Neues vom Betzenberg

 

Wieschemann: "Defizit an Durchblick"

In der DSF-Sendung "Doppelpass" waren am heutigen Sonntagmorgen unter anderem der FCK-Aufsichtsratsvorsitzende Robert Wieschemann, FCK-Meistermacher Kalli Feldkamp sowie der Journalist Oliver Trust, der für seine kritisch-objektive Berichterstattung über den 1. FC Kaiserslautern bekannt ist, bei Moderator Rudi Brückner zu Gast. "Der Betze brennt" fasst die Aussagen zum FCK im Folgenden zusammen. Die Talkrunde über...

...die aktuelle Lage:
Wieschemann: "Wir werden eine gute Saison spielen! Im Moment sind wir lediglich in einer kritischen Phase, bedingt durch Verletzungen."
Feldkamp: "Es wurden ja nicht nur in den letzten Wochen Fehler gemacht. Im März stand man noch auf Platz 3, vor Bayern, vor Bremen, und dann wurde mal wieder doch noch alles verspielt. Die Fehler beim FCK ziehen sich über Monate hin."
Trust: "Wenn es so weiterläuft wie zur Zeit, dann sehe ich den FCK sogar im Abstiegskampf."

...Konsequenzen in den nächsten Tagen:
Jürgen Friedrich (in einem eingeblendeten Interview): "Wir werden uns am Donnerstag unterhalten was wir unternehmen. So wie jetzt kann es jedenfalls nicht weitergehen. Andreas Brehme wird jedenfalls so lange wie ich noch hier bin Trainer bleiben."

...Jürgen Friedrich:
Brückner: "Wie kann man mit Friedrich einen Mann weiterhin beschäftigen, der mit seinen bissig-sarkastischen Interviews in den letzten Tagen deutlich zeigt, dass er mit dem 1.FC Kaiserslautern anscheinend schon abgeschlossen hat?"
Wieschemann: "Es ist keine Lösung für den Verein Friedrich zu feuern, weil es so aussieht als ob er mit dem FCK abgeschlossen habe. Atze Friedrich arbeitet immer noch genauso hart wie früher. Und Ende 2002 (!) wird er gehen, wenn man den ihm zustehenden Urlaub dazurechnet wird er sowieso nicht mehr lange für uns arbeiten."

...den Nachfolger von Atze Friedrich:
Feldkamp: "Das Konzept für 2003 muss stehen, erst recht, wenn Friedrich seinen Posten dann räumt. Von einem Konzept ist allerdings zur Zeit nicht viel erkennbar."
Wieschemann: "Es gibt Pläne, aber die werde ich hier gewiss nicht verraten. Wir haben bereits einen Mann für den Vorstandsvorsitz gefunden! Dieser kommt schon früher, bereits im September. Den Namen dieses Mannes werde ich allerdings nicht vorher preisgeben."
Brückner: "Heißt dieser Mann Hans-Peter Briegel?"
Wieschemann: "Nein."

...die Zukunft von Andreas Brehme:
Wieschemann: "Andreas Brehme wird auch in Zukunft Trainer des 1.FC Kaiserslautern sein. Es sei denn er hat Misserfolg."

...die Verpflichtung von Ciriaco Sforza:
Wieschemann: "Ich bin überzeugt vom Erfolg mit Sforza, aber das wird noch 2-3 Spiele dauern."
Trust: "Wer war für die Sforza-Verpflichtung verantwortlich?"
Wieschemann: "Die Entscheidung für Sforza hat alleine Atze Friedrich gefällt, der Aufsichtsrat, inklusive meiner Person, hat lediglich zugestimmt."
Brückner: "War der neue Vorstandsvorsitzende denn in die Verpflichtung Sforzas bereits eingebunden?"
Wieschemann: "Nein, das war aber auch nicht nötig. Sforza hat ein gutes Standing, er wird uns weiterhelfen."

...die Oppositionsgruppe "Unser FCK":
Feldkamp: "Ich weiss garnicht, wieso man sich so gegen 'Unser FCK' wehrt. Diese Vereinsmitglieder machen lediglich dasselbe, was wir 1996 ebenfalls gemacht haben. Sie bilden eine Opposition und bemühen sich um die Einberufung einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung." (Anm.: Und auch 1996 wechselte die Opposition nach der Machtübernahme als erste Amtshandlung gleich den Trainer aus)
Brückner: "Im Umfeld gibt es Stimmen, die kritisieren, dass sie sich 4 Jahre lang nicht um den 1.FC Kaiserslautern gekümmert hätten und sich nun plötzlich öffentlich zu Wort melden."
Feldkamp: "Soll ich 4 Jahre lang dauernd mit Journalisten reden? Ich habe oft genug mit dem FCK-Vorstand geredet und Missstände intern angeprangert. Zuletzt im März 2002."

...den Zickzack-Kurs beim FCK:
Trust (zu Wieschemann): "Sie wirken wie ein Märchenonkel. Der Co-Trainer wird gefeuert als Alibi für die Mannschaft, an Andy Brehme halten sie noch fest, der Stadionsprecher wird entlassen und wieder eingestellt..."
Wieschemann: "Wir haben zweifellos Schwierigkeiten mit der Umsetzung dessen, was geplant ist. Wir haben ein Defizit an Kommunikation..."
(Wieschemann wird kurz unterbrochen)
Wieschemann weiter: "Ich möchte meinen Satz noch fortsetzen: Wir haben ein Defizit an Durchblick! Wir alle!"
(Wieschemann ringt um Worte. Man erkennt im deutlich seine Nervosität an, er wirkt teilweise absolut fehl am Platze)

...die mögliche außerordentliche Mitgliederversammlung:
Brückner: "Kann es sein, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat mit dem Rücktritt von Jürgen Friedrich nur sich selbst retten wollen, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu verhindern?"
Wieschemann: "Nein."
(Brückner erwähnt, dass "Unser FCK" bereits 800 Unterschriften von Mitgliedern gesammelt habe, doppelt soviele wie nötig also.)

