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Im Blickpunkt

DBB-Zwischenzeugnis: Trotz teils schlechter Zensuren - mehr Zuversicht, bitte

06.09.2025, 15:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Zwei Niederlagen, zwei Siege - auf dem Papier legte der 1. FC Kaiserslautern einen mittelprächtigen Saisonstart hin. Was dennoch schon gut lief und wo es noch besser werden muss, analysiert Eric Scherer.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Ein enttäuschendes 0:1 in Hannover - gegen einen Gegner, der sich in der Sommerpause noch heftiger umkrempelte als der FCK. Ein 1:0-Sieg gegen Schalke - dank eines Elfmeters, vor dem 55 Minuten lang keine vernünftige Tor-Aktion zu verzeichnen war. Ein 1:2 in Elversberg - gegen einen Gegner, der in der Sommerpause derart brutal Federn ließ, dass er vielerorts bereits als Abstiegskandidat gelistet war. Und zuletzt ein 3:1 gegen Darmstadt, das denen, die im Stadion waren, zwar höchste Glücksgefühle brachte, das vor nüchtern urteilenden Fußballbetrachtern aber ebenfalls kaum Gnade fand: Spielerisch sei die Partie schwach gewesen, der Turnaround ab der 84. Minute sei nur dem stürmisch tosenden Betze-Publikum zu verdanken, das die Gäste den Faden verlieren ließ.

Stimmt schon: Die nackten Zahlen der Offensivabteilung schockieren



Unterm Strich präsentiert sich die Punktebilanz also ausgeglichen, in den Foren aber ist die Stimmung eher trüb. Und tatsächlich: Wer in einem "Zwischenzeugnis" Bewertungen bisher gezeigter Leistungen erwartet, den erwartet nichts Erfreuliches. Nach vier Liga-Spielen stellt der FCK im Wettbewerbsvergleich die zweitschlechteste Mannschaft in Sachen Passgenauigkeit (78,4 Prozent) die drittschlechteste in Sachen Passgenauigkeit ins Angriffsdrittel (58,2 Prozent) und sogar die schlechteste, was bereits im Angriffsdrittel gespielte Pässe in die Tiefe angeht - davon waren im Schnitt pro Spiel nur 3,78 zu sehen.

Nach xGoals liegen die Roten Teufel auf Rang 16. Wobei zu berücksichtigen ist, dass zwei der fünf erzielten Treffer - was eigentlich Liga-Mittelwert ist - per Elfmeter fielen. Dazu weisen die Pfälzer den drittschlechtesten "PPDA"-Wert auf - im Mittel gestatten sie dem Gegner 13,53 Zuspiele, ehe sie attackieren. Also ist auch nichts von dem scharfen Pressingverhalten zu erkennen, das Mannschaften an den Tag legen sollten, deren Spiel nicht auf Dominanz durch Ballbesitz ausgerichtet ist - mit bislang 45,1 Prozent im Mittel belegen die Lautrer auch den drittletzten Rang, was Ballbesitzanteile angeht.

Wer jetzt noch den Zusammenhang zum Bruch in Sachen Spielkultur herstellt, der im April mit dem Trainerwechsel von Markus Anfang zu Torsten Lieberknecht einherging, wer zudem beklagt, dass Lieberknechts Stil augenscheinlich dem "schönen Spiel" zuwiderläuft, das zuletzt Trainer wie Christian Titz, Horst Steffen, Jens Hürzeler, Marcel Rapp, Tim Walter, Florian Kohlfeldt, Stefan Leitl und andere in der Zweiten Liga hoffähig machten - und das auch Markus Anfang am Betze einführen wollte -, kommt schnell zu dem Schuss: Der FCK ist mit Lieberknecht auf dem Holzweg. Und schließt dieses Zwischenzeugnis mit dem Urteil: Versetzung gefährdet. Aber wie.

Vier Spiele bedeuten noch gar nichts

Tja. Wäre es jetzt "blauäugig" oder gar "Schönrederei", darauf zu verweisen, dass all dies nach erst vier Saisonpartien noch nicht allzu viel bedeutet? Vor einem Jahr hatte der FCK zum Saisonstart zwei Aufsteiger geschlagen, gegen Fürth zuhause ein Remis eingefahren und mit einem 3:4 gegen Hertha BSC die erste Länderspielpause angetreten. Damals wurde erste Kritik an Markus Anfang laut, die Mannschaft könne sein anspruchsvolles Offensivkonzept nicht umsetzen. Diese wurden durch zwei Niederlagen und nur zwei Remis in den folgenden vier Spielen bestärkt, der Trainer bereits in Frage gestellt. Danach schafften es die Roten Teufel dennoch, bis zum Schluss um die Aufstiegsplätze mitzuspielen.

