Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.

Beitragvon MarcoReichGott » 11.04.2022, 08:15


In meinen Augen beschreibt der XGPlot die Überlegenheit der Würzburger noch nichtmal im Ansatz. Würzburg hat sehr häufig die entscheidende Abschlusschance schlichtweg verpasst, weil sie falsche Entscheidungen getroffen haben.

Ich hatte es schon unmittelbar nach dem Spiel geschrieben: Wenn Würzburg auch nur die Hälfte ihrer Angriffe halbwegs sauber auspielt hätte, dann hätten sie uns 3-4 Tore eingeschenkt. Das selbst ohne dies der erwartete Torwert für WÜrzburg schon bei 2,6 liegt unterstreicht das nur eindrucksvoll.

Im Endeffekt war die Marschroute für WÜrzburg relativ klar. Da unser Spiel mit der 3er Kette hinreichend bekannt ist, versuchten die WÜrzburger mit schneller Verlagerungen auf die Außen die Schwächen des Systems hier aufzudecken. Gleichzeitig wurde versucht dort ein personelles Übergewicht zu schaffen.

Die Folge war, dass wir immer einen Schritt zu spät kamen und eigentlich nur dem Ball hinterherliefen. DAs ist eben leider auch der FCK im Jahr 2022. Eine taktisch völlig unflexible Mannschaft, die eben kaum auf den Gegner reagieren kann. Mit zunehmender Spieldauer merkte man dann auch, dass wir dem Druck kaum noch gewachsen waren. Anstatt bei Ballgewinn die Situation spielerisch zu lösen, wurde nur noch der Ball teils blind nach vorne gedroschen. Würzburg hingegen fasste zunehmend Mut und kombinierte sich nun fast im Stil von Magdeburg und Co nun auch vor unserem 16er die Bälle in gute Positionen. Letztlich fiel der Gegentreffer dann ja auch aus so einer Position.

Was ist für mich das Fazit des Spiels? "Haste scheiße am Fuß, haste scheiße am Fuß". Würzburg hat sich einfach selber geschlagen. Wir kennen das ja selber ais der letzten Saison als Saibene und später Antwerpen immer angemahnt haben, dass im letzten Drittel der Abschluss nicht richtig gesucht wurde. Wunderlich demonstriert auf der Gegenseite wie einfach es sein kann Tore zu schießen, wenn man diese tolle Schusstechnik mit eigenem Selbstbewusstsein kombiniert.



Beitragvon paulgeht » 11.04.2022, 09:29


MarcoReichGott hat geschrieben:In meinen Augen beschreibt der XGPlot die Überlegenheit der Würzburger noch nichtmal im Ansatz. Würzburg hat sehr häufig die entscheidende Abschlusschance schlichtweg verpasst, weil sie falsche Entscheidungen getroffen haben.

Letztlich ist ja auch das eine Frage der Qualität. Aber natürlich wäre es aus FCK-Sicht noch besser gewesen, dem Gegner diesen Entscheidungsspielraum gar nicht erst einzuräumen.

Im Endeffekt war die Marschroute für Würzburg relativ klar. Da unser Spiel mit der 3er Kette hinreichend bekannt ist, versuchten die WÜrzburger mit schneller Verlagerungen auf die Außen die Schwächen des Systems hier aufzudecken. Gleichzeitig wurde versucht dort ein personelles Übergewicht zu schaffen.

Es war im Grunde ab der ersten Minute ersichtlich. Würzburg stand in vorderster Linie sehr breit, teilweise mit vier, fünf Mann postiert. Sobald der Ball aus dem Spiel auf die Außen kam, wurde dazu sofort Überzahl geschaffen, was Zuck und Hercher, die nicht selten aufgerückt waren, vor ziemlich viel Laufarbeit gestellt hat. Ein Glück, dass Kraus und Tomiak wirklich gut antizipieren, rausrücken und das auch sauber wegverteidigen können.

Die Folge war, dass wir immer einen Schritt zu spät kamen und eigentlich nur dem Ball hinterherliefen. DAs ist eben leider auch der FCK im Jahr 2022. Eine taktisch völlig unflexible Mannschaft, die eben kaum auf den Gegner reagieren kann.

Das würde ich so nicht unterschreiben. Ich glaube nicht, dass Starrsinn oder Unfähigkeit eine Rolle gespielt haben, eher der Anspruch, seinen eigenen (nun ja auch wirklich häufig genug erfolgreichen) Ansatz beizubehalten und durchzusetzen.

Ich halt die Zusammenfassung beider Trainer eigentlich für ziemlich schlüssig: Zwei Teams auf Augenhöhe (was gefühlt auf 80-90 Prozent aller Drittliga-Spiele zutrifft), am Ende haben Nuancen (und ein bisschen Selbstvertrauen und Erfahrung) entschieden.

Wenn man sich die Würzburger Truppe anschaut, Spieler für Spieler, finde ich es ohnehin verwunderlich, dass die so tief und schon relativ abgeschlagen im Sumpf stecken. Auf der anderen Seite scheint am Dalle auch auf und neben dem Platz sehr viel Unglückliches zusammengekommen zu sein, bis die Spirale nicht mehr zu durchbrechen war.
Zuletzt geändert von paulgeht am 11.04.2022, 21:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Ke07111978 » 11.04.2022, 10:09


Ich bin da recht nah bei @marcoreichgott. Im Grunde genommen war das auch in Freiburg und in Osnabrück schon zu sehen. Unsere Antworten auf Gegner, die entsprechend pressen sind überschaubar. Fakt ist, dass wir in der Hinrunde (nachdem Ritter, Götze und Ciftci wieder fit waren) mit dem laufintensiven Spiel von Hanslik und Redondo im Vorwärtspressing mehr Grip auf das Spiel bekommen haben, weil wir den Gegner mehr in seiner Hälfte beschäftigt haben. Das war schöner anzusehen, aber eben auch nicht immer durchschlagend erfolgreich (effizient).

Letztlich müssen wir die letzten 4 Spiele so gestalten wie in der Hinrunde - dann sind wir durch. Nächstes Jahr (müssen) die Karten dann neu gemischt werden.



Beitragvon MarcoReichGott » 11.04.2022, 11:35


Ich finde ehrlich gesagt nichtmals, dass uns Würzburg sonderlich hoch gepresst hat. Da spricht auch die Verteilung des Ballbesitzes auf die Zonen ein bißchen gegen. Wir sind defensiv einfach permanent in Unterzahl in den SPielsituationen gewesen und dadurch dann immer einen Schritt zu spät in den Zweikämpfen gewesen. Würzburg konnte sich da ja wirklich stellenweise durchs gesamte Mittelfeld durchkombinieren. Und diese defensive Unsicherheit hat dann irgendwann auch dazu geführt, dass wir im Spielaufbau uns nichts mehr getraut haben.

Die für mich eigentlich logische Schlussfolgerung wäre gewesen defensiv auf ein 4-4-2 zu wechseln, aber das ist eben die Flexilität, die uns gerade ein Stück weit fehlt. Würzburgs Trainer hatte das vor dem Spiel ja angekündigt, dass man weiß wie wir fast immer spielen und man sich drauf einstellen würde - und das ist meiner Meinung nach auch voll aufgegangen während wir taktisch hilfslos reagiert haben.

Aber letztlich war es dann ein Sieg wie ich vor Wochen ja schon prophezeit habe und ich sehr begeistert war, dass wir gegen Duisburg doch völlig anders aufgetreten sind:

Hinten irgendwie das Gegentor verhindert und vorne mit der überlegenen individuellen Qualitöt einen reinwürgen.

Hat ja auch zum Glück dann funktioniert, aber WÜrzburg war uns einfahc so drückend überlegen und so häufig mit langem Ballbesitz in gefählichen Zonen, dass ich selbst nach dem zweiten Tor nie geglaubt habe, dass das restliche Spiel entspannt ablaufen würde...



Beitragvon Mittelmosel-Teufel » 11.04.2022, 20:02


Die xG-Grafik überrascht mich doch sehr. Ich reflektiere nach den Spielen immer die guten Chancen beidseitig, versuche die Besonderheiten dieser xG-Wert-Betrachtung zu berücksichtigen (soweit mir als Laien bekannt) und habe dann auch immer eine gewisse Erwartung, wie die xG-Werte in etwa aussehen müssten und lag da meist in dieser Saison ziemlich gut (also nicht bei den genauen Werten, sondern in den Tendenzen und Relationen). Recht deutlich daneben lag ich jetzt zum zweiten Mal. Das erste Mal war das nach dem Osnabrück-Spiel. Da war der Unterschied zwischen beiden Teams in der tatsächlichen xG-Auswertung ja vernachlässigbar, wobei ich da eine deutliche Differenz zugunsten Osnabrück erwartet hatte. Lag damals wohl daran, dass wir zwar sehr wenige Chancen hatten, diese wenigen aber absolute Hochkaräter waren (das Tor, das andere Ding von Boyd und die Szene mit Redondo nach Pass von Ritter), während Osnabrück zwar eine ganze Menge Chancen hatte, aber kaum welche davon wirklich klare Geschichten.

Gegen Würzburg hatte ich nun erwartet, dass es sich drum dreht, wer bei den xG-Werten vorne liegt. Ich hatte keine Tendenz, nur wäre ich mir recht sicher gewesen, dass es ziemlich nah beieinanderliegen würde. Viele richtig klare Torchancen von Würzburg hatte ich nicht in Erinnerung. In der 1. HZ das Ding von Herrmann (nach Vorlage Pourié) war aus spitzem Winkel, dürfte daher nicht zu hoch bewertet sein und ansonsten war da ja fast nur der Schuss aus dem Strafraum genau auf Raab, wo dieser keine Mühe hat. In der zweiten Halbzeit vielleicht der Abpraller, den Pourié doch sehr deutlich übers Tor jagt, das Tor natürlich, aber sonst? Wahrscheinlich wurden da einige abgewehrte Schüsse, die aus guter Position abgegeben wurden, recht hoch bewertet? Und die sind nicht so in Erinnerung geblieben, weil die ja letztlich nicht auf oder gefährlich Richtung Tor kamen, sondern eben frühzeitig geblockt wurden? Keine Ahnung….

