Im Blickpunkt: Talente beim 1. FC Kaiserslautern

Young Betze: Wie Hildmann auf die Jugend setzt

Young Betze: Wie Hildmann auf die Jugend setzt


Das große Ziel Aufstieg verliert der 1. FC Kaiserslautern immer weiter aus den Augen. Aber es gibt auch Mutmacher in dieser Saison, wie etwa die Riege junger Spieler, die in der Profimannschaft Fuß fassen. Ein Versprechen für die Zukunft?

Eine kleine Resthoffnung bleibt noch bestehen, doch der direkte Wiederaufstieg scheint für die Roten Teufel nicht mehr erreichbar. Viel zu inkonstant hat sich der FCK in der laufenden Spielzeit präsentiert. Auf dem Betzenberg rüstet man sich wirtschaftlich auf eine weitere Spielzeit in der 3. Liga. Auch sportlich dürften in den nächsten Wochen erste Weichenstellungen anstehen, laufen doch einige Verträge aus.

Es bedarf einer tiefgreifenden Kaderanalyse, um festzustellen, wer noch in der kommenden Saison für den Angriff auf die 2. Bundesliga zur Mannschaft gehören soll. Argumente haben in den vergangenen Wochen vor allem die Nachwuchskräfte gesammelt.

Hildmann: "Wir wollen Spieler entwickeln"

Hildmann machte seine Ankündigung wahr und setzt - noch stärker als es sein Vorgänger Michael Frontzeck getan hat - auf entwicklungsfähige Spieler. Gegen Zwickau stellte er die jüngste FCK-Startelf der laufenden Saison auf (24,1 Jahre alt). Im Drittliga-Vergleich war die Mannschaft sogar die drittjüngste der kompletten Spielzeit. Noch jünger beim Anpfiff waren nur zwei Teams von Großaspach - unter Hildmann.

Ein Paradebeispiel für Hildmanns Absichten ist Carlo Sickinger (21), der gegen Würzburg wie Hildmann sein Debüt gab und seitdem zur festen Größe in der Startelf wurde (DBB-Notenschnitt: 3,0). Überhaupt steht der Mittelfeldmann, der seit 2012 den Jugendbereich der Lauterer durchlaufen hat, wohl wie kein Zweiter für die Philosophie des neuen Trainers. Er ist jung, fußballerisch gut ausgebildet, variabel - er kann im zentralen Mittelfeld und in der Dreier-Abwehrkette spielen - und bringt eine passende Mentalität mit. Ähnliches gilt für Lennart Grill (20) und Dominik Schad (21), die sich im Laufe der Saison gegen ältere Konkurrenten durchgesetzt haben.

Rückschläge sind zwangsläufig eingeplant

Rückschläge auf dem Weg, entwicklungsfähige Spieler aufzubauen, sind dabei zwangsläufig eingeplant. Grills Leistungskurve bekam im vergangenen Heimspiel gegen Zwickau eine erste Delle. Auch ein anderer Nachwuchsmann musste in dieser Spielzeit schon ein Tal durchschreiten: Christian Kühlwetter (22), der seinen Durchbruch wie Schad schon unter Frontzeck schaffte und mit drei Toren in seinen zwei ersten Spielen zum Senkrechtstarter der Saison avancierte. Zu Beginn der Rückrunde gelang dem 22-Jährigen aber wenig, letztlich strich ihn Hildmann gegen Halle aus der Startelf, um ihm gegen Karlsruhe und Zwickau erneut das Vertrauen zu schenken. Ein Schachzug mit Erfolg: Kühlwetter (DBB-Notenschnitt: 3,6) gab in 120 Minuten eine Vorlage, schoss ein Tor, traf zweimal den Pfosten und ist inzwischen Lauterns bester Torschütze.

"Die schwimmen sich momentan alle frei"

Kühlwetter, der zuvor im Hildmann'schen 3-4-3 eher auf dem Flügel eingesetzt wurde, füllte die Rolle als zentraler Stürmer gut aus. Und auch er behauptete sich gegen die vermeintlich etablierte Konkurrenz. Timmy Thiele blieb gegen Zwickau nur der Bankplatz. Auch weil sich mit Antonio Jonjic (19) eine weitere Option aufdrängt. Der 19-Jährige ist momentan eines der interessantesten Zukunftsversprechen (DBB-Notenschnitt: 2,6). Schnell, technisch beschlagen und mutig - sein Repertoire spielte Jonjic gegen Zwickau in einer Szene aus, als er früh attackierte, den Ball mit einer Grätsche eroberte, nach vorne stürmte und die Kugel an die Latte schoss.

Es ist die Unbedarftheit, die zum wichtigen Argument für die Riege junger Spieler wird. Dass diese aber auch schnell verloren gehen kann, zeigt neben dem Beispiel Kühlwetter auch Florian Pick (23), der zwar Bewegung in ein starres Spiel bringen kann, das Eins-gegen-eins wie kein Zweiter sucht, dabei aber noch oft in seiner zweiten oder dritten Aktion die falsche Entscheidung trifft (DBB-Notenschnitt: 3,9). Wohl auch deshalb tritt Hildmann noch kräftig auf die Bremse, kommt die Sprache auf die Nachwuchstalente: "Die schwimmen sich momentan alle erst frei."

Schließlich muss bei aller Fokussierung auf Entwicklung und Nachhaltigkeit der kurzfristige sportliche Erfolg über allem stehen. Der Talent-Status allein reicht da natürlich nicht aus, um eine dauerhafte Rolle zu übernehmen. Und neben der sportlichen Qualität zählt die Einstellung sowieso. Attribute wie Ehrgeiz und Fleiß sind gefragt. So spielte sich mit Gino Fechner (21) ein weiterer noch junger Akteur zurück in die Startelf. Der Mittelfeldmann bekam in Karlsruhe trotz mancher Schwächen (Hildmann: "Er spielt ab und zu noch etwas zu viel quer"; DBB-Notenschnitt: 4,0) seine Chance, auch als Belohnung für gute Trainingsleistungen, wo er regelmäßig die meisten Kilometer abspult.

Sportlicher und wirtschaftlicher Wert für den FCK

Das eröffnet zugleich auch für weitere junge Spieler den Weg zurück. Lukas Gottwalt (21) etwa, dem nach einer Verletzung in der Wintervorbereitung nur die Reservistenrolle bleibt. Oder Theo Bergmann (22) und Elias Huth (22), die beide in der vergangenen Saison zu den vielversprechendsten Talenten der 3. Liga zählten, in Kaiserslautern aber noch nicht den endgültigen Durchbruch schafften. Mit Verteidiger Jonas Scholz (20), den bei den Profis mittrainierenden Mohamed Morabet (21) oder U19-Talent Anil Gözütok (18) stehen weitere Talente in den Startlöchern.

Schon in der kommenden Saison könnten einige der Nachwuchskräfte in Verbindung mit etablierten, erfahrenen Spielern eine noch tragendere Rolle übernehmen. Ob es so kommt, hängt aber nicht nur an ihrer sportlichen Entwicklung. Letztlich steht wohl jeder Vorgang beim FCK unter wirtschaftlichen Zwängen. Einzelne Spieler sind mitunter nicht zu halten, auch wenn Martin Bader bewusst ohne Ablösesummen planen will. Dennoch: Die junge Generation, die gerade auf dem Betzenberg heranwächst, ist ein Versprechen für die Zukunft - egal ob sportlich oder finanziell.

Autor: paulgeht

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