Als die neue Führung angetreten war, um den Verein durch professionelles, solides Wirtschaften zukunftssicherer zu machen, war ich noch guter Dinge, dass das möglich sein kann.
Neue Sponsoren an Land ziehen und insbesondere Sparmaßnahmen und Einsparungen am Spieleretat der ersten und zweiten Mannschaft, waren und sind - meiner Ansicht nach - vernünftige Schritte um mittelfristig im Kampf um den Aufstieg ein Wörtchen mitzureden.
Stattdessen hört man dann im Vorfeld der JHV und auch in diesen aktuelleren Pressekommentaren immer wieder Aussagen, die mich eher ratlos oder beängstigt zurücklassen.
So Gries in seinem allseitsbekannten RP-Interview im November:
Es gibt zwei Szenarien für diesen Verein – langfristig betrachtet: Erste Liga oder Regionalliga. Wenn es nicht klappt mit strategischen Partnern, müssen wir uns Gedanken machen über einen wirklich harten Sparkurs. ... Die Bundesliga-Aufsteiger in diesem Jahr hatten im Schnitt einen Etat von rund 18,5 Millionen Euro. Davon sind wir noch meilenweit entfernt. Ohne Fremdkapital wären wir bei 8,5 Millionen – uns fehlen 10 Millionen Euro pro Jahr.
Man ist also nach einem halben Jahr schon zum Entschluss gekommen, dass durch Sparen und Einnahmen Erhöhen nichts mehr zu retten ist.
Unter großem Zuspruch der meisten DBB-Nutzer werden die Verantwortlichen dann hier tatsächlich dafür gelobt, dass sie daran arbeiten einen 10Mio+ Investor/Sponsor an Land zu ziehen, der sich - so Gries bei der JHV - mit dem FCK identifizieren und für die Sache begeistern kann.
Im Dezember dann vernehme ich durch die Rheinpfalz, dass man anscheinend international nach Geldgebern sucht:
Viel Arbeit steckt Gries auch in die angekündigte Suche nach einem Investor. An potenzielle Interessenten auf der ganzen Welt habe der FCK mit einem Vermittler einen „Teaser“ verschickt, ein Datenblatt mit den Vorzügen des Vereins, sagte Gries gestern der RHEINPFALZ.
Das klingt alles super, wenn man tatsächlich daran glaubt, dass sich irgendjemand findet, der aus rationalen Einschätzungen heraus zehn Millionen jährlich in unseren Verein pumpt. Zehn Millionen sichern uns auch im kommenden Jahr nicht den Aufstieg. Mit 20 - 30 Mio. wird es in den kommenden zwei bis drei Jahren eventuell hochwahrscheinlich aufzusteigen. Bis ein Investor dann aber an den Punkt kommt, dass er ein Return of Investment sieht ... wie lange müssten wir da in der Bundesliga spielen? Eventuell sogar regelmäßig international, wenn wir gleichzeitig noch Rücklagen bilden wollten...
Der Gedanke, dass ein solcher Investor Plan A darstellt und dass man dies so verlautbart, bevor man auch nur irgendwen an der Angel hat, der zu so einer großzügigen Spende in unsere strukturschwache Region bereit wäre, macht mir Angst.
Wenn ich dann im zweiten Schritt daran denke, welche Gestalten sich bei anderen Vereinen als Investoren herumtreiben (1860, HSV, Hoffenheim ...), beruhigt das mein ungutes Gefühl auch nicht wirklich.
Wenn man im dritten Schritt dann vielleicht noch bedenkt, was solche Finanzgebaren für den Fussball im Allgemeinen, jedoch für Traditionsvereine im Besonderen bedeuten, wird mir schlecht bei dem Gedanken, dass irgendein stereotypischer Scheich oder Hedgefond den FCK mit schmutzigem Geld aufpumpt und so den Wettbewerb im deutschen Profifussball noch weiter verzerrt.
Horrorszenarien hin oder her - ich bezweifle, dass sich dieser Investor für unseren Verein finden lässt.
Plan B kann daher eigentlich nur Plan A sein. Hypothetische Großinvestoren sind für mich kein professioneller Plan. Besonders keiner, der so offensiv in der Presse verlautbart werden sollte. Seit diesen ersten Äußerungen im November, sind schon zahlreiche Artikel in der Presse erschienen, die genau die Formel "Bundesliga oder Regionalliga" aufgreifen und Horrorszenarien an die Wand malen, wodurch der FCK sicherlich nicht in eine stärkere Verhandlungsposition irgendwem gegenüber kommt (Spieler, Investoren, Sponsoren, Fans ...).
Gleichzeitig propagiert insbesondere Stöver den angeblichen Dreijahresplan, der einen Aufstieg in den nächsten beiden Saisons vorsieht. Wie will man sich sportlich kontinuierlich steigern, wenn man ebenso davon überzeugt ist, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Jahr zu Jahr kleiner werden (ohne Investor)? Haben die letzten Jahre seit dem Abstieg nicht gezeigt, dass Aufstiege nicht über Jahre hinweg planbar sind - besonders wenn Leistungsträger uns mangels finanzieller Spielräume jedes Jahr verlassen müssen?
Die Zukunft des FCK bleibt für mich in vielerlei Hinsicht ein Glücksspiel und ich bin beunruhigt, dass die Verantwortlichen das wohl ähnlich sehen. Nicht weil ich ihr Handeln für unverantwortlich halte, sondern weil ich meinem Verein ruhigere Fahrwasser gewünscht hätte.