Jedenfalls ist das natürlich auch eine Qualität und ein gutes Indiz für die tolle Moral und Galligkeit der Truppe, dass wir Gegner selbst in guten Abschlusssituationen noch mit letztem Einsatz geblockt bekommen, so dass da letztlich wenig wirklich gefährlich Richtung Tor kommt. Es ist hingegen kein gutes Zeichen, dass die Gegner aber überhaupt erst so oft in diese gefährlichen Abschlusspositionen kommen. Da wäre es mir wohler, wir würden da im Unterbinden früher ansetzen und früher Zugriff bekommen.

Auch den Eindruck, dass der Ballbesitz so deutlich pro Würzburg war und deren Passquote doch klar besser war, hatte ich beim Zusehen nicht. Interessant ist aber die Angabe, in welchen Spielfelddritteln die Kombinationen stattfinden. Da haben wir in unserem letzten Drittel signifikant weniger Kombinationen als Würzburg, in unserem vorderen Drittel aber deutlich mehr (wenn ich das richtig interpretiere). Und dann ist natürlich auch klar, dass unsere Passquote schlechter ist, denn in den gefährlichen Räumen wird man nunmehr intensiver attackiert und viel enger zugestellt. Zudem ist das ja ein Hinwesi darauf, dass wir nicht hinten rum spielen auf ballbesitz aus, sondern schnell das vertikale Spiel ins vordere Drittel suchen. Das wiederum erklärt dann auch die geringeren Ballbesitzwerte.

@ MarcoReichGott: Das mit der taktischen Flexibilität ist ja so eine Sache. Da scheinen sich in den Argumentationen oft die beiden Pole unversöhnlich gegenüber zu stehen. Die eine Seite behauptet, es sei eben gerade ein Qualitätsmerkmal für einen Trainer und seine taktisch geschulte Truppe, das eigene Spiel durchzudrücken und ein Ausweis des Selbstbewusstseins, sich eben nicht nach dem Gegner zu richten – sondern der Gegner habe sich nach ihnen zu richten. Die andere Seite wirft genau diesem Trainer und/oder seiner Mannschaft dann wahlweise Sturheit oder taktische Limitiertheit vor und hält es für ein Qualitätsmerkmal, wenn man sein komplettes taktisches System wirklich ständig dem Gegner anpasst. Erstere halten das dann wiederum für ängstlich, sich zu stark nach dem Gegner zu richten. Wie so oft im Leben ist es aber vielleicht nicht schwarz oder weiß, sondern es gibt auch noch die verschiedenen Graustufen dazwischen. Ich tendiere in diesem Fall nicht zu den Extremen, sondern zu dem Mittelweg. Eine taktische Grundordnung und eine Spielidee, die man grundsätzlich versucht durchzubringen, die aber gegnerbezogen doch leicht modifiziert, aber nie komplett über den Haufen geworfen wird.

Genau das beobachte ich bei uns seit dem Mannheim-Spiel in der Vorrunde. Die grobe taktische Ausrichtung behalten wir bei, im Kleinen passen wir diese taktische Grundordnung aber sehr wohl dem Gegner an. So haben wir schon mit 3 Stürmern (oder Halbstürmern) in der vorderen Linie agiert, meist aber mit 2 Spitzen oder wir haben meist mit einem 6er und zwei Spielern in den offensiven Halbräumen hinter den Spitzen (8er) gespielt, aber auch schon eher mit Doppel-6 und davor einem 10er (vielleicht nicht klassisch, aber in diese Richtung gehend). Die Übergänge sind da sowieso fließend, aber in der taktischen Grundordnung sind das durchaus (kleine) Änderungen zu beobachten – jedenfalls nach meiner Wahrnehmung. Im Übrigen, nebenbei bemerkt, kann man auf Gegner, Spielstände oder Spielverlauf auch innerhalb einer bestehenden taktischen Grundordnung flexibel reagieren. Und genau davon machen wir recht regen Gebrauch. Unser Mittel der Wahl ist bei uns dann in der Regel, die Höhe des Anlaufens und ggf. auch die Intensität des Pressings zu variieren.



Beitragvon MarcoReichGott » 11.04.2022, 21:00


Es gibt eigentlich bei der Bewertung der taktischen Flexibilität eine ganz einfache Regel: Solang ich es schaffe das Spiel zu beherschen, habe ich alles richtig gemacht. WEnn mir das Spiel aber so entgleitet wie nun z.b gegen Würzburg, dann ist das sicherlich kein Zeichen von Stärke mehr.

Nicht falsch übrigens verstehen. Ich würde nichtmal so weit gehen zu sagen, dass wir den SIeg nicht verdient hatten. Es hat ja seine Gründe, weshalb Würzburg so viele falsche Entscheidungen getroffen hat im letzten Drittel und wir es meistens doch noch geschafft haben ein Bein dazwischen zu bekommen. Wenn du einen Boyd bei nem Freistoß frei zum Kopfball kommen lässt und einen Wunderlich aus der Situation frei zum Schuss, dann hast du defensiv eben auch in zwei entscheidenden Stellen viel falsch gemacht. Und eine Mannschaft, die nicht weiß wann sie offensiv den Abschluss finden muss, die ist eben zurecht die schwächste Offensive der Liga.

Nur war sicherlich nicht unsere Taktische Ausrichtung der Grund dafür, dass wir das Spiel gewonnen haben. Hier haben wir wirklich extrem schlecht ausgesehen - und das nun ja auch nicht zum ersten mal diese Saison.

Bei der Interpretation der Spieldritten muss man übrigens natürlich aufpassen, dass man die Ballbesitzquote berücksichtigt. Würzburg hatte ja doppelt so viel Ballbesitz wie wir. Entsprechend hat sich absolut betrachtet natürlich auch mehr Spelgeschehen vor unserem Strafraum abgespielt als vor dem Würzbuger.



Beitragvon Kohlmeyer » 18.04.2022, 17:30


Es gibt so viel zu erzählen zu diesem Derby und natürlich auch einiges zu analysieren:

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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-FCS
Die DBB-Analyse: Diese Teufel bremsen nicht mal bei Rot


Es gibt Derbysiege, die kann man beschreiben. Für alles andere gibt es Betzenberg. Lässt sich das 3:1 des 1. FC Kaiserslautern gegen 1. FC Saarbrücken auch einigermaßen nüchtern analysieren? Wie können es nur versuchen.

Wir hatten doch schon das 0:0 im Fritz-Walter-Stadion gegen Waldhof Mannheim in der Hinrunde als moralischen Triumph bezeichnet, der schwer zu toppen ist. Damals verteidigten die Roten Teufel mit nur acht Feldspielern gegen zehn ihr Tor über 45 Minuten lang, ohne einen Treffer zu kassieren, ein unglaublicher Kraftakt. An diesem Ostersonntag nun fehlte eine komplette Halbzeit lang zwar nur ein Mann, doch schenkte dieses FCK-Team dem 1. FC Saarbrücken trotz Unterzahl noch zwei Buden mehr ein. Welches Derby das denkwürdigere bleiben wird?

Wir meinen: Dieser Sieg gegen den FCS. Allein schon wegen der Traumkulisse von 46.895 Zuschauern. Aber auch, weil er nicht nur aus einem Kraftakt resultierte, sondern auch einige spielerische Highlights bereithielt.

Versucht man die Emotionen für die Dauer einer einigermaßen nüchternen Spielanalyse herunterzufahren, war es zunächst einmal das Spiel eines ordentlich schief gegangenen Matchplans. Dem des Saarbrücker Trainers Uwe Koschinat, der sich, und das sei lobend festgehalten, in der Pressekonferenz nach dem Spiel die Mühe machte, seine Vorstellungen von dieser Partie zu erläutern, ohne die bei vielen seiner Kollegen üblichen Phrasen und Platitüden zu bemühen. Ob durchweg zutreffend, sei dahingestellt

"Am Anfang ganz gut hinbekommen" - echt jetzt?

"Ich finde, dass wir unsere Idee, das Spiel sehr, sehr schnell von den Flügeln durch die Mitte durchzuziehen, tatsächlich auf der spielerischen Basis eine gewisse Dominanz herzustellen, dass wir das am Anfang in der Grundausgangssituation ganz gut hinbekommen haben, aber in der Spielfortsetzung dann doch zu zögerlich waren", leitete Koschinat sein Statement ein.

Eine, mit Verlaub, recht eigenwillige Sicht der Dinge, wie sie sich in der ersten Hälfte darstellten. Ganz gut hinbekommen? Vielleicht, wenn man die Grenze zwischen "Grundausgangssituation" und "Spielfortsetzung" schon sehr früh zieht, nämlich direkt nach dem ersten Pass. Die Saarbrücker kamen nämlich gar nicht ins Spiel. Forcierten auch nicht das Flügelspiel mit entsprechenden Offensivleuten, wie es in den vergangenen Wochen die Gegner getan hatten, die den FCK in Verlegenheit brachten. Koschinat setzte auf ein 3-4-1-2, in dem die Schienenspieler Dominik Ernst und Pius Krätschmer sich bei Ballbesitz zwar forsch nach vorne schoben, doch bis sie hätten steilgeschickt werden können, war bereits wieder Schluss mit der "Spielfortsetzung", denn da hatten die Blau-Schwarzen den Ball schon wieder abgegeben.

Wichtig: Diesmal kein Zurückziehen nach einer 1:0-Führung

Der FCK nämlich verteidigte erneut recht hoch, attackierte schon früh mit einer offensiven Dreierreihe, in der abermals Mike Wunderlich den zentralen Mann gab. Überhaupt hatte Marco Antwerpen die Startelf vom 2:1-Auswärtssieg bei den Würzburger Kickers unverändert gelassen. Wunderlich war es auch, der die erste Torchance des Spiels einleitete, als er Daniel Hanslik mit einem seiner typischen smarten Pässe auf die Reise schickte, der aber aus spitzem Winkel an FCS-Keeper Daniel Batz scheiterte.

