
Interview des Monats: FCK-Trainer Dimitrios Grammozis, Teil 1/2
"Wir können nur als Team erfolgreich sein"
Das erste große Interview mit Dimitrios Grammozis: Exklusiv bei Der Betze brennt spricht der neue Trainer des 1. FC Kaiserslautern über Traditionsvereine, Wohlfühloasen und sein Ziel bei den Roten Teufeln.
Der Betze brennt: Dimitrios Grammozis, was eigentlich lesen Sie denn so an Berichten über sich und Ihre Arbeit? Von Ihren Vorgängern kennen wir da sehr unterschiedliche Antworten: Manche räumten ein, beispielsweise unsere DBB-Analysen stets zu lesen, andere meinten, sie lesen grundsätzlich gar nichts, weil ihnen generell zu viel Mist geschrieben wird ...
Dimitrios Grammozis (45): Auf jeden Fall bin ich keiner von denen, die alles über sich lesen, wenn's gut läuft, und gar nichts an sich ranlassen, sobald's mies läuft. Ich lese punktuell. Dinge, von denen ich glaube, dass sie etwas hintergründiger sind. Um, warum auch nicht, vielleicht ein bisschen Input zu bekommen, mit dem ich etwas anfangen kann.
Der Betze brennt: Der Spieler Dimitrios Grammozis hat 2005 den Betzenberg verlassen, 2023 kehrt er nun als Trainer zurück. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Grammozis: In der Trainer- und in der Mannschaftskabine hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert, da sind es nun eben ein paar Spinde mehr. Die Sauna ist auch neu. Aber sonst? Ich habe mich eigentlich sofort in die Zeit zurückversetzt gefühlt, als ich noch selbst Spieler war.
"Ich hätte auch früher wieder als Trainer arbeiten können"
Der Betze brennt: Sie waren anderthalb Jahre ohne Job. Wie durchlebt man ein solche Zeit? Hatten Sie auch mal Angst, in Vergessenheit zu geraten? Sie wären nicht das erste Trainertalent, das zunächst hoch gehypt wird und nach dem ersten Karriereknick direkt wieder in der Versenkung verschwindet ...
Grammozis: Als in Schalke Schluss war, hatte ich über zehn Jahre als Trainer gearbeitet, nonstop. Erst im Junioren-Bereich in Bochum, und das phasenweise in Doppelfunktion als Co-Trainer der Profimannschaft, daneben habe ich noch die Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert. Dann folgte eine sehr intensive Zeit in Darmstadt, wo es nicht nur eine neue Mannschaft aufzubauen galt, sondern sich auch Drumherum viel tat. Anschließend die Zeit auf Schalke mit Höhen und Tiefen. Danach wollte ich erst einmal bewusst eine Pause einlegen, um mich endlich mal wieder meiner Familie zu widmen, die war in all der Zeit zur kurz gekommen. Und es war ja nicht so, dass in den folgenden 18 Monaten niemand angerufen hat. Ich hätte durchaus früher wieder als Trainer arbeiten können. Aber ich wollte auf etwas warten, von dem ich absolut überzeugt bin. Ich war in dieser Zeit auch viel in den Stadien unterwegs, habe mich auf dem Laufenden gehalten und viel mit Trainerkollegen gesprochen. Im Grunde hatte mein Leben in dieser Zeit drei Bausteine: Familie, Weiterbildung und Selbstreflektion - also Nachdenken darüber, was ich als Trainer künftig anders machen muss als bisher, aber auch, was mir gut gelungen ist.
Der Betze brennt: Nach Ihrer erfolgreichen Zeit in Darmstadt galten Sie auf dem Trainermarkt als heißer Typ ...
Grammozis: (lacht) Bin ich doch immer noch.
