge gesehen habe, verlasse ich mich einfach mal darauf, dass das, was Du schreibst, so stimmt. Vielleicht hat das Waldhof-Spiel bei allen Beteiligten einen Prozess ausgelöst, an dessen Ende die Abkehr vom laufintensiven hohen Pressing stand, das Antwerpen zuvor stets verordnet hatte.

Auch wenn noch nicht alles in jeder Situation funktioniert, wie du sagst, so spricht doch einiges dafür (10:0 Tore aus den letzten vier Spielen), dass man auf dieser Basis aufbauen kann. Vom Bauchgefühl her würde ich mal tippen, dass auch viele Spieler sich eher mit einem stabileren Ansatz identifizieren können, da es etwas Frustrierendes hat, erfolglos den Gegner an- und dem Ball (sowie einem Rückstand) anschließend hinterherzulaufen.

Man wird in den nächsten Wochen sehen, ob es ein kurzes Zwschenhoch war oder ob wir diesmal am Anfang von einer echten Erfolgsgeschichte stehen. Antwerpen hat jedenfalls gezeigt, dass er fähig ist, pragmatisch Kurswechsel vorzunehmen, falls nötig. Wichtig für ihn wird nun auch sein, den Kader zu managen, wenn erst einmal alle Spieler wieder einsatzbereit sind.



Beitragvon FORZA85 » 17.10.2021, 17:47


@kohlmeyer, ich bin auf deine Analyse gespannt
Ist der FCK eine Spitzenmannschaft oder täuscht der Lauf noch??



Beitragvon Kohlmeyer » 18.10.2021, 12:13


Hier kommt unsere Taktik-Nachlese zum 3:0-Sieg über Freiburg II:

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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SCF2
Die DBB-Analyse: Mau starten, dann treffen

So einen Lauf, wie ihn der 1. FC Kaiserslautern gerade erlebt, bewirken viele Faktoren. Manche lassen sich recht einfach erklären, wie der Blick auf den 3:0-Sieg gegen den SC Freiburg II zeigt.

Beginnen wir diesmal mit einer eher banalen Erklärung für die nun vier Spiele umfassende Siegesserie. Der Mannschaft gelang es stets, früh in Führung zu gehen, sich so Selbstvertrauen zu holen und dem Gegner einen Dämpfer zu versetzen. Gegen Freiburg II fiel der erste Treffer bereits zum dritten Mal hintereinander innerhalb der ersten elf Minuten. Aber: Sie trifft immer auch nach Phasen, in denen sie das Spiel zuvor gar nicht mal bestimmt hatte. Sowohl beim 2:0-Auswärtssieg in Verl als auch beim 2:0-Heimerfolg gegen Osnabrück und sogar beim souveränen 6:0 in Havelse schien der Gegner vor dem ersten Tor der Lautrer sogar etwas besser in die Partie zu kommen.

Erst wird gepatzt, dann lehrbuchmäßig umgeschaltet

So war es auch am Samstag gegen die Zweitvertretung des derzeitigen Bundesliga-Topteams aus Freiburg. Der mit erfahrenen Cracks wie dem spielstarken Abwehrchef Sandrino Braun-Schumacher verstärkten Nachwuchstruppe gelangen einige frühe Balleroberungen, die für die Gastgeber böse hätten enden können. Gerade mal eine Minute vor Felix Götzes Führungstreffer etwa erlaubte sich die Hintermannschaft einen schweren Patzer, als Keeper Matheo Raab das Spiel mit einem kurzen Pass neu aufzubauen versuchte, die Freiburger beherzt attackierten, den frühen Ballgewinn aber nicht nutzen konnten.

Unmittelbar danach nutzten die Roten Teufel eine Umschaltsituation wie aus dem Lehrbuch - und die Fähigkeit, auch mal einen Treffer aus dem Nichts zu erzielen, kann gerade in dieser Liga durchaus ein Erfolgsfaktor sein. Balleroberung vor dem eigenen Sechzehner, Götze leitete ein, Mike Wunderlich schickte Daniel Hanslik über den rechten Flügel, der schloss seinen Flankenlauf nicht mit einem hohen Ball vors Tor, sondern mit einem klugen Rückpass ab. Götze vollstreckte.

