Das ist für mich der Knackpunkt. Und ja, auch ich kann das angesichts unserer finanziellen Sachzwänge verstehen, doch ist es fatal, wenn zu Saisonbeginn immer ein "demütiges" Ziel herausgegeben wird, dieses aber, sobald es übertroffen wird, zwangsläufig nach oben korrigiert werden muss, was denjenigen gegenüber, die diese Übererfüllung der Zielsetzung überhaupt erreicht haben, die Botschaft sendet: was immer ihr leistet, es ist nie genug. Hier ist insbesondere der unsägliche Kommentar von unserem Geldgeber Alex Kemmler aus dem Februar zu nennen ("Aber eigentlich musst du dir jetzt ganz klar das Ziel setzen, in dieser Runde unter die ersten drei zu kommen. Von den 13 Spielen müssten wir acht gewinnen"), der noch vor dem Abwärtstrend eine Art von Druck erzeugt hat, der sich wahrscheinlich auch klimatisch auf die Arbeit von Mannschaft und Trainer ausgewirkt hat. Beim Magdeburg-Spiel war beispielsweise schon klar zu erkennen, dass da einige Spieler vor Angst verkrampfen, bzw. nicht mehr zu 100% dabei sind. Nach dem Braunschweig-Spiel war dann die Trennung - ebenso wie die von Schuster nach dem desolaten Kiel-Spiel - quasi unvermeidlich.Miggeblädsch hat geschrieben: 07.10.2025, 20:28
Warum wurde er freigestellt? Weil man in Lautrer Entscheiderkreisen eben nicht die weitsichtige Planung, die offenbar in Heidenheim oder Freiburg oberste Priorität besaß, verfolgte, sondern alles daran gesetzt hat, die minimale Chance auf einen sofortigen Aufstieg mit einer Wahnsinnstat zu erzwingen.
Das soll keinesfalls Markus Anfang aus der Verantwortung ziehen, doch sind mir Begründungen, die rein auf die fachliche (oder gar menschliche) Inkompetenz des Trainers abzielen zu einfach gedacht (gleiches gilt auch für den Fall Schuster). Was Miggeblädsch und auch Ken hier ansprechen: scheinbar gibt es beim FCK durch die Besonderheit der Gegebenheiten hier oftmals die Gefahr, dass sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die nachhaltiges Arbeiten im sportlichen Bereich stark erschweren - wenn nicht sogar unmöglich machen. Mal mischt sich der Investor ein, mal werden Interna über die Medien lanciert und oft werden dabei die Fans, die ja bei fast jedem Trainer nach ein paar Niederlagen in Lager polarisiert sind, instrumentalisiert bis eine gewisse Stimmung sich verselbständigt hat und die "üblichen Mechanismen des Geschäfts greifen". Etwas langfristig und strategisch kohärent aufzubauen, d.h. Spielphilosophie, Trainer und Kaderzusammenstellung passen über einige Spielzeiten hinweg zusammen, ist in diesem Umfeld kaum möglich.
Wenn ständig Trainer aufeinander folgen, die komplett konträre Ansätze verfolgen - Hengens "Vorgabe" des "attraktiven 5-3-2" wurde ja im Spieltagsthread von Lautern-Fahne mit Fug und Recht als reines Marketingsprech entlarvt - und als übergeordnetes Ganzes bestenfalls ein schwammiger "Betze-Fußball" (wobei mit "Betze-Tugenden" oft die vielbeschworen "Basics" in Sachen Zeitskampfführung, Laufbereitschaft und Nicht-Aufgeben-Wollen gemeint sind, ohne die man in der 2. Liga sowieso auf keinen grünen Zweig kommt) bleibt, dann brauchen wir nicht über "Konstanz" oder Planungssicherheit zu reden.
Und ja, man kann durchaus anmerken, dass wir uns in Sachen "Spielermaterial" seit dem Aufstieg konstant verbessert haben. Was hätte Schuster anfangen können mit den Spielern von Markus Anfang, was wiederum MA mit den Spielern, die TL jetzt zur Verfügung stehen. Darüber zu spekulieren ist allerdings müßig, nur sollte man diesen Kontext (ebenso wie die personelle und auch auf dem Platz merkliche Verbesserung im Athletikbereich) bei Beurteilung der Personalien auch nicht ausblenden.
Was wir als Fans hier in den zahlreichen online und offline Debatten "besser machen" könnten, ist ja von meinen Vorschreibern auch schon genannt worden: Negativserien gemeinsam durchstehen. Nicht sofort zu fordern, dass Köpfe rollen, weil man es ja schon von Anfang an (Wortspiel unbeabsichtigt) gewusst hat, dass der einem selbst unsympathische Trainer der falsche für den Betze ist. Mehr auf den Inhalt statt nur auf die Ergebnisse zu gucken - ich weiß, das ist schwer, wenn man in einem Monat nur einen Punkt holt und wieder die ganzen Ängste aus der Vergangenheit hochkommen. Aber es ist m.E. der einzige Weg, um im Fußball erfolgreich zu sein. Nichts anderes hatte übrigens Anfang fast Mantra-artig eingefordert, er hat die tabellarische Situation mit einer derartigen Chuzpe ausgeblendet, sondern immer nur vom Verbessern der Mannschaft (freilich nach internen Bewertungsmaßstäben) geredet, dass ihm dies letztlich auf die Füße fiel. Ja ich weiß, die alte Leier vom "Ergebnissport"... Jedoch gibt es auch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, es aber spielerisch eine deutliche positive Entwicklung gab, immer Spielraum, wie viel Durststrecke man den Verantwortlichen zugesteht. Dafür braucht man gar nicht immer das Idealbeispiel Freiburg herauskramen - schaut doch mal auf unseren nächsten Gegner, die Gelbfießler. Da hält man an Eichner fest und hat Erfolg damit und das "Umfeld" ist uns schon ähnlicher als in Freiburg, Mainz oder gar Heidenheim...
