Im Blickpunkt: Mentalitätsprobleme beim FCK

Kopfsachen

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Womit ist die fehlende Konstanz des FCK zu erklären? Sportdirektor Stöver und Cheftrainer Meier sprechen offen von Mentalitätsproblemen. Tatsächlich lassen sich dafür einige Anhaltspunkte finden.

Jedes Spiel ist anders und lässt sich nicht vergleichen, eine alte Weisheit. Dass es der 1. FC Kaiserslautern in der gesamten Saison allerdings noch nicht einmal geschafft hat, einen Rückstand in einen Sieg zu drehen, verwundert und darf durchaus als eine der wichtigsten Aussagen des bisherigen Spielzeit begriffen werden. Auch in Bielefeld, beim Tabellen-Schlusslicht, ließ sich der FCK von einem Gegentor zum ungünstigen Zeitpunkt schocken.

Schon zur Winterpause wurde gerätselt, wieso eine Mannschaft mit so erfahrenen Leuten, die ihre Klasse auch schon an anderer Stelle unter Beweis gestellt haben, nicht dauerhaft ins Rollen kommt.

Erklärungsansätze gab und gibt es viele. Sie alle mündeten aber so gut wie immer in dem, was Uwe Stöver und Norbert Meier am Sonntagabend beim SWR zu Protokoll gaben: Die Spieler sind mit sich selbst beschäftigt, ein belastbares Teamgefüge ist nicht entstanden. Immer wieder sind auch ein mangelnder Siegeswille und eine zu schnelle Selbstzufriedenheit erkennbar. Kurzum: Diese Mannschaft hat ein Mentalitätsproblem.

Sandhausen! Erinnerungen an den Saisonanfang

Erste kleine Anzeichen, dass innerhalb des Teams nicht alles optimal läuft, waren früh zu erkennen: Die 0:2-Niederlage des FCK am 5. Spieltag in Sandhausen brachte ziemlich deutlich zu Tage, dass die Mannschaft kaum mit Rückschlägen umgehen kann. Nicht nur fußballerisch waren die 90 Minuten am Hardtwald eine Offenbarung. Als André Weis Mitte der zweiten Hälfte mit einer Roten Karte vom Platz geflogen war, kam keiner seiner Mitspieler auf den Neuzugang zu und gab ihm ein paar aufmunternde Worte mit. Stattdessen schienen die Akteure in Rot, während ihr Torhüter vom Platz schlich, mehr mit sich selbst beschäftigt.

Weis baute sich später eine Art Schutzwand auf, erklärte seinen Platzverweis aufgrund unerlaubten Handspiels mit dem "Reflex eines Torhüters". Kapitän Daniel Halfar fasste die Situation derweil deutlich zusammen: "Wenn man sowieso nicht vor Selbstvertrauen strotzt und dann nicht als Mannschaft eingespielt ist, dann kommt das eine zum anderen. Wir müssen eine Einheit werden und das auf die Fans übertragen, nur so funktioniert es."

Zouas Appell, Korkuts Rückzug, Gaus' Zögern

Das gelang in den folgenden Wochen allerdings nur selten. Da war Jacques Zoua, der nach dem vergeigten Rückrunden-Abschluss in Nürnberg seine Mitspieler und sich vehement in die Pflicht nahm: "Wir müssen mehr machen. Ich, das Team, alle müssen mehr kämpfen, das ganze Spiel." Da ist die Aussage von Leih-Verteidiger Ewerton, der in der Rheinpfalz vor wenigen Tagen bekannte, "eher weniger" mit seinen Mannschaftskollegen abseits der beruflichen Verpflichtungen zu tun zu haben. Ein Indiz oder zu strenge Interpretation?

Zumindest passt es da auch irgendwann ins Bild, dass sich zur Winterpause der Trainer einfach durch die Hintertür verabschiedete, offiziell keine Begründung hinterließ und wohl auch inoffiziell nie ganz offenlegte, warum Tayfun Korkut sein FCK-Projekt nach nur einem halben Jahr beendete. Und auch dass mit Marcel Gaus der wohl größte Kämpfer mit einem klaren Bekenntnis zum Verein wartet. Der aktuell dienstälteste FCK-Profi verhandelt zwar mit den Vereinsverantwortlichen über eine Vertragsverlängerung. Eine Tendenz sei aber wie schon vor Wochen nicht abzusehen, heißt es aus seinem Umfeld.