Hanslik: Der Wanderer zwischen den Flügeln

Auf fast die gleiche Weise bereitete Hanslik auch den dritten Treffer vor, den Mike Wunderlich erzielte: Diesmal setzten Hendrick Zuck - mit der Hacke! - und Götze ihn über die linke Seite ein, wieder flankte er nicht hoch, sondern passte noch raffinierter als beim ersten Mal auf den lauernden Wunderlich in den Rückraum. Der 35-Jährige nahm den Ball direkt und präzise ab. Und einmal mehr war es einfach nur schön zu sehen, wie ausgelassen so ein altgedienter Profi auch im fortgeschrittenen Alter noch jubeln kann.

Der zentrale Stürmer als Pendel, das mal nach links, mal nach rechts ausschlägt, um Raum für die nachrückenden Torschützen zu schaffen - unter den aktuellen Offensivspielern des FCK füllt diese Rolle keiner besser aus Hanslik. Überhaupt gibt’s an diesen derzeit ein Überangebot. Da es in der 3-1-4-1-1-Formation, in der das Team jetzt den vierten Sieg in Folge eingefahren hat, im Grunde keine offensiven Flügelspieler mehr gibt, müssen sich nun neben Muhammed Kiprit und Elias Huth auch Marius Kleinsorge, Kenny Redondo und Simon Stehle um die beiden vorderen Positionen bewerben, die gegenwärtig Hanslik und René Klingenburg besetzen. Da wird Sport-Geschäftsführer Thomas Hengen die Personaldecke spätestens in der Winterpause ausdünnen müssen, um den Betriebsfrieden zu bewahren.

Mal was Neues: Westkurve pusht Auswechselspieler

Denn an der gegenwärtigen Startformation gibt es kaum etwas auszusetzen. Was auch der Grund sein dürfte, dass sich Marco Antwerpen neuerdings viel Zeit lässt, bis er erste Wechsel vornimmt. Vergangene Saison noch hatte er öfter mal Dreifach-Wechsel rund um die 60. Minute vorgenommen. Am Samstag führten die ausbleibenden Tauschaktionen sogar zu einem Sprechchor, den man so auf dem Betzenberg wohl noch nie gehört hat: "Auswechselspieler, Auswechselspieler!" Erst nach 70 Minuten durfte Jean Zimmer den Platz von Götze als halbrechter Achter einnehmen, Dominik Schad und Kleinsorge betraten erst nach 81 Minuten den Platz.

Selbst der Kapitän schafft nach auskurierter Verletzung also nicht direkt den Weg zurück in die Startelf. Die brannte an diesem Samstag sicher kein Fußball-Feuerwerk ab, hatte nach dem Führungstreffer das Spiel aber jederzeit im Griff und wirkt in ihrer Grundordnung immer gefestigter.

Ebenso setzte sich die zuletzt festgestellte Steigerung der Torausbeute nach ruhenden Bällen gegen Freiburg weiter fort. In Hälfte eins hätte beinahe sogar mal eine Wunderlich-Ecke auf die Höhe des langen Pfostens in Kevin Kraus einen Abnehmer gefunden. Spezialität aber bleiben die krummen Dinger aufs kurze Eck. Eins davon drückte Alex Winkler vor der Pause nach einer Zuck-Ecke über die gegnerische Linie, es wäre das 2:0 gewesen, aber Schiedsrichter Nicolas Winter verweigerte dem FCK wie schon letzte Saison gegen Bayern II (1:1) diesen regulären Treffer. Da es in der 3. Liga keine Torlinientechnik gibt, blieb der Jubel zunächst also noch aus. Aber der Schiri sollte dieses Mal zum Glück nicht die entscheidende Figur werden.

Eine Symbolfigur des Siegesserie: Tomiak, der Senkrechtstarter

Denn kurz nach Wiederanpfiff war Boris Tomiak nach einer zu kurz abgewehrten Wunderlich-Ecke zur Stelle. Womit der 23-jährige Innenverteidiger, im Sommer aus der Regionalliga West an den Betzenberg gewechselt, dem Katapultstart, den er nun eine Klasse höher hingelegt hat, die Krone aufsetzte. So soll, so darf es weitergehen - für Tomiak wie für den Rest des Teams.

