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Rezension: Biographie "Die Walz aus der Pfalz"

Von der Pfalz in die Welt: Hans-Peter Briegels Blick auf sein Leben

19.11.2025, 19:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Zu seinem 70. Geburtstag ist nun die erste Biographie über Hans-Peter Briegel erschienen. Ein Fest für Fans, mit bis dato kaum bekannten Geschichten um die "Walz aus der Pfalz." Eine hätte der frischgebackene Ehrenspielführer des 1. FC Kaiserslautern am liebsten weggelassen.

Titelfoto

Foto: Imago Images

"Wohin soll ich denn wechseln? Ich bin doch schon beim FCK." Diese Worte kennt jeder anständige Betze-Fan. Der große Fritz Walter hat sie einst gesprochen, in den 1950ern, während eines Trainingslagers im Gasthof "Blume" in Obertal. Er lehnte damit ein Angebot von Espanyol Barcelona ab.

"Ich bin ein Mann der Provinz." Die Worte stammen von Hans-Peter Briegel, einem anderen großen Nationalspieler des 1. FC Kaiserslautern. 1982 lehnte er damit ein Angebot von Real Madrid ab, dem größten Verein der Welt. Worte, die verdient hätten, genauso populär zu werden. Bislang aber sind sie’s nicht geworden. Das kann sich nun ändern. Dank der Biographie "Die Walz aus der Pfalz", die der Journalist Wolfgang Stephan über den Mann aus Rodenbach verfasst hat.

Cover: Die Walz aus der Pfalz

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"Die Walz aus der Pfalz: Wolfgang Stephan im Gespräch mit Hans-Peter Briegel" ist für 27,- Euro u.a. bei Amazon, im FCK-Shop und überall im Buchhandel erhältlich.

Kein Briegel, lieber Maradona? Alla gut

Auf 328 Seiten darf der Leser den Pfälzer Buben nun noch einmal über alle Stationen seines bewegten Fußballer- und etwas weniger bewegten Privatlebens begleiten. Die groben Eckdaten haben FCK-Fans der "Boomer"- und der nachfolgenden Generation ja noch einigermaßen im Kopf. Europameister, zweifacher Vize-Weltmeister, Italienischer Meister mit Hellas Verona, Italienischer Pokalsieger mit Sampdoria Genua, Deutschlands Fußballer des Jahres. Mit dem FCK leider keinen Titel gewonnen, aber immer mal nah dran, dafür jede Menge unvergessene Auftritte in insgesamt 240 Pflichtspielen mit 47 Toren. Das 5:0 gegen Real Madrid ist da nur die Kirsche auf dem Cocktail.

Dieses Buch aber bietet darüber hinaus jede Menge Geschichten und Details, die so noch nicht bekannt waren. Wer etwa wusste, dass "de Peter" im Frühjahr 1984, bevor er zu Hellas Verona wechselte, sich bereits in intensiven Gesprächen mit dem SSC Neapel befand? Der aber verpflichtete dann doch lieber Diego Maradona. Argentinischer Goldjunge statt Pfälzer Eiche? Alla gut, dafür kann man als FCK-Fan noch irgendwie Verständnis aufbringen. Grad so.

Mit breiten Schultern ins Licht der Welt

Wer sich darüber hinaus die Mühe macht, neben dem Text- und dem Bildteil auch die vielen Zeitungsausschnitte zu studieren, die mit ins Buch gelayoutet wurden, kann sein Lesevergnügen sogar fast verdoppeln. Und womöglich mehr über Briegel erfahren, als der bislang selbst über sich wusste.

In einem über eine Seite gezogenen "Rheinpfalz"-Bericht etwa erzählt eine ganz besondere Zeitzeugin, dass sie schon lange vor jedem Gegenspieler auf dem Rasen eine schmerzhafte Begegnung mit den breiten Schultern des urwüchsigen Rodenbachers hatte: Am 11. Oktober 1955 nämlich, als Ilse Briegel ihren Sohn gegen 16:30 Uhr auf die Welt brachte. Sie sollte 30 Jahre später im gleichen Krankenzimmer sterben, in dem sie ihrem Jungen einst das Leben geschenkt hatte - eine der anrührenden Episoden.

Warum erst zum Siebzigsten?



Die großen Nationalspieler seiner Generation haben ihre Biographien alle längst präsentiert. Die Briegel'sche kommt nun erst zum siebzigsten Geburtstag. Ist das nicht ein bisschen spät? Klar, die Fußballfans aus den geburtenstarken Jahrgängen kennen ihn noch, insofern ist eine stattliche Leser-Zielgruppe garantiert. Was aber ist mit den Jüngeren? Klingt es für die nicht ein wenig wie "Opa erzählt vom Krieg", wenn sie Geschichten aus einer Zeit lesen, in denen ein ins Ausland wechselnder Fußballstar mit Röhrenfernseher und Stereo-Anlage auf dem Rücksitz über die deutsche Grenze tuckert - und sich erst einmal anhand einer Landkarte in Papierform orientieren muss, wo dieses Verona überhaupt liegt, weil’s ja noch kein Navi gibt?