...den Verein 1.FC Kaiserslautern:
Feldkamp: "Man sollte dem neuen Vorstandsvorsitzenden sein Konzept vortragen, und nicht umgekehrt. Da macht Ihr einen Fehler!"
Wieschemann: "Zunächst einmal ist unser altes Konzept ja nicht gescheitert. Wir sind ein kleiner Verein! So sind wir 1996 abgestiegen, mit dieser Mentalität!!"
Feldkamp: "Ihr seid kein kleiner Verein, früher waren wir immer sauer, wenn der FCK belächelt wurde. Sonst müsstet Ihr einen Etat wie z.B. Rostock oder Cottbus haben."

...die Verdienste von Jürgen Friedrich:
Wieschemann: "Friedrich hat Dich beim ersten Mal zum FCK geholt (Anm.: Vor über 20 Jahren), er hat Otto Rehhagel zum FCK geholt..."
Feldkamp (unterbricht): "Friedrich hat Rehhagel damals nicht allein geholt, sondern die Verpflichtung wurde gemeinsam mit dem Aufsichtsrat, u.a. also mit mir, beschlossen. Friedrich hat lediglich das folgende Gespräch mit Rehhagel geführt."

...die Zukunft des FCK:
Trust: "Nun haben wir ja etwas völlig neues für uns erfahren, und zwar, dass Atze Friedrich bereits im September seinen Posten abgeben wird..."
Wieschemann (unterbricht): "Naja, vielleicht im September, evtl. auch Oktober..."
(Rumoren im Publikum, die Zuschauer beginnen Robert Wieschemann auszulachen)
Brückner: "Sie vermitteln den Eindruck, als ob sie schweigend über die Zeit kommen wollen. Die Fans wollen aber wissen wie es weitergeht. Was wollen sie noch unternehmen, außer der Berufung eines neuen Vorstandsvorsitzenden nach dem Rücktritt von Jürgen Friedrich?"
Wieschemann: "Nichts! Warum auch? Ausser es gibt eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Wenn die Opposition diese gewinnt, dann ok. Wenn nicht ist auch gut."
Trust: "Meister, Europacup... und plötzlich soll Platz 7 oder 8 ein Erfolg sein?"
Wieschemann: "56 Punkte in der letzten Saison sind doch ein Erfolg!"
Trust: "Bei diesen Gegebenheiten, wo viel mehr drin war, sind 56 Punkte kein Erfolg!"
Brückner (zu Feldkamp): "Wer soll den 1.FC Kaiserslautern retten?"
Feldkamp: "Namen werde ich keine. Aber im Aufsichtsrat ist kein Fußballfachmann dabei! Wieschemann ist noch der Beste, im wirtschaftlichen Bereich..."

(Erneut Gelächter im Publikum)
Feldkamp (muss auch schon fast schmunzeln): "...nein, ich sagte im wirtschaftlichen Bereich!"
Feldkamp weiter: "Früher ging man selbstbewusst zum Betzenberg und nahm Kraft mit hinunter. Heute ist man froh, wenn man wieder unten ist und nicht gesehen wird. Das kann nicht sein!"

...Gerüchte bezüglich des Spielerberaters Roger Wittmann:
(Es wird erwähnt, dass ein Großteil der Spieler von Roger Wittmann beraten werde, und das es Gerüchte gibt, wonach Friedrich gemeinsam mit Wittmann eine Art "Vetternwirtschaft" beim FCK betreibt.)
Brückner: "Wieso wird es in Kaiserslautern geduldet, wenn ein Mario Basler (Anm.: Schwager von Wittmann sowie Teilhaber der gemeinsamen Spielerberater-Firma) in der Kabine versucht, Spieler wie Miroslav Klose, der von Michael Becker beraten wird, abzuwerben? Wieso schreitet man bei so etwas nicht ein?"
Wieschemann: "Wenn dies in der Kabine geschehen ist konnten wir vom Aufsichtsrat natürlich nichts davon wissen... Dazu sei noch gesagt, dass Wittmann bei uns lediglich 8 Spieler betreut, nicht also die Hälfte. Michael Becker betreut 4-5 Spieler, u.a. Miroslav Klose. Der nimmt den FCK ganz schön hoch!"

...zu Miro Klose:
Feldkamp: "Wie lange kann der FCK Klose ohne internationalen Wettbewerb noch halten?"
Wieschemann: "Im schlechtesten Fall bis zum Vertragsende. Ausser natürlich der FCK möchte ein Geschäft machen und verkauft ihn vorher, wo ich persönlich aber dagegen bin."

Dies waren die wichtigsten Aussagen der heutigen "Doppelpass"-Sendung. Eine gewisse Konzeptlosigkeit - in der Talkrunde auch als "relative Sprachlosigkeit" bezeichnet - bei Robert Wieschemann war, stellvertretend für die gesamte FCK-Führung, nicht zu übersehen. Auch deswegen forderten fast alle Anrufer und Internetnutzer unter den Zuschauern, dass sowohl Trainer Brehme als auch der gesamte Vorstand weg müsse ("Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken"). Zum Abschluss bot Kalli Feldkamp noch seine Hilfe an, sowohl dem alten als auch einem möglichen neuen Vorstand, man müsse ihn nur fragen.

Quelle: Der Betze brennt

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