Also alles eitel Sonnenschein zurzeit? Bei aller Freude am Lauf und daran, dass es aktuell nur noch zwei Punkte zu den Aufstiegsrängen sind, so wenig wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr: Um den Nachweis zu erbringen, dass die Roten Teufel die Liga-Spitze zurecht in Angriff nehmen, müssen diese noch eine Frage beantworten: Wie reagieren sie, wenn nach einer ausgeglichenen Anfangsphase halt doch mal der Gegner in Führung geht? Und wenn sie gezwungen sind, höher aufzurücken, um den Ausgleich zu erzwingen?

Gerade vor diesem Hintergrund sollte die 1:2-Niederlage im Verbandspokal gegen den Oberligisten Mechtersheim immer warnend im Hinterkopf bleiben. Da nämlich zeigte sich, dass die hintere Dreierkette gegen schnelle Gegenspieler, die genug Raum vor sich haben, durchaus Probleme bekommen kann. Ebenso wirken Kraus & Co. nicht immer ballsicher, wenn sie früh unter Druck gesetzt werden. Da sollte man sich auch von den erst acht Gegentreffern nicht blenden lassen, die diese Hintermannschaft aktuell als beste ihrer Klasse ausweisen.

Die xG-Plots: Noch ein, zwei Treffer mehr wären möglich gewesen

Zu den xG-Plots: Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen sieht genauso erfreulich aus, wie man es nach einem 3:0-Sieg erwarten darf. Es wären sogar noch zwei Treffer mehr drin gewesen. Vor allem Philipp Hercher hätte gut und gerne noch den Schlusspunkt setzen können.

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Die Positions- und Passgrafik: Spiegelt schön die oben beschriebene Grundformation wider. Die Passlinien deuten ebenfalls auf ein munteres Zusammenspiel hin, lediglich zwischen Hercher und Hanslik würde man sich noch eine Verbindung wünschen.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Freiburger: ganz schön linkslastig.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon Eckhaard » 18.10.2021, 12:58


Zum Thema Auswechselspieler kann ich nur sagen, dass der Gesang den Auswechselspielern von Freiburg galt, die sich vor der West warm machen mussten. "Auswechselspieler, ihr seid nur Auswechselspieler ...." Zumindest war das im unteren Bereich von 8.1 so zu hören.



Beitragvon Keulinho » 18.10.2021, 13:19


Das habe ich auch so vernommen - als Schmähung gegen die Freiburger Auswechselspieler. Davon abgesehen eine treffende Analyse. Top!
Für immer Fritz-Walter-Stadion!



Beitragvon Paul » 18.10.2021, 13:36


Ja, das macht alles wir richtig Spaß. Und diesen sollte man jetzt auch wirklich nicht nehmen.

Dennoch hatten wir Phasen im Spiel, und teilweise klingt das in der Analyse auch an, wo Freiburg gut und gerne ein Tor hätte machen können. Weit vor dem 2:0 und auch vor dem 3:0. Da stand die Defensive nicht immer sattelfest und es war alleine Raab zu verdanken, dass wir wieder zu Null geblieben sind. Wenn da einer rein geht ... wäre ja fast mal spannend zu sehen gewesen, ob Lautern das Flattern bekommt oder tatsächlich schon sehr stabil ist und den Druck wieder erhöhen kann. Den Beweis aber wollen wir gar nicht erst führen, deshalb sollten wir daran arbeiten, weiterhin wirklich über die volle Spielzeit konzentriert zu bleiben.

Toll, was der FCK da gerade bringt, aber es waren auch einige Leerlaufphasen drin mit richtig guten Torchancen für den Gegner. Ich hoffe und denke, das wird angesprochen. Das 3-0 ist schon verdient, in der Höhe, so finde ich, kann es etwas blenden.

Wenn jetzt in Duisburg auch noch alles passt, ich zweifle nicht daran :teufel2:
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Beitragvon MarcoReichGott » 18.10.2021, 15:26


Anterpen hat selber nach dem Spiel angesprochen, dass wir teilweise zu passiv standen und ich bin nach wie vor der Meinung, dass das im hintersten Drittel noch recht suboptimal abläuft.