Und, ganz wichtig, gerade auch als Erkenntnis für die noch ausstehenden Partien: Diesmal überließen die Roten Teufel dem Gegner nicht das Feld, nachdem sie in Führung gegangen waren. Sondern pressten weiter nach vorne, um auch weiterhin keinen Spielaufbau zuzulassen. Den Treffer hatte Zuck mit einem langen Ball eingeleitet, den erst Marlon Ritter, dann Terrence Boyd zu erwischen versuchte. Beider Bemühen endete mit einem Elfmeterpfiff, als Ritter über die Füße des Ex-Lautrers Steven Zellner fiel. Aus Diskussionen über dessen Berechtigung halten wir uns an dieser Stelle heraus, ebenso wie aus denen zum Platzverweis zur Kevin Kraus. Schiedsrichter Benjamin Brand hat so entschieden, basta.

Zum Elfmeter: Boyd scheitert an Batz, bekommt aber Gelegenheit zum Nachschuss. Doch auch der will nicht direkt rein, es braucht Hanslik für den letzten Kick über die Linie ... Ja, da ist ziemlich viel Dusel dabei, aber ohne das geht es halt nicht in dieser Liga, siehe den schärfsten FCK-Verfolger Eintracht Braunschweig, der sich seit Wochen mit Stottersiegen auf Schlagdistanz hält.

Nach der Roten Karte ordnen sich beide Teams neu

Kevin Kraus' hartes Einsteigen gegen Robin Scheu - dass er ihn ausgerechnet in den Bauch traf, lässt die Szene nun mal brutal aussehen, auch wenn sicher keine Absicht vorlag - und die anschließende Rote Karte justierten das Spiel quasi mit dem Pausenpfiff neu. Die Trainer hatten nun eine knappe Viertelstunde Zeit, ihre Team fürs Spiel Zehn gegen Elf zu ordnen. Marco Antwerpen entschied sich für Fünferkette, Mittelfeldraute und einen Stürmer. Uwe Koschinat machte das, was eigentlich schon zum Anpfiff vom FCS erwartet worden war: das Spiel breit. Er formierte hinten eine Viererkette, brachte Minos Gouras, der den linken Flügel übernahm, und Tobias Jänicke auf der Zehn, Robin Scheu rückte dafür nach rechts. Stürmer blieb zunächst der Ex-Lautrer Sebastian Jacob.

Der Neustart wirkte sich zunächst zugunsten der Saarbrücker aus. 48. Minute: Flanke von Manuel Zeitz auf den eingewechselten Jänicke, der köpft, nicht fest, aber präzise Richtung langes Eck, der Ball springt noch einmal auf, Matheo Raab kommt nicht mehr ran, 1:1. Das sah nicht so ganz unhaltbar aus.

Danach drohte das Spiel für ein paar Minuten zu kippen. Aber es drohte nur. Und auch nur für ein paar Minuten. Denn was geschah dann? Lassen wir es Uwe Koschinat aus Sicht seiner Mannschaft erklären:

"Ich glaube, da merkt man auf dem Niveau, dass vielleicht doch die Abläufe nicht so funktionieren wie in einem normalen Drittliga-Spiel. Dass Atmosphäre und Bedeutung des Spiels dann doch beeindrucken."

Das 2:1: "Hat auch mit der Qualität des Mittelstürmers zu tun"

Und wie die Saarbrücker beeindruckt waren. 57. Minute: Abschlag Raab, der Bogen, den der Ball beschreibt, wird weiter und weiter, der Ball dotzt vor dem Sechzehner auf und springt weiter in die Box, Zellner und Innenverteidiger-Kollege Lukas Boeder hätten ihn gerne, Boyd, der sich zwischen beide drängelt, ebenfalls. Am Ende gewinnt der mit der breitesten Brust: Boyd tunnelt Batz, 2:1 für Lautern. Und das mit Zehn gegen Elf. Der Betze bebt.

Lassen wir einmal mehr den Saarbrücker Trainer kommentieren:

"Wir bekommen einen einfachen langen Ball nicht verteidigt, trotz Überzahl im Strafraum. Das hat vielleicht - neben der schlechten Abstaffelung und der schlechten Entscheidung - auch mit der Qualität des Mittelstürmers zu tun, der leider auf der Gegenseite spielt." Na, das klingt doch sportlich fairer als das, was sein Kapitän Zeitz vor dem Spiel geäußert hatte. Etwas von Exkrementen, aus denen der FCK Edelmetall machen könne. Der Vergleich hinkt insofern, als dass Raabs Assist unmöglich Gülle gewesen sein kann, sondern allererste Sahne war. Das, was Boyd draus gemacht hat, war dagegen durchaus Gold wert.

Guck an: Nicht Klingenburg kommt, sondern Redondo

Als nächstes überraschte Marco Antwerpen. Sein erster Einwechselspieler war nicht etwa René Klingenburg, der Typ, den man sich in einem Spiel Zehn gegen Elf so gut vorstellen kann: Killermentalität und allzeit bereit, auf jedem Quadratzentimeter des Spielfelds aufzutauchen und den Zweikampf zu suchen. Stattdessen kam Konterspieler Kenny Redondo. Der Mann, der sein einziges Saisontor bislang gegen wen erzielt hat? Richtig. Und sieben Minuten später hatte er gegen den gleichen Gegner sein zweites gemacht.

Die Entstehung war das fußballerische Highlight des Spiels. Hercher will Redondo die rechte Seitenlinie lang schicken. Linksverteidiger Krätschmer behauptet zunächst den Ball, hat aber nicht damit gerechnet, wie nickelig sein Gegenspieler ist, denn der jagt ihm das Leder direkt wieder ab. Redondo passt auf Ritter. Der schnippelt mit der Pike dem mittlerweile rechts durchgestarteten Hercher den Ball in den Lauf. Und der wiederum flankt nicht blind, sondern mit Bedacht in den Rückraum, wo Redondo den Ball annimmt, sich vorlegt und an Batz vorbei ins Netz jagt, ohne dass dieser überhaupt reagieren kann.

Es gibt Jubel, den kann man beschreiben. Für alles andere gibt es Betzenberg. Überlassen wir, um wenigstens ein bisschen objektiv zu bleiben, einmal mehr Uwe Koschinat das Wort.

Der FCS: Da ist keiner, der aus Wasser Maggi macht

"Mit dem 1:2 ist es genau das emotionale Spiel geworden, das wir in dieser Phase überhaupt nicht gebrauchen konnten. Der FCK, das muss ich einfach sagen, hat richtige Typen auf dem Platz, die jeden Zweikampf zu ihrem Zweikampf machen, die eine wahnsinnig fordernde Körpersprache haben. Das Publikum war auf ihrer Seite, und mit dem 3:1, glaube ich, hat man bei uns gemerkt, dass der Glaube und die Sicherheit in den Abläufen verloren gegangen sind."

Und ob. Von jemandem, der aus Exkrementen Edelmetall machen kann, konnten die Saarländer in der Schlussphase nur noch träumen. Es fand sich nicht einmal einer, der Wasser in Maggi verwandeln konnte.

Zehn gegen Elf? War es nur noch auf dem Papier. Boyd ackerte in der Spitze weiter für drei, sicherte auf der gesamte Breite des Spielfelds fast jeden Ball. Erst in der 86. Minute brachte Antwerpen Klingenburg für Boyd, der sich dadurch seinen Extra-Applaus abholen durfte. Auch Ritter und Hercher marschierten, als gäbe es statt Siegprämie Kilometergeld. Und Redondo verlieh sein Tor beinahe buchstäblich Flügel, bei manchen Sprints schien er tatsächlich kurz davor, abzuheben. In der Nachspielzeit hätte er sogar noch das 4:1 machen können, bekam den Ball nicht unter Kontrolle, wohl weil er immer noch zu aufgedreht war.

Visualisierungen zeigen: Unterzahl beeindruckte nur kurz

Ein Blick auf die "Pressing-Intensität" während des Spielverlaufs, die der Datenanbieter "Wyscout" für uns visualisiert hat, zeigt, dass sich der FCK von der Unterzahl nur sehr kurzfristig beeindrucken ließ. Unmittelbar vor dem Ausgleichstreffer nämlich, der dann ja auch auf dem Fuße folgte. Schön zu sehen ist hier auch, dass die Antwerpen-Elf in der ersten Halbzeit nach dem Führungstreffer nicht viele Zuspiele in den gegnerischen Reihen zuließ. Und wie sie nach dem 2:1 wieder zunehmend aggressiver wurde. Trotz Unterzahl.

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Die bestätigt ebenso der Blick auf die "durchschnittlichen Aufstellungslinien" über die Dauer des Spiels. In der ersten Hälfte stand der FCK klar höher als der Gegner, dessen Trainer doch einen FCS angekündigt hatte, der nochmal voll auf Offensive setzen wollte, um seine Aufstiegschance zu wahren. Nach der Führung rückte Lautern sogar noch weiter auf. Und auch nach dem 3:1 stand das Antwerpen-Team kurzzeitig höher, trotz Unterzahl. Erst in der Schlussphase überließ es dem Gast das Feld.

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xG-Timeline: Die Elfmeterszene verzerrt das Bild

Der Blick auf die xG-Timeline irritiert heute allerdings ein wenig. Ein Endwert von 3.05 : 0.97 zugunsten des FCK? Das erscheint selbst einem Pfälzer im Siegesrausch too much. In der Tat: Die Computer-Auswertung bewertet in der Elfmeterszene offenbar zwei Torchancen. Einmal den Elfer selbst, der in der Regel mit 0.76 xG ("expected Goals") zu Buche schlägt. Und dann noch einmal Hansliks Einschussgelegenheit von der Torlinie - da darf ausnahmsweise mal zurecht von einer "Hundertprozentigen" gesprochen werden.

