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Im Blickpunkt

DBB-Zwischenzeugnis: Die Weichen sind gestellt

10.10.2025, 13:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Drei von vier Spielen gewonnen. Trefferzahl verdoppelt. Stammbesetzung gefunden und verjüngt. Seit dem ersten Zwischenzeugnis hat sich beim 1. FC Kaiserslautern einiges positiv entwickelt, stellt unser Analyst Eric Scherer fest. Ein paar Fragezeichen aber bleiben.

Titelfoto

In der ersten Länderspielpause hatten wir vier Partien mit zwei Siegen und zwei Niederlagen zu beleuchten, und ein Torverhältnis von 5:4. Für diese nun sind drei Siege und eine Niederlage zu betrachten - und ein Torverhältnis von 10:5.

Also nur ein Gegentreffer mehr, aber doppelt so viele selbst gemachte Buden. Schon das ist bemerkenswert. Ob die Kritiker, die dem Offensivspiel unter Torsten Lieberknecht vor Kurzem noch Konzeptlosigkeit vorwarfen, nun verstummen? Wohl noch nicht so ganz. Dazu wirken die nun insgesamt drei Auswärtsniederlagen noch zu stark nach, zuletzt das 0:2 in Paderborn. Und dem 3:0-Erfolg in Fürth messen die Skeptiker keine allzu große Bedeutung bei. Wegen des frühen Platzverweises für die Gastgeber, der es den Lautrern deutlich leichter machte. Was zumindest ein bisschen unfair ist, denn auch in Paderborn brachte eine Rote Karte das bis dahin ausgeglichene Spiel zum Kippen, hier zuungunsten des FCK.

Bleiben wir aber erstmal bei nackten Zahlen und objektiv belegbaren Tatsachen.

Anfang und Lieberknecht: Andere Trainer, andere Vorzeichen



Nach acht Spieltagen steht der FCK jetzt mit 15 Punkten und einem Torverhältnis von 15:9 auf Rang 6. Im Vorjahr unter Markus Anfang war es nach gleicher Rundenzahl Platz 12 mit neun Punkten und 11:13 Toren. Eine deutliche Verbesserung also. Wobei es unterschiedliche Vorzeichen zu beachten gilt.

Anfang war gekommen, die Roten Teufel auf ein neues spielerisches Level zu heben. Und er nutzte die ersten Saisonspiele für viele Wechsel, um sich ein Bild von den Möglichkeiten seines Kaders zu verschaffen. Aber: Im Sommer hatte mit Julian Niehues nur eine wirklich etablierte Stammkraft der Vorsaison den Verein verlassen.

Die Ansprüche an die eigene Spielanlage, die an Lieberknecht gestellt sind, beziehungsweise, die er sich selbst stellt, wirken auf den ersten Blick weniger ambitioniert. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger hatte Lieberknecht zudem die Chance, das vorhandene Personal schon im April kennenzulernen und sich ins Transfertreiben einzubringen.

Aber: In der Startelf, die Lieberknecht ab dem 5. Spieltag dreimal hintereinander unverändert ließ, standen sieben echte Sommer-Neuzugänge, mit Mika Haas und Faride Alidou und Mika Haas zwei "gefühlte". In der Vorsaison als Stammkräfte bereits etabliert waren lediglich Luca Sirch und Julian Krahl.

Der eine hatte also einen spielerischen, der andere einen personellen Umbruch zu moderieren.

Umbrüche gab's unter beiden: Mal spielerisch, mal personell

Und Anfang hat keinesfalls versagt: Ab dem 9. Spieltag, also Mitte Oktober lief es richtig gut, bis ungefähr Mitte Februar. Wie es mit Lieberknecht weitergeht, muss sich dagegen noch weisen. Fakt ist, dass er bereits mehr Punkte auf dem Konto hat als sein Vorgänger zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison.