Die Spielkontrolle im Mittelfeld haben wir ja die meiste Zeit, aber wenn der Gegner vor dem Tor auftaucht, stehen wir teilweise mit 6-7 Leuten hinten auf einer Linie und haben können davor den Gegner nur noch halbherzig attackieren. Da waren einige Situationen im Spiel dabei, in denen Freiburg den Ball ewig lange in gefährlichen Zonen halten und dann auch zum Abschluss kommen konnte. Das wir zu Null gespielt haben verdanken wir diesesmal Raab und sicherlich nicht einer guten Abwehrleistung.

Ich würde mir auch für die Traningswoche wirklich wünschen, dass hierauf der Fokus liegt: Wie verteidigen man mi 3er Kette tiefstehendend gegen den Ball.

Wenn wir die Schwachstelle behoben bekommen und die Mannschaft gesund bleibt, dann sollten wir aber in der Lage sein uns dauerhaft oben in der Tabelle festzusetzen.



Beitragvon Oktober1973 » 18.10.2021, 17:38


Die Grafiken faszinieren mich immer wieder, obwohl sie des Öfteren ein geteiltes Echo auslösen.
Wenn ich mir jedoch die "Dreiecksvermaschung" und die kompakte Darstellung ansehe, kann man schon m.E. auch die Gründe der positiven Entwicklung ablesen, der man noch nicht so richtig trauen will, weil die "richtigen" Gegner noch nicht erprobt wurden.
Aber diese innere Verbindung untereinander zeigt das funktionierende Team, wahrscheinlich sogar das Zusammenwachsen ohne Vorbehalte. Da hat MA wohl einen Gamechanger durchbekommen in der Mannschaft.
Einzig die noch nicht beidseitig funktionierenden Flügelzangen, von denen ich ein fanatischer Fan bin, funktionieren noch nicht. Ich bleibe dabei; ich würde Schad auf Rechts nehmen, Hercher nach links und dann die passenden Flügelpartner suchen. Einer wird sicher Zuck mit seinen Bällen sein.
Dann wird unser Spiel hinter die gegnerische Abwehr noch gefährlicher und variabler.
Bis jetzt war ich wirklich noch nicht sicher, ob die Änderungen im Auftreten nachhaltig sind. Bin gespannt, wie es in Duisburg weitergeht.



Beitragvon Paul » 19.10.2021, 06:32


Und ganz spannend der Name Alexander Winkler. Wirklich erstaunlich, wie sich Dinge manchmal entwickeln. Ich hab da zwar im Spiel auch 1-2 suboptimale Aktionen gesehen, aber dass dieser Spieler nochmal diese wichtige Rolle beim FCK inne hat, war kaum absehbar.

Umso mehr ist daraus zu lernen, nicht immer gleich Leute abzuschreiben, die nicht sofort funktionieren. Ritter ist da ja gleich das nächste Beispiel.
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Beitragvon scheiss fc köln » 19.10.2021, 15:10


Paul hat geschrieben:Umso mehr ist daraus zu lernen, nicht immer gleich Leute abzuschreiben, die nicht sofort funktionieren. Ritter ist da ja gleich das nächste Beispiel.


Damit liegst du vermutlich richtig - allerdings spielen wir trotzdem im vierten Jahr drittklassig. Entschuldige meine Ungeduld, aber drei Jahre Anlauf sind mir doch ein bisschen zu viel... Und wir sind längst nicht im Ziel.

Niemand von uns hat jedes Jahr den Kader durchgewürfelt. Das waren jeweils immer andere Leute.



Beitragvon Paul » 19.10.2021, 17:37


scheiss fc köln hat geschrieben:Niemand von uns hat jedes Jahr den Kader durchgewürfelt. Das waren jeweils immer andere Leute.

Das geht mir schon ähnlich und natürlich hast du damit auch recht. Aber wer hat Winkler geholt? Wer hat Ritter geholt? Wieso soll Winkler gehen, dann ist er plötzlich Stammspieler? Nur ein Beispiel.... wie oft regen wir uns auf, dass "Luschen" woanders plötzlich besser spielen?

Es ist wie immer ein Puzzlespiel zwischen öffentlichem Druck (auch von den Rängen, wenngleich der durchaus berechtigt ist), eigener Überzeugung und der genau richtigen Mischung von Charakter, fußballerischem Können und taktischer Einstellung - körperliche Fitness setze ich Voraus.
Ich mag manches vergessen haben.