Natürlich habe auch er früher schon Angebote gehabt, ein Buch über sich schreiben zu lassen, erzählt der Italienreisende von einst. Aber keines habe ihn wirklich überzeugt. Und er habe auch zu keinem Autor so viel Vertrauen gefasst wie zu Wolfgang Stephan. Ein gebürtiger Pfälzer, den er vor drei Jahren in Marbella kennenlernte. Stephan hat sich als Journalist in Norddeutschland etabliert.

Der Weg zum "Go" führte über Petra

Im Handstreichverfahren sei Briegels "Go" aber nicht zu bekommen gewesen, berichtet der Autor. Erst, nachdem er Peters Ehefrau Petra so weit hatte, dass sie zu ihrem Gatten sagte: "Wenn du ihn kein Buch über dich schreiben lässt, lass ich ihn eins über mich schreiben: Mein Leben mit der Walz aus der Pfalz." Darauf lenkte er ein. Das Buch enthält übrigens auch eine Episode, die schildert, wie die Eheleute sich kennenlernten. Das soll hier jetzt nicht gespoilert werden. Nur so viel: De Peter ging auch bei de Petra schnell in die Offensive.

Als Grundlage dienten Stephan neben Archivstudien auch Audio-Dateien von ungefähr 80 Stunden Länge, in denen er Interviews mit Briegel führte. Dazu bat er einige seiner Weggefährten um Beiträge. Das Vorwort schrieb Kalli Feldkamp, der der wichtigste Förderer des aufstrebenden Nationalspielers war. Nicht aber dessen Entdecker: Dieser Verdienst gebührt Erich Ribbeck, der dem ehemaligen Leichtathleten die ersten Gehversuche im Profifußball ermöglichte.

"Sir Erich" kommt in einem eigenen Interview zu Wort. Ebenso einstige Nationalmannschaftskollegen wie Uli Stielike, Karl-Heinz Rummenigge und Lothar Matthäus. Die bisweilen gar nicht mal Briegelmäßiges, aber dennoch Interessantes zum Besten geben.

An Briegel kam keiner vorbei? Doch, sein Biograf

Hans-Peter Briegel im Nationaltrikot
Foto: Imago Images

Biograf Stephan gelang auch etwas, was vielen Gegenspielern auf dem Rasen missglückte. Er setzte sich gegen Hans-Peter Briegel durch. Dem war es nämlich gar nicht recht, dass sein Zwist mit Otto Rehhagel, der 1997 zu seinem Rücktritt als FCK-Manager führte, ebenfalls thematisiert werden sollte. Der Autor aber pochte auf seine Chronistenpflicht.

Drum enthält dieses Kapitel zwar nur wenig briegelsche O-Töne, ist aber sorgfältig anhand von Archivmaterial aufbereitet. Und belegt aus heutiger Sicht: Mit seinen Befürchtungen, die Briegel damals in der "Rheinpfalz" zur Alleinherrschaft Rehhagels am Betze äußerte, lag er absolut richtig, wie sich nach der Jahrtausendwende zeigen sollte.

"Besser als ich gedacht oder befürchtet hatte, aber mehr, als mir lieb war", rezensiert Briegel auf der letzten Seite seine eigene Biographie. Wer ihn kennt, weiß: Das ist mehr als nur ein "vergiftetes" Lob.

Darauf ein Briegel-Bier

Wolfgang Stephan schreibt normalerweise über Politiker und Wirtschaftsgrößen. "Als ich meinem Verlag vorschlug, eines über Hans-Peter Briegel zu schreiben, war der sofort begeistert", erzählt er. "Denn auch dort war Briegel immer noch ein Begriff". Anscheinend gehören diese Verlagsleute den Boomer-Jahrgängen an.

Die beiden Pfälzer können sich durchaus vorstellen, dass auch eine italienische Übersetzung von "Die Walz aus der Pfalz" Abnehmer finden würde. Denn auf dem großen Stiefel ist "Briegele" oder "der Panzer" ebenfalls immer noch ein Begriff. Vor allem in den Regionen um Genua und Verona. Wo kürzlich, zum 40. Jahrestag des Titelgewinns von Hellas, ein Bier mit Briegel-Konterfei und der Aufschrift "Hans" auf den Markt kam.

Leider gibt's das Buch bislang nur in Deutschland und das Bier nur in Italien. Beides jetzt zusammen konsumieren können, das wär’s.

"Die Walz aus der Pfalz" ist im MCE-Verlag erschienen und kostet 27,- Euro. Es ist überall im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-938097-65-6), u.a. bei Amazon und auch im FCK-Shop.

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- Hans-Peter Briegel zum Ehrenspielführer des 1. FC Kaiserslautern ernannt (09.11.2025)