Ich möchte zu der "Trainerdiskussion" folgendes anmerken:
Die meisten Schreiber gehen die Diskussion um einen Trainer dahingehend an, dass sie ausschließlich die Person des Trainers in ihre Betrachtungen einbeziehen. Einfach gesagt: Wer ist besser? Anfang oder Lieberknecht?
Eine solche Frage, bzw. ein solcher Vergleich ist aus meiner Sicht nicht zielführend, denn beide Trainer haben ihren Stil, ihre Vorteile und Nachteile. Es kommt n.m.E. vielmehr darauf an, wie der jeweilige Trainer zur sportlichen Strategie/Ausrichtung/Philosophie des jeweiligen Vereins in dessen aktueller Situation passt. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Bezogen auf die teilweise hitzigen Diskussionen hier denke ich, dass viele Beiträge von den Lesern oft anders interpretiert werden, als der Schreiber es 'rüberbringen wollte.
Am "Beispiel Miggeblädsch" will ich versuchen, dies zu veranschaulichen.
Ich persönlich fand es damals überhaupt nicht gut, dass wir Anfang verpflichtet hatten. Funkel hätte wohl weitergemacht, aber Anfang wurde es. Da ich Anfang nicht sonderlich sympathisch finde und er halt ein völlig anderer Trainertyp als Schuster/Funkel ist, war ich nicht zwar nicht begeistert, habe aber gehofft, dass Hengen nun auf modernen, offensiven Fußball umstellt und einen klaren Plan verfolgt. Nun gut. Nach anfänglichem Holpern gefielen mir dann aber die Geschehnisse auf dem Rasen und in der Tabelle echt gut und man konnte eine spielerische Entwicklung deutlich erkennen. Und nur mit spielerischer Reife ist ein Aufstieg dann auch eventuell nachhaltig. Ich war schließlich im Einklang mit der Entscheidung Hengens, auch wenn ich sie zunächst nicht gut fand.
Dann kam die Negativserie in der Rückrunde. Diese war für mich als Fan auch verständlich, denn unser Team ist viele, viele Spiele über das Limit hinausgegangen und irgendwann geht dann vielleicht auch die Luft ein bisschen aus. Obwohl ich Anfang nicht mag, war ich doch in der Lage zu erkennen, dass er den FCK auf dem Rasen nach vorne gebracht hat.
Ich hätte es durchaus verstanden und es mir sogar gewünscht, an dieser Stelle endlich einmal die vielbeschworene Kontinuität walten zu lassen, dem (guten) Trainer auch mal eine Schwächeperiode zu gönnen. Schwächeperioden, die allen Schmidts und Streichs zugestanden wurden, Anfang aber nicht. Er wurde freigestellt.
Warum wurde er freigestellt? Weil man in Lautrer Entscheiderkreisen eben nicht die weitsichtige Planung, die offenbar in Heidenheim oder Freiburg oberste Priorität besaß, verfolgte, sondern alles daran gesetzt hat, die minimale Chance auf einen sofortigen Aufstieg mit einer Wahnsinnstat zu erzwingen.
Ok, da ich die finanziellen Gegebenheiten des FCK so halbwegs auf dem Schirm habe, konnte ich sogar die Trennung von Anfang nachvollziehen. Ich fand das nicht gut, aber ich konnte es wenigstens nachvollziehen. Vielleicht war Anfang in der Kabine verbrannt, keine Ahnung, aber ich konnte es wenigstens nachvollziehen. Wenn sich die Chance auf einen glücklichen Aufstieg ergibt, muss man auch versuchen, sie zu nutzen.
Dann kam Lieberknecht. Und den finde ich nicht nur sympathisch und authentisch, ich habe mir ihn viele Jahre lang immer gewünscht als Trainer auf dem Berg. I love him und nichts würde ich mir mehr wünschen, als dass er derjenige ist, der mal länger bleiben darf. Momentan sieht's gut aus.
Aber dennoch habe ich diese Verpflichtung überhaupt nicht verstanden, da es wieder eine komplette Umkehr von der vorangegangenen kompletten Umkehr war. Eine klare sportliche Linie nicht zu erkennen für mich.
Das habe ich dann in kritisiert...
... was dann von vielen Lesern so verstanden wurde -überspitzt ausgedrückt- als wäre ich ein Anfang-Fan und würde Lieberknecht keine Chance geben wollen...
... was natürlich völliger Quatsch ist, aber ja, dann habe ich persönlich dann auch irgendwann keinen Bock mehr, was zu diesem Thema zu schreiben...
... jetzt habe ich dann doch nochmal viel Zeit in einen Beitrag gesteckt, in der Hoffnung, dass es einigen Foristen hilft, andere Foristen besser zu verstehen.