Wir sollten dennoch lernen, dass es meist eher Stellschrauben sind, die richtig zu drehen sind, weniger bedarf es einer Auswechslung der ganzen Truppe ("ohne XYZ könnt ihr alle gehn").

Wir haben endlich mal einen einigermaßen konstanten Kader über mehr als eine Saison, dazu die richtigen Impulse mit Wunderlich und Klingenburg und schon kann es laufen - ich will den Tag aber nicht vor dem Abend loben :teufel2:
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Beitragvon Kohlmeyer » 26.10.2021, 14:43


Hier kommt unsere Taktik-Nachlese zum Remis in Duisburg, xG-Grafiken folgen:

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Foto: Imago Images

Taktik-Nachlese zum Spiel MSV-FCK
Die DBB-Analyse: "Schlag den Raab" endet mit Eigentor

Nach vier Siegen in Folge muss der 1. FC Kaiserslautern wieder ein Remis hinnehmen, bei dem am Ende der Aufwand in einem schlechten Verhältnis zum Ertrag steht. Anlass, darüber allzu lange nachzugrübeln, bietet dieses 1:1 beim MSV Duisburg dennoch nicht.

Dass Marco Antwerpen hinterher die erste Halbzeit seiner Mannschaft als "überragend" bezeichnete - da mag der ein oder andere, der ein Spiel nach seinem "Unterhaltungswert" beurteilt, sprich, der Zahl aufregender Torszenen, eine Grimasse gezogen haben. Tatsächlich aber bewegte sich die FCK-Elf in den ersten 45 Minuten sogar besser übers Feld als in den siegreichen Partien zuvor. Sie kontrollierte die Phase, in der es 0:0 stand, souveräner als zuletzt. Und das, obwohl sie länger auf den Führungstreffer warten musste, der die Weichen jüngst stets zu ihren Gunsten stellte. Diesmal dauerte es 44 Minuten, bis Innenverteidiger Boris Tomiak traf.

Vor rund sechs Wochen noch, nach dem 0:1 in Magdeburg, hatten wir bitterlich beklagt, dass im FCK-Team keiner so recht einen Plan zu haben scheint, wie seine Mitspieler sich bei Ballbesitz bewegen. Davon kann nun keine Rede mehr sein. Sowohl ballnah als auch ballfern werden dem Ballführenden ständig Angebote geschaffen. Und der trifft meistens die richtige Entscheidung, ob das Leder kurz oder lang - mal vertikal, mal diagonal - zu spielen ist.

Balleroberungen noch vor der 40-Meter-Linie: So soll das sein

Ebenso wirkt das Pressing-Spiel von Woche zu Woche besser strukturiert. Stürmer Daniel Hanslik attackiert vorne, erzwingt Abspiele auf die Außenverteidiger. Die hängende Spitze René Klingenburg versucht, Zuspiele in den Sechser-Raum zu unterbinden. Der Spieler auf der Halbposition - Mike Wunderlich oder Felix Götze - und der jeweilige Schienenspieler - Hendrick Zuck oder Philipp Hercher - bejagen den ballführenden Gegner an der Außenlinie. In Duisburg gelangen etliche Balleroberungen auf diese Weise noch vor der 40-Meter-Linie. So soll das sein.

Für Hochgefühle im Fan-Lager der Zebras sorgten eigentlich nur ein 20-Meter-Geschoss des Ex-Lautrers Marlon Frey - da hatten die Roten Teufel den Ball über zu viele Stationen um ihren Strafraum herum laufen lassen. Und eine kurze Einschussmöglichkeit für Orhan Ademi - bei der Kevin Kraus einen langen Ball, der eigentlich leicht abzufangen gewesen wäre, falsch einschätzte.

Trotz Spielkontrolle nur wenig Strafraumszenen

Doch obwohl der FCK die Partie ansonsten kontrollierte - für so richtig Gefahr im Duisburger Strafraum sorgte er nur zwei Mal. Einmal nach einem fraglos genialen Pass Marlon Ritters aus dem Zehnerraum auf den halblinks einlaufenden Zuck. Der nahm das Leder zwar schulmäßig an, verzockte allerdings den anschließenden Torschuss. Und ein weiteres Mal nach einem eher uninspirierten Fernschussversuch Alex Winklers, der abgefälscht wurde und ums Haar vor den Füßen Hansliks landete. Aber eben nur ums Haar.

