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Im Blickpunkt

DBB-Zwischenzeugnis: Noch nicht bereit für den Gipfelsturm

12.11.2025, 13:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Vier Spiele, ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden und im DFB-Pokal eine Runde weiter. Viele unglückliche Gesichter, auch Kritik. Zurecht? Das erfordert ein "Zwischenzeugnis", in dem sorgfältig differenziert werden muss.

Titelfoto

In der Oktober-Länderspielpause durften wir von einer erfreulichen Aufwärtsentwicklung berichten. Neun Punkte in vier Spielen, 10:5 Tore, das sah so aus, als käme der 1. FC Kaiserslautern nach durchwachsenem Start so langsam auf Kurs Richtung Tabellenspitze. Diesmal sind fünf Punkte und 5:5 Tore aufzuarbeiten. Ausgeglichener geht's nicht. Von "Rückschritt" zu sprechen, wäre daher schon mal verfehlt. Wenn überhaupt was, lässt die nackte Ergebnisbilanz eher auf ein "Auf-der-Stelle-Treten" schließen.

Aber machen wir uns nichts vor. Bis auf das KSC-Spiel ließen alle Partien den Anhang mit unglücklichen Gesichtern zurück. Den 1:0-Erfolg gegen Fürth im DFB-Pokal lassen wir jetzt und in den folgenden Betrachtungen mal außen vor. Die ganz Unzufriedenen dürfen ihn sich aber gerne dann und wann als Stimmungsheller ins Gedächtnis rufen. Denn immerhin ist der FCK als einer von nur sechs Zweitligisten im Cup-Wettbewerb noch dabei - das ist nicht nichts.

Heimniederlage schmerzt, aber die beiden Remis ärgern



Blicken wir auf die jüngsten vier Spiele in der Liga: Da war zuletzt diese schmerzhafte Heimniederlage gegen Hertha BSC (0:1). Die erste unter Trainer Torsten Lieberknecht. Gegen einen Gegner, der besser organisiert war, mit den pfeilschnellen Flügeln Fabian Reese und Marten Winkler schärfere Waffen auf dem Platz hatte und diesem FCK-Team sogar noch ein paar Schwächen mehr aufzeigte. Eine solche Demonstration dämpft natürlich Aufstiegsträume, wie sie im Lautrer Fanlager selbstredend immer blühen. Aber: Ein Remis wäre dennoch drin gewesen.

Gegen Nürnberg und in Düsseldorf wurden 1:0-Führungen verspielt. Was im Grunde mehr ärgern muss, als diese Heimniederlage schmerzt. Denn da wurden insgesamt vier Punkte ziemlich unnötig abgegeben, während ein Punkt gegen Berlin das Höchste der Gefühle gewesen wäre. Denn der Vorwurf, ein 2:0 vor dem 1:1-Ausgleich wäre möglich gewesen, aber sträflich versäumt worden, trifft in beiden Fällen nicht nur "gefühlt" zu. Er lässt sich auch anhand unserer xGoals-Zeitschienen belegen.

Das Problem mit den verspielten Führungen

Dazu ergänzt sei noch: Gegen den KSC gab Lautern ebenfalls eine Führung ab, sogar ein 2:0 ab. Nur war da am Ende, Marlon Ritter sei Dank, niemand unglücklich. Und zuvor, in den Heimspielen gegen Münster und Bochum, kassierte der FCK ebenfalls Ausgleichstreffer nach 1:0-Führungen, schoss sich anschließend aber noch zum Sieg.

Da hapert's also an was. Daran, nach einer Führung hinten kompakt stehen zu können, den Gegner kommen zu lassen und auf die Chance zum schnellen Konter zu lauern, bis die drei Punkte unter Dach und Fach sind. Auf dass, so es mit dem zweiten Treffer nicht klappt, am Ende wenigstens die Null steht. Früh zuschlagen und dann die Nerven behalten, das hat Hertha BSC am Samstagabend auf dem Betze vorexerziert, so haben sich der SC Paderborn und Schalke 04 an die Tabellenspitze geschafft. Und unter diesem Aspekt hat daher auch der zuletzt oft geäußerte Vorwurf, das Hertha-Spiel habe gezeigt, was dem FCK noch zum "Topteam" fehle, eine gewisse Berechtigung.