Fakt ist ebenso, dass der FCK in vieren der fünf Jahre seit der von Markus Merk 2020 ausgerufenen "Stunde null" am Ende stets einen Schritt nach vorn gemacht hat. Lediglich das zweite Aufstiegsjahr 2023/24 brachte einen Rückschritt, wobei selbst der nur in der Liga galt, denn im Pokal ging es parallel dazu bekanntlich bis nach Berlin. Wäre da nicht etwas mehr Zuversicht angebracht? Und ist es nicht ein wenig voreilig, um nicht zu sagen unverschämt, Torsten Lieberknecht zu unterstellen, er habe kein Offensivkonzept - nach all dem, was er in Braunschweig und Darmstadt erreicht hat? Wie viele Aufstiege haben denn die "State of the Art"-Trainer Kohfeldt, Leitl und Walter in ihrer Vita stehen? Und nicht zuletzt auch Markus Anfang?

Auf Besserung darf zurecht gehofft werden

Wie hätte sich denn eine funktionierende Offensive finden sollen? Der als bester FCK-Torschütze eingeplante Ivan Prtajin, der in der Vorbereitung noch dabei war, fiel nach dem ersten Liga-Spiel verletzt aus, Kenny Redondo ebenfalls, Daniel Hanslik nach dem zweiten, Mahir Emreli im vierten. Gerade Redondo und Hanslik wären für ein Pressingspiel hilfreich gewesen. Sie haben in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen, wie gut sie geordnetes Anlaufen beherrschen.

Wenn zumindest der größte Teil dieser Kräfte wieder dauerhaft zur Verfügung steht, darf also zurecht auf Besserung gehofft werden. Auch der Trainer selbst ist noch am Feilen, wie die Umstellung auf Doppelspitze und Zehn zum Darmstadt-Spiel zeigte. Die Variante erwies sich direkt als effektiver als die zuvor praktizierte mit einer Spitze und zwei breit aufgestellten Halbstürmern.

Nicht nur Emreli dürfte sich in einem Zwei-Mann-Sturm wohler fühlen. Er bietet sich auch für Richmond Tachie und Faride Alidou an. Beim 2:3 im Testspiel gegen Heidenheim waren Ansätze zu sehen, dass Prtajin und Alidou als Sturmduo gut harmonierten könnten. Zudem dürfte sein Treffer und sein Assist gegen Darmstadt Alidou endlich Auftrieb gegeben haben.

Dass Dickson Abiama trotz zwischenzeitlicher Abgabepläne geblieben ist, erweitert auch die Option, zumindest phasenweise auf einen Drei-Mann-Sturm mit zwei echten Flügelstürmern umzustellen. Abiama ergibt als Linksaußen nunmal mehr Sinn als Marlon Ritter.

Skyttä verspricht Druck auf Ritter: Das kann nur guttun

Apropos MR7: Dem dürfte auf der Zehner-Position nun Naatan Skyttä Druck machen. Der junge Finne spulte in seinen bisherigen Einsatzzeiten nicht nur mehr Kilometer als der Kapitän ab, in Elversberg deutete er auch an, dass er im Pressing um einiges giftiger ans Werk geht. Ritter muss mehr tun, als sich auf ruhende Bälle zu fokussieren. Dieser Leistungsdruck sollte sich positiv auswirken.

Womit wir bei den Neuen wären. Außer Emreli und Prtajin haben noch etliche andere längst nicht ihre Endausbaustufe erreicht. Simon Asta verletzte sich in Elversberg längerfristig, für ihn kam kurzfristig Paul Joly. Lieberknecht nannte ihn nach dem Darmstadt-Kick einen "ordentlichen Ersatz" für Asta. Den vorliegenden Leistungsdaten zufolge könnte er sogar eher ein Update werden als ein Backup für die Position des rechten Schienenspielers.

Semih Sahin: Da geht noch viel, viel mehr

Noch nicht so recht voran kommt die Integration von Semih Sahin. Er spielt am Betze längst noch nicht das, was er in Elversberg gespielt hat. Dazu nur ein kleiner Zahlenvergleich: Gegen Darmstadt kam er in 67 Spielminuten 40-mal an den Ball und spielte seine Pässe zu 75 Prozent präzise. Beim 3:0 der SVE gegen Braunschweig vergangenen Mai war er in 90 Minuten noch 72-mal am Ball und passte zu 83 Prozent genau. Da muss noch viel, viel mehr kommen.