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Ebenso ist die Positions- und Passgrafik des FCK ist angesichts des Platzverweises und der Formationsänderungen nur bedingt aussagekräftig.

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Die der Saarbrücker sagt zumindest aus: Für eine Mannschaft in Überzahl, die zudem eigentlich die vollen 90 Minuten dominant sein wollte, lief der Ball zuviel hintenrum. 62 Prozent Ballbesitz, wie sie die Saarbrücker laut "Wyscout" hatten, sind für eine Mannschaft, die eine Halbzeit in Überzahl spielte, auch nicht gerade berühmt.

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Fassen wir zusammen: Mit dem 0:0 im Derby gegen Waldhof Mannheim seinerzeit hatte sich der FCK nach einem verkorksten Saisonstart mental nochmal neu aufgebaut und die Weichen in eine bessere Zukunft gestellt. Seither hat die Mannschaft nur noch zwei Mal verloren. Dieser 3:1-Derbysieg gegen Saarbrücken könnte das Team nun auf das nötige Bewusstseinslevel pushen, das es fürs weitere Saisonfinale braucht. Denn solange sich Verfolger Braunschweig weiter zu einem knappen Sieg nach dem anderen knoddelt, wird den Roten Teufeln ebenfalls nichts anderes übrigbleiben, als ihre restlichen drei Spiele zu gewinnen. Nur dann nämlich dürfte das Punktepolster groß genug sein, um sich in der für spielfreien 38. Runde entspannt zurücklehnen zu können.

Und falls es tatsächlich mit dem Aufstieg klappt, müssen wir eins jedoch jetzt schon bedauern: Dass es nächste Saison weniger solche Derbys gibt.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage



Beitragvon FORZA85 » 18.04.2022, 21:12


Sehr gute Analyse.

Ich finde, die Passgrafik zeigt deutlich, wie wertvoll Hercher für unser Offensivspiel ist. Zuck muss mehr Gas geben.



Beitragvon SEAN » 18.04.2022, 21:19


FORZA85 hat geschrieben:Zuck muss mehr Gas geben.

Ich denke das war auch dem geschuldet, das Wunderlich und Ritter ziemlich offensiv waren, und vor allem Wunderlich sich sehr viel auf der linken Seite aufgehalten hat. Da ist es schon sinnvoll, wenn sich Zuck etwas defensiver verhält, und die Seite nicht noch enger macht.
Scheint die Sonne so warm, trag ich Papier unterm Arm,
scheint die Sonne so heiß, setz ich mich hin und.........



Beitragvon Kohlmeyer » 19.04.2022, 07:00


Och, Leute,

müssen wir nach so einem Spiel allen Ernstes auf dem armen Zuck herumreiten?

Ich sag mal so: Dass er sich als linker Schienenspieler asymmetrisch zu seinem Gegenüber Hercher verhält, ist längst Teil unseres unbestritten erfolgreichen Spielsystems. Zuck steht viel tiefer und schlägt lieber lange Bälle, statt zu marschieren, und das kann er ja auch richtig gut. Am Sonntag hat er mit so einem langen Ball die Elfmeterszene vorbereitet, in Osnabrück hat er vor dem 1:0 Hanslik auf die Reise geschickt.

Und: Da er so tief steht, erscheint er oft mehr als Linksverteidiger denn als Schienenspieler. Dadurch wiederum wird Boris Tomiak mehr Rechtsverteidiger als Innenverteidiger - und so zur idealen Absicherung für Hercher, der nur dadurch so marschieren kann, dass er eigentlich schon mehr Rechtsaußen ist als Schienenspieler. Und Tomiak marschiert auch gerne selbst über die rechte Seite, auch wenn er es am Sonntag nicht so oft getan hat.

Auch das gibt die Positionsgrafik schön wieder, und es ist nicht das erste Mal, dass sie sich so präsentiert – dass unsere Dreierkette eigentlich wie eine Viererkette aussieht.

Was vielleicht eine Überlegung wert wäre: Dass Antwerpen zumindest gelegentlich doch einen echten Linksverteidiger bringt – dann nämlich, wenn der Gegner bewusst mit einem starken rechten Flügelspieler agiert, um Zucks Defensivschwächen auszunutzen. In Mannheim z.B. hat Martinovic über weite Strecken Rechtsaußen gespielt – wohl genau aus diesem Grund. Gibs könnte m.E. in die Rolle hineinwachsen.

Gruß,
Kohlmeyer



Beitragvon Kohlmeyer » 24.04.2022, 13:16


Hier kommt unsere DBB-Analyse zur zweiten Niederlage in der Rückrunde::

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Taktik-Nachlese zum Spiel SVWW-FCK
DBB-Analyse: Schmerzt wie Hölle, ist aber auszuhalten


Hat das wehgetan - der 1. FC Kaiserslautern lässt beim SV Wehen Wiesbaden vielleicht entscheidende Punkte im Kampf um einen direkten Aufstiegsplatz liegen. Beklagen müssen sich die Pfälzer jedoch nicht, schon gar nicht bei ihrem Torhüter.

Fußball ist so grausam - und so einfach. Wenn man ihn denn so sehen will. Der FCK verliert in Wiesbaden und verspielt vorerst die Chance, den direkten Aufstiegsplatz aus eigener Kraft klarzumachen. Und warum? Weil Matheo Raab vor dem 1:2 des SVWW daneben gegriffen hat, da scheinen sich heute alle Berichterstatter einig zu sein. Der Junge, der bislang eine so überragende Saison gespielt hat. Der zu Saisonbeginn den Sprung zum Stammtorhüter schaffte, zwischenzeitlich 615 Minuten ohne Gegentor blieb und damit einen neuen vereinsinternen Rekord aufstellte - in dem Klub, in dem schon ein Ronnie Hellström und ein Gerry Ehrmann im Kasten standen. Wie grausam ist das denn?

Gar nicht mal so, so schmerzhaft diese Niederlage für die mitgereisten Fans in der Wiesbadener Wellblech-Arena auch mitanzusehen war. Aber mit etwas Abstand sollte man die Dinge ein wenig unaufgeregter gewichten können. Und da ist zunächst mal festzuhalten: Ja, Matheo Raab hat in der 73. Minute einen Eckball direkt vor die Füße des aufgerückten Wiesbadener Innenverteidigers Ahmet Gürleyen abgewehrt. Und ja, der machte daraufhin das 2:1 für die Gastgeber. Und ja, es war die einzige Toraktion des SVWW in der gesamten zweiten Hälfte, mal ganz abgesehen davon, dass er auch in der ersten schon kein Chancen-Feuerwerk abgebrannt hatte. Aber wo Menschen arbeiten, machen Menschen nun mal Fehler, und junge Menschen erst recht.

Der eigentliche Fehler: Der FCK bewahrte keinen kühlen Kopf

Und dieses Spiel ging nicht wegen dieses Fehlers verloren. Sondern, weil der FCK in dem Hexenkessel, den sein eigener Anhang aus der engen Arena gemacht hatte, generell keinen kühlen Kopf bewahrte. Und da wären eben nicht die jungen Spieler gefragt gewesen, sondern die erfahrenen. Alex Winkler zum Beispiel, der bereits nach zwei Minuten nicht eng genug an Wiesbadens Mittelstürmer John Iredale war, um dessen Torschuss zum 1:0 verhindern.

Sieben Minuten später durften die Lautrer zwar bereits ausgleichen - Daniel Hanslik war vom ehemaligen FCK’ler Gino Fechner umgerempelt worden, Hendrick Zuck verwandelte den fälligen Elfmeter. Doch die Unruhe, die durch die beiden frühen Treffer entstanden war, mochte sich danach einfach nicht mehr legen. Die Rudelbildung unmittelbar vor den Trainerbänken, die ums Haar in eine kleine Bierzelt-Schlägerei ausgeartet wäre, war nach rund 30 Minuten lediglich ein kurzer Ausdruck dieser aufgeheizten Grundstimmung.

Zu viel Hektik, zu wenig klare Aktionen

Im FCK-Spiel fehlten die klaren, besonnenen Aktionen, für die sonst ein Mike Wunderlich verantwortlich zeichnet. Die Mannschaft operierte fast ausschließlich mit langen Bällen aus der hinteren Reihe, die entweder Hanslik zu erlaufen oder Terrence Boyd festzumachen versuchte. Wie sich auch derlei zielgerichtet verwerten lässt, demonstrierten Hanslik und Philipp Hercher mal nach 41 Minuten, als sie sich gemeinsam einen zweiten Ball sicherten, Hercher nicht blind flankte, sondern mit Bedacht und Auge zum an der Strafraumgrenze lauernden Wunderlich passte, dessen Schlenzer jedoch von SVWW-Keeper Florian Stritzel pariert wurde. Von solchen Aktionen hätte es ein paar mehr gebraucht.

Schade auch um den viel zu hektisch ausgeführten indirekten Freistoß kurz vor der Pause. Wenn ein Spieler in der 3. Liga die technische Fertigkeit und die Coolness hat, den Ball über die Köpfe von zehn auf der Torlinie postierten Wiesbadener hinweg unter die Latte zu hämmern, dann Mike Wunderlich. Aber auch das wollte ihm an diesem Abend nicht gelingen.

Nach der Pause Fußball verkehrt: Statt Lautern trifft Wiesbaden

Nach der Pause sah es zunächst aus, als sei es nur eine Frage der Zeit, bis der FCK in Führung geht. Nachdem Hanslik durch direktes Anlaufen Stritzels ein fahriges Abspiel provoziert hatte und Boyd zum Schuss kam, wäre es ums Haar soweit gewesen, doch Stritzel reagierte gedankenschnell mit dem Fuß.