Ebenso darf festgestellt werden: Die aktuelle Mannschaft weist den niedrigsten Altersdurchschnitt seit Jahren auf. Das ist erfreulich, vor allem unter dem Gesichtspunkt der zu erwartenden Marktwert-Entwicklungen. Nahezug jeder der zurzeit eingesetzten Spieler könnte in absehbarer Zeit für einen höheren Betrag verkauft werden als für den, für den er geholt wurde. Damit hat sich auch das Vereinskapital erhöht.

Auch individuell hat sich der Kader verbessert

Und auch wenn manche in der Lieberknecht'schen Spielanlage keine qualitative Verbesserung gegenüber Anfang erkennen können: An individueller Qualität hat der Kader zulegt. Abgesehen davon, dass von Ivan Prtajin lediglich erhofft wird, "nur" genauso gut zu sein wie Ragnar Ache - und da ist er ja auf einem guten Weg -: Fabian Kunze, Jisoo Kim, Maxwell Gyamfi, Paul Joly und Naatan Skyttä, alle stellen auf ihren Postionen Verbesserungen gegenüber ihren Vorgängern dar.

Das heißt: Semih Sahin ist ein Sonderfall, zu dem wir noch kommen. Und ob Skyttä als Nachfolger von Daisuke Yokota anzusehen ist und wie er im Vergleich mit diesem zu bewerten wäre - darüber ließe sich streiten. Die Rolle des Japaners war schon sehr speziell. Joly und Kim wiederum sind leider nur Leihspieler. Immerhin aber hat sich deren Gesamtzahl verringert. Auch gut. Und für Joly gibt es eine Kaufoption, über deren Höhe jedoch noch nichts bekannt ist.

Dennoch: Vorsicht vor allzu vollmundigen Prognosen

Unterm Strich also alles eitel Sonnenschein? Geht's nach dieser ersten Leistungssteigerung nun munter weiter kontinuierlich nach oben, bis zur Aufstiegsfeier? Natürlich nicht. Solche vollmundigen Prognosen verbitten sich allein schon angesichts der Ausgeglichenheit dieser Liga. Auch in dieser Spielzeit werden wohl noch am 31. Spieltag sieben bis neun Teams Zugriff auf einen der Aufstiegsplätze haben. Der FCK kann allerdings eins davon sein.

Die individuellen Fehler in der Hintermannschaft haben sich zwar reduziert, kosten aber weiterhin Punkte. Gyamfis Trikotzupfer, der zu seinem Platzverweis in Paderborn führte, war unnötig. Weshalb Laurin Curda vor dem 2:0 nach einer eher uninspiriert getretenen, halbhohen Flanke derart frei vorm Lautrer Kasten stand, bleibt rätselhaft. Dagegen ist Jan Elvedis Eigentor, mit dem Bochum am vergangenen Spieltag noch auf 2:3 verkürzte, vergleichsweise entschuldbar, da der Gyamfi-Vertreter gleich von zwei Angreifern bedrängt wurde.

Auswärts fehlt der Zugriff im Zentrum - Sonderfall Sahin

Dass der FCK auswärts insgesamt noch zulegen muss, streitet ja niemand ab. Wie schon beim Auftritt gegen Elversberg (1:2) fiel auch in Paderborn (0:2) auf, dass zu viele Bälle im zentralen Mittelfeld verloren gehen. An Fabian Kunze kann das kaum liegen, er gewinnt konstant die Mehrzahl seiner Zweikämpfe in der Luft und am Boden, auch seine Passqualität liegt mit 84 Prozent über dem Mannschaftsdurchschnitt (78,6 Prozent). Nebenmann Sahin jedoch weist in diesen Disziplinen noch zu extreme Schwankungen auf.