"Ich bin keiner, der sich nur Wohlfühloasen sucht"
Der Betze brennt: Worauf wir hinauswollen, ist: Sie hatten einige Angebote auf dem Tisch, haben sich aber für Schalke entschieden, das bekannt dafür ist, nicht gerade viel Geduld mit Trainern zu haben. War das nicht ein Fehler, wenn Sie mit dem Wissen von heute draufschauen?
Grammozis: Nein. Traditionsvereine haben für mich nun mal einen ganz besonderen Charme, schon immer. Ich habe schon als Kind lieber Gladbach und Kaiserslautern geschaut als was anderes. Und wenn ich bei ähnlichen Voraussetzungen die Wahl habe zwischen einem Traditionsverein und einem dieser jüngeren Klubs, würde ich wohl immer den Traditionsverein vorziehen. Auch wenn es da vielleicht weniger Geld zu verdienen gibt, auch wenn das Arbeiten da vermeintlich schwieriger ist. Ich bin keiner, der sich nur Wohlfühloasen sucht. Schalke hat mich damals einfach am stärksten gereizt. Tolle Fans, tolles Stadion, toller Background.
Der Betze brennt: Und wie enttäuscht waren Sie, als es auf Schalke vorbei war?
Grammozis: Von Enttäuschung würde ich gar nicht sprechen. Schlussendlich ist die Mannschaft, die wir zusammengestellt hatten, ja noch aufgestiegen. Als ich im März 2021 anfing, war ja eigentlich schon klar, dass der Bundesliga-Abstieg kaum noch zu vermeiden sein würde. Wir haben dann viel Energie in den Neuaufbau gesteckt. Und Ihr wisst ja selbst, welche Rolle kleine Faktoren spielen können. Manchmal brauchst du einfach auch Matchglück, da muss der Ball halt mal vom Pfosten ins Tor gehen statt ins Feld zurückspringen. Aber ich habe in der 2. Bundesliga mit Schalke nur ein einziges Mal zwei Spiele hintereinander verloren. Am Ende bin ich da nicht in dem Bewusstsein rausgegangen, gescheitert zu sein, sondern mit dazu beigetragen zu haben, dass dieser großartige Klub wieder in der Bundesliga spielte.
Der Betze brennt: Gehen Sie Ihre Aufgabe hier mit der gleichen Einstellung an?
Grammozis: Absolut. Meine persönlichen Interessen stehen immer hinten an, es geht immer nur um den Verein, so war das bislang bei all meinen Jobs. Und wenn ich irgendwann wieder gehe und diesen Verein so hinterlasse, dass alle, die mit ihm zu tun haben, wieder Spaß haben am FCK und gerne ins Stadion kommen, bin ich zufrieden. Erst recht, wenn vor allem die junge Generation denkt, dass auch Redondo oder Ritter geile Spieler sind - um exemplarisch mal nur zwei Namen zu nennen. So wünsche ich mir das, ich weiß aber auch, dass das nicht von heute auf morgen geht. Dieser Verein aber hat so viel Strahlkraft, so viel Power, dass wir mit harter Arbeit dahin kommen können.
Der Betze brennt: Nach anderthalb Jahren mit freier Zeiteinteilung direkt wieder hinein in eine - mindestens - 60-Stunden-Woche, wie schafft man das?
Grammozis: Man muss natürlich vorbereitet sein auf so eine neue Aufgabe, mental wie körperlich. Damit es sich eben nicht anfühlt, als starte man in fünf Sekunden von null auf hundert durch. So, wie man auch darauf vorbereitet sein muss, dass es im Laufe einer Saison immer auch mal eine Diskussion um den Trainer geben kann. Aber ich bin nicht Trainer geworden, weil mir sonst nichts eingefallen ist, nachdem meine Spielerkarriere vorbei war. Ich wollte in diesem Beruf arbeiten, und ich will ihn auf hohem Niveau ausüben. Also muss ich entsprechend was dafür tun. Ich muss aber auch sagen, dass mir der Einstieg hier so leicht wie möglich gemacht wurde. Spieler, Staff, alle haben uns optimal unterstützt.