Und dann kam es zum eingangs beschriebenen Gegentreffer, der sich bis zum Abpfiff einfach nicht korrigieren ließ. Wobei sich die Roten Teufel durchaus mit Wucht gegen die drohende Niederlage stemmten, doch fehlte ihnen eben der besagte kühle Kopf. Boyd ließ sogar mal echte Genialität aufblitzen, als er einen Ball erst festmachte und dann brillant auf den eingewechselten Kenny Redondo durchsteckte. Doch für dessen beherzten Linksschuss war der Winkel zu spitz, als dass er Stritzel hätte überwinden können. Wären noch zwei, drei mehr solcher Ansätze gelungen, der FCK wäre sicher nicht als Verlierer vom Platz gegangen.

Hippe für Kraus: Machte Sinn - der Wechsel zur Pause ebenfalls

Unglücklich verliefen zudem Marco Antwerpens Wechselspiele. Der Trainer hatte wieder mal überrascht, als er weder René Klingenburg noch Felix Götze zum Vertreter des rotgesperrten Kevin Kraus bestimmt hatte. Stattdessen stand Max Hippe in der Startelf, was bei genauerer Überlegung auch gar nicht mal so verwunderte. Hippe hatte diese Rolle auch schon im Hinspiel gegen den SVWW ausgefüllt - damals hatten wir sogar geschrieben, er sei sogar wie Kraus-Double aufgetreten.

Auch diesmal machte Hippe seine Sache grundsätzlich ordentlich, allerdings sah er früh Gelb. Wohl auch deswegen musste er in der Pause dann doch Klingenburg weichen. Der neigt außerdem dazu, beherzter den Vorwärtsgang einzuschalten als seine gelernten Innenverteidiger-Kollegen. Was sich in der Schlussphase beinahe ausgezahlt hätte, als er aus dem Rückraum einen scharfen Flachschuss ansetzte, der nur haarscharf am Tor vorbei abgefälscht wurde. Die eigentlich fällige Ecke verweigerte Schiri Badstübner allerdings.

Unglücklicher Wechsel: Hanslik ging zu früh runter

Nach bereits 63 Minuten kam Redondo für Hanslik. Ein Wechsel, den Antwerpen schon öfter in dieser Saison vorgenommen hat. Zuletzt gegen Saarbrücken, worauf sich Redondo mit dem 3:1-Treffer zum Endstand bedankte. Diesmal aber ging Hanslik zu früh vom Platz.

Denn zehn Minuten später fiel nicht nur das 1:2. Zu allem Übel tat sich dann auch noch Boris Tomiak weh. Ein Eins-zu-Eins-Wechsel, etwa für Julian Niehues, der erst kurz vor Schluss für Marlon Ritter kam, bot sich zu diesem Zeitpunkt nicht an. Antwerpen musste angesichts des Spielstands einen neuen Akzent setzen. Einziger noch verbliebener Stürmer auf der Bank war Simon Stehle, der jedoch eher Konterspieler ist. Also brachte der Trainer Jean Zimmer, der sich vorne rechts positionierte. Die Dreierkette hinten bildeten fortan Klingenburg, Winkler und Ciftci.

Wäre Hanslik noch auf dem Platz gewesen und Redondo hätte zusätzlich kommen können - diesen beiden beweglichen Stürmern mit ihrem guten Timing beim Durchstarten wäre noch einiges zuzutrauen gewesen, erst recht mit Boyd in ihrer Mitte. Doch wie heißt es schön: Hätte, hätte, Fahrradkette. Zimmer gelang in seinem ersten Einsatz nach langer Verletzungspause leider kaum etwas.

Andererseits: Tomiaks Ausfall war ja unmöglich vorauszusehen gewesen.

Auch wenn’s weh tut: Der Problem bleibt der schwache Saisonstart

Zu guter Letzt muss noch festgehalten werden. Sollte der FCK nun tatsächlich Platz zwei verspielt haben, darf dies nicht an dieser Partie in Wiesbaden festgemacht werden. Dies war erst die dritte Niederlage seit dem achten Spieltag, seit der großen Zäsur nach der 0:1-Niederlage in Magdeburg. Selbst Tabellenführer Magdeburg ging seither schon vier Mal leer aus, holte insgesamt sogar fünf Punkte weniger als Lautern. Ein Aussetzer dann und wann ist nahezu unabänderlich in dieser ausgeglichen Liga, die zudem über die lange Strecke von 38 Runden geht.

Der Wackerstein, der den Roten Teufeln eigentlich und immer noch im Magen liegt, ist ihr schwacher Saisonstart mit vier Niederlagen in sieben Spielen. In dieser Phase zwei, drei Punkte mehr und sie stünden heute wesentlich gepolsteter auf einem direkten Aufstiegsplatz. Solche Spiele wie in Wiesbaden kommen in dieser Klasse immer mal vor, auch wenn sie so kurz vor Rundenschluss schmerzen wie Hölle.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

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Beitragvon kl_trott » 25.04.2022, 07:51


Ich finde auch, dass insgesamt etwas die Ruhe am Ball gefehlt hat. Wiesbaden hat andererseits auch gut und sehr motiviert verteidigt. So nimmt man die Situation des Auswärtsspiels zu Hause an, Respekt und Gruß an die Jammerlappen aus Barcelona.

Das erste Tor fällt nicht, wenn Hollerbach von Tomiak und Hercher außen gestellt wird oder wenn Hippe am 5er steht. Für Winkler ist das schwer zu verteidigen in der Situation.

Weiß jemand, was mit Götze ist? War nicht im Kader, im Nachhinein hätte ich ihn oder Sessa gerne in der zweiten Halbzeit gesehen. Die Option des zweiten OM neben Wunderlich wäre schon ein Faustpfand, dann wird's für den Gegner irgendwann problematisch mit Manndeckung..

Weiter geht's, den Jungborussen gleich einen einschenken und den Spaß am Kicken nehmen, dann wird das was.



Beitragvon Kohlmeyer » 01.05.2022, 18:46


Anbei die DBB-Analyse mit einigen Erklärungsversuchen für das eigentlich Unerklärliche:

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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-BVB
Die DBB-Analyse: Eier suchen nach herbem Tiefschlag


War das die Quittung dafür, dass man zu sehr auf einen Ausrutscher der Braun-schweiger spekulierte? Der 1. FC Kaiserslautern vergeigt mit dem 1:3 gegen Borussia Dortmund II wahrscheinlich Aufstiegsplatz 2 - und muss sich nun nirgendwo mehr beschweren.

Das letzte Heimspiel der Saison. Für den FCK geht's noch um alles, für den Gegner um nichts mehr. Da sollte ein Sieg doch nur Formsache sein, zuhause, "uffem Betze", vor dieser Kulisse, vor diesen fast 50.000 Fans, oder? Stattdessen jedoch: Kollektives Versagen.

Doch, solche Spiele hat es früher auch schon gegeben. In der Saison 1986/87 zum Beispiel. Bundesliga, 34. Spieltag. Der FCK braucht nur noch einen Sieg, um sich für den Uefa-Cup zu qualifizieren. Für den Gast, den Hamburger SV, ist die Saison bereits gelaufen. Und was geschieht? Der HSV kehrt Lautern mit einem hammerharten 0:4 aus der eigenen Hütte. Einfach so.

Noch schmerzhafter in Erinnerung ist sicher noch die schicksalsschwere Saison 2014/15. Drei Spieltage vor Schluss steht der FCK auf Aufstiegsrang 2. Der FC St. Pauli kommt, in krasser Abstiegsgefahr schwebend und als schlechtestes Auswärtsteam der Liga. Der FCK hingegen hat unter Trainer Kosta Runjaic von seinen jüngsten 21 Heimspielen nicht eines verloren. Aber: Diesmal gewinnen die Kollegen vom Millerntor mit 0:2. Eine Woche später, am vorletzten Spieltag der Saison, fällt der FCK auf Rang 4 zurück. Seither hat sich ihm nie wieder die Chance geboten, ins Oberhaus zurückkehren.

Vom Anpfiff weg: Da war der Wurm drin

In der Partie damals durften die FCK-Fans hinterher wenigstens noch mit ein paar Elfmetersituationen hadern, die zu Ungunsten ihres Teams entschieden worden waren. Und diesmal? Hätte eigentlich sogar noch ein Elfer für den BVB II gepfiffen werden müssen, als René Klingenburg im Strafraum Justin Njinmah umsenste. Toller Spieler übrigens, dieser Njinmah. So schwerelos, wie er über den Platz schwebt, erinnert er ein wenig Frankfurts Europapokalhelden Daichi Kamada. Aktuell ist er vom um den Bundesliga-Aufstieg kämpfenden Werder Bremen ausgeliehen, um in der 3. Liga Spielpraxis und Erfahrungen zu sammeln.

Dass es irgendwie nicht recht zusammenlaufen sollte bei den Gastgebern war schon bald nach dem Anpfiff zu spüren. Erst ein bisschen Rumgeschiebe in der hinteren Reihe, dann Langholz. Okay, der FCK spielt schon die ganze Saison früh und viel vertikal. Diesmal aber war keine Bewegung in der Spitze zu sehen. Kein Ausbrechen von Terrence Boyd und Daniel Hanslik auf die Flügel, kein gut getimtes Durchstarten in den freien Raum, nicht mal das Bälle-Festmachen wollte Boyd so recht gelingen.

Mit all dem hatte das Team von Marco Antwerpen auch schon vor Wochenfrist in Wiesbaden zu kämpfen, doch da lag wenigstens noch Wucht in den Aktionen. Diesmal wirkten die Roten Teufel gehemmt, vor allem auch beim Anlaufen der BVB-Hintermannschaft bei gegnerischem Ballbesitz. Sofern man da überhaupt von "Anlaufen" sprechen will.

Allen Hemmungen zum Trotz: Standards hätten es richten können

Sicher, hätte es der Fußballgott einmal mehr gut mit den Roten Teufeln gemeint, der Führungstreffer wäre dennoch gefallen. Nämlich durch eine Standardsituation, wie sie der FCK in dieser Spielzeit nun endlich draufhat. Philipp Hercher und Daniel Hanslik hatten nach Ecken von Hendrick Zuck und Mike Wunderlich Kopfballchancen, die an glücklichen Tagen einschlagen und so ein verkrampft gestartetes Spiel durchaus entspannen können.