Von seinen Zweikämpfen hat Sahin in den ersten acht Runden dieser Spielzeit mal nur 27, mal 57 Prozent gewonnen. Seine Passquoten pendelten zwischen 67 und 92 Prozent. Im trotz der Überzahl gar nicht so leicht zu gewinnenden Auswärtsspiel gegen Fürth allerdings hat er gezeigt, was er für diese Mannschaft wert sein kann, gerade, wenn es darum geht, gegen eine tief positionierten Gegner Anspielstationen zwischen den Linien zu finden. Da kann, da muss der Neuzugang aus Elversberg noch besser eingebunden werden.

Schnell und vertikal geht auch mal auf Kosten der Präzision

Allerdings ist auch er selbst angehalten, sich auf Lieberknechts Spielidee noch besser umzustellen. Denn die unterscheidet sich ziemlich von der seines früheren Cheftrainers Horst Steffen.

Bei Lieberknecht geht es schneller und vertikaler nach vorne, oft verbunden mit einem diagonalen Seitenwechsel. Dabei kann der Ballgewinn, auf den die Tor-Aktion folgt, sowohl aus einer tiefen Postion erfolgen, wie vor dem 2:1 gegen Bochum, als auch aus einer hohen, wie vor dem 3:1 im gleichen Spiel.

Mehr als sechs Stationen aber werden selten gesucht, um zum Abschluss zu kommen - so viele waren es etwa vor dem 2:0 Pratijns in Fürth. Zum Vergleich: Pep Guardiola, der Hohepriester des sogenannten Ballbesitz-Fußballs, hat mal doziert, 15 Pässe seien ideal, um sich einen tief stehenden Gegner zurechtzulegen und abzuschließen.

Das schnelle Vertikal-Spiel geht natürlich auch auf Kosten der Genauigkeit. Was die vergleichsweise bescheidene Passquote der Pfälzer erklärt. Ein Ausschlusskriterium für Erfolg ist diese jedoch nicht. Noch ungenauer als der FCK passen derzeit nur die Schalker (76,8 Prozent Präzision). Und die sind aktuell Tabellenzweiter. Auch sonst ähnelt die Spielanlage der Königsblauen der der Roten Teufel. Zumindest in einigen Punkten, aber nicht in allen.

Wie geht's nun weiter mit Ritter, Skyttä, Sahin?

Besser werden darf dagegen die Tor-Ausbeute nach ruhenden Bällen. Erst ein Liga-Treffer ist nach einem Eckball gefallen - Prtajins 4:1 gegen Münster. Und auch der erst nach Kopfball-Abwehr und direktem Return durch Joly. Top-Teams erzielen mindestens 30 Prozent ihrer Treffer nach Standardsituationen. Beim 3:2 gegen Bochum waren zumindest schon Fortschritte zu erkennen, auch wenn daraus noch keine Tore resultierten.

Die spannendste Frage, die sich in der nächsten Zukunft stellt, ist jedoch eine andere: Wie geht es mit dem Kreativ-Trio Skyttä/Sahin/Marlon Ritter weiter?

Zuletzt gegen Bochum durfte Kapitän Ritter wieder in die Startelf zurückkehren, nachdem er zuvor drei Spiele auf der Bank beginnen musste und in Paderborn dort sogar sitzen blieb. Sein Wiedereinsatz brachte es jedoch mit sich, dass der Trainer auf einen zweiten Stürmers neben Prtajin verzichtete.

Und der Einbau eines solchen, zunächst Richmond Tachie, danach Alidou, hatte dem FCK Spiel ab dem 4. Spieltag, an dem Darmstadt mit 3:1 geschlagen wurde, ausgesprochen gut getan. Vor allem passt er besser zu dem Flügelspiel, das unter Lieberknecht forciert wird. Gegen Bochum wirkte die Rückkehr zur 3-4-2-1-Formation lediglich in den ersten 25 Minuten nach der Pause wirklich erfolgversprechend. Da machten die Lautrer mächtig Druck und spielte etliche Großchancen heraus.

Bis zum nächsten Zwischenzeugnis dürften wir da schlauer sein. Vielleicht.

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