Im Blickpunkt: Die Biographie von Andreas Buck erscheint

Daum und Otto, Champions League und Betze-Drama

Daum und Otto, Champions League und Betze-Drama

Vor 20 Jahren: Andreas Buck im FCK-Trikot gegen Bayern mit Roque Santa Cruz; Foto: Imago Images

Und wieder hat ein Fußballer ein Buch geschrieben. Allerdings ein ganz besonderes, keines, in denen sich ein Star nur selbst feiert. "Turbo" sollte "Tiefe" haben, verrät Andreas Buck, Meisterspieler des 1. FC Kaiserslautern von 1998. Und auch die Tiefen eines Fußballerlebens nicht aussparen.

Kennengelernt haben sie sich, als sie gemeinsam über ein legendäres FCK-Spiel plauderten: Das 2:0 der Lautrer gegen Tottenham Hotspur in der zweiten Runde des Uefa-Cups am 04. November 1999. Die Engländer hatten das Hinspiel mit 1:0 gewonnen, und nach 90 Minuten "uffem Betze" waren sie eigentlich schon eine Runde weiter, doch dann riss Lautern - wieder einmal - in der Nachspielzeit alles raus. Andy Buck markierte den ersten Treffer, der zweite fiel durch ein Eigentor. Beide Male hatte Youri Djorkaeff brillante Vorarbeit geleistet.

Andy Buck erzählte Johannes Ehrmann von dieser denkwürdigen Partie, als der Journalist für sein erstes Buch recherchierte: "Wenn der Betze bebt". In den folgenden Jahren liefen sich die beiden immer wieder mal über den Weg. Lauterns Meisterspieler von 1998 schätzt vor allem Ehrmanns zupackenden Schreibstil. Daher lag es nahe, den gebürtigen Saarländer und ausgewiesenen Betze-Kenner, der heute in Berlin lebt, anzusprechen, als er seine Biographie in Angriff nehmen wollte. Ab dem 22. August liegt "Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" nun im Buchhandel bereit.

Erlebbar machen, wie ein Fußballer wirklich fühlt

Für die Initialzündung habe Dirk Nowitzkis Biographie "The Great Nowitzki" gesorgt, erzählt der Schwabe Buck. Genauer: Der Philosoph Thomas Nagel, den der Basketballstar darin zitiert: "Du kannst alles wissen über Fledermäuse, aber du wirst nie wissen, wie es ist, eine Fledermaus zu sein." Genauso so sei es ihm immer gegangen, wenn er Diskussionen über Fußball verfolgte. "Alle wollen mitreden, aber die wenigsten wissen, wie du dich als Spieler wirklich fühlst." Eben das habe er mit "Turbo" erlebbar machen wollen.

Sicher, er war nie Nationalspieler und seine Karriere hat er schon vor 17 Jahren beendet. Jüngere Fußballfans dürften ihn gar nicht mehr kennen. Eine spannende Geschichte hat er ihnen dennoch zu erzählen. Denn sie erzählt nicht nur von ihm, sondern auch von der Zeit, als das Fußballgeschäft begann, sich nur noch vom Geld beherrschen zu lassen. Für eine der größten Explosionen sorgte das sogenannte Bosman-Urteil Mitte der 1990er Jahre, nachdem für Spieler, deren Vertrag auslief, keine Ablösen mehr erhoben durften, was postwendend Handgelder und Spielergehälter in schwindelerregende Höhen trieb. "Andy war 14 Jahre Profi, die ersten sieben Jahre erlebte er vor, die zweiten nach dem Bosman-Urteil", nennt Johannes Ehrmann einen Grund, weswegen Buck ein "exzellenter Zeitzeuge" ist.