Doch aus dem Spiel heraus gelang den Borussen schon von Beginn an einfach mehr. Seine Torvorbereitung zum 0:1 durch Bradley Fink geriet Christian Viet, rechter Außenbahnspieler des BVB, sogar zur Zirkusnummer: Tanzbärendressur mit Hikmet Ciftci, Hendrick Zuck und Alex Winkler. Schön anzuschauen, sofern man nicht gerade FCK-Fan war.

Halbzeit-Wechsel hätten Wende bringen können - doch fiel das 0:2

Zur Pause versuchte Marco Antwerpen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Für Hendrick Zuck kam mit Neal Gibs ein linker Schienenspieler, der auch mal den Weg zur Grundlinie suchte. Und dem auch schon nach wenigen Minuten ein verwertbares Zuspiel in die Mitte auf Boyd glückte, der jedoch verstolperte.

Mit Kenny Redondo für Alex Winkler kam zudem ein geschickter Gassensprinter, der sich ebenfalls ein paar Mal gut in Szene setzte. Winklers Position als linker Innenverteidiger hatte derweil Ciftci übernommen. Doch ehe sich der aufgefrischte FCK-Stil zu so etwas wie Powerplay entwickeln konnte, fiel auch schon das 0:2.

Wie schon in Wiesbaden war es erneut Matheo Raab, der nach einer Ecke des Gegners patzte. Diesmal war es Njanmah, der sich bedankte und abstaubte. Zur Ehrenrettung des Keepers soll aber auch gesagt werden: In den 59 Minuten davor hatte Raab zwei Mal stark pariert, einmal bei einem strammen Linksschuss von Kolbeinn Birgir Finnsson und einmal gegen Richmond Tachie, der frei vor ihm aufgetaucht war.

Der Blick geht jetzt noch Köln: Ein Punkt muss noch her

Den Rest zu analysieren, ist müßig. Immanuel Pherais Konterabschluss zum 0:3 passte wie ein i-Tüpfelchen auf dieses Spiel. Der Kopfballtreffer des eingewechselten Felix Götze poliert wenigstens die erfreuliche FCK-Statistik zu Treffern nach Standardsituationen noch ein bisschen glänzender auf.

Und nun? Küchenpsychologisches Geschwafel á la "Der Druck war zu groß" hilft niemandem. Die Spieler waren nach dem Abpfiff auch so schon ratlos genug. Der Blick richtet sich jetzt in Richtung Köln. Dort braucht es am kommenden Sonntag nochmal einen mentalen Mutmacher und zudem gegebenenfalls auch ein ordentliches Ergebnis, je nachdem, wie die Ergebnisse der Konkurrenten am Tag vorher ausfallen. Klar ist: Der FCK muss nach dem wahrscheinlichen Verlust von Platz 2 jetzt wenigstens ohne Zittereien den dritten Rang sichern. Und mit diesem die Relegationsspiele gegen Dynamo Dresden, den bereits feststehenden Tabellen-16. der 2. Bundesliga. Der Aufstiegstraum ist immer noch realisierbar, insofern ist auch noch nichts verspielt.

Bis dahin gilt: "Wir müssen unsere Eier wieder finden", wie es René Klingenburg nach dem Spiel ebenso griffig wie massentauglich formulierte. Und das gilt nicht nur fürs kickende Personal, auch für so manchen Fan, der vor allem an der Tastatur, aber zum Teil leider auch auf den Rängen seiner Enttäuschung Luft machte.

Sicher, die große Masse in der Westkurve stärkte dem geschlagenen Team einmal mehr vorbildlich den Rücken, aber was mancherorts von den Sitzplatztribünen zu hören war, insbesondere über Marco Antwerpen und Matheo Raab, war Anhängern des Klubs von Fritz Walter unwürdig. Besonders liebreizend präsentierte sich einmal mehr die Spezies, die schon die ganze Zeit über gewusst haben will, "dass es auch diesmal nichts wird mit dem Aufstieg", die sich aber bislang nichts zu sagen traute, damit nicht über sie hergefallen wird.

Zu guter Letzt: Das Wort zum Sonntag

Vor allem für diese, aber auch für die sogenannten "Erfolgsfans" unter den 48.416, die am Samstag den Betzenberg hinauf strömten, wollen wir unsere Analyse mit einer kleinen Predigt schließen. Formuliert hat sie für uns Philipp Kerr, ein schottischer Schriftsteller, der bis zu seinem Tod 2018 ein gewaltiges Werk hinterließ, unter anderem Bestseller wie "Das Wittgenstein-Programm". Kerr hat auch drei Romane geschrieben, die im Fußball-Milieu spielen. Im letzten dieser Trilogie, "Die falsche Neun", findet sich im ersten Kapitel dieser Absatz:

"Seit ich den Fußball wieder mit den Augen eines gewöhnlichen Fans sah, hatte ich etwas wirklich Wunderbares an diesem wunderbaren Sport zu schätzen gelernt. Und zwar: Verlieren lernen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Fan-Daseins. Verlieren lehrt einen, in den Worten von Mick Jagger: You Can't Always Get What You Want. Das ist eine der wichtigsten Lektionen für einen Menschen - vielleicht die Wichtigste von allen. Lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen, gehört zur Charakterbildung. Rudyard Kipling hat das mal ganz passend ausgedrückt. Es hilft im Leben, wenn man Triumph und Desaster mit der gleichen Gelassenheit betrachten kann. Die alten Griechen wussten, wie wichtig es den Göttern war, dass Menschen Schicksalsschläge klaglos hinnehmen konnten. Sie hatten sogar ein Wort dafür, wenn man es nicht kann: Hybris. Niederlagen schlucken und die Fresse halten macht einen anständigen Menschen aus einem. Nur Faschisten versuchen, einem etwas anderes einzureden."

Amen.

Update, 02.05.: Die xG-Plots: Sieht knapper aus, als es war

Zu den Grafiken. "Expected Goals"-Werte von 1.80 : 2.08 weist die Timeline am Ende aus. Dieses Ergebnis lässt das Spiel knapper erscheinen, als es war. Wie oben schon subjektiv beschrieben, werden die xG-Ausschläge auf Lautrer Seite hauptsächlich von Einschussgelegenheiten nach Standardsituationen verursacht. Wer nicht nur auf den Heimspiellosern herumhacken will, mag vielleicht anerkennen: Nach dem 0:3 haben die Roten Teufel ihre Bemühungen nicht eingestellt, sondern noch ein paar Torchancen kreiert. Sie haben es wenigstens versucht.



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Zur Position- und Passgrafik. Zur Sicherheit weisen wir wieder mal drauf hin: Linien zwischen zwei Spots entstehen erst ab drei Zuspielen. Dennoch ist zu erkennen: Hanslik ist mit Pässen total unterversorgt worden, außer Ciftci wollte ihn offenbar niemand anspielen. Und in der hinteren Reihe schoben sich Klingenburg und Winkler das Leder zu, bis Klingenburg es auf Boyd zu bolzen versuchte - ja, auch so lässt sich "Ballbesitz" generieren.



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Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Dortmunder: Da lief schon mehr in Sachen Passkommunikation. Interessant, wie die Abwehrspieler ihren Keeper in ihr Spiel einbeziehen.



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Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

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Beitragvon harryyy » 02.05.2022, 07:36


Eric, deine treffende und großartig formulierte Analyse inklusive der abschließenden Predigt ist das Beste (oder vielmehr das einzig Gute), das dieser Spieltag uns beschert hat. Danke !



Beitragvon FCK-Enklave-Bayern » 02.05.2022, 09:55


Dem schliesse ich mich an. Ich freue mich immer - auch nach solchen Tiefschlägen - Ihre Analyse hier zu lesen! Danke.
EIN ROTER TEUFEL - EIN LEBEN LANG!



Beitragvon Thomas » 02.05.2022, 10:52


Dankeschön auch stellvertretend von mir für Euer Lob. :daumen:

Und der Hinweis auf die xG-Grafiken, die wir gerade nachgeliefert bekommen haben: Dafür einfach drei Beiträge hochscrollen oder direkt hier zum Originalbeitrag klicken.
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon rosicky » 02.05.2022, 21:26


Super interessant und auch super passende Worte gefunden.

Vielen Dank für eure Mühe immer wieder :daumen:
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Beitragvon Paul » 03.05.2022, 07:49


Jawohl, die Enttäuschung war während und direkt nach dem Spiel riesig. Und ich finde bis heute für mich persönlich auch keinen rechten Ansatz, warum das so schief ging. Wo ist unsere defensive Stabilität hin?

Aber: Es ist noch nichts verloren und es gilt jetzt dran zu bleiben und nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Warum auch?
Und gebt den Leuten, die "es schon immer gewusst" haben, nicht zu viel Raum. Der ganz überwiegende Teil der Fanmassen hat es zumindest ertragen und respektiert, dass gegen Dortmund II nichts ging. Auf meinem Rückweg von der Süd durch die Katakomben die Westtreppe runter zum Park+Ride zur Uni hab ich keine außergewöhnlichen und schon gar nicht persönlich werdenden Schimpftiraden wahrgenommen. Lasst den paar wenigen ihren kleinen Raum. Es ist gesellschaftlich normal geworden (leider), dass man immer einen Schuldigen sucht für den eigenen Frust. Insbesondere, wenn man es in einem Forum schön anonym ablassen kann. Irgendwo muss der eigene Frust halt hin.

Jetzt gilt es nochmal Anlauf nehmen für ein gutes Gefühl in Richtung Relegation. Ich finde, der FCK ist einfach mal dran, wieder etwas "Großes" zu erleben - und es ist doch allzu typisch, dass es mit einem Umweg geschieht. Wer was anderes erwartet hat, hat die Rechnung ohne den FCK gemacht - einfach konnten wir eigentlich noch nie.

