Allgemeine Fan-Themen und Fragen zu selbigen.

Beitragvon Kohlmeyer » 17.08.2020, 12:00


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Vor 20 Jahren: Andreas Buck im FCK-Trikot gegen Bayern mit Roque Santa Cruz; Foto: Imago Images

Im Blickpunkt: Die Biographie von Andreas Buck erscheint
Daum und Otto, Champions League und Betze-Drama


Und wieder hat ein Fußballer ein Buch geschrieben. Allerdings ein ganz besonderes, keines, in denen sich ein Star nur selbst feiert. "Turbo" sollte "Tiefe" haben, verrät Andreas Buck, Meisterspieler des 1. FC Kaiserslautern von 1998. Und auch die Tiefen eines Fußballerlebens nicht aussparen.

Kennengelernt haben sie sich, als sie gemeinsam über ein legendäres FCK-Spiel plauderten: Das 2:0 der Lautrer gegen Tottenham Hotspur in der zweiten Runde des Uefa-Cups am 04. November 1999. Die Engländer hatten das Hinspiel mit 1:0 gewonnen, und nach 90 Minuten "uffem Betze" waren sie eigentlich schon eine Runde weiter, doch dann riss Lautern - wieder einmal - in der Nachspielzeit alles raus. Andy Buck markierte den ersten Treffer, der zweite fiel durch ein Eigentor. Beide Male hatte Youri Djorkaeff brillante Vorarbeit geleistet.

Andy Buck erzählte Johannes Ehrmann von dieser denkwürdigen Partie, als der Journalist für sein erstes Buch recherchierte: "Wenn der Betze bebt". In den folgenden Jahren liefen sich die beiden immer wieder mal über den Weg. Lauterns Meisterspieler von 1998 schätzt vor allem Ehrmanns zupackenden Schreibstil. Daher lag es nahe, den gebürtigen Saarländer und ausgewiesenen Betze-Kenner, der heute in Berlin lebt, anzusprechen, als er seine Biographie in Angriff nehmen wollte. Ab dem 22. August liegt "Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" nun im Buchhandel bereit.

Erlebbar machen, wie ein Fußballer wirklich fühlt

Für die Initialzündung habe Dirk Nowitzkis Biographie "The Great Nowitzki" gesorgt, erzählt der Schwabe Buck. Genauer: Der Philosoph Thomas Nagel, den der Basketballstar darin zitiert: "Du kannst alles wissen über Fledermäuse, aber du wirst nie wissen, wie es ist, eine Fledermaus zu sein." Genauso so sei es ihm immer gegangen, wenn er Diskussionen über Fußball verfolgte. "Alle wollen mitreden, aber die wenigsten wissen, wie du dich als Spieler wirklich fühlst." Eben das habe er mit "Turbo" erlebbar machen wollen.

Sicher, er war nie Nationalspieler und seine Karriere hat er schon vor 17 Jahren beendet. Jüngere Fußballfans dürften ihn gar nicht mehr kennen. Eine spannende Geschichte hat er ihnen dennoch zu erzählen. Denn sie erzählt nicht nur von ihm, sondern auch von der Zeit, als das Fußballgeschäft begann, sich nur noch vom Geld beherrschen zu lassen. Für eine der größten Explosionen sorgte das sogenannte Bosman-Urteil Mitte der 1990er Jahre, nachdem für Spieler, deren Vertrag auslief, keine Ablösen mehr erhoben durften, was postwendend Handgelder und Spielergehälter in schwindelerregende Höhen trieb. "Andy war 14 Jahre Profi, die ersten sieben Jahre erlebte er vor, die zweiten nach dem Bosman-Urteil", nennt Johannes Ehrmann einen Grund, weswegen Buck ein "exzellenter Zeitzeuge" ist.

Von Fußballern und Fledermäusen: Ein Insider erzählt

Doch da ist noch mehr. "Andy ist einer der wenigen Spieler, der mit zwei Vereinen Deutscher Meister geworden ist, ohne dass einer davon Bayern München hieß." Und er ist der einzige, der in den beiden Spielen der Neunziger auf dem Platz stand, in denen zwei kuriose Wechselfehler Schlagzeilen machten: Beim VfB Stuttgart brachte Christoph Daum 1992 im Europokal der Landesmeister gegen Leeds United damals regelwidriger Weise einen vierten Ausländer ins Spiel. Das gleiche Missgeschick unterlief Otto Rehhagel 1998 mit Nicht-EU-Ausländer Pascal Ojigwe beim Bundesligaspiel des FCK gegen den VfL Bochum. Andy Buck hat zudem miterlebt, wie die Erweiterung der Champions League in diesen Jahren die Preisspiralen immer weiter nach oben drehte. Und er war "live" dabei, als sich Anfang der Nuller Jahre der Niedergang des 1. FC Kaiserslautern immer deutlicher abzeichnete. Dazu liefert er haarsträubende Innenansichten, etwa, was das Treiben Mario Baslers und seines Schwagers, des Spielerberater Roger Wittmann, angeht.

Johannes Ehrmann schätzt an Buck vor allem, dass er eben kein "Lautsprecher" war, wie so viele, die meinen, sich nach ihrer Karriere auch noch mit einem Buch über sich feiern zu müssen. "Andy hat lieber im Stillen beobachtet und sich seine Gedanken gemacht." Sein Buch sollte "Tiefe" haben und auch die Tiefen nicht aussparen, betont Buck. Als Vorbild habe ihm Andre Agassis Selbstporträt "Open" gedient, in dem der Tennisstar schonungslos auch von seine Drogenprobleme schreibt. Die habe er zwar nicht durchlitten, dafür aber habe er nach seiner Karriere beinahe sein gesamtes Vermögen verloren.