Dass es in dieser ersten Hälfte nicht zu mehr Herzschlagmomenten aus dem Spiel heraus kam, lag an einigen unsauberen Zuspielen in das Zentrum. Insbesondere Herchers Flanken erreichten nicht die Präzision, die sie zuletzt hatten. Einmal hätte der halbrechts einlaufende Götze gefährlich werden können, hätte Hercher ihn nur genauer angespielt. Und in Hälfte zwei agierte der zuletzt so zuverlässige Schienenspieler auch defensiv nicht immer fehlerfrei. Sein Laufpensum erfüllte er dennoch.

Wie schön: Trefferquote bei Standards bleibt bei 30 Prozent

Aber: "Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, muss es eben eine Standardsituation richten." Darf der Satz eigentlich noch als Weisheit gelten - oder ist er längst Plattitüde? Ist eigentlich egal - solange das eigene Team ihn auf dem Platz umsetzt. Jahrelang haben sich FCK-Freunde danach gesehnt, dass ihr Team Standards könnte. Nun endlich haben sie es gelernt. Schon nach 29 Minute setzte Winkler einen Freistoß von Wunderlich aus dem linken Halbfeld nur knapp über die Torlatte, und nach 44 Minuten war es dann soweit:

Nach erneuter Wunderlich-Flanke aus fast gleicher Position vollstrecke Tomiak, allerdings nicht direkt: Klingenburg hatte sich den Ball zunächst aus dem Gedränge gewühlt, dann behauptet und anschließend auf den 23-Jährigen weitergeleitet. Und der vollendete mit einem für einen Abwehrspieler erstaunlichen Feingefühl. Damit pendelt sich die Trefferquote der Roten Teufel nach ruhenden Bällen in dieser Saison weiterhin bei rund 30 Prozent ein. Das soll, das muss so sein in funktionierenden Teams, das wissen die Statistiker schon lange.

Hälfte zwei: Die Zebras pressen wie aus dem Lehrbuch

Und in Hälfte zwei? Da verloren die Pfälzer zumindest in der ersten Viertelstunde ziemlich den Faden. Frey aus kurzer Distanz und Kolja Pusch mit zwei Distanzschüssen hätten durchaus den Ausgleich markieren können. Den Lautrern aber einfach "Schludrigkeit" vorzuwerfen, wie es in Nachbetrachtungen bei "Magenta Sport" geschah, wird der Leistung der Duisburger nicht gerecht, die in den zweiten 45 Minuten über längere Phasen Angriffspressing wie aus dem Lehrbuch praktizierten. Da blieb den Abwehrspielern oft nur, den langen Ball nach vorne zu versuchen. Und wenn der an der Mittellinie gleich wieder abgefangen wird, gibt’s eben keine Entlastung.

Blöd halt, dass der Ausgleichstreffer in einer Phase fiel, als die Gäste das Spiel wieder einigermaßen in den Griff bekommen hatten. Und wer weiß, wenn Frey Ritters langen Marsch durch Mittelfeld mit einem taktischen Foul gestoppt hätte - vielleicht müsste sich dann jetzt kein Fan über die Art und Weise ärgern, wie dieses 1:1 zustande kam.

Nicht übers Eigentor sprechen, sondern über den Zweikampf am Sechzehner

Der einmal mehr bockstarke Matheo Raab hatte gegen Frey eigentlich schon aus kürzester Distanz glänzend pariert, doch drückte Wunderlich den Abpraller ungewollt über die Linie. Einfach nur Pech, dass Raabs 615 Minuten ohne Gegentor ausgerechnet so enden mussten. Die gesamte 3. Liga hatte zuletzt bei dieser Variante von "Schlag den Raab" mitgefiebert. Das Eigentor an sich sollte in der Aufarbeitung mit dem Team jedoch schnell abgehakt werden. Zu besprechen ist vielmehr, wie die Situation heraufbeschworen wurde: Pusch setzte sich nach einem Zuspiel des eingewechselten Aziz Bouhaddouz am Sechzehner gegen Ritter einfach zu leicht durch.

Wohlwollend zu notieren ist dagegen: Im Gegenzug ging der FCK fast erneut in Führung. Zuck bediente mit einer Flanke den eingewechselten Kenny Redondo, der an MSV-Keeper Leo Weinkauf scheiterte. Dieses "Direkt-Zurückschlagen-Wollen" kann man, wenn man will, ebenfalls als Zeichen des neuen Spirits deuten, der dieses Team seit einigen Wochen beseelt.

