Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - VfB Lübeck 1:0

Ritter lässt den Heimknoten platzen

Ritter lässt den Heimknoten platzen

Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen den VfB Lübeck den Bann gebrochen und den ersten Heimsieg der Saison eingefahren. Dabei sah es lange wieder ganz anders aus. Doch das ist am Ende egal. Und jetzt muss der Derby-Sieg her!

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"Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen." Normalerweise wäre es sicher übertrieben, diesen Evergreen von Katja Ebstein im Zusammenhang mit dem FCK zu gebrauchen. Aber nachdem im sechsten Anlauf endlich der erste Dreier zu Hause - und überhaupt erst der zweite Saisonsieg - gelandet werden konnte, ist die Erleichterung riesig. Dabei sah es über 88 Minuten lange so aus, als könnte alles wieder so laufen wie immer. Das achte Unentschieden, es schien schon in Stein gemeißelt. Doch dann kam der holde Ritter...

Verlassene Straßen, leeres Stadion: Die Fans fehlen immer mehr

Lautes Autohupen, Schreien, Gegröle. Ein ganz kleiner Hauch von Stadionatmosphäre kam auf, als eine Viertelstunde nach Abpfiff offenbar eine Hand voll FCK-Fans sich unweit des Stadions über den 1:0-Heimsieg freute. Über die 90 Minuten war das freilich anders. Denn auch heute waren natürlich wieder keine Zuschauer zugelassen, wegen Corona. Jetzt wäre ein Heimspiel unter der Woche mit Anpfiff um 19:00 Uhr sicher auch unter normalen Bedingungen kein Zuschauer-Magnet gewesen, aber sicher hätten einige Fans den Weg auf den Betze gefunden. Wenn man heute aber Deutschlands höchsten Fußballberg erklomm, dann begegnete einem keine Menschenseele. Eine geschlossene "Betze-Bud", verlassene Straßen, ein leerer Stadionvorplatz. Es war kalt, es war dunkel. Kurzum: Der Betze erstrahlte zwar im Flutlicht, gab aber ohne seine treuen Fans wieder ein trauriges Bild ab. Und als vor Spielbeginn Stadionsprecher Horst Schömbs durchsagt, dass die Fußball-Legende Diego Maradona gestorben sei, da geht das fast im Taubengurren des leeren Fritz-Walter-Stadions unter.

Doch nicht nur die Fans fehlten. Weil es im Vorfeld der Partie im Betreuerstab der Lübecker zu einem Corona-Fall gekommen war, musste der VfB ohne seinen regulären Trainerstab die Reise in die Pfalz antreten. An der Seitenlinie standen dafür Sportdirektor Rocco Leeser, der Aufsichtsrat und frühere Mannschaftskapitän Timo Neumann sowie der verletzte Spieler Martin Röser - Bruder von FCK-Stürmer Lucas Röser. In 2020 ist einfach alles möglich.

Redondo und Kleinsorge haben die Führung auf dem Fuß

Natürlich wurde trotzdem Fußball gespielt. FCK-Trainer Jeff Saibene veränderte seine Elf auf zwei Positionen, brachte Kleinsorge und - für einige sicher überraschend - Elias Huth, der neben Marvin Pourié in einem variablen 4-4-2-System auflief. Die erste dicke Chance hatte jedoch zunächst Lübeck, als Benyamina in der 24. Minute gleich mal die Qualität des Lautrer Aluminiums testete. Es hielt stand. Genauso wie das Gehäuse gegenüber, das drei Minuten später Kenny Prince Redondo genauer unter die Lupe nahm. Nach schöner Vorarbeit von Kleinsorge hämmerte der Flügelspieler den Ball aus der Drehung gegen den Pfosten.

Ansonsten war das Niveau der Partie sehr überschaubar. Das merkte auch Saibene, der intensiver als sonst coachte, auch auf der Pressetribüne immer wieder zu verstehen war. "Gut, Elli. Weiter so", "Herchi, aufrücken". Die Spitznamen lassen wir an dieser Stelle unkommentiert. Und schließlich hätte Marius Kleinsorge kurz vor Ende der ersten Hälfte die Roten Teufel doch noch fast in Front gebracht, nachdem er von Pourié schön geschickt wurde, sein Ball wurde von der Lübecker Hintermannschaft aber in sprichwörtlich letzter Sekunde von der Linie gekratzt.

Alles sieht aus wie immer - doch dann kommt Ritter

Doch wie so oft in dieser Saison konnten die Roten Teufel diesen Schwung nicht mit in die zweite Halbzeit nehmen. Der zweite Durchgang war zerfahren, nur noch selten kam anständiges Pass- und Kombinationsspiel zustande. Der FCK hatte zwar viel den Ball, wusste damit aber nur wenig bis gar nichts anzufangen. Wenn bei den Gästen aus Lübeck mal etwas ging, dann meist über deren linke Seite. Philipp Hercher und Marius Kleinsorge wirkten hier allzu oft indisponiert, schon im ersten Durchgang ließ Hercher seinem Gegenspieler zweimal alle Freiheiten. Es wurde nicht bestraft. In der 57. Minute nahm Saibene dann aber einen Doppelwechsel vor, brachte Hendrick Zuck und Anil Gözütok für Hercher und Kleinsorge. "Ich wollte etwas mehr Stabilität", sagte Saibene nach dem Spiel. Das gelang zwar im Großen und Ganzen, jedoch wurde gegen Ende der zweiten Halbzeit eher der Gast aus Lübeck wieder stärker. Einige Male war die Lautrer Defensive gefordert, insbesondere Janik Bachmann stach in der Innenverteidigung heraus und zeigte eine starke Leistung, suchte die Zweikämpfe, die der eine oder andere seiner Mannschaftskollegen eher zu meiden schien. Und dennoch schien alles zu laufen wie immer. Das Spiel plätscherte dem Ende entgegen, ohne dass ein Betze-Sieg in greifbarer Nähe schien. Dass es bis in die 85. Minute keinen einzigen Eckball in der Partie gab zeigt, dass das Niveau an diesem Abend sehr, sehr überschaubar war.

Acht Unentschieden in zwölf Partien? Die ersten Schreiberlinge dürften diese Zeilen schon niedergeschrieben haben, da kam der Einsatz des in der 79. Minute eingewechselten Marlon Ritter. Dieser drang in den Strafraum ein, sah rechts Redondo der auf Keeper Raeder zulief, welcher aus seinem Kasten kam. Redondo reagierte, zog in die Mitte, sah dort wiederum Ritter, der in die Flanke hinein rauschte und zum 1:0-Siegtreffer netzte. Die Lautrer Bank springt auf, rennt in Richtung Eckfahne. Die Steine, die in dem Moment vor Erleichterung fallen, sie wären wohl auch in einem ausverkauften Betze zu hören gewesen. Und so war am Ende doch alles anders als sonst. Auch wenn vieles gleich war. Heute war der Sieg vielleicht ein bisschen glücklich, aber diesen Sieg haben wir schon seit Wochen verdient gehabt", sagte Saibene nach der Partie. Und Elias Huth ergänzte: "Wir haben jetzt Blut geleckt und wollen am Sonntag dort weitermachen, wo wir heute aufgehört haben". Dann ist Derby-Zeit. Holt Euch den Sieg!

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Gerrit1993

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