"Topteams" sind andere auch noch nicht

Aber, bitteschön, wer oder was ist in dieser Liga denn ein "Topteam"? Die Hertha vom Samstagabend mag eines gewesen sein, über den bisherigen Saisonverlauf betrachtet ist sie es jedoch noch nicht. Und nach der unendlich langen Talsohle, aus der sie sich gerade berappelt, will sie sicher auch nicht so genannt werden. Gleiches gilt für Schalke.

Paderborn hat nach einem mauen Start nun acht Spiele in Serie gewonnen, das beeindruckt, aber: Die Westfalen hatten in vergangenen Jahren fast in jeder Spielzeit eine Hochphase, in der sie unaufhaltsam Richtung Bundesliga zu marschieren schienen, am Ende aber doch auf der Stelle traten. Hannover ist nach einem Traumstart wieder zurückgefallen, auch die phänomenalen Elversberger haben zuletzt nur einen Punkt aus drei Spielen geholt. Die jüngste Liga-Phase war also beileibe nicht nur für den FCK bloß so lala.

Und gewonnen haben die Teams, die zurzeit "top" sind, meist nur knapp. Wer zum Beispiel denkt, vergangenen Sonntag sei Paderborns achter Sieg in Folge gegen das bedauernswerte Kellerkind aus Magdeburg nur "Formsache" gewesen, sollte mal einen Blick auf den Kick riskieren. Highlight-Video genügt. Topteam?

Das sagen die xGoals. Oder auch nicht

Stellen wir uns lieber die Frage, ob diese stets knappen Ergebnisse auch den gezeigten Leistungen entsprechen. Schauen wir mal die xGoal-Ergebnisse an. Von denen hat Lautern in den jüngsten vier Partien im Schnitt 1,39 erzielt und 1,60 kassiert. Über den gesamten Saisonverlauf betrachtet, liegen die Mittelwerte bislang bei 1,53 : 1,39. Das scheint in der Tat zu bestätigen: Vorne war man zuletzt weniger torgefährlich, hinten anfälliger.

Bei näherer Betrachtung aber fällt ein Ausreißer auf, der dieses Bild verzerrt. Gegen den KSC, gegen den der FCK faktisch 3:2 gewann, unterlag er nach xGoals klar mit 1,5 : 2,39. Damit wird der "xGoals against"-Wert empfindlich in die Höhe geschraubt. Über nur kurze Zeiträume xGoals-Werte zu betrachten und diese zu mitteln, macht eben nur bedingt Sinn.

Weder "Ballbesitz"- noch "Umschaltmannschaft"

Ballbesitz hatten die Roten Teufel in diesen vier Partien durchschnittlich 52,25 Prozent. Das liegt deutlich über dem bislang erzielten Saisondurchschnitt von 47,5 Prozent. Will Torsten Lieberknecht sein Team also nach und nach zu einer "Ballbesitzmannschaft" formen?

Nö. Will er nicht.

Auch wenn über 20 Sekunden andauernde Ballbesitzphasen im FCK-Spiel gerade in den jüngsten Partien in Düsseldorf und gegen Hertha deutlich angestiegen sind und sicher noch daran zu arbeiten ist, auch diese zielführender und präziser zu Ende zu spielen. Lieberknechts FCK soll weder "Ballbesitz"- noch "Umschaltteam" sein, sondern ein eigenes Gefühl fürs jeweils Richtige entwickeln.

In dem Zusammenhang sei noch einmal auf das bereits in unserem Taktik-Thread verlinkte Trainer-Interview bei "n-tv" verwiesen. "Wir wollen in Ballbesitz kommen", erklärt Lieberknecht da. "Dann gibt es die Fragen, wie wir das schaffen können und was wir aus diesen bei uns noch sehr kurzen Ballbesitzphasen machen können. Es geht um Konteraktionen, um Umschaltaktionen, die wir noch nicht in der Perfektion ausspielen, wie wir uns das vorstellen."