Von Fußballern und Fledermäusen: Ein Insider erzählt

Doch da ist noch mehr. "Andy ist einer der wenigen Spieler, der mit zwei Vereinen Deutscher Meister geworden ist, ohne dass einer davon Bayern München hieß." Und er ist der einzige, der in den beiden Spielen der Neunziger auf dem Platz stand, in denen zwei kuriose Wechselfehler Schlagzeilen machten: Beim VfB Stuttgart brachte Christoph Daum 1992 im Europokal der Landesmeister gegen Leeds United damals regelwidriger Weise einen vierten Ausländer ins Spiel. Das gleiche Missgeschick unterlief Otto Rehhagel 1998 mit Nicht-EU-Ausländer Pascal Ojigwe beim Bundesligaspiel des FCK gegen den VfL Bochum. Andy Buck hat zudem miterlebt, wie die Erweiterung der Champions League in diesen Jahren die Preisspiralen immer weiter nach oben drehte. Und er war "live" dabei, als sich Anfang der Nuller Jahre der Niedergang des 1. FC Kaiserslautern immer deutlicher abzeichnete. Dazu liefert er haarsträubende Innenansichten, etwa, was das Treiben Mario Baslers und seines Schwagers, des Spielerberater Roger Wittmann, angeht.

Johannes Ehrmann schätzt an Buck vor allem, dass er eben kein "Lautsprecher" war, wie so viele, die meinen, sich nach ihrer Karriere auch noch mit einem Buch über sich feiern zu müssen. "Andy hat lieber im Stillen beobachtet und sich seine Gedanken gemacht." Sein Buch sollte "Tiefe" haben und auch die Tiefen nicht aussparen, betont Buck. Als Vorbild habe ihm Andre Agassis Selbstporträt "Open" gedient, in dem der Tennisstar schonungslos auch von seine Drogenprobleme schreibt. Die habe er zwar nicht durchlitten, dafür aber habe er nach seiner Karriere beinahe sein gesamtes Vermögen verloren.

Wie auch kluge Profis viel Geld verlieren können

Darüber zu schreiben, habe zwar Selbstüberwindung gekostet,"ich wollte jedoch mal mit dem Vorurteil vom dummen Profi aufräumen, über den sich immer dann so viel Häme ausschüttet, wenn er sein Geld verprasst hat." Er selbst habe sein Abitur mit einer Eins in Mathe abgeschlossen, "daher zähle ich mich nicht zu den Dümmsten. Aber auch ich hätte einen guten, ehrlichen Berater gebraucht, dem ich vertrauen kann." Genau das versucht er heute selbst zu sein. Als Vermögensberater steht er vielen Fußballern zur Seite, vom Nationalspieler bis zum Regionalliga-Kicker, und gerade denen, denen es nicht so gut geht, versucht er, besondere Aufmerksamkeit wie möglich zu widmen.

Nun aber steht eine vollkommen neue Erfahrung für ihn auf dem Programm: Die eines Autors, der übers Land tingelt und zu Lesungen einlädt. Für die Premiere hat sein Verlag ihm einen wahrhaft würdigen Rahmen bereitet. Am 28. August sind Andy Buck und Johannes Ehrmann im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu Gast. Unter anderem hat Ex-Mitspieler Fredi Bobic sein Kommen zugesagt und wird auch zu einem kleinen Talk auf die Bühne kommen.

Besonders freut sich Andy Buck natürlich auf seine "Heimspiele", auf Lesungen im Stuttgarter und Kaiserslauterer Raum. Eine ist am 30. September im FCK-Museum geplant, genauere Details dazu folgen noch. Buck: "Da kann ich mit den Alten ein wenig in Erinnerungen schwelgen, bin aber auch genauso gespannt, welche Fragen mir die Jungen stellen, die mich noch nicht kennen."

Andreas Bucks Biographie "Turbo" erscheint am 22. August 2020 im Verlag Klett-Cotta. Das Buch kann für 20,- Euro (E-Book: 15,99 Euro) unter anderem bei Amazon sowie natürlich überall im gut sortierten Buchhandel vorbestellt werden.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Kohlmeyer

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