Wie auch kluge Profis viel Geld verlieren können

Darüber zu schreiben, habe zwar Selbstüberwindung gekostet,"ich wollte jedoch mal mit dem Vorurteil vom dummen Profi aufräumen, über den sich immer dann so viel Häme ausschüttet, wenn er sein Geld verprasst hat." Er selbst habe sein Abitur mit einer Eins in Mathe abgeschlossen, "daher zähle ich mich nicht zu den Dümmsten. Aber auch ich hätte einen guten, ehrlichen Berater gebraucht, dem ich vertrauen kann." Genau das versucht er heute selbst zu sein. Als Vermögensberater steht er vielen Fußballern zur Seite, vom Nationalspieler bis zum Regionalliga-Kicker, und gerade denen, denen es nicht so gut geht, versucht er, besondere Aufmerksamkeit wie möglich zu widmen.

Nun aber steht eine vollkommen neue Erfahrung für ihn auf dem Programm: Die eines Autors, der übers Land tingelt und zu Lesungen einlädt. Für die Premiere hat sein Verlag ihm einen wahrhaft würdigen Rahmen bereitet. Am 28. August sind Andy Buck und Johannes Ehrmann im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu Gast. Unter anderem hat Ex-Mitspieler Fredi Bobic sein Kommen zugesagt und wird auch zu einem kleinen Talk auf die Bühne kommen.

Besonders freut sich Andy Buck natürlich auf seine "Heimspiele", auf Lesungen im Stuttgarter und Kaiserslauterer Raum. Eine ist am 30. September im FCK-Museum geplant, genauere Details dazu folgen noch. Buck: "Da kann ich mit den Alten ein wenig in Erinnerungen schwelgen, bin aber auch genauso gespannt, welche Fragen mir die Jungen stellen, die mich noch nicht kennen."

Andreas Bucks Biographie "Turbo" erscheint am 22. August 2020 im Verlag Klett-Cotta. Das Buch kann für 20,- Euro (E-Book: 15,99 Euro) unter anderem bei Amazon sowie natürlich überall im gut sortierten Buchhandel vorbestellt werden.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer


Ergänzung, 30.08.2020:

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Rezension: Buch "Turbo: Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft"
Buck, Buck, Buck: Im "Turbo" durch drei Fußball-Dekaden


Er war schon auf dem Rasen einer der Schnellsten, doch auch als Autor seiner Biographie "Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" setzt Andreas Buck auf Tempo. Eric Scherer hat die bewegte, nachdenkliche, aber auch humorvolle Biographie des Meisters von 1998 gelesen.

"Sie erinnern sich nicht mehr an mich?" fragt Andy Buck mit seinem Co-Autor Johannes Ehrmann schon im Vorwort. Lautern-Fans, die älter als 30 Jahre sind, könnten da irritiert aufschauen. Nicht erinnern - an Andy Buck? Der ist am Betze doch Kult. Wenn die West zwischen 1997 und 2002 wie ein Traktormotor zu stottern begann - "Buck, Buck, Buck, Buck" - wusste jeder im Fritz-Walter-Stadion, wer gerade mit dem Ball am Fuß die rechte Außenlinie entlangraste. Vor allem der bedauernswerte Wicht, der beim Gegner linker Verteidiger spielte.

Im gesamtdeutschen Fußballgedächtnis aber dürfte Andy Buck längst vergessen sein. Insofern ist fraglich, dass eine Biographie wie "Turbo" ein breites Leserpublikum findet. Was freilich schade wäre. Bestsellerautor Ronald Reng machte schließlich schon 2013 deutlich, dass es nicht die Topstars sind, die die wirklich guten Geschichten aus dem Innenleben des Ballsports liefern. Indem er keinen Beckenbauer oder Rummenigge in den Mittelpunkt seines Buchs "Spieltage - Die etwas andere Geschichte der Bundesliga" stellte, sondern den Spieler und Trainer Heinz Höher, der in beiden Karrieren mehr Tiefen als Höhen durchlebte.

"Ich bin ein Held gewesen und ein Trottel"

Ähnlich ist auch "Turbos" Ansatz. "Ich bin ein Held gewesen und ein Trottel", bereitet Andy Buck seine Leser schon früh auf das Auf und Ab vor, das sie auf den kommenden 224 Seiten erwartet. Sicher, er durfte als Aktiver gleich mit zwei Klubs Deutsche Meisterschaften feiern, mit dem VfB Stuttgart zusätzlich auch noch einen DFB-Pokalsieg. Aber er hat auch intensiv die Schattenseiten des Sports kennengelernt, die er dank der Unterstützung seines in FCK-Kreisen gleichfalls gut bekannten Co-Autors Johannes Ehrmann (u.a. "Wenn der Betze bebt") ebenso intensiv zu beschreiben vermag.

Etwa, wie es ist, als Jungspund von etablierten Teamkollegen erstmal ordentlich getreten zu werden - seinen ersten Bänderriss verpasst ihm ein gewisser Michael Frontzeck. Oder, wie es ist, gemobbt zu werden, etwa von einem gewissen Mario Basler. Oder, wie es ist, von einem Trainer, einem gewissen Jürgen Klopp, gesagt zu bekommen, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird, was für einen 33-Jährigen gleichbedeutend ist mit dem Karriereaus.

Was die Jahre im Fußballgeschäft ihn lehrten, fasst Buck bereits im Vorwort zusammen:

"Demut und Freundlichkeit? Hätte ich mich daran gehalten, ich hätte nicht ein einziges Bundesligaspiel gemacht. Das Fußballgeschäft schert sich nicht um die Regeln der Gesellschaft. Es hat seine eigene Moral. Sie widerspricht fast allem, was wir unseren Kindern fürs Leben mitzugeben versuchen. Im Fußball gewinnt der, der am wenigsten zweifelt. Der, der auch mal zutritt, wenn es nötig ist. Hier regieren die mit den wenigsten Skrupeln. Wer zweifelt, spielt nicht. Wer zu viel nachdenkt, verliert. Mitleid ist Gift, und die ärmsten Schweine kriegen die meiste Häme ab."