Viele hohe Ballgewinne: Da muss mehr draus gemacht werden

Herauslesen lässt sich da: Seine Jungs sollen eher mit weniger als mehr Ballkontakten den Weg zum Tor suchen. In Pressekonferenzen hat Lieberknecht unlängst auch angemerkt, dass nach seinem Geschmack insbesondere aus hohen Ballgewinnen noch zu wenig gemacht wird.

Dass da Potenzial brach liegt, lässt sich auch mit den uns zugänglichen Zahlen belegen. In nahezu jedem Spiel erobert sich der FCK mehr Bälle in der gegnerischen Hälfte als der Kontrahent. Allein 16-mal gegen Berlin, während der Gast sich nur sieben Mal das Leder auf Lautrer Seite erkämpfte. Was in dem Fall nicht verwundert, weil Berlin ab der 20. Minute in Führung lag. Doch auch in Düsseldorf (14:11) und gegen Nürnberg (18:9) rückten die Pfälzer der gegnerischen Abwehrreihe aggressiver auf den Leib als umgekehrt. Das entscheidende Tor mehr haben sie dabei nicht geschossen.

Drum darf konstatiert werden: Lieberknecht hat Recht. Da kann, darf und muss mehr draus gemacht werden.

Immerhin: Daniel Hansliks Führungstreffer gegen Nürnberg wurde nach einem Ballgewinn im Angriffsdrittel eingeleitet. Dagegen fielen in Karlsruhe zwei der drei Treffer nach tiefem Ballgewinn und mustergültig vorgetragenem "Umschalt"-Spiel. In Düsseldorf wiederum traf Luca Sirch nach einem direkten Freistoß, der sich aus einem Foul nach einem Solo von Naatan Skyttä ergab.

Diskussion um Elvedi und viele Wechsel

Ebenfalls aktueller Diskussionspunkt: Die Einwechslungen, beziehungsweise die "Qualität in der Breite". Die Kritik wird etwa an Jan Elvedi festgemacht, der beim 3:2 gegen Bochum als Vertreter des rotgesperrten Maxwell Gyamfi ran mussteund ein Eigentor erzielte, beim 1:1 gegen Nürnberg als Einwechselspieler den Elfmeter verursachte, der zum späten Ausgleich führte.

Oder daran, wie sich der FCK in Düsseldorf selbst aus dem Rhythmus brachte, als Lieberknecht zwischen der 79. und der 89. Minute gleich fünf Wechsel vornahm und das Spiel ums Haar noch gekippt wäre, nachdem die Gastgeber nach Sirchs Treffer in der 55. Minute quasi schon ausgeknockt waren.

Niemand scort so stark wie Lauterns Einwechselspieler

Dem entgegenzuhalten sind die xG-Werte, die Lautrer Einwechselspieler bislang geschaffen haben. In diesem Vergleichsranking ist der FCK sogar "top". Wobei der entscheidende Treiber auch hier ein einziges Spiel ist: Das 3:1 gegen Darmstadt, bei dem die eingewechselten Skyttä, Faride Alidou, Leon Robinson und Tobias Raschl fast sämtliche Scorer-Punkte für sich beanspruchten. Ausnahme: Raschls 3:1 wurde von Sirch vorbereitet.

Robinson bereitete als Einwechselspieler auch Ivan Prtajins 2:1 gegen Bochum vor. Das 3:1 durch Paul Joly leiteten die ebenfalls neu ins Spiel gekommenen Dickson Abiama und Afeez Aremu ein. Hanslik kam in Karlsruhe zur Pause und legte zwei Treffer auf. Ritters Arbeitstag begann da erst in der 84. Minute - er markierte den Siegtreffer.

