Interview mit Aufsichtsratskandidat Martin Weimer

"Der FCK ist eine der emotionalsten Fußballmarken"

Foto: Imago Images

Martin Weimer war neun Jahre lang Vorstandsmitglied des SC Freiburg. Rainer Keßler konnte den 59-jährigen Finanzexperten für sein Aufsichtsrats-Team gewinnen - im ausführlichen DBB-Interview stellt Weimer sich nun den FCK-Mitgliedern vor.

Der Betze brennt: Martin Weimer, ist der 1. FC Kaiserslautern überhaupt noch zu retten?

Martin Weimer (59): Eine schwere, aber eine sehr wichtige oder sogar die entscheidende Frage. Meine Antwort: Es gibt immer ein Morgen, auch für den FCK und vor allem für den FCK. Weil der Verein in Deutschland eine der emotionalsten Fußballmarken ist. Diese Marke wird getragen durch die Fans der Region rund um Kaiserslautern. Allein der Zuschauerschnitt, mit über 100 Prozent über dem Durchschnitt der 3. Liga, ist Beweis genug. Dies ist auch die Basis, warum ich Ihre Ausgangsfrage mit einem klaren "Ja" beantworte.

Von welcher Basis wir starten oder vielleicht durchstarten, kann ich Ihnen heute aber leider nicht belastbar und seriös beantworten. Hierzu ist es notwendig, den vollumfänglichen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Vereins und der KGaA zu haben. Dieser notwendige ungehinderte Einblick ist mir heute jedoch aus verständlichen Gründen noch nicht möglich.

Der Betze brennt: Stellen Sie sich den Vereinsmitgliedern doch bitte kurz vor: Was muss man beruflich und privat von Ihnen wissen? Und welchen Bezug haben Sie zum FCK?

Weimer: Das ist ganz einfach: Verheiratet, vier Kinder, im Juni 1960 geboren in Breisach am Kaiserstuhl, in Offenburg die Jugendzeit vollbracht und 1979 den Einstieg in das Berufsbild eines Bankers gewagt. Weitere berufliche Stationen waren, unterbrochen durch ein bankspezifisches und ein betriebswirtschaftliches Studium, in dieser Reihenfolge: Karlsruhe, Frankfurt, Freiburg, Luxemburg, Zürich, Luxemburg und wieder Frankfurt, wo ich seit 2016 mit meinem zweiten Wohnsitz ansässig bin. Ich bin also immer Banker aus Überzeugung gewesen.

Mein Einstieg in das Fußballgeschäft war eher dem Zufall als der Planung geschuldet, als ich Anfang/Mitte der 1990er Jahre den SC Freiburg als Banker operativ begleiten durfte. Dieser Kontakt hat sich inhaltlich immer mehr verfestigt mit dem Ergebnis, dass ich 2005 in den geschäftsführenden Vorstand, wie damals üblich in ehrenamtlicher Funktion, berufen wurde.

Auch meine Beziehung zum FCK hat Tradition, begründet mit meinen verschiedenen Funktionen beim SCF. Schon seit der Amtszeit von Hubert Keßler als Präsident (ab 1996; Anm. d. Red.) und später als Aufsichtsrat (ab 1998; Anm. d. Red.), besteht ein persönlicher Kontakt zum FCK. Damals waren wir in Freiburg die Underdogs und wurden vom FCK mit Respekt empfangen und mit gutem Rat unterstützt. Das damals Empfangene möchte ich heute, um meiner Erfahrung von über 20 Jahren Profifußball ergänzt, gerne zurückgeben. Dabei liegt meine Motivation darin, in einem heterogenen, mit den wesentlichen Kompetenzfeldern ausgestatteten Team, eine Stabilisierung des Vereins und seiner ausgegliederten Profiabteilung zu erreichen. Dies ist die Grundvoraussetzung zur Gestaltung einer optimistischen Zukunft, von der ich und unser gesamtes Team überzeugt sind.

"Den freien Fall aufhalten und den Verein ausbalancieren"

Der Betze brennt: Aktuell steckt der FCK in der wohl größten Krise seiner Vereinsgeschichte, aber es bieten sich - bedingt durch die vielen Rücktritte - auch große Chancen zur Neugestaltung. Welche Sofortmaßnahmen müssen aus Ihrer Sicht nach der Mitgliederversammlung am 01. Dezember ergriffen werden?

Weimer: Da haben wir als "Team Merk" eine gefestigte Meinung, die ich auf drei wesentliche Punkte konzentrieren möchte:

Erstens: Unverzügliche Definition des wirtschaftlichen Status

Zweitens: Installation einer starken Geschäftsführung

Drittens: Austausch mit den verschiedenen Interessensgruppen, also mit Organschaften, Körperschaften des öffentlichen Rechts, Investoren, Sponsoren, Fangruppen.

Der Betze brennt: Und was ist mittel- und langfristig zu tun, um den FCK wieder auf die Überholspur zu bringen?

Weimer: Auch hier haben wir uns als "Team Merk" schon klare Gedanken gemacht. Nur eines vorweg: Von "Überholspur" wollen wir heute nicht sprechen, denn wir wollen keine falschen Versprechen geben. Wir stehen zuallererst für "Stabilisierung", das zum Primärziel hat, den freien Fall aufzuhalten und den Verein auszubalancieren.