Die Champions League macht Reiche reicher, Arme ärmer

Dennoch ist "Turbo" keine Abrechnung. Dazu analysieren Buck und Ehrmann zu nüchtern, dazu geht der Protagonist auch mit sich selbst zu kritisch um. Wie er nach seiner Karriere von einem falschen Freund mit einer Beteiligung an einer dubiosen Projektgesellschaft um sein beinahe gesamtes Vermögen gebracht wird, dürfte so ehrlich noch kaum ein Ex-Profi geschildert haben.

Und in so wenigen präzisen Worten war noch kaum irgendwo nachzulesen, wann und wie die totale Kommerzialisierung des Fußballs begann. Dass es nicht nur die explodierenden Fernsehgelder waren, die die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb weniger Jahre immer brutaler auseinander klaffen ließen. Sondern vor allem die Erweiterung der Champions League Mitte der 1990er Jahre, die nicht von ungefähr eine Erfindung der damals schon reichsten Klubs war: Wer sich von nun an drei, vier Jahre hintereinander für das Euro-Spektakel qualifizierte, vergrößerte seinen finanziellen Vorsprung gegenüber der nationalen Konkurrenz derart immens, dass diese fortan nur noch hinterherhinken konnte.

Der FCK hätte dabei durchaus ebenfalls mitkassieren können. War er doch 1998 Deutscher Meister geworden und damit erstmals für die Champions League qualifiziert - also exakt in der Zeit, in der sich die Einnahmespirale mit Vehemenz nach oben zu schrauben begann. Leider aber verzockte der Klub seine Pole Position in den Folgejahren - und die hat Andy Buck aus nächster Nähe miterlebt.

O-Ton Ratinho: "Wir musse mache Duell auf rechte Seite"

Aber keine Angst: Er hat nicht nur Negatives zu berichten, es gibt auch einiges zu schmunzeln. Etwa, wenn Buck schildert, wie er sich mit Ratinho zusammenrauft, mit dem er im Meisterjahr ein absolutes Dream Team auf der rechten Seite bildet:

"'Bucke', sagt der kleine Mann mit dem Kindergesicht. Er spricht in einem seltsamen Kauderwelsch. 'Trainer sagt, wir musse mache Duell auf rechte Seite. Gehe wir raus, haue ich dich um!' Eine Pause entsteht. Dann fängt Ratinho schallend an zu lachen, schlägt mir mit der flachen Hand auf den Rücken und watschelt mit seinen Kickschuhen in der Hand aus der Kabine."

Auch die Helden von damals würdigt "Bucke" gebührend:

"Große Egos gibt es auch in Kaiserslautern ausreichend. Sforza, Brehme, Wagner. Der Unterschied ist: Jedes Ich hat hier seinen Platz. Andreas Brehme ist der Standby-Kapitän, der spielt, wenn er gebraucht wird und ansonsten im Hintergrund wirkt. Ciriaco Sforza ist der klare Anführer auf dem Platz, der nach dem Abpfiff komplett sein eigenes Ding macht. Olaf Marschall schießt in den ersten sechs Spielen sieben Tore und ist als Stürmer Nummer eins gesetzt. Ratinho und ich spielen nicht gegeneinander, sondern zusammen. Libero Miro Kadlec ist nicht mehr der Schnellste, aber er hält mit seinem grandiosen Stellungsspiel die Abwehr zusammen. Und niemand hat einen größeren Siegeswillen als unser Däne im Team, Michael Schjönberg."

Der Leser erfährt aber auch: Der FCK macht bereits in der Meistersaison 1997/98 Verlust, wie auch immer. Und dann geht es gar nicht mal so langsam, aber sicher bergab.

"Wir kommen nicht wieder. Rutschen Jahr für Jahr weiter ab. Die Vereinsführung geht ins Minus, haut Millionen raus, um irgendwie den Anschluss zu kriegen. Größenwahn hält Einzug. Am Ende ist der FCK pleite, das schöne Stadion verkauft. (...) Weder ich noch der 1. FC Kaiserslautern werden je wieder in der Champions League spielen."

Friedrich über Ballack: "Aus dir wird nie ein Großer"

Vorstandschef "Atze" Friedrich und Trainer Otto Rehhagel "vertrauen weiter auf alte Seilschaften. Holen ältere Spieler, vergraulen Talente." Insbesondere der junge Michael Ballack, mit dem Buck sich anfreundet, wird von den Verantwortlichen mit ungeheuerlicher Ignoranz behandelt.

",Aus dir wird nie ein Großer!’, hat Vorstand Friedrich ihm im Herbst bei einem Abendempfang an den Kopf geworfen. Einfach so. Ich weiß noch, wie wir danach auf der Eingangstreppe gesessen haben, Balle mit Tränen in den Augen."

"Balle" wechselt danach nach Leverkusen, später nach München - und wird der deutsche Ausnahmespieler der Nuller Jahre. Noch schlimmer wird’s, als Rehhagel Mario Basler auf den Betzenberg zurückholt. Prompt gewinnt dessen Schwager, der Spielerberater Roger Wittmann mit seiner Agentur Rogon, rasend schnell an Einfluss im Verein. Auf einmal sind 14 Spieler im FCK-Kader Wittmann-Schützlinge - und Andy Buck, der nicht dazu gehört, ist außen vor. Die Seilschaft scheint auch auf die Mannschaftsaufstellung einzuwirken. "Ich kann nicht so, wie ich will", soll Andreas Brehme, der als Rehhagel-Nachfolger Teamchef geworden ist, Buck im Vertrauen mitgeteilt haben. Davon abgesehen, reicht auch Brehmes Trainertalent nicht aus, um den FCK in der Spur zu halten: "Es wird ein Desaster." Der größte Witz: Nachdem Brehme gescheitert ist, tritt Atze Friedrich zurück. Und heuert kurz darauf in Wittmanns Agentur an...

"Das Powerplay der Mächtigen ist nichts für mich"

Natürlich geht Buck auch auf sein kurzes Intermezzo als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V. ein. Dieses Amt übte er ein dreiviertel Jahr nach der Ausgliederung von Februar bis Mai 2019 aus. Dass er nicht aus "zeitlichen Gründen" zurücktrat, wie es zunächst offiziell verlautbart wurde, dürfte bereits hinreichend bekannt sein. Im Buch werden die Hintergründe nun genauer erläutert. Es ist die Posse um den Beinahe-Investor Flavio Becca, die Buck anwidert. Den Rest gibt ihm eine geplante Finanzjonglage, mit der die monetäre Situation der ausgegliederten Kapitalgesellschaft aufgebessert werden soll.