Auch wenn es wohl eher in den Spielbericht passt:
Danke für die Choreo und die Hymne der anonyme Giddarischde... ich fand es wirklich sehr emotional. Betze ist jedesmal ein Nachhausekommen für mich aus dem hessischen Exil. Nochmal, danke für den großartigen Moment.

Und am 20. Mai schnapp ich mir meinen Sohn, um Dresden zu verjagen!
leer
Nur im Pälzer Bode hänn moi Haxe richdich Halt!
leer
unzerstörbar - NUR der F C K



Beitragvon MarcoReichGott » 03.05.2022, 08:48


Ich hatte es schon im STT geschrieben, aber bevor es da untergeht auch hier nochmal: Die Marschroute war von Anfang an klar: Hinten steht eine aufgezogene 3er Kette, die mit Unterstützung des 6ers Ciftci Langholz spielt und man dann auf zweite Bälle gehen möchte. Gegen den Ball hat man streckenweise wieder im 3-4-3 versucht den Gegner zu pressen. Für mich macht die Aufstellung da aber einfach nur begrenzt Sinn. Wenn ich schon den versuche das Mittelfeld mit langen Bällen zu überbrücken, dann kann ich auch Ciftci nach hinten in die 3er Kette ziehen und den robusten Klingenburg nach vorne. So wie wir es gemacht haben, ist nicht nur die Mitte chronisch unterbesetzt gewesen, sondern die Robustheit hat auch gefehlt. Das man da - wie Hengen es in der Halbzeit angedeutet hat - viel weniger 2. Bälle bekommt als erwartet, ist für mich schon aus der Aufstellung vorgegeben.

Ich hatte ja schon mehrfach hier im Thread immer wieder angedeutet wie schlecht unser Offensivpressung im 3-4-3 funktioniert, weil wir eben nicht mit der gesamten Mannschaft pressen und die Reihen dadurch viel zu weit auseinander stehen. Das konnte man auch gegen Dortmund beobachten, die ein ums andere Mal unserer Offensivpressing völlig ins Leere haben laufen lassen, in dem sie sich spielerisch befreien konnte - und dann natürlich auch ziemlich viel Platz im Mittelfeld hatte von wo aus die Dortmunter mit Tempo auf die Abwehr zulaufen konnten.

Die Rolle von Hercher war mir diesesmal auch wirklich nicht ganz klar. Teilweise trabte er so langsam zurück, dass es dann eher nach einer 4er Kette aussah, bei dem der RM zu wenig Defensivarbeit übernimmt, als nach einer 3er Kette mit Schienenspieler. Entsprechend war Tomiak dann auch auf sich alleine gestellt. Hier dann auch noch den Stürmer Klingenburg in der IV zu haben, war einfach nur Harakiri - was ja auch schon nach wenigen Minuten zu zwei Elfmetern für Dortmund hätte führen können.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das SPiel jetzt nicht als groß anders als viele unserer anderen SPiele gesehen haben. Die Hauptunterschiede sind einfach, dass wir vorne die Standards nicht reingemacht haben und hinten Raab nun eben gerne mal patzt anstatt die hunderprozentigen zu entschärfen. Die Passmap sieht von der Raumaufteilung jetzt natürlich furchtbar aus. Was soll das sein? Eine 3er Kette ohne rechten Schienenspieler? Eine 4er Kette ohne linkes Mittelfeld? Aber letztlich sieht es halt fast genauso aus wie in vielen vergangenen Spielen. Da wurde das halt noch als erfolgreich asymetrischen Spielsystem angesehen. Gegen individuell schwächere Teams klappt das eben, wenn Hercher da als RA rumrennt und Zuck es nur selten noch vorne schafft. Gegen individuell stärkere Teams zeigen sich da aber eben schnell die taktischen Defizite.



Beitragvon kl_trott » 03.05.2022, 12:07


Ich finde schon, dass ein Unterschied zu vielen anderen Spielen zu lesen ist. Die Passmap beschreibt ja quasi, dass von Ciftci abgesehen keiner (!) aus dem 5er-Mittelfeld (Zuck und Hercher eingeschlossen) mit unseren Stürmern gespielt hat, weder durch die Mitte noch über außen. Das ist schon bemerkenswert. Fast schon faszinierend, dass wir trotzdem Torchancen hatten..

Auf der einen Seite hatten wir einen richtig schlechten Tag, auf der anderen Seite muss man auch anerkennen, dass Dortmund unser Spiel offenbar sehr sehr gut ausgelesen und mit der kompletten, viel passiveren Spielausrichtung als sonst durchaus überrascht hat. Da haben die zwei Sechser sich ja teilweise zusätzlich auf die Füße ihrer Innenverteidiger gestellt und so sowohl unsere langen Bälle als auch eben die zweiten Bälle für sich entschieden.
Und obendrein haben sie (wir selbst aber auch durch mangelnde Bewegung ohne Ball) das "smarte" Spiel auch nicht aufkommen lassen, unsere Wunderlichs, Ritters, Ciftcis und auch die Außen einfach aus dem Spiel genommen.

Kein Plan ob's am Matchplan selbst oder an dessen Umsetzung lag, aber wir waren taktisch schlicht unterlegen.
Unter Antwerpen/Döpper ist das durchaus schon paar mal passiert. Im Gegensatz zu den meisten Vorgängern der letzten 10 Jahre haben sie das bislang aber stets oder zumindest meistens erkannt und dann für die nächsten Spiele die richtigen Schlüsse gezogen. Da vertrau ich drauf, in Köln sehen wir ein anderes Betze-Spiel.



Beitragvon MarcoReichGott » 03.05.2022, 12:49


kl_trott hat geschrieben:Ich finde schon, dass ein Unterschied zu vielen anderen Spielen zu lesen ist. Die Passmap beschreibt ja quasi, dass von Ciftci abgesehen keiner (!) aus dem 5er-Mittelfeld (Zuck und Hercher eingeschlossen) mit unseren Stürmern gespielt hat, weder durch die Mitte noch über außen. Das ist schon bemerkenswert. Fast schon faszinierend, dass wir trotzdem Torchancen hatten..


Naja, gegen individuell stärkere Mannschaften haben wir das aber schon sehr häufig gesehen, dass von der linken Seite mit Zuck und Wunderlich kaum Pässe nach vore kamen. Das ist wirklich nix ungewöhnliches, sondern eben auch dem geschuldet, dass Zuck gegen schnelle Außenbahnspieler kaum nach vorne gehen kann und Wunderlich dann eben recht alleine dort hängt. Ritter war einfach aus dem Spiel genommen, weil ja mit lange quasi über ihn hinweggespielt wurde und er dann auch nicht der Spieler ist, der unbedingt viele zweite Bälle gewinnt. Das ist aber ja auch nix ungewöhnliches, dass in den Passmaps Ritter teils der zentrale Spieler ist und teils das Spiel doch eher an ihm vorbei läuft. Nicht gut liefs einfach defintiv über die rechte Seite, wo Hercher eben diesesmal fast schon versucht hat einen echten Rechtsaußen zu geben, wärend Tomiak stark verunsichert hinter ihm war...



Beitragvon steffen » 03.05.2022, 13:01


Gerne möchte ich im Hinblick auf unsere Spielweise/Taktik meine Bedenken und Gedanken hierzu in den Raum werfen. In diesem Zusammenhang: Ich lese häufig interessiert die Beiträge von @"MarcoReichGott", da dieser sich auch gerne zur Taktik äußert, ich wäre sehr an seiner/deiner Meinung zu meinen nachfolgenden Gedanken interessiert:

Vorab sei gesagt, dass ich zu der Kategorie gehöre, die im bisherigen Saisonverlauf trotz der hauptsächlich guten Resultate unsere Spielweise schon immer recht kritisch gesehen haben. Seit eh und je bin ich ein Verfechter des Offensivfußballs, daher mag nun klar sein, warum ich mit unserer Spielweise nicht ganz warm werde. Meine Wahrnehmung derzeit auf Grundlage eines praktizierten 3-4-1-2 (meine Wahrnehmung unseres gegenwärtiges Systems, welches im Defensivverhalten zu einem 5-3-2 wird): Der Spielaufbau sieht ganz häufig so aus, dass einer unserer 3 IV den Ball hat, dann angegriffen wird und dann häufig der lange Schlag auf Boyd kommt mit der Intention diesen irgendwie festzumachen um entweder selbst Richtung Tor zu marschieren oder einen nachrückenden Spieler zu bedienen. Alternativ gibt der IV den Ball einem 6er oder Schienenspieler, der dann jedoch das Gleiche praktiziert (langer Ball auf Boyd). Meine Mängelliste:

1. Diese Spielweise ist total eindimensioniert und leicht ausrechenbar.

2. Kombinationsfußball findet so ganz selten statt, da das Mittelfeld fast immer überbrückt wird.

3. Zu wenige Spieler rücken nach, sofern es Boyd mal gelingt Bälle festzumachen, Strafraumbesetzung ist häufig unterdurchschnittlich, meist lediglich Boyd, evtl Hanslik und maximal noch ein Schienenspieler. So kann keine Wucht und Gefahr erzeugt werden.

4. In unser gegenwärtigen Anfangself fehlen fast komplett Tempospieler. Hercher ist hierbei noch mit der Schnellste, aber selbst er ist kein extrem überdurchschnittlicher Sprinter. Und ohne Tempo fehlt einfach ein ganz wichtiges Attribut. Die Konsequenz hiervon ist nämlich auch, dass wir mit unsere aktuellen Startelf quasi kaum mal einen vernünftigen Konter spielen können, weil offensiv einfach das Tempo dazu fehlt. Gegen Dortmund wurde es in der 2. HZ (offensiv) zumindest etwas besser, da Antwerpen zwei langsame (Winkler, Zuck) durch zwei schnelle Spieler (Gibs, Redondo) ersetzt hat. Dies gibt mir Hoffnung, dass er dieses Defizit zumindest erkennt.