"Persönliches steht hinten an, es geht nur um den Verein"
Der Betze brennt: Wie laden Sie bei diesem Arbeitspensum Ihre Batterien wieder auf? Fahren Sie dann mal zwei, drei Tage zur Familie oder haben Sie sowas wie tägliche Rituale?
Grammozis: Zwei, drei Tage zur Familie ist schwierig, wir haben hier ja viel Arbeit. Aber wenn wir mal einen Tag frei haben, dann bin ich immer gerne bei meiner Familie. Und dann bin ich einer, der das Handy auch mal zur Seite legt oder nur für ganz wichtige Dinge erreichbar ist. Dann bin ich nicht mehr der Fußballtrainer, sondern dann bin ich der Vater und Ehemann. Ich habe die Erfahrung gemacht: Je mehr man aufs Handy achtet, desto weniger ist man mental zu 100 Prozent bei der Familie und den Menschen um einen herum. Man ist dann zwar körperlich präsent, aber dann liest man irgendeine Nachricht und sofort rattert es wieder im Kopf. Das habe ich mir schon am Anfang meiner Trainerzeit vorgenommen, diese Familienzeit zu separieren und als wichtigen Energiespender zu nutzen. Wenn dann die Arbeit wieder losgeht, bin ich aber auch wieder zu hundert Prozent hier und voll fokussiert.
Der Betze brennt: Wer waren denn Ihre wichtigsten Ansprechpartner in den ersten Tagen beim FCK?
Grammozis: Im Gegensatz zu Schalke ist das Trainerteam hier ja personell kompakter aufgestellt. Was in diesem Fall ein Vorteil ist, weil alles auf kurzen Wegen abläuft. Und ich kann ja nicht vom Start weg schon alles wissen. Da bin ich natürlich auf das Feedback von Niklas Martin und Oliver Schäfer (Co-Trainer und Athletik-Trainer; Anm. d. Red.) angewiesen, die schon länger mit der Mannschaft arbeiten. Und die mich beispielsweise darauf aufmerksam machen können, wie sensibel ein Spieler ist, bevor ich in ein Gespräch mit ihm gehe. Der eine braucht eher unterstützende Worte, den anderen kann und muss man auch mal härter anfassen. Aber auch bei der Trainingsgestaltung sind die beiden wichtig. Wir können nur als Team erfolgreich sein.
"Ich habe keine Angst, junge Spieler einzusetzen"
Der Betze brennt: Einer wird bei der Vorstellung eines neuen Trainers meistens vergessen: der Assistent, den er mitbringt. Ihrer heißt Sven Piepenbrock. Stellen Sie ihn uns doch mal vor.
Grammozis: Sven stammt aus Oberhausen und ich kenne ihn schon seit meiner Jugendtrainer-Zeit in Bochum. Wir haben damals schnell festgestellt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, nicht nur menschlich, sondern auch in der Art, wie wir unsere Arbeit sehen. Darum habe ich ihn auch nach Darmstadt und nach Schalke mitgenommen. Und als ich ihm erzählte, dass wir die Chance haben, nach Kaiserslautern zu gehen, war er sofort Feuer und Flamme. Sven ist ein Workaholic, genau wie ich. Fußball ist für uns nicht nur anderthalb Stunden auf dem Platz, sondern auch das ganze Drumherum, Videoanalysen, Einzelgespräche, Strukturen schaffen, Trainingspläne ausarbeiten, Wochenpläne und, und, und. Für mich ist das unglaublich wichtig zu wissen, dass ich nicht der Einzige bin, der versucht, einen neuen Input reinzubringen. Sondern dass da jemand an meiner Seite ist, der genauso tickt wie ich.