"Gleichzeitig legt der Finanzvorstand der Profiabteilung uns Vereinsvorständen einen weiteren Darlehensvertrag vor. 1,9 Millionen Euro sollen kurzfristig vom eingetragenen Verein zur KG übertragen werden. Ohne Sicherheiten und auf Abruf. Unterschrift so schnell wie möglich. Es fehlt immer noch Geld für die Lizenz. Ich lasse die Sache bei einer Anwaltskanzlei mit Spezialgebiet Insolvenzrecht prüfen. Dort wird mir dringend abgeraten. Ich müsste notfalls persönlich haften. Könnte alles verlieren."

Stattdessen tritt er zurück: "Erleichtert hake ich das Kapitel ab. Das Powerplay der Mächtigen ist nichts für mich." Den Fußball während und nach Corona thematisiert "Turbo" ebenfalls schon. Wie so viele wünscht sich auch Andy Buck, dass das Virus im Fußballgeschäft vielleicht zu einer Zäsur führen könnte. Zu einem neuen Denken, etwa, was die Verteilung der Fernsehgelder angeht.

"Die kleinen Vereine sollten mehr aus dem Topf bekommen. Wie jetzt schon in England. Sonst passiert weiterhin das, was wir seit 20 Jahren sehen. Die Schere geht weiter auseinander. Einen Dauermeister Bayern kann keiner auf Jahrzehnte hinaus wollen. Nicht mal der FC Bayern selbst."

"Keine Geschichte ist wie die nächste"

Mit einer persönlichen Betrachtung der Entwicklungen im Jugendfußball schließt Buck ab. Plädiert für weniger Erfolgs- und Taktikdenken im Nachwuchsbereich, sondern dafür, den Jungen einfach wieder den Spaß am Spiel zurückzugeben. "Wer selbst Kinder hat, weiß, keins ist wie das andere. Es klingt banal, aber wir vergessen es oft. Unsere Eigenheiten sind es, die uns besonders machen."

Fazit: "Turbo" ist ein lesenswertes Buch, nicht nur, aber vor allem für FCK-Fans. "Keine Geschichte ist wie die nächste", erklärt der Held am Ende. "Vielleicht kann meine helfen, die Mechanismen im Fußball ein bisschen besser zu verstehen." Das tut sie.

"Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" von Andreas Buck und Johannes Ehrmann ist im Klett-Cotta-Verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet als gedrucktes Buch 20 Euro, als E-Book 15,99 Euro. Erhältlich ist es bei Amazon und überall im Buchhandel. ISBN: 978-3-608-50469-9.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer


Gewinnspiel: Wir verlosen drei Exemplare von "Turbo"

In Zusammenarbeit mit dem herausgebenden Klett-Cotta-Verlag verlosen wir drei Exemplare von "Turbo". Zur Teilnahme muss folgende Frage beantwortet werden: Mit welchem Publikumsliebling bildete Andreas Buck im Meisterjahr 1997/98 ein kongeniales Duo auf der rechten Seite?



Beitragvon Thomas » 21.08.2020, 10:02


Bei "11 Freunde" gibt es heute einen Kapitelauszug aus dem Buch von Andreas Buck:

11 Freunde / Andreas Buck / Johannes Ehrmann hat geschrieben:"Andy, wir haben ein Pro­blem"

In der aller­ersten Cham­pions-League-Saison schei­terte der VfB Stutt­gart in einem kuriosen Geis­ter­spiel. Und Andy Buck wurde vom Helden zum Sün­den­bock. In seinem nun erschei­nenden Buch ​"Turbo" blickt er zurück auf das Duell mit Leeds United. Ein Auszug.


Mit dem Schluss­pfiff stehen die Fans von Leeds United auf und fangen an zu klat­schen. Minu­ten­lang hört der Applaus nicht auf im Sta­dion an der Elland Road. Die Eng­länder sind stolz auf ihr Team. Aber sie respek­tieren auch unseren Sieg gegen den eng­li­schen Meister nach zwei ver­rückten Spielen. 1:4 nach 3:0 im Hin­spiel. Wir sind weiter. Hauch­dünn. Der VfB Stutt­gart in der Cham­pions League 1992/93. Und mir ist das ent­schei­dende Tor gelungen.

In der Kabine liegen wir uns in den Armen. Im Bus zum Flug­hafen wird gesungen. Ich hänge selig in meinem Sitz und schaue raus in die Nacht. Mein Aus­wärts­treffer hat wirk­lich den Unter­schied gemacht. Ich kann es nicht fassen. Die Reporter haben sich auf meine Story gestürzt, sollen unseren Trainer Chris­toph Daum auf mich ange­spro­chen haben: ​‚Was wäre der VfB ohne Buck … ?‘ – ​‚Er soll ja schon bei Bun­des­trainer Berti Vogts auf dem Zettel stehen … ‘

Spät­nachts sitzen wir in dem Bri­tannia-Air­ways-Flieger, der uns von Man­chester zurück nach Stutt­gart bringt. Es muss ein Uhr sein oder zwei. Die Par­ty­stim­mung ist ver­flogen. Einige dösen vor sich hin. Eike Immel und Mau­rizio Gau­dino kloppen Karten. Manager Dieter Hoeneß tigert in Anzugs­hose und mit zer­knit­tertem Hemd auf und ab, die hohe Stirn in Falten. Dann berät er sich im vor­deren Teil der Maschine mit dem Prä­si­denten. MV guckt mür­risch. Was heckt er aus? Der Trainer ist in seinem Sitz ver­sunken, starrt apa­thisch vor sich hin. Chris­toph Daum scheint all seine Energie im Sta­dion gelassen zu haben. Ich sehe seinen Assis­tenten Lorenz-Gün­ther Köstner im Gang stehen und winke ihn zu mir.

