Neues vom Betzenberg

 

Flavio Becca und die Redbullisierung des FCK?

Der luxemburgische Bauunternehmer Flavio Becca hat durch sein Engagement beim Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern dazu beigetragen, die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des FCK kurzfristig zu gewährleisten und damit den bundesweit bedeutenden und regional unersetzlichen Standort zu erhalten. Im Rahmen der Diskussion über das Engagement Beccas als Investor gab es viel Pro und Contra zum Einstieg eines externen Investors generell. Zudem gab es die Frage der Auswahl zwischen einer regionalen Investorengruppe auf der einen und des luxemburgischen Bauunternehmers auf der anderen Seite sowie die Nebengeräusche im Rahmen der Entscheidungsfindung. Kaum diskutiert wurde das Vereinsgeflecht, das Becca im internationalen Fußball unterstützt. Wenigen ist bekannt, wie die von ihm geförderten oder kontrollierten Vereine kooperieren. Dieser Artikel soll das "System Becca", seine Auswirkungen auf Spielertransfers und mögliche Auswirkungen auf den FCK genauer unter die Lupe nehmen.

Im traditionsreichen Stadion des ehemaligen Landesmeisters Avenir Beggen findet vor knapp 2.000 Zuschauern das sogenannte Barragematch, das Relegationsspiel zwischen dem Drittletzten der luxemburgischen ersten Liga, US Hostert, und dem Dritten der zweiten Liga, Swift Hesperingen, statt. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten ist der Zweitligist der Favorit. Hesperingen war bereits heißer Anwärter auf den direkten Aufstieg. Der Grund: der Mäzen des Landesmeisters F91 Düdelingen, Flavio Becca, hat 2018 begonnen, sein finanzielles Engagement stark zugunsten des Swift Hesperingen auszuweiten.

Ein solcher Schritt ist nicht ungewöhnlich im modernen Fußball. Brisant machte die Partie allerdings eine Personalie: Henri Bossi, 60, Erfolgstrainer der Grünwalder aus Hostert, wurde zuvor bereits als gemeinsamer Sportdirektor für F91 Düdelingen und Swift Hesperingen gehandelt, schrieb zumindest Fupa Luxemburg am Tag des Barragematches.

Ziel von Becca sei der Aufbau von Strukturen nach dem Vorbild Red Bulls, insbesondere im Hinblick auf Synergien zwischen den von ihm kontrollierten Vereinen. Die Meldung wurde vom F91 Düdelingen freilich in das Reich der Fabeln verwiesen. Gemeinsamer Sportdirektor für beide Standorte wurde Bossi schließlich auch nicht. Immerhin jedoch ist der 60-Jährige inzwischen verantwortlicher Trainer neben Teammanager Emilio Ferrera bei Luxemburgs Serienmeister. Jener Emilio Ferrera, der auch als Sportdirektor beim 1.FC Kaiserslautern gehandelt wurde, gegebenenfalls in Doppelfunktion mit seinem Engagement in Düdelingen.

Auch der unterschwellige Verdacht der Mauscheleien erwies sich als unbegründet. Mit einem 2:0 sicherte sich Hostert den Klassenerhalt. Das Problem zweier offen von Flavio Becca unterstützter Klubs in der Eliteklasse wurde damit mindestens ein weiteres Jahr aufgeschoben. Ob es in nächster Zeit tatsächlich zu einer Interessenkollision kommt, ist offen. Flavio Becca kündigte unlängst an, sich aus dem Sponsoring in Düdelingen mittelfristig zurückzuziehen, da die Gemeinde seine Pläne für den Stadionaus- oder -neubau blockiert. Die Gemeinde Hesperingen gab hingegen grünes Licht zu seinen Stadionplänen.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Hesperingen nimmt 2019/20 einen neuen Erstliga-Anlauf und dürfte aufgrund der wohl beispiellosen Verpflichtung zahlreicher höherklassiger Spieler bei normalem Lauf der Dinge spätestens 2020 in die Belle Etage zurückkehren.

Dass in Luxemburg derartige Spekulationen aufkommen, sagt bereits vieles über die Turbulenzen und Machenschaften unter den Spitzenvereinen des Landes aus. Schon vor Beccas Engagement in Hesperingen, der Gemeinde, in der er als Sohn eines italienischen Vaters aufwuchs, führte das System Becca zu Spannungen unter den Vereinen der BGL-League.

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Quelle und kompletter Text: 120minuten

Weitere Links zum Thema:

- Becca gibt Eigenkapital und will neuen Stürmer (Der Betze brennt, 20.08.2019)

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