Der Betze brennt: Sie sind aus Bochum eine enge Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Profibereich gewohnt, haben als Jugendtrainer auch einige Talente an die Erste Mannschaft herangeführt. In Lautern soll das eigentlich auch so ein, allerdings ist es mittlerweile eine ganze Weile her, dass ein Nachwuchskicker mal dauerhaft zu Einsätzen bei den Profis kam. Ist das ebenfalls ein Punkt, auf den sie wieder stärker fokussieren wollen?
Grammozis: Ich kann nicht beurteilen, inwieweit meine Vorgänger dieses Thema angegangen sind. Ich kann nur für mich sagen, dass ich gerne mit jungen Spielern arbeite. Ich denke auch, dass es für jeden Profiklub ein Anreiz sein muss, eigene Jungs nach oben zu bringen. Und wir haben dafür am Fröhnerhof gute Bedingungen. In diesen ersten Tagen fehlte mir noch die Zeit, mir einen Überblick zu verschaffen, aber im Lauf der Rückrunde werde ich mich eingehend informieren, mit den Trainern sprechen, mich auch regelmäßig mit ihnen treffen und mir Spieler und Spiele anschauen. Ich habe keine Angst, junge Spieler einzusetzen, das habe ich auch auf Schalke öfter getan. Beispielsweise habe ich Blendi Idrizi, der unlängst gegen Rostock getroffen hat, oder Keke Topp, der zuletzt fleißig Einsatzminuten sammelte, in den Profikader geholt.
Morgen im zweiten Teil des großen DBB-Interviews: Dimitrios Grammozis über das Selbstbewusstsein des FCK und seine Fußball-Philosophie - und über Philipp Klement, Terrence Boyd und Almamy Touré sowie Otto Rehhagel, Erik Gerets und Frank Pagelsdorf.
Quelle: Der Betze brennt / Autoren: Eric Scherer, Thomas Hilmes
Ergänzung, 21.12.2023:

Interview des Monats: FCK-Trainer Dimitrios Grammozis, Teil 2/2
"Ich will den maximalen Erfolg, in jedem Spiel"
Teil 2 unseres Interviews des Monats: Der neue FCK-Coach Dimitrios Grammozis erzählt, welche Trainer ihn wie geprägt haben und mit wem er heute noch gerne eine Kaffee trinkt. Und er gibt preis, was er anders machen will als sein Vorgänger.
"Wir wollen nicht mehr so reden, als ob der FC Barcelona kommen würde"
Der Betze brennt: Der 1. FC Kaiserslautern soll vor allem zuhause im Fritz-Walter-Stadion wieder dominanter auftreten, heißt es. An der Aufgabe hat sich auch ihr Vorgänger Dirk Schuster schon versucht. Dabei war zu erkennen: Wenn die Abwehrreihe höher steht, offenbaren sich bei einigen Spielern Schnelligkeitsdefizite, zudem leisten sich einige immer wieder Aussetzer, dazu gesellte sich Verletzungspech. Da stellt sich doch die Frage: Kann man denn mit dem aktuell zur Verfügung stehenden Personal überhaupt einen solchen Stilwechsel herbeiführen?