‚Lorenz, was ist los? Hab ich was ver­passt?‘

Köstner weicht meinem Blick aus.

‚Erzähl mir nicht, dass wir doch nicht weiter sind!‘, sage ich, halb im Scherz.

Köstner beugt sich zu mir her­unter und senkt seine Stimme.

(...)

Quelle und kompletter Text: 11 Freunde
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon Thomas » 21.08.2020, 20:17


Und noch ein schönes Interview von "Zeit Online" mit Andy Buck und Johannes Ehrmann:

Zeit Online hat geschrieben:"Das Produkt Fußball ist einfach zu geil, noch"

Die hohen Einnahmen der Champions League zerstören den Charme des Fußballs. Ein Gespräch darüber, was sich ändern muss, damit der Sport seine Fans behält.


Interview: Christian Spiller

Der ehemalige Fußballprofi Andreas Buck, Jahrgang 1967, wurde mit Stuttgart und Kaiserslautern Meister in der Bundesliga. Zusammen mit Johannes Ehrmann, Jahrgang 1983, schrieb Buck "Turbo: Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft". Das Buch beschreibt die schönen und die unschönen Seiten des Fußballs und hinterfragt die Geschäftsmechanismen des Sports.

ZEIT ONLINE: Herr Buck, wenn Sie in diesen Tagen das Champions-League-Finalturnier in Lissabon verfolgen, dann freuen Sie sich …

Andreas Buck: ... darüber, dass es jetzt um alles geht. Aber die leeren Ränge erinnern mich auch an unsere tragische Niederlage mit Stuttgart gegen Leeds United – 1992 im fast völlig leeren Camp Nou in Barcelona. Nach Christoph Daums Wechselfehler gab es ein drittes Spiel auf neutralem Platz. Meines Wissens war das das erste Geisterspiel der Champions-League-Geschichte.

ZEIT ONLINE: Vor 28 Jahren war das Format Champions League gerade neu eingeführt worden. Wie war das damals?

Buck: Ich war als Kind ein absoluter Fußballfan und für mich war der Vorgänger der Champions League, der Europapokal der Landesmeister, das Größte. Auch später als Fußballer. Das war die größte Bühne, die du als Spieler abseits der Nationalelf haben kannst. 1992 war die Hymne ja noch ganz neu. Später bekam ich eine Gänsehaut, wenn ich sie gehört habe. Das geht mir heute noch so.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Buch aber schreiben Sie auch von der Champions League als "Etikettenschwindel".

Buck: Weil eben nicht mehr nur die Landesmeister dabei sind, die echten Champions, sondern auch der Viertplatzierte aus Deutschland, Spanien oder England. Viele Meister aus kleineren Ländern aber sind längst verschwunden. Mittlerweile ist es eine Liga der größten Vereine, aber keine Liga der Meister. Das ist nicht mehr die Champions League, wie ich sie kannte und mochte, sondern eine Gelddruckmaschine.

Johannes Ehrmann: Andy hat 1998 noch gegen den HJK Helsinki gespielt, den finnischen Meister. Seitdem hat es kein finnischer Vertreter mehr in die Gruppenphase geschafft.

ZEIT ONLINE: Die Champions League in dieser Form, ist sie gut oder schlecht für den Fußball?

Ehrmann: Sie hat auf die nationalen Ligen, vor allem auch auf die Bundesliga, in den vergangenen 20 Jahren einen sehr negativen Einfluss gehabt. Die Bundesliga ist auch wegen der Champions League in einer großen Krise. Sie ist in einer Art Wachkoma und muss sich fragen, wo sie hinwill. Die Erlöse aus den TV-Einnahmen gehen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zurück. Die Leute wenden sich ab. Die ARD-Sportschau hat zuletzt innerhalb weniger Wochen 1,5 Millionen Zuschauer verloren. Das verwundert nicht. Eine Liga, in der der Erste sich fast doppelt so hohe Personalkosten leisten kann wie der Zweite, und fast dreimal so viel wie der Dritte, die kann als sportlicher Wettbewerb ja nicht mehr funktionieren. Das ist eine klare Folge der Champions-League-Gelder. Aber ein neuntes oder zehntes Mal den FC Bayern als Meister, das können eigentlich nicht mal die Bayern selbst wollen.

Buck: Früher war immer das beste Argument dafür, dass die Bayern mehr Fernseheinnahmen bekommen: Die interessieren die Leute halt. Mittlerweile schalte ich ab, wenn es 1:0 steht, weil das Ding dann erledigt ist. Viele Gegner sind fast dankbar, wenn sie nur 0:3 verlieren.

ZEIT ONLINE: Herr Buck, Sie sind 1998 mit Kaiserslautern als Aufsteiger Meister geworden. Wäre so etwas heute noch mal möglich?


Buck: Definitiv nicht. (...)

Quelle und kompletter Text: Zeit Online
Der Verein führt als eingetragener Verein den Namen 1. Fußball-Club Kaiserslautern e.V. (1. FCK) und hat seinen Sitz in Kaiserslautern. Seine Farben sind rot und weiß. (...) Das Stadion trägt den Namen Fritz-Walter-Stadion. (Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern e.V. - Artikel 1, Absatz 1)



Beitragvon Kohlmeyer » 30.08.2020, 23:00


Wir haben das Buch gelesen und geben eine Empfehlung ab: Das erwartet Euch in "Turbo".

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Rezension: Buch "Turbo: Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft"
Buck, Buck, Buck: Im "Turbo" durch drei Fußball-Dekaden


Er war schon auf dem Rasen einer der Schnellsten, doch auch als Autor seiner Biographie "Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" setzt Andreas Buck auf Tempo. Eric Scherer hat die bewegte, nachdenkliche, aber auch humorvolle Biographie des Meisters von 1998 gelesen.