Wir notieren: In der Mehrzahl zeitigten Lieberknechts Einwechslungen wirksame Effekte. Klar gibt es immer auch mal welche, die schwer nachzuvollziehen sind. Etwa gegen Nürnberg, als nach 69 Minuten Skyttä und Ritter vom Platz gehen und Abiama und Richmond Tachie kommen. Bei einer 1:0-Führung zwei Stürmer für zwei kreative, technisch versierte Mittelfeldspieler, die auch mal den Ball in den eigenen Reihen halten können?

Nicht genug Qualität auf der Bank? Echt jetzt?

Und natürlich hakt es bei fünf Wechseln in zehn Minuten im Getriebe. Dazu hat der Trainer allerdings erklärt, dass diese sich zum Teil sehr kurzfristig ergaben und sich daher nicht vermeiden ließen. Das muss man so stehen lassen.

Generell ähnelt die Frage nach Qualität in der Kaderbreite ein wenig der nach dem Glas, das für den einen halbvoll, für den anderen halbleer ist. Wenn zum Beispiel gegen den 1. FC Nürnberg mit Fabian Kunze und Ivan Prtajin zwei Kräfte fehlen, die bis dato absolute Korsettstangen waren. Das schwächt, keine Frage. Aber wenn man für die beiden immerhin einen Aremu und einen Hanslik bringen kann - ist das tatsächlich ein Grund zum Lamentieren?

Ein Ritter kommt seit Wochen meist nur von der Bank. Ein Alidou, der zu Saisonbeginn noch aufblühte, fand zuletzt keinen Platz im Spieltagskader mehr. Ein Mahir Emreli hat lange kämpfen müssen, um überhaupt für diesen wieder berücksichtigt zu werden. Robinson hat den angeschlagenen Jisoo Kim in nunmehr vier Pflichtspielen in Folge tadellos vertreten. Probleme mit der Qualität in der Kaderbreite? Ungefähr drei Viertel aller Zweitligisten hätten solche "Probleme" nur allzu gerne.

Mehr Ruhe im Abwehrzentrum ist gefragt

Natürlich fehlt die Coolness, eine Führung souverän über die Zeit zu schaukeln - das können die Teams, die aktuell vor dem FCK stehen, ohne Frage besser. Womit sich die Frage stellt, ob der FCK in der Abwehrzentrale nicht eher jemanden braucht, der mehr ruhender Pol ist als Maxwell Gyamfi.

Der aufgrund seiner Schnelligkeit sicher ein Ass ist, um Konter abzulaufen, gerade, wenn der Defensivverbund hoch aufgerückt ist. Dessen gelegentliche Aussetzer sein Team aber immer wieder ins Hintertreffen bringen, auch zuletzt gegen Hertha. Ob eine Rückversetzung von Sirch in die Mittelposition nicht vielleicht doch die bessere Lösung wäre?

Und wieder sind wir etwas schlauer ... oder auch nicht

Ansonsten lautet unser Fazit für diesen Vier-Wochen-Abschnitt: Ja, den Aufwärtstrend vor der vorangegangenenLänderspielpause konnten die Betze-Buben nicht bestätigen. Doch auch wenn die jüngsten Ergebnisse unbefriedigend sind - als Leistungseinbruch sind sie nicht zu werten.

Die Spiele haben allerdings gezeigt, wo es vor allem noch fehlt: An der Nervenstärke, eine Führung über die Zeit zu bringen. Aber auch an der Passpräzision in der gegnerischen Hälfte.

Eine Ankündigung aus unserem letzten Zwischenzeugnis können wir allerdings nicht wahrmachen. Dass wir heute schlauer sind, ob und wie sich das Kreativ-Trio Semih Sahin, Ritter und Skyttä gemeinsam weiterentwickelt. Sind wir nicht. Obwohl: Gegen Nürnberg standen mal wieder alle drei in der Startelf, Skyttä übernahm dabei die Rolle des zweiten Stürmers. Das sah über weite Strecken eigentlich ganz gut aus. Wenn das Spiel doch nur gewonnen worden wäre ...

Fortsetzung folgt.

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