Grammozis: Natürlich muss ich mir erstmal ein noch detaillierteres Bild von der Mannschaft machen. Aber in der kurzen Zeit, in der ich da bin, habe ich schon einige Dinge gesehen, die mir gefallen. Allein, wenn man sieht, wie wir gegen Nürnberg unsere Tore herausgespielt haben. Das ist das, was ich sehen möchte: Mut, aber auch, dass die Spieler das Spiel genießen, ebenso wie die Zuschauer. Ich will wieder dahin kommen, was ich selbst als Spieler hier erlebt habe: Dass sich die Gegner in die Hosen machen, wenn sie hier auflaufen. Ob das Bayern war, ob das Schalke war, das war uns egal. Natürlich präsentieren wir den Gegner auch gegenüber unserer Mannschaft, wir wissen immer, mit wem wir es zu tun haben. Aber wir wollen den Gegner nicht so stark reden, als ob hier der FC Barcelona herkommen würde. Wir wollen mehr auf uns selbst schauen und unsere eigenen Stärken in den Vordergrund stellen. Dass wir nicht lange hinter dem Ball herlaufen, sondern wieder aktiver sind, den Ball so schnell wie möglich wieder haben wollen, wenn der Gegner ihn hat. Und ihn vom Tor weghalten. Gegen Hertha BSC musste Julian Krahl trotz Niederlage kaum einen Ball halten, das war doch schon mal nicht schlecht. Und was die langsamen Abwehrspieler angeht, muss ich widersprechen: Jan Elvedi und Almamy Touré kommen bei Sprints auf 35 km/h, das ist bestimmt nicht langsam. Außerdem ist es auch eine Frage des Timings, wie und wann ich mich bei einem langen Ball fallen lasse, wenn ich hoch stehe.
Der Betze brennt: Was bereits zu erkennen war: Unter Ihnen ist das FCK-Spiel laufintensiver geworden. Und Sie haben bereits bei Ihrer Vorstellung gesagt, dass Ihnen die Laufwerte des Teams nicht gefallen haben. Müssen sich die Jungs jetzt im Training auf intensive Laufeinheiten gefasst machen?
Grammozis: Natürlich. Ich habe meine Art, und wenn ich intensiver spielen will, muss ich auch intensiver trainieren, denn von allein kommt nichts. Die Jungs brauchen allerdings auch ein wenig Zeit, um das zu adaptieren. Deswegen ist es gut, dass wir nun die Wintervorbereitung haben. Fußball ist auch ein Lauf- und Kampfspiel, und das wird sich niemals ändern.
Der Betze brennt: Ihr Vorgänger sprach da von der Balance zwischen Defensive und Offensive, die verloren gegangen sei. Dafür symbolisch steht für uns Tymo Puchacz. Dessen Offensivaktionen beleben das FCK-Spiel fraglos, seine Defensivarbeit aber ließ oft zu wünschen übrig. In den ersten Spielen unter ihnen marschierte er nun nicht mehr ganz so viel nach vorne, bemühte sich dafür aber, nach hinten konzentrierter aufzutreten ...
Grammozis: Wir wollen versuchen, in allen Spielphasen unseren Mann zu stehen. Und wenn wir verteidigen, müssen alle verteidigen, da kann sich keiner rausnehmen. Das habe ich auch der Mannschaft schon gesagt: Defensiv gegen den Ball gibt es keine Kompromisse und auch keinen Spielraum, für keinen. Dann wird nach der Strategie gearbeitet, die wir vorgeben. In der Offensive mit dem Ball gibt es eine Grundstrategie, aber da brauchen wir auch die Individualität eines jeden Spielers. Ich muss einem Marlon Ritter nicht erklären, wen er in welcher Situation wie anzuspielen hat, denn das weiß der in diesem Moment besser als ich. Gerade Spieler wie er brauchen ihren Freiraum.
"Fußball ist auch ein Lauf- und Kampfspiel"
Der Betze brennt: Wie wird es mit Almamy Touré in der Rückrunde weitergehen? Werden Sie ihn zum Afrika-Cup abstellen müssen?
Grammozis: Ich glaube, die Nominierungsfrist ist bereits verstrichen. Davon abgesehen braucht er die Wintervorbereitung, um endlich wieder hundertprozentig fit zu werden.
(Anm. d. Red.: Nach Abschluss des Interviews wurde der vorläufige Afrika-Cup-Kader von Mali veröffentlicht, der aber noch von 53 auf maximal 27 Spieler reduziert werden muss: Almamy Touré ist im vorläufigen Aufgebot dabei)
Der Betze brennt: Es geisterte auch eine Meldung durch die Medien, dass Terrence Boyd über die Saison hinaus angeblich keinen neuen Vertrag mehr bekommt. Wissen Sie was davon oder können Sie es sogar bestätigen?