"Sie erinnern sich nicht mehr an mich?" fragt Andy Buck mit seinem Co-Autor Johannes Ehrmann schon im Vorwort. Lautern-Fans, die älter als 30 Jahre sind, könnten da irritiert aufschauen. Nicht erinnern - an Andy Buck? Der ist am Betze doch Kult. Wenn die West zwischen 1997 und 2002 wie ein Traktormotor zu stottern begann - "Buck, Buck, Buck, Buck" - wusste jeder im Fritz-Walter-Stadion, wer gerade mit dem Ball am Fuß die rechte Außenlinie entlangraste. Vor allem der bedauernswerte Wicht, der beim Gegner linker Verteidiger spielte.

Im gesamtdeutschen Fußballgedächtnis aber dürfte Andy Buck längst vergessen sein. Insofern ist fraglich, dass eine Biographie wie "Turbo" ein breites Leserpublikum findet. Was freilich schade wäre. Bestsellerautor Ronald Reng machte schließlich schon 2013 deutlich, dass es nicht die Topstars sind, die die wirklich guten Geschichten aus dem Innenleben des Ballsports liefern. Indem er keinen Beckenbauer oder Rummenigge in den Mittelpunkt seines Buchs "Spieltage - Die etwas andere Geschichte der Bundesliga" stellte, sondern den Spieler und Trainer Heinz Höher, der in beiden Karrieren mehr Tiefen als Höhen durchlebte.

"Ich bin ein Held gewesen und ein Trottel"

Ähnlich ist auch "Turbos" Ansatz. "Ich bin ein Held gewesen und ein Trottel", bereitet Andy Buck seine Leser schon früh auf das Auf und Ab vor, das sie auf den kommenden 224 Seiten erwartet. Sicher, er durfte als Aktiver gleich mit zwei Klubs Deutsche Meisterschaften feiern, mit dem VfB Stuttgart zusätzlich auch noch einen DFB-Pokalsieg. Aber er hat auch intensiv die Schattenseiten des Sports kennengelernt, die er dank der Unterstützung seines in FCK-Kreisen gleichfalls gut bekannten Co-Autors Johannes Ehrmann (u.a. "Wenn der Betze bebt") ebenso intensiv zu beschreiben vermag.

Etwa, wie es ist, als Jungspund von etablierten Teamkollegen erstmal ordentlich getreten zu werden - seinen ersten Bänderriss verpasst ihm ein gewisser Michael Frontzeck. Oder, wie es ist, gemobbt zu werden, etwa von einem gewissen Mario Basler. Oder, wie es ist, von einem Trainer, einem gewissen Jürgen Klopp, gesagt zu bekommen, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird, was für einen 33-Jährigen gleichbedeutend ist mit dem Karriereaus.

Was die Jahre im Fußballgeschäft ihn lehrten, fasst Buck bereits im Vorwort zusammen:

"Demut und Freundlichkeit? Hätte ich mich daran gehalten, ich hätte nicht ein einziges Bundesligaspiel gemacht. Das Fußballgeschäft schert sich nicht um die Regeln der Gesellschaft. Es hat seine eigene Moral. Sie widerspricht fast allem, was wir unseren Kindern fürs Leben mitzugeben versuchen. Im Fußball gewinnt der, der am wenigsten zweifelt. Der, der auch mal zutritt, wenn es nötig ist. Hier regieren die mit den wenigsten Skrupeln. Wer zweifelt, spielt nicht. Wer zu viel nachdenkt, verliert. Mitleid ist Gift, und die ärmsten Schweine kriegen die meiste Häme ab."

Die Champions League macht Reiche reicher, Arme ärmer

Dennoch ist "Turbo" keine Abrechnung. Dazu analysieren Buck und Ehrmann zu nüchtern, dazu geht der Protagonist auch mit sich selbst zu kritisch um. Wie er nach seiner Karriere von einem falschen Freund mit einer Beteiligung an einer dubiosen Projektgesellschaft um sein beinahe gesamtes Vermögen gebracht wird, dürfte so ehrlich noch kaum ein Ex-Profi geschildert haben.

Und in so wenigen präzisen Worten war noch kaum irgendwo nachzulesen, wann und wie die totale Kommerzialisierung des Fußballs begann. Dass es nicht nur die explodierenden Fernsehgelder waren, die die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb weniger Jahre immer brutaler auseinander klaffen ließen. Sondern vor allem die Erweiterung der Champions League Mitte der 1990er Jahre, die nicht von ungefähr eine Erfindung der damals schon reichsten Klubs war: Wer sich von nun an drei, vier Jahre hintereinander für das Euro-Spektakel qualifizierte, vergrößerte seinen finanziellen Vorsprung gegenüber der nationalen Konkurrenz derart immens, dass diese fortan nur noch hinterherhinken konnte.

Der FCK hätte dabei durchaus ebenfalls mitkassieren können. War er doch 1998 Deutscher Meister geworden und damit erstmals für die Champions League qualifiziert - also exakt in der Zeit, in der sich die Einnahmespirale mit Vehemenz nach oben zu schrauben begann. Leider aber verzockte der Klub seine Pole Position in den Folgejahren - und die hat Andy Buck aus nächster Nähe miterlebt.

O-Ton Ratinho: "Wir musse mache Duell auf rechte Seite"

Aber keine Angst: Er hat nicht nur Negatives zu berichten, es gibt auch einiges zu schmunzeln. Etwa, wenn Buck schildert, wie er sich mit Ratinho zusammenrauft, mit dem er im Meisterjahr ein absolutes Dream Team auf der rechten Seite bildet:

"'Bucke', sagt der kleine Mann mit dem Kindergesicht. Er spricht in einem seltsamen Kauderwelsch. 'Trainer sagt, wir musse mache Duell auf rechte Seite. Gehe wir raus, haue ich dich um!' Eine Pause entsteht. Dann fängt Ratinho schallend an zu lachen, schlägt mir mit der flachen Hand auf den Rücken und watschelt mit seinen Kickschuhen in der Hand aus der Kabine."