5. Zumindest einer der beiden 6er (Ritter, Ciftci) müsste in Zeiten des Ballbesitzes nachrücken in Richtung Strafraum um Überzahl herzustellen. Ganz häufig fehlt dies aber in meinen Augen, sodass zwischen den meist nur 3- max. 4 Offensivspielern, s.o, und zum Rest eine große Lücke entstehen lässt.

6. Pressing von unserer Seite findet nur ganz ganz selten situativ statt und wenn dann auch häufig halbherzig. Wir stehen bei Ballbesitz des Gegners zuallermeist ganz tief in der eigenen Hälfte, was wiederum bedeutet, dass wir auch einen extrem langen Weg nach Ballgewinn zum gegnerischen Tor haben. Sicherheitsdenken "safety first".

Zusammengefasst ist mir unser Fußball einfach zu sehr auf die Defensive ausgelegt. Hinter sicher stehen und vorne murmeln wir nach einem Standard schon mal irgendwie einen rein. Sorry, das kann es aber nicht sein als Aufstigsaspirant. Du kannst einfach nicht davon ausgehen, dass hinten immer die 0 steht, andere Mannschaften können auch kicken und Torchancen wird es immer geben für den Gegner, da kannst du noch so viel Augenmerk auf die Defensive legen. Und wenn wir dann halt wie derzeit hinten eben nicht so sicher stehen (einschl. Torwart) hast du einfach ein großes Problem, wenn du in Rückstand gerätst. Gerade bei unserer Spielweise. Hier fehlt mir der Plan B vom Trainer! Spätestens in Liga 2 steigst du mit unserem Rumpelfußball ab. Häufig wird unsere Spielweise lediglich dann besser, wenn die Mannschaft in Heimspielen in der 2. HZ auf die Westkurve spielt. Dies scheint in meinen Augen die Spieler doch irgendwie zu beflügeln, die taktischen Fesseln werden gelöst, es entsteht häufig zumindest ansatzweise so etwas wie "Druck".

Abschließend: Die (spielerische) Mängelliste ist in meinen Augen lang und ich habe erhebliche Zweifel, dass wir mit diesem Fußball in dieser Saison noch den Aufstieg schaffen werden. Und ich gehöre auch zu denen, die vor diesem Hintergrund zumindest Zweifel an einer weiteren Zusammenarbeit mit unserem Trainer haben. Weil ich nicht sehe, dass er bereit ist, taktisch etwas zu ändern.
Zuletzt geändert von Thomas am 03.05.2022, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beitrag verschoben von Spiel-Thread Köln-FCK in besser passenden Taktik-Thread, wo diese Aspekte bereits diskutiert werden.



Beitragvon danieloo » 03.05.2022, 13:11


In den letzten Spielen suchten wir vorne oft Boyd und sonst lief bis auf vereinzelte Konter recht wenig. Hätte mir mehr gewünscht, dass sich Boyd zurückfallen lässt und mehr Unterstützung durch die Außenspieler bekommt.
Vorallem gegen Dortmund2 war dies der Fall. Vielleicht wäre da ein klassisches 4-4-2 besser gewesen mit Boyd und Kiprit.
In dem Spiel fehlte auch einfach mal der Versuch den Ball ins Netz zu schießen, anstatt nochmals am 16er zu passen (Ciftci).

Die Zweikämpfe wurden nicht richtig angenommen und wenn, dann gabs zu oft ein Foul. In der spielfreien Woche würde ich da vermehrt den Fokus im Training legen, da es gegen Dresden ein Kampfspiel sein wird und wir da Fouls vermeiden sollten.

Ein neues Spielsystem kann man in der Zeit sowieso nicht erfinden, sondern nur das bestehende optimieren.



Beitragvon MarcoReichGott » 03.05.2022, 14:01


Ah, jetzt wirds durch den verschobenen Beitrag doch allgemein.

Also ich glaube durchaus, dass wir unterschiedliche Ideen schon gesehen haben wie wir das Spiel aufbauen können. Mein Verdacht ist zumindest gegen Dortmund, dass es einfach eine sehr klare taktische Vorgabe war, dass wir uns gegen die technisch starken Dortmunder gar nicht erst auf ein Kombinationsspiel im Mittelfeld einlassen wollten, sondern eben ganz gezielt auf zweite Bälle gegangen sind und man versucht hat das SPiel weit in die Dortmunder Hälfte zu verlagern. Wir können das auch durchaus anders - gerade Zuck und Wunderlich haben durchaus schon öfers gezeigt, dass sie spielerisch sich auch aus Pressing Situationen freispielen können. Dass das Vorgabe war ist natürlich nur ein Verdacht basierend darauf, dass sich insbesondere Ritter und Hercher sehr auffällig nach vorne orientiert haben bei eigenem Ballbesitz und Hengen eben explizit die fehlenden Ballgewinne bei 2. Bällen kritisiert hat. Kann mich da aber natürlich auch irren, wäre für eine PK vielleicht eine interessante Frage hier nochmal nach dem "Matchplan".

Grundsätzlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass unser Kader durchaus Schwachstellen hat und man schlichtweg nicht alles mit ihm spielen kann. Wir haben nunmal keine dribbelstarken Außenspieler, die gegen tiefstehende Mannschaften Lücken aufreißen können. Und bei einem Spiel mit 4er Kette seh ich auch nach wie vor unsere "Außenverteidiger" als kritisch an. Irgendein Ballbesitz-orientierter Fußball würde vermutlich schlichtwg dazu führen, dass wir uns den Ball vor dem gegnerischen 16er auf zu engem Raum zupassen würden.

Deswegen habe ich mit der generellen Ausrichtung des Antwerpen Fußballs bei uns auch kein Problem. Es sind jedoch Kritikpunkte, die ich seit Anfang der Saison habe.

1. Mit Winkler und Kraus hinten drinnen fehlt mir einfach an Aufbauspiel. Sowas kann man mal bringen, wenn der Gegner wirklich sehr stark im Kopfballspiel ist, aber grundsätzlich brauch ich da neben Tomiak eigentlich einen weiteren Spieler in der letzten Reihe mit besserem Passspiel. Sprich: Götze in der Mitte oder Ciftci Mitte/Links. Das macht einen natürlich ein Stück weit defensiver anfälliger, aber wenn ich aufsteigen will, dann brauch ich einfach im Spiel mit 3er Kette hier auch den Mut, dass ich mir viel stärker passmöglichkeiten eröffne um den Ball spielerisch nach vorne zu tragen. Ich fand es übergangsweise zur in der Hinrunde gut mit der defensiven 3er kette zur Stablisierung, aber eigentlich schon die ganze Rückrunde haben spielstarke Gegner hier Wege gefunden um die Mitte zuzustellen und uns zum aufbauspiel über die Außen zu zwingen - wo wir entsprechend einfach dann gepresst werden können.

2. Mir ist das Pressing zu halbherzig. Die vordere Reihe macht das eigentlich recht gut, aber die Mannschaft steht hinten zu weit weg um den Gegner wirklich stören zu können. Ich hab das vor ein paar Monaten hier schonmal daher nicht als wirkliches Pressing bezeichnet, sondern mehr als "offensives Verteidigen". Man bekommt den Gegner so zwar beschäftigt, aber viel zu selten erzielt man so wirklich Ballgewinne in den entscheidenden Zonen.

3. Wenn wir unter Druck geraten, verteidigen wir oftmals in einer Art 5-2-3, bei dem die hintere Reihe wie eine Schnur aufgereiht steht und wir vor unserem 16er dem Gegner viel zu viel Platz lassen. Hier passt mir die Raumaufteilung einfach nicht.

Wenns nicht läuft im Spiel, dann sehen wir meiner MEinung nach immer irgendwelche Abwandlungen dieser 3 Probleme, die wir bis heute nicht in den Griff bekommen haben. Gegen individuell schwächere Gegner macht das alles nix. Da bekommen die gegnerischen VErteidiger schon Panik, wenn sie von 3 Leuten angelaufen werden und bolzen den Ball blind nach vorne. Und selbst sie - wie WÜrzburg - ewig lange in den gefährlichen Zonen sind, dann fehlt einfach die Genauigkeit um trotz der Lücken zum Abschluss zu kommen.

Aber individuell starke Gegner nutzen das einfach aus und bereiten uns massiv Probleme. Wir haben aus der oberen Tabellenhälfte in der Rückrunde nur das Derby gegen Saarbrücken mit glücklichem Elfer und Willensleistung in Unterzahl sowie sehr glücklich das Spiel gegen Osnabrück gewonnen. Gegen die untere Tabellenhälfte haben wir hingegen immer gewonnen, teils deutlich. Im Prinzip entspricht das dem, was ich taktisch auch so erwarten würde aufgrund unserer Spielweise.



Beitragvon Briggedeiwel » 03.05.2022, 20:21


Wir spielen seit Beginn an das was wir können.
Okay, in Berlin sind wir uns offene Messer gerannt.

Unsere Abwehrspieler sind einfach zu langsam um ein hohes Pressing zu zeigen.

Wie hier gut beschrieben wurde reicht es oftmals in Liga 3 wenn 3-4 Leute den ballführenden Verteidiger attackieren. Gegen Dortmund ist dieser Matchplan aber tötlich. Deshalb sind die "KLEINEN" vom BVB auch auswärts stärker als zu Hause.
Mit deren Ballsicherheit befreien sie sich aus dem Pressing der vordersten Reihe. Wenn dann noch deine zweite Reihe fehlt sieht es düster aus.

Mit Senger und Tomiak wollte man die Defizite in der IV wohl ausbügeln.
Das Senger gar keine Rolle spielt und Tomiak nur einer von dreien ist reicht eben nicht aus.
Mit Feng Shui hat man 2015 den :teufel2: aus dem Stadion vertrieben. Hengen und Antwerpen haben den Geist von Zusammenhalt und Leidenschaft zurück gebracht. Kehrt nun auch der rote Teufel dauerhaft zurück?




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