Denn kein anderer im Lautrer Mittelfeld bietet sich dem ballführenden Mitspieler permanent so an wie Sahin. Bei nahezu jedem Spielaufbau positioniert er sich auf einem möglichen Passweg, und dank seiner starken Technik vermag er das Leder auch auf engem Raum zu behaupten und weiterzuspielen. Viel zu oft aber bleibt diese Option noch ungenutzt. Was sich auch daran liegt, dass Lieberknechts Teufel mehr lange Bälle von hinten raus schlagen als Steffens Elversberger der Vorsaison.

Da tut sich Fabian Kunze leichter. Er wurde geholt, um einen soliden Sechser zu geben. Und er gibt einen soliden Sechser.

Kim kommt noch, Sirch darf noch mehr marschieren

Ebenfalls noch Luft nach oben hat die Leihgabe Jisoo Kim. Wäre ja auch ein Wunder, wenn bei ihm direkt alles rund liefe. Er ist erst 20 und bekommt nun seit langer Zeit erstmals wieder Gelegenheit, dauerhaft auf Wettbewerbsniveau zu spielen. Ein paar Abspielfehler weniger dürfen es noch sein, etwas mehr Zweikampfhärte wäre ebenso angesagt. Dass er für einen Abwehrspieler eine überdurchschnittliche Technik verfügt, ist durchaus zu erkennen.

Allerdings hat er als Aufbauspieler noch längst die Wirkung, die Luca Sirch auf der anderen Seite erreicht. Der scheint als halbrechter Innenverteidiger nun seine Position gefunden zu haben. Vielleicht kommt er auch von dort wieder öfter ins Marschieren - so wie vergangene Saison, als er als zentraler Abwehrmann öfter ins Mittelfeld auspendelte.

Gyamfi überrascht - Die Defensive steht insgesamt gut

Im Abwehrzentrum steht seit dem Saisonstart Maxwell Gyamfi seinen Mann. Wer bitteschön hätte das denn gedacht? Dass für den Neuzugang aus der 3. Liga ein Jan Elvedi auf der Bank sitzt, ein Jannis Heuer wegen Perspektivlosigkeit sogar nach Münster verliehen wird? Gyamfis höllisches Tempo macht's möglich. Ein Trumpf-Ass, wenn Konterabsicherung gefragt ist. Allerdings muss er als zentraler Abwehrspieler noch seine gelegentliche Schläfrigkeit ablegen, die etwa nach Julian Krahls Abspielfehler in Elversberg oder auch letzte Woche nach dem Lattentreffer von Darmstadt zu erkennen war.

Insgesamt ist die Defensivleistung bislang okay, auch wenn es im Elversberg-Spiel den besagten Bock von Krahl zu beklagen gab und in der Schlussminute ein Treffer nach einem Eckball geschluckt werden musste. Im "xGoals against"-Ranking belegen die Pfälzer einen guten fünften Platz. Und sie sind die zweitbesten im Gewinnen von Kopfballduellen. Es gibt also auch Statistiken, die für den FCK sprechen.

Haas nutzt die Chance - "Schönes" Spiel ist nicht alles

Dann bleibt nur noch, einen Quasi-Neuzugang zu loben. Mika Haas hat Redondos Ausfall zu seinen Gunsten genutzt und liefert Spiel für Spiel gut ab. Bei ihm muss man sich nicht mal wünschen, dass da "noch mehr" gehen soll. Es reicht vollkommen, wenn er mit seinen erst 20 Jahren dieses Niveau fürs Erste hält. Im Juni verlängerte er seinen Vertrag beim FCK, am gestrigen Freitag gab er sein Debüt für die deutsche U20-Nationalmannschaft. Es ist gut, dass dem gebürtigen Lautrer kein teuer bezahlter Neuzugang vor die Nase gesetzt wurde, sondern einfach mal einem Eigengewächs die Chance gegeben wird - das haben doch die meisten von uns gefordert in den letzten Jahren.

Na, sind das jetzt Gründe genug, nicht allzu negativ in die nähere Zukunft zu blicken? Und was das "schöne Spiel" angeht, für das Lieberknecht angeblich nicht steht: Am Donnerstagabend gab's gerade mal wieder einen herben Rückschlag für einen Übungsleiter, der zuvor forsch erklärt hatte, er wolle Spiele künftig nicht mehr "glücklich", sondern nur noch "dominant" gewinnen. Dem kann man nur wünschen, dass er nie in der Zweiten Liga coachen muss. Denn die präsentiert sich auch in dieser Saison wieder so ausgeglichen, dass ohne ein Quäntchen Glück jeder jederzeit in Sekundenschnelle vom Helden zum Depp mutieren kann.

In diesem Sinne: Bis zur nächsten Länderspielpause. Und dem nächsten DBB-Zwischenzeugnis.

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