Auch die Helden von damals würdigt "Bucke" gebührend:

"Große Egos gibt es auch in Kaiserslautern ausreichend. Sforza, Brehme, Wagner. Der Unterschied ist: Jedes Ich hat hier seinen Platz. Andreas Brehme ist der Standby-Kapitän, der spielt, wenn er gebraucht wird und ansonsten im Hintergrund wirkt. Ciriaco Sforza ist der klare Anführer auf dem Platz, der nach dem Abpfiff komplett sein eigenes Ding macht. Olaf Marschall schießt in den ersten sechs Spielen sieben Tore und ist als Stürmer Nummer eins gesetzt. Ratinho und ich spielen nicht gegeneinander, sondern zusammen. Libero Miro Kadlec ist nicht mehr der Schnellste, aber er hält mit seinem grandiosen Stellungsspiel die Abwehr zusammen. Und niemand hat einen größeren Siegeswillen als unser Däne im Team, Michael Schjönberg."

Der Leser erfährt aber auch: Der FCK macht bereits in der Meistersaison 1997/98 Verlust, wie auch immer. Und dann geht es gar nicht mal so langsam, aber sicher bergab.

"Wir kommen nicht wieder. Rutschen Jahr für Jahr weiter ab. Die Vereinsführung geht ins Minus, haut Millionen raus, um irgendwie den Anschluss zu kriegen. Größenwahn hält Einzug. Am Ende ist der FCK pleite, das schöne Stadion verkauft. (...) Weder ich noch der 1. FC Kaiserslautern werden je wieder in der Champions League spielen."

Friedrich über Ballack: "Aus dir wird nie ein Großer"

Vorstandschef "Atze" Friedrich und Trainer Otto Rehhagel "vertrauen weiter auf alte Seilschaften. Holen ältere Spieler, vergraulen Talente." Insbesondere der junge Michael Ballack, mit dem Buck sich anfreundet, wird von den Verantwortlichen mit ungeheuerlicher Ignoranz behandelt.

",Aus dir wird nie ein Großer!’, hat Vorstand Friedrich ihm im Herbst bei einem Abendempfang an den Kopf geworfen. Einfach so. Ich weiß noch, wie wir danach auf der Eingangstreppe gesessen haben, Balle mit Tränen in den Augen."

"Balle" wechselt danach nach Leverkusen, später nach München - und wird der deutsche Ausnahmespieler der Nuller Jahre. Noch schlimmer wird’s, als Rehhagel Mario Basler auf den Betzenberg zurückholt. Prompt gewinnt dessen Schwager, der Spielerberater Roger Wittmann mit seiner Agentur Rogon, rasend schnell an Einfluss im Verein. Auf einmal sind 14 Spieler im FCK-Kader Wittmann-Schützlinge - und Andy Buck, der nicht dazu gehört, ist außen vor. Die Seilschaft scheint auch auf die Mannschaftsaufstellung einzuwirken. "Ich kann nicht so, wie ich will", soll Andreas Brehme, der als Rehhagel-Nachfolger Teamchef geworden ist, Buck im Vertrauen mitgeteilt haben. Davon abgesehen, reicht auch Brehmes Trainertalent nicht aus, um den FCK in der Spur zu halten: "Es wird ein Desaster." Der größte Witz: Nachdem Brehme gescheitert ist, tritt Atze Friedrich zurück. Und heuert kurz darauf in Wittmanns Agentur an...

"Das Powerplay der Mächtigen ist nichts für mich"

Natürlich geht Buck auch auf sein kurzes Intermezzo als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V. ein. Dieses Amt übte er ein dreiviertel Jahr nach der Ausgliederung von Februar bis Mai 2019 aus. Dass er nicht aus "zeitlichen Gründen" zurücktrat, wie es zunächst offiziell verlautbart wurde, dürfte bereits hinreichend bekannt sein. Im Buch werden die Hintergründe nun genauer erläutert. Es ist die Posse um den Beinahe-Investor Flavio Becca, die Buck anwidert. Den Rest gibt ihm eine geplante Finanzjonglage, mit der die monetäre Situation der ausgegliederten Kapitalgesellschaft aufgebessert werden soll.

"Gleichzeitig legt der Finanzvorstand der Profiabteilung uns Vereinsvorständen einen weiteren Darlehensvertrag vor. 1,9 Millionen Euro sollen kurzfristig vom eingetragenen Verein zur KG übertragen werden. Ohne Sicherheiten und auf Abruf. Unterschrift so schnell wie möglich. Es fehlt immer noch Geld für die Lizenz. Ich lasse die Sache bei einer Anwaltskanzlei mit Spezialgebiet Insolvenzrecht prüfen. Dort wird mir dringend abgeraten. Ich müsste notfalls persönlich haften. Könnte alles verlieren."

Stattdessen tritt er zurück: "Erleichtert hake ich das Kapitel ab. Das Powerplay der Mächtigen ist nichts für mich." Den Fußball während und nach Corona thematisiert "Turbo" ebenfalls schon. Wie so viele wünscht sich auch Andy Buck, dass das Virus im Fußballgeschäft vielleicht zu einer Zäsur führen könnte. Zu einem neuen Denken, etwa, was die Verteilung der Fernsehgelder angeht.

"Die kleinen Vereine sollten mehr aus dem Topf bekommen. Wie jetzt schon in England. Sonst passiert weiterhin das, was wir seit 20 Jahren sehen. Die Schere geht weiter auseinander. Einen Dauermeister Bayern kann keiner auf Jahrzehnte hinaus wollen. Nicht mal der FC Bayern selbst."

"Keine Geschichte ist wie die nächste"

Mit einer persönlichen Betrachtung der Entwicklungen im Jugendfußball schließt Buck ab. Plädiert für weniger Erfolgs- und Taktikdenken im Nachwuchsbereich, sondern dafür, den Jungen einfach wieder den Spaß am Spiel zurückzugeben. "Wer selbst Kinder hat, weiß, keins ist wie das andere. Es klingt banal, aber wir vergessen es oft. Unsere Eigenheiten sind es, die uns besonders machen."

