Spielbericht: 1. FC Kaierslautern - Preußen Münster 1:2

Willkommen in Liga drei

Willkommen in Liga drei


Auch im zweiten Drittliga-Heimspiel steht der Betze wie ein Mann hinter dem FCK. Der verliert gegen Münster unnötig mit 1:2 und findet sich nach drei Spieltagen erstmal im Mittelmaß wieder. Die Mannschaft muss lernen, aus der Wucht der Kurve auch Kapital zu schlagen.

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Kurz vor dem Ende ist es fast mucksmäuschenstill im Fritz-Walter-Stadion. Vor allem, wenn man die rund 90 Minuten davor als Vergleichsmaßstab nimmt. In denen entfachen die 22.881 Zuschauer, die den 1. FC Kaiserslautern trotz der ungünstigen Anstoßzeit auch im zweiten Heimspiel der Saison unterstützen, eine phasenweise überragende Stimmung. Unentwegt treiben sie das Team trotz aller Unzulänglichkeiten nach vorne. Sie sehen sich zwischenzeitlich schon klar auf der Siegerstraße, nur um in den Schlussminuten doch in die bittere Realität zurückgeholt zu werden.

Diese Realität ist vorerst die folgende: ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage. Vier Punkte aus den ersten drei Spielen. Erstmal ein Platz im Tabellenmittelfeld. Durchschnitt. Mit Rückschlägen musste man natürlich rechnen. Dennoch wird es einem an diesem Dienstagabend so richtig bewusst: Heimniederlage gegen Preußen Münster, ein sicher auch nicht leichtes Auswärtsspiel beim Halleschen FC am kommenden Samstag vor der Brust. Willkommen im harten Alltag von Liga drei!

Eine Änderung vorne, einige Probleme hinten

Einen ersten kleinen Dämpfer hatte die gewaltige Euphorie rund um den emotionalen Auftaktsieg gegen 1860 München ja schon am vergangenen Samstag beim “Dorfklub” aus Großaspach erfahren. Und auch die Partie gegen den Endspielgegner um die deutsche Meisterschaft von 1951 beginnt aus Sicht der Roten Teufel eher ernüchternd. Vor allem über die linke Seite bietet die von Trainer Michael Frontzeck auf einer Position veränderte Elf - Timmy Thiele stürmt anstelle von Lukas Spalvis - zunächst Räume an, aus denen die Gäste aus Westfalen zum Glück noch kein Kapital schlagen können.

Der Atmosphäre auf der gut gepackten Westkurve schadet die maue Anfangsphase nicht. "Hier regiert der FCK", schreit der Lautrer Anhang den rund 400 mitgereisten Münster-Fans schon vor dem Anpfiff entgegen. Deren akustische Gegenwehr ist nicht zuletzt aufgrund eines Stimmungsboykotts infolge eines Streits um die Ausgliederung aber ohnehin nicht existent. Auch die Kräfteverhältnisse auf dem Feld beginnen sich nach rund 20 Minuten zu verschieben. Wenn auch nur zäh und mühsam arbeiten sich die Lautrer in die Partie.

Ob Flanke ins Nichts oder Monstergrätsche: Es wird lauter und lauter

Der in der Schlussphase mit einem Nasenbeinbruch ausgewechselte André Hainault und Jannek Sternberg nach einer Ecke sowie Hendrick Zuck nach Flanke von Christoph Hemlein haben erste kleinere Möglichkeiten. Später tanzt sich Julius Biada im Münsteraner Strafraum gekonnt durch, setzt seine Flanke - wie einige seiner Kollegen auch an diesem Abend - jedoch in den ganz freien Raum. Auch Kapitän Florian Dick geht wie gewohnt voran und hebt im Mittelfeld zu einer erfolgreichen Monstergrätsche ab.

Die Zuschauer werden bei jeder dieser Aktionen lauter und lauter. In der 38. Minute muss hinten zwar zuerst Torwart Jan-Ole Sievers nach einem Freistoß eingreifen, die folgenden Reklamationen der Preußen nach einem Handelfmeter heizen die Kurve aber nur noch mehr an. Das gleiche gilt für den kleinen Tumult an der Seitenlinie im zweiten Durchgang, in dessen Folge Torwarttrainer Gerry Ehrmann von Schiedsrichter Robert Kempter auf die Tribüne geschickt wird. Wird es hektisch auf dem Feld, legt der Betze noch ein paar Dezibel zu. Das ist in Liga drei nicht anders als in der Bundesliga. Erst Recht, wenn die Stimmung ohnehin so gut ist wie am Dienstag.

Kraus mit dem 1:0, doch die Führung wackelt schnell

Entsprechend scheint die Partie eigentlich eingetütet, als Kevin Kraus in der 50. Minute nach einem langen Einwurf von Dick im zweiten Versuch und mit einem tückischen Aufsetzer das 1:0 besorgt. Fast postwendend haben die Gäste jedoch eine erste Möglichkeit zum Ausgleich und in der 67. Minute hätte man sich über einen Handelfmeter für die Preußen wohl kaum beschweren können. Die knappe Führung wackelt, ehe in den allerletzten Minuten drei Standards dann den Unterschied machen. Während Dicks Versuch von Gästekeeper Oliver Schnitzler noch gerade so zur Ecke gelenkt wird, bereitet Martin Kobylanski mit seinem ersten Freistoß das 1:1 vor und trifft in der Nachspielzeit dann direkt zum 1:2 ins Netz.

Die Zuschauer brauchen den eingangs beschriebenen Moment, um das zweite Gegentor zu verarbeiten. Danach verabschieden sie das Team mit viel Applaus. Es sind ja auch erst drei Partien in der neuen Saison gespielt und wäre die Begegnung mit einem sicher nicht unverdienten 1:0-Heimerfolg über die Bühne gegangen, wäre der FCK zumindest bis zum zweiten Teil der Englischen Woche Tabellenführer. Fakt ist aber auch, dass die Mannschaft noch einiges "an Nachholbedarf" hat (Timmy Thiele) und in Sachen Saisonstart auch ein wenig unter Zugzwang gerät. Vor allem gilt es, die bislang außergewöhnliche Stimmung und Unterstützung weiter zu pflegen. Denn die kann in einer langen Saison noch zu einem entscheidenden Faktor werden.

Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Thiele: "Wir haben überall Nachholbedarf"
(Der Betze brennt)

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