"Bei solchen Spielen heißt es dann immer: 'Du hast nicht gekämpft', die üblichen Floskeln, die dann im Endeffekt rausgehauen werden", sagte Kapitän Daniel Halfar nach der jüngsten 0:2-Pleite in Bielefeld bei FCK-TV zum Thema Einstellung. "Jeder Spieler gibt immer 100 Prozent und versucht, das Bestmögliche für die Mannschaft zu tun. Es war jetzt halt heute so ein Spiel, aber wir sollten uns davon nicht beeindrucken und die Köpfe in den Sand stecken. Das bringt ja auch nichts." Aussagen, die an die nüchternen, aber irgendwann auch hilflosen Aussagen des damaligen FCK-Kapitäns Christian Tiffert in der Abstiegssaison 2011/12 erinnern.

Abstiegskampf, Relegation: Was wäre wenn?

Vielleicht hat Halfar mit seiner betont gelassenen Einordnung auch Recht und womöglich sind es ja letztlich auch nur Nuancen, die in den entscheidenden Moment den Ausschlag in die eine oder andere Richtung geben. Und sollte der FCK am Ende rund um Platz neun, zehn oder elf einlaufen, böte sich im Sommer die Gelegenheit, einiges zu korrigieren, ohne wieder eine komplett neue Mannschaft aufzubauen.

Was aber, wenn sich die Lautrer nicht aus der aktuellen Situation befreien und noch tiefer in den Abstiegskampf rutschen, der Druck weiter steigt? Wird diese Mannschaft die beklagten "Mentalitätsprobleme" in den vielleicht existenziellen Spielen in Karlsruhe oder Aue oder gar in zwei Relegationsspielen ablegen können?

Immerhin, in der Montagsausgabe des Kicker hat Uwe Stöver einen kleinen Hoffnungsschimmer dargestellt: Schon vor den Heimspielen gegen Dresden (3:0), Bochum (3:0) und Würzburg (1:0) stand das FCK-Team gehörig unter Druck und zeigte jeweils eine Leistungssteigerung. Auch das gehört zum Gesamtbild dazu.

FCK-Sportdirektor Uwe Stöver

Kommentar: Die Saison ordentlich zu Ende bringen

Was soll man dazu sagen? Die sportliche Situation beim 1. FC Kaiserslautern ist völlig unzufriedenstellend und sie wird sich bis Mitte Mai auch nicht mehr deutlich verbessern. Mit einem Lizenzspieleretat von rund 11,5 Millionen zwischen Platz 12 und 14 rumzudümpeln, kann nicht der Anspruch des FCK sein, selbst der vielzitierte Platz 9 war eigentlich schon ein tiefgestapeltes Ziel.

Und jetzt heißt es auch noch, die Mannschaft sei zu sensibel, um ihr den wohl von vielen Fans gewünschten Arschtritt zu verpassen. Das setzt in der Frustskala noch einen obendrauf – lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht mehr ändern. Wenn ein Mann wie Norbert Meier mit fast 40 Jahren Berufserfahrung als Spieler und Trainer feststellt, dass etablierte Profis wie zarte Pflänzchen behandelt werden müssen, dann muss man eben das Beste aus dieser unbefriedigenden Situation machen. Was würde wohl passieren, wenn man diese Sorte Fußballspieler jetzt so richtig zusammenfaltet?

Und trotzdem hat Uwe Stöver recht: Man darf die Augen vor der angekommenen Abstiegsgefahr nicht verschließen, aber auch der anvisierte Platz 9 (oder besser) ist noch nicht außer Reichweite. Der Rückstand beträgt zurzeit vier Punkte, auch wenn das nach den Eindrücken aus Bielefeld wie Augenwischerei klingt. Das Ziel muss jetzt sein, die Saison wie etwa vor einem Jahr noch ordentlich zu Ende zu bringen. Im Sommer muss dann nachgebessert werden, was trotz aller berechtigten Kritikpunkte schon mit punktuellen Verstärkungen und ohne erneuten Totalumbruch möglich sein könnte.

Autor: paulgeht, Thomas

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