Zum Schluss will auch ich noch einmal das leidige Thema der Diskussionskultur anreißen, weil es damit eben auch zu tun hat. Bei manchen Foristen hat man das Gefühl, dass die nächste Niederlage schon fast herbeigeseht wird, damit man danach wohlfeil behaupten kann, dass man mit seiner Einschätzung, dass die aktuelle Konstellation so nicht funktioniert, schon immer richtig lag. Andersherum liest man immer wieder selbstgefällige Kommentare in die Richtung "Ich hatte es ja schon am XX./vor YY Monaten genauso prophezeit". Ganz ehrlich, bei solchen Beiträgen geht es einzig und allein um die Profilierung des Schreibers, das Rechthaben um des Rechthabens willens, um zum Team der (Diskurs-)Gewinner und Ahnunghaber zu gehören. Für mich ist das ein Debattenniveau, das man mit Ende der Pubertät hinter sich lassen sollte. Und selbst solche Foristen, die für weitaus substanziellere Beiträge bekannt sind, wie in diesem Thread die von mir hochgeschätzten Ke07111978 und Hellboy, kriegen sich immer öfter wegen Nichtigkeiten in die Haare. Leider ist das ja ein Phänomen, das sich nicht nur auf dieses Forum beschränkt, sondern die gesamte westliche Diskussionskultur ergriffen hat. Ich kann dazu nur vorschlagen: 1. die Sprache zu mäßigen. Überspitzungen und Polemiken können bei vielen Beiträgen das Salz(oder besser der Pfeffer?) in der Suppe sein, werden aber im Internet oft als diffamierend empfunden. Daher sollte man auf sie so gut es verzichten - ich nehme mich da selbst nicht heraus, in der Emotionalität, die ja hier eh immer gegeben ist, haut man vielleicht manchmal Dinger raus, die man danach so nicht mehr schreiben würde. Der Begriff "Bullshit" bringt z.B. unnötige Schärfe rein. 2. Strohmänner vermeiden. Ken hat z.B. nicht alle Anfang-Kritiker als "pöbelnden Mob" hingestellt, sondern nur darauf hingewiesen, dass es unter diesen auch viele undifferenzierte Beiträge "mit Agenda" gab. Ich kann verstehen, dass man sich als "moderater" und sachorientierter Anfang-Kritiker da angesprochen fühlt, aber das ist dann eben auch nur ein Gefühl, da der dem vorausgehende Beitrag das keinesfalls so klar auf alle bezogen intendiert hat. 3. Ad hominems vermeiden. Dazu gehört halt auch, dass man dem Gegenüber dann eine "dünne Haut" unterstellt. Sowas ist Gift für die Diskussionskultur. Auch wenn man hier zum Teil seit Jahrzehnten freundlich miteinander debattiert, sind solche Communities doch nur "parasoziale" Netzwerke, die anderen, die man zu kennen meint, kennt man in Wirklichkeit ja kaum, selbst wenn man sich am Spieltag mal auf Bierchen und Bratwurst getroffen hat. Im Übrigen könnten solche Diskussionen in der Kneipe mit Mimik und Gestik gar nicht so schnell diese Art von Schärfe gewinnen, viele Missverständnisse würden schlicht nicht entstehen.
Als Leitsatz unter alle dem könnte man das "Prinzip der wohlwollenden Interpretation" nehmen: Man versucht erstmal, die Gedankengänge des Gegenübers so gut wie möglich nachzuvollziehen und greift die Plausibilitäten darin auf, bevor man auf die Unterschiede eingeht. Man gesteht dem Diskussionspartner praktisch zu, dass er in diesem und jenem Punkt ja Recht hat, aber man eben dazu noch dieses und jenes Entgegenstehende anmerken könnte. So kommt es auch nicht zu diesem allgegenwärtigen Schwarz-weiß, der Lagerbildung und Polarisierung, sondern es werden wieder die Grautöne gesehen, die entgegengesetzte Meinung ist nicht die Meinung des Gegners oder gar Feindes, es geht nicht ums gewinnen oder verlieren, sondern darum, dass man gemeinsam der Wahrheit ein bisschen näher kommt uns sie nicht pauschal für sich pachtet, um sie der Gegenseite quasi nur noch zu verkünden... (Ich glaube, der User Ktown2Xberg hatte das vor ein paar Wochen in einem in eine ähnliche Richtung gehenden Beitrag schon auf den Punkt gebracht).
Nun ist es doch wieder ein halber Roman geworden. Ich wünsche jedenfalls Markus Anfang nur mäßigen Erfolg, weil ich einfach keinen Bock hab, dass dieser - entschuldigt die Überspitzung - Ekelverein Fortuna Düsseldorf noch ins Aufstiegsrennen miteingreift