Grammozis: Wenn es so wäre, hätte ich dazu bestimmt schon ein Zeichen von Thomas Hengen und Enis Hajri bekommen. Oder auch von Terrence selbst.
Der Betze brennt: Dauerhaftes Diskussionsthema am Betze ist auch die Personalie Philipp Klement. Hat Dimitrios Grammozis Platz für einen solchen Spielertyp?
Grammozis: Er ist aufgrund seiner Erfahrung und seiner Qualität auf jeden Fall ein belebendes Element, das einem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Wir müssen jetzt schauen, wie er in dieses Konstrukt hineinpasst, damit er das, was er kann, auch zeigen kann. Dafür haben wir nun die kommende Vorbereitung zur Verfügung. Da werden wir versuchen, jeden so zu positionieren, dass er seine Stärken ausspielen kann.
Der Betze brennt: Nach der Niederlagenserie der jüngsten Wochen wird im Umfeld viel schwarzgemalt. Andererseits: Einige Punkte hat der FCK ja schon gesammelt, stand nach neun Spieltagen sogar auf Platz 3, jetzt nach 17 Partien steht vorerst Rang 15 zu Buche. Wie nervös sind Sie denn angesichts der aktuellen Situation?
Grammozis: Ich bin nicht glücklich mit dem momentanen Tabellenstand. Aber ich bin keiner, der einfach nur vom Klassenverbleib ausgehen möchte. Ich will den maximalen Erfolg, in jedem Spiel. In der Rückrunde müssen wir uns steigern, ganz klar. Aber das geht nur Schritt für Schritt. Aber wir müssen alles raushauen, immer.
Der Betze brennt: Auf die Frage, was sich in der Winterpause personell tun soll, werden Sie heute wohl noch nicht konkret antworten. Aber gibt es schon ungefähre Überlegungen, wo was getan werden soll? Wir würden mal tippen: hinten links.
Grammozis: Ich denke, jeder Profiverein wird in der Winterpause den Markt studieren und sich überlegen, wo sich was für ihn auftut. Ins Detail gehen Thomas Hengen, Enis Hajri und ich da zunächst intern.
" Ich habe versucht, von jedem Trainer das Beste mitzunehmen"
Der Betze brennt: Schauen wir mal zurück. Sie haben als Spieler einige sehr interessante Trainertypen, die erfolgreich, charakterlich aber auch sehr unterschiedlich waren, Otto Rehhagel und Erik Gerets beispielsweise. Was haben Sie von wem mitgenommen, und von wem am meisten?
Grammozis: Ich war schon als Spieler jemand, der seinen Trainern nicht nur zugehört, sondern auch die Diskussion mit ihnen gesucht hat. Von daher konnte ich mir von allen ein gutes Bild machen. Otto Rehhagel war überragend im menschlichen Umgang mit seinen Spielern. Erik Gerets war ein Taktikfuchs, ein Arbeiter, er war der erste Trainer, mit dem ich Videoanalysen gemacht habe. Das funktionierte damals noch mit VHS-Kassetten, mit vor- und zurückspulen. Ich habe versucht, von jedem Trainer das Beste mitzunehmen. Von Otto Rehhagel das Menschliche, von Gerets das Penible. Mein erster Profi-Trainer, Uli Thomale in Uerdingen, der bereits in der DDR ein erfolgreicher Trainer war, war ein absoluter Ausbilder, der hat mich jeden Tag zu Trainingsbeginn erstmal in die Halle geschickt und gegen die Wand kicken lassen, 50 mal links, 50 mal rechts, dann Kopfbälle. In Hamburg hatte ich Frank Pagelsdorf als Trainer, ebenfalls ein sehr interessanter Typ.