Sonntag gegen Würzburg: Neben Götze fehlt auch Hanslik

Götzes erneute schwere Kopfverletzung nahm dann aber jede Freude am Spiel, auch wenn es mittlerweile Entwarnung gab und der 23-Jährige "nur" mit einer Gehirnerschütterung davon kam. Mehr als den Schlusspfiff wollte anschließend im Lautrer Lager niemand mehr erleben. Bleibt nur zu hoffen, dass für den Jungen auch diesmal wieder alles möglichst schnell ins Lot kommt. Für die Elf von Marco Antwerpen heißt es jetzt erst einmal, kommenden Sonntag gegen Zweitliga-Absteiger Würzburg auf dem Kurs zu bleiben, den sie auch in dieser Partie nicht verlassen hat - auch wenn es nur mit einem Remis belohnt wurde.

Ersetzt werden muss neben Götze auch Stürmer Hanslik, der sich in der Schlussminute noch Gelb-Rot einfing, was sicher nicht hätte sein müssen. Und man darf jetzt schon gespannt sein, wen der Coach als seinen Stellvertreter ausguckt. Hanslik war zuletzt zwar nicht als Goalgetter in Erscheinung getreten, hatte aber mit seinen Rochaden auf die Flügel Platz für die torgefährlichen Mittelfeldspieler geschaffen und auch im Spiel gegen Ball des Trainers Matchplan vorbildlich umgesetzt. Ob die mutmaßlichen Nachrücker Muhammed Kiprit und Elias Huth dies auch so gut hinbekommen?

Ergänzung, 27.10.2021: Die xG-Plots: Von wegen "gerechtes Unentschieden"

Die Timeline der qualitativ bewerteten Torchancen drückt es drastischer aus, als man es nach den eigenen, subjektiven Eindrücken vielleicht wahrgenommen hat: Dass es am Ende ein "verdientes" Unentschieden gewesen sein soll, das vor allem die Gastgeber gesehen haben wollten, haut nicht so ganz hin. Bei allem Respekt vor Puschs kernigen Distanzschüssen: So einer kann natürlich auch mal einschlagen, nach der Bewertungsmethode Sander Ijtsmas und seiner "expected Goals"-Software ist die Wahrscheinlichkeit jedoch nicht sonderlich hoch. Quasi keine MSV-Chance in den ersten 45 Minuten, am Ende ein xG-Ergebnis von 1.62 : 0.59 und eine Siegeswahrscheinlichkeit von 64 Prozent zugunsten des FCK - so sieht’s aus.

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Die Positions- und Passgrafik zeigt einmal mehr das asymmetrische Flügelspiel der Lautrer und wie es zu erklären ist: Hercher geht lieber die Linie lang als Zuck, der sich in der Regel schon früh vom Ball trennt, diesmal aber nicht so ins Passspiel einbezogen war wie in den jüngsten Partien.

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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Duisburger: Da sind die Spots einen Tick gleichmäßiger über die Breite des Spielfelds verteilt.

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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon TreuDemFCK » 26.10.2021, 15:35


Kohlmeyer hat geschrieben:Ob die mutmaßlichen Nachrücker Muhammed Kiprit und Elias Huth dies auch so gut hinbekommen?


Kiprit oder Huth rein zu bringen würde wahrscheinlich heißen dass wir auf das häufige Abkippen unserer Spitze nach links verzichten müssen, also eine deutlich statischere Variante.

Gäbe dann auch umgekehrt die Option Klingenburg statisch in der Spitze stehen zu lassen und mit neuem Linksaußen Redondo zu spielen. Der hat mehr Spielzeit bekommen die letzten Spiele als Kiprit und Huth und ist vielleicht eher für überlegte Rückpässe zu gebrauchen. Auch Kleinsorge kommt prinzipiell in Frage für die Rolle.



Beitragvon owerumer » 27.10.2021, 06:26


Huth ist in Lautern verbrannt und wird meiner Meinung nach keine Rolle mehr bei den Profis spielen. Ich denke ein Verkauf/Leihe im Winter wird kommen...
:doppelhalter:




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