Hall of Fame: Gerald Ehrmann

„Roter Teufel“ mit Leib und Seele

„Roter Teufel“ mit Leib und Seele


Kaiserslauterns Torwartlegende Gerald Ehrmann feiert am heutigen Mittwoch seinen 50. Geburtstag - seit 1984, also sein halbes Leben lang, ist er auf dem Betzenberg tätig. Ende der 1990er Jahre wurde der gebürtige Tauberbischofsheimer Torwarttrainer, nachdem er zuvor über ein Jahrzehnt lang als Kult-Keeper verehrt wurde. Und auch wenn er im Gegensatz zu seinem ebenfalls legendären Vorgänger Ronnie Hellström in der Außendarstellung weniger an den eleganten und stets höflichen Fritz Walter, sondern vielleicht eher an den wuchtigen und ehrgeizigen Hans-Peter Briegel erinnert, steht „Gerry“ Ehrmann in der Ahnengalerie des 1. FC Kaiserslautern auf Augenhöhe mit den ganz Großen dieses Vereins.

Gerald Ehrmann wurde am 18. Februar 1959 in Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg) geboren. Bereits mit 18 Jahren wechselte er zum 1. FC Köln, wo er unter Trainer Hennes Weisweiler gleich das Double gewann. Hinter Nationaltorhüter Harald „Toni“ Schuhmacher war er allerdings nur die Nummer 2, dennoch blickt Ehrmann positiv auf seine sechs Jahre in der Domstadt zurück: „Toni war sehr ehrgeizig und erfolgsorientiert. Und das hat auch mich geprägt.“ 1984 folgte der Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern, wo er der Nachfolger des sehr beliebten Hellström werden sollte.

Von 1984 bis 1994 war Ehrmann, der von vielen nur "Tarzan" genannt wird, Stammtorhüter der Roten Teufel. Nur 1987/88 und 1993/94 musste er seinen Konkurrenten Michael Serr und Claus Reitmaier zeitweise den Vortritt lassen, eroberte sich den Platz zwischen den Pfosten aber beide Male zurück. Besonders legendär ist noch heute sein Duell mit dem bei den Fans unbeliebten Reitmaier, der den FCK am Saisonende entnervt in Richtung Karlsruhe verließ und erst dort zu einem etablierten Bundesligatorhüter wurde - nicht jedoch ohne den Beigeschmack, eine zeitlang ausgerechnet mit dem Werbeaufdruck des Joghurt-Herstellers „Ehrmann“ auf dem KSC-Trikot auflaufen zu müssen.

Doch auch die Gegenspieler hatten stets Respekt vor Lauterns Nummer 1, dem Bundesligatorwart mit dem gestählten Körper eines Bodybuilders. Schwächen bei Flankenbällen kompensierte Ehrmann mit starken Reflexen auf der Linie und vor allem mit seiner Entschlossenheit beim Herauslaufen, die manchen gegnerischen Stürmer vor lauter Respekt dann doch zurückziehen ließ, wenn der entgegen kommende „Tarzan“ immer größer wurde.

Erst mit dem Wechsel von Andreas Reinke und zunehmenden Verletzungssorgen rückte Ehrmann nach und nach ins zweite Glied und absolvierte am 26. Mai 1997 beim 5:0 gegen Waldhof Mannheim sein letztes Pflichtspiel für den 1. FC Kaiserslautern.

Ausgerechnet gegen Waldhof! Kaum ein anderer FCK-Spieler lebte und lebt die Rivalität mit den ungeliebten Barracklern so sehr wie Gerry Ehrmann. Unvergessen ist das 3:4 vom 15. April 1987, als er den Lautrer Strafraum wie sein Leben verteidigte und vier Elfmeter gegen den FCK gepfiffen wurden. Oder seine Duelle mit jener Hassfigur der FCK-Fans, die im Buch „Bastion Betzenberg“ wie folgt beschrieben wird: „Allerdings, bei einem gegnerischen Akteur sah 'Gerry' im wahrsten Sinne des Wortes 'rot': Beim ehemaligen Waldhöfer Bührer. Den konnte er partout nicht ausstehen. Kam dieser Waldhof-Bub nur in die Nähe seines Strafraums, dann war Ehrmann nicht mehr zu halten.“

Höhepunkt von Ehrmanns Karriere war aber zweifellos die Meisterschaft 1991, deren Feier er wie folgt beurteilte: "Als ehemaliger Kölner muss man erst hier nach Kaiserslautern kommen um zu sehen, was wirklicher Karneval bedeutet!"

Seit 1997/98 arbeitet Gerald Ehrmann nun als Torwarttrainer und ist wie schon als Spieler auch auf dieser Ebene ein Held für alle FCK-Fans. Nach dem Torhüter der 1998er Meistermannschaft, Andreas Reinke, formte er noch die Rohdiamanten Roman Weidenfeller, Tim Wiese und Florian Fromlowitz zu Bundesliga-Torhütern, die nächsten Talente stehen mit den Junioren-Nationalkeepern Tobias Sippel, Kevin Trapp und Emilio Fioranelli schon bereit.

Doch nicht nur wegen seiner Arbeit ist Ehrmann so beliebt, sondern auch wegen seinem großen FCK-Herz. So ist er noch heute einer der wenigen, der nach jedem Auswärtsspiel den Weg zum Gästeblock sucht. Und auch eine eingetretene Kabinentür oder eine Verbannung auf die Tribüne kann bei einem schwachen Auftritt des FCK schon mal vorkommen. Die gelebte Emotion eines Gerry Ehrmann hätte in den letzten Jahren leider vielen FCK-Spielern gut getan, wie auch Lauterns zweites Torwartidol neben Ronnie Hellström vor Jahresfrist in einem Interview erkannte. Ehrmann: "Der Hass fehlt heutzutage."

Doch bei aller Emotion und Entschlossenheit war Gerald Ehrmann stets ein fairer Sportler. Insgesamt absolvierte er nach eigener Aussage etwa 500 Spiele für den 1. FC Kaiserslautern, davon rund 300 Bundesligaspiele, in denen er nur zwei Mal die rote Karte sah - eine davon sogar zu unrecht, er wurde später freigesprochen.

Als seine größte Niederlage betrachtet Ehrmann neben dem Bundesligaabstieg 1996 das Europacup-Aus gegen den FC Barcelona („Diese Niederlage ärgert mich heute noch und tut immer noch weh“). Doch auch in den letzten Jahren musste er ebenso wie die Fans oftmals mit „seinem“ FCK leiden. Nun geht es endlich wieder aufwärts mit den Roten Teufeln, und die Fans in der Westkurve werden ihren „Tarzan“ hoffentlich noch viele Jahre auf dem Rasen des Betzenbergs bejubeln können. Wie schon in den vergangenen 25 Jahren, vor jedem Heimspiel mit einem lang gezogenen: „Ehrmann, Ehrmann, Ehrmann!“

Alles Gute zum 50. Geburtstag!

Autor: Thomas

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