Der Betze brennt: Es heißt, wer mal Spieler bei Otto Rehhagel war, der bleibt ein Leben lang sein Freund. Gilt das auch für Sie? Sie hatten ihn Kaiserslautern ja nur ein paar Monate als Trainer.
Grammozis: Wir sehen uns nicht regelmäßig, aber wir sind in Kontakt. Treffen uns gelegentlich mal auf einen Kaffee, und zum Geburtstag wird natürlich angerufen. Und es ist stets angenehm mit ihm, weil er so schön aus dem Leben erzählen kann und immer noch mit voller Leidenschaft bei der Sache ist. Ich glaube, der wäre auch mit seinen nun 85 Jahren noch ein guter Trainer.
Der Betze brennt: Sie waren von 2000 bis 2005 am Betze, in einer Zeit, in der der Niedergang des Vereins einsetzte. Es war auch die Zeit, in der der Spielerberater Roger Wittmann, der Schwager von Mario Basler, sehr viel Einfluss auf dem Betzenberg nehmen durfte. Andy Buck hat in seinem Buch "Turbo" darüber geschrieben. Es soll soweit gegangen sein, dass Teamchef Andreas Brehme nicht mehr aufstellen konnte, wen er wollte, weil er angewiesen war, Wittmann-Interessen zu verfolgen. Wie haben Sie das damals erlebt?
Grammozis: Ich muss zugeben: Ich war damals Anfang 20 und allein auf mich und meine Leistungen konzentriert. Ich habe solche Strömungen nicht wahrgenommen, aber auch nicht verfolgt. Wie Entscheidungen zwischen Trainer und Vereinsführung zustande gekommen sind, kann ich nicht sagen.
"Was immer wir tun: Es muss passen"
Der Betze brennt: Berater und die Einflüsse, die sie vor allem auf junge Spieler ausüben, stehen ja auch aktuell wieder im Fokus. Der FC St. Pauli etwa will Berater ganz aus seinem NLZ verbannen. Sie waren lange Jugendtrainer in Bochum. Wie sind Sie mit dem Thema umgegangen?
Grammozis: Grundsätzlich bin ich nicht dagegen, dass Spieler Berater haben, denn es gibt auch genügend gute. Schwarze Schafe gibt es aber ebenso. Und im Jugendbereich ist es wirklich extrem geworden, da geht es jetzt schon bei 12- und 13-Jährigen los. Manche gehen da wirklich sehr aggressiv und skrupellos zur Sache, wenn sie einen Spieler unbedingt wollen. In erster Linie müssen wir da an die Eltern appellieren. Unterstützt Eure Kinder, aber setzt sie nicht zu früh unter Druck, sondern lasst sie auch mal einfach nur Jugendliche sein. Das Gleiche gilt für die Vereine: Lasst den Jungs Freiräume. Klar, wenn man ein Talent an den Profibereich heranführen will, muss es ab der U17 intensiver werden. Davor aber sollte einfach nur der Spaß am Fußball im Vordergrund stehen.
Der Betze brennt: Apropos Freiräume. Sie haben gerade angefangen in Ihrem Job, jetzt aber steht direkt Weihnachten vor der Tür. Werden Sie da gleich wieder abschalten können?
Grammozis: Über die Weihnachtsfeiertage werde ich auf jeden Fall nur Familienvater sein. Aber die freien Tage davor und danach sind diesmal von Arbeit geprägt, ganz klar. Ich stehe im engen Austausch mit Thomas Hengen und Enis Hajri (Geschäftsführer und Kaderplaner des FCK; Anm. d. Red.). Und wir müssen überlegen, wo wir was tun können. Denn was immer wir tun: Es muss passen.
Der Betze brennt: Dann bleibt uns nur noch, Ihnen schonmal eine ruhige Feiertage mit Ihrer Familie zu wünschen. Und viel Erfolg in den Tagen davor und vor allem danach.
Quelle: Der Betze brennt / Autoren: Eric Scherer, Thomas Hilmes