Fazit: "Turbo" ist ein lesenswertes Buch, nicht nur, aber vor allem für FCK-Fans. "Keine Geschichte ist wie die nächste", erklärt der Held am Ende. "Vielleicht kann meine helfen, die Mechanismen im Fußball ein bisschen besser zu verstehen." Das tut sie.

"Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft" von Andreas Buck und Johannes Ehrmann ist im Klett-Cotta-Verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet als gedrucktes Buch 20 Euro, als E-Book 15,99 Euro. Erhältlich ist es bei Amazon und überall im Buchhandel. ISBN: 978-3-608-50469-9.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer


Gewinnspiel: Wir verlosen drei Exemplare von "Turbo"

In Zusammenarbeit mit dem herausgebenden Klett-Cotta-Verlag verlosen wir drei Exemplare von "Turbo". Zur Teilnahme muss folgende Frage beantwortet werden: Mit welchem Publikumsliebling bildete Andreas Buck im Meisterjahr 1997/98 ein kongeniales Duo auf der rechten Seite?


Weitere Links zum Thema:

- Daum und Otto, Champions League und Betze-Drama (Der Betze brennt, 17.08.2020)



Beitragvon ThisIsKaiserslautern » 31.08.2020, 08:41


Weckt direkt sehr viele, leider auch viele negativen Erinnerungen bei mir. Traurig und wütend machen mich die Aussagen zu Friedrich, Basler und Wittmann. Unglaublich, was die dem Verein angetan haben. In Miros Biographie steht es genauso. Es wurde Druck auf die Spieler ausgeübt, dass man doch bitte von denen beraten werden soll oder man würde nicht mehr spielen. Wahnsinn!



Beitragvon Reddevil1901 » 31.08.2020, 11:51


Find ich super, dass die Verfilmung schon vorweg genommen wurde: https://www.youtube.com/watch?v=eZjDmr-cCXA



Beitragvon Reddevil1901 » 31.08.2020, 11:53


ThisIsKaiserslautern hat geschrieben:Traurig und wütend machen mich die Aussagen zu Friedrich, Basler und Wittmann. Unglaublich, was die dem Verein angetan haben. In Miros Biographie steht es genauso. Es wurde Druck auf die Spieler ausgeübt, dass man doch bitte von denen beraten werden soll oder man würde nicht mehr spielen. Wahnsinn!


Und deshalb bekommt der Neustädter Dummbabbler zurecht keine Freikarten uffm Betze.



Beitragvon jones83 » 03.09.2020, 15:18


Könnte mich vergessen, wenn von Rehagels Wechselfehler berichtet wird.
Ich war im Stadion und die Vorgeschichte die immer hinten runter fallen gelassen wird, war entscheidend für diesen total menschlichen Aussetzer.
Michel Schjönberg rauschte nämlich mit dem Bochumer Torhüter Ernst mit enormer Geschwindigkeit zusammen und zog sich einen Doppelten Bruch, also Schien- und Wadenbein zu. Das hat so geknallt, dass Du auf der Tribüne das Brechen der Knochen gehört hast. Da war eine gespenstische Stille im Stadion. Jeder war geschockt. Schjönberg krümmte sich vor Schmerzen auf dem Rasen und jedem war klar, dass diese Verletzung ganz dramatisch sein musste. Otto Rehagel selbst unter Schock wechselte halt den einzigen Verteidiger den er auf der Bank hatte ein und dann war‘s passiert. Die Medien haben sich dann daran aufgegeilt, dass Otto Hany Ramzy zugerufen hat er solle eine Verletzung vortäuschen und der humpelte dann kurzerhand und wurde ausgewechselt...
König Otto müsste eigentlich Kaiser Otto heißen, denn er war bis heute der wahrscheinlich beste Trainer der die Welt je gesehen hat. Besser als Pepp, Klopp oder Morinho.
Mit Griechenland Europameister und mit welchen schlechten Spielern...mit dem FCK als Aufsteiger Deutscher Meister, dass wird niemals wiederholt werden.
Sorry Andy es ist Dein Thema und nicht Otto. Werd mir Dein Buch holen.



Beitragvon jürgen.rische1998 » 03.09.2020, 23:51


jones83 hat geschrieben:König Otto müsste eigentlich Kaiser Otto heißen, denn er war bis heute der wahrscheinlich beste Trainer der die Welt je gesehen hat. Besser als Pepp, Klopp oder Morinho.
Mit Griechenland Europameister und mit welchen schlechten Spielern...mit dem FCK als Aufsteiger Deutscher Meister, dass wird niemals wiederholt werden.
Sorry Andy es ist Dein Thema und nicht Otto. Werd mir Dein Buch holen.



:love: Unterschreibe ich genau so. Was Rehagel in Bremen, Lautern und Griechenland geschafft hat ist und bleibt unerreicht. Weil er mehr als das Maximum raus geholt hat. Sowas passiert in dem Geschäft heute nicht mehr. Weil auch gute Trainer diese brutale Kluft nicht mehr aufholen können.
Omnia vincit amor



Beitragvon Yogi » 04.09.2020, 14:33


Habe das Buch auch gelesen, sehr interessant und empfehlenswert. Bestaetigt auch meine Meinung zu dem Vogel Basler, Friedrich und Wittemann.... Abzocken abkassieren und Dummbabbeln. Totengräber des Vereins



Beitragvon Miggeblädsch » 05.09.2020, 17:36


Abgesehen davon, dass Andy Buck mehr als deutliche Fußabdrücke auf dem Rasen des geheiligten Berges zurück gelassen hat (die Älteren wissen, wovon ich spreche) habe ich Andy Buck nicht nur als sehr sympathischen Typ, sondern auch als sehr intelligenten und reflektierten Menschen kennengelernt.

Ein Buch, dass ich definitiv lesen werde :daumen:
Jetzt geht's los



Beitragvon Lukn » 06.09.2020, 20:46


Richtig guter Typ! Weitere Einblicke von Andy Buck in seine Karriere sowie seine persönliche Traumelf aus früheren Mitspielern mit 6 FCK-Legenden :teufel2: findet ihr hier:
https://meine-traumelf.de/spieler/andreas-buck/




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