Konkret bedeutet dies die Strukturen des Vereins auf seine Tragfähigkeit im heute und jetzt zu überprüfen. Eine starke und handlungsfähige Geschäftsführung zu installieren und den Status Quo aller wirtschaftlichen Parameter neutral zu definieren. Von dieser Basis ausgehend, werden wir sehr gerne mit Nachdruck und Leidenschaft als "Team Merk" die Zukunft im Sinne des FCK und all seiner Interessensgruppen - seiner Stakeholder - neu ausrichten.

Der Betze brennt: Sie sind der Finanzexperte im sogenannten "Team Merk". Welche Möglichkeiten sehen Sie, um den FCK auch in der kommenden Saison - wie auch schon 2018 und 2019 - rein finanziell mit einem Lizenzspieleretat auf Aufsteiger-Niveau auszustatten? Und wie wichtig ist der potenzielle Ankerinvestor Flavio Becca in diesem Zusammenhang?

Weimer: In den Aufsichtsrat kann ich meine berufliche Expertise aus über 40 Jahren Bankerfahrung und über 20 Jahren Erfahrung im Profisport einbringen. Dabei sehe ich mich als Begleiter und Unterstützer einer starken Geschäftsführung, der sein Netzwerk in Sport und Wirtschaft national wie international gewinnbringend einbringt. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Umsetzung getroffener Beschlüsse im Rahmen des wirtschaftlich und rechtlich Machbaren einzufordern und zu überwachen. Durch eine klare Trennung zwischen operativer Geschäftsführung und Aufsichtsrat, die die Satzung des FCK vorgibt, wird Transparenz geschaffen, die als Voraussetzung für ein nachhaltig positives Investitionsklima gilt.

Damit wären wir vor der zweiten bei Ihrer dritten Frage der Investoren: Jeder Investor ist wichtig. Allen voran der Investor, der ein klares Zeichen für ein nachhaltiges Investment gesetzt hat. Wie schon gesagt, der FCK ist weiterhin eine gern gesehene Marke im deutschen Sport. Und das werden und müssen wir nutzen. Nur eines ist für jeden Investor eine elementare Voraussetzung, um ein Investment einzugehen: Klare Strukturen, Kompetenz in der Geschäftsführung und den Organschaften, Rechtssicherheit, sowie Transparenz - und zwar in der Tiefe - bei den wirtschaftlichen Parametern.

Temporär betrachtet schießen beziehungsweise verhindern Etats auf Aufsteiger-Niveau nicht zwingend Tore, was die Vergangenheit ja ausreichend bewiesen hat. Langfristig betrachtet wird das aber doch so sein. Deshalb umso wichtiger über den Status Quo, den wir als Gruppe "Team Merk" im Falle einer Mandatserteilung neu definieren werden, eine kurz- und mittelfristige Liquiditätsrechnung von der Geschäftsführung erstellen zu lassen. Ziel dabei wird sein, einen konkurrenzfähigen Etat im Rahmen des wirtschaftlich vertretbaren zu formulieren, der der Spielklasse gerecht wird.

"In Freiburg war auch nicht immer alles Harmonie und Zweisamkeit"

Der Betze brennt: Sie haben es schon erwähnt: Von 2005 bis 2014 waren Sie Vorstandsmitglied beim heute voll in der Bundesliga etablierten SC Freiburg. Was ist beim SCF mit dem FCK vergleichbar, vielleicht auch im positiven Sinne übertragbar, und was nicht?

Weimer: Fußballvereine sind schwer vergleichbar, weil das jeweilige Umfeld, die Tradition oder die handelnden Menschen einen Verein prägen. Dies zu vergleichen ist schwer, aber man kann über die Schultern schauen und Dinge für sich adaptieren, die den Verein beziehungsweise die Organschaften weiterbringen. Und da sehe ich unter anderem auch meine Rolle und meinen Mehrwert für den FCK.

Beim SCF war auch nicht immer alles Harmonie und Zweisamkeit. Aber es gab, und das gilt auch heute, Disziplin, klare Regeln und Absprachen, wie mit schwierigen Situationen intern und vor allen Dingen extern umgegangen wird. Das ist primär das, wofür der Verein, neben der exzellenten Arbeit aller sportlich Verantwortlichen, von der Branche und den Medien wertgeschätzt wird. Davon kann man lernen - wohlwissend, dass dies bei all dem medialen Interesse das der FCK ausstrahlt, nicht immer einfach ist.

Der Betze brennt: Gibt es für Sie Tabus? Seien es bestimmte Investoren, die Finanzierung des NLZ inklusive U21-Mannschaft, der Stadionname, das Fritz-Walter-Stadion generell als Spielort, ...

Weimer: Wenn man eine solche herausfordernde Aufgabe annimmt ist man aus meiner Sicht falsch beraten, im Vorfeld "Tabus" zu definieren, ohne sich selbst ein Bild der Zahlen, Daten und Fakten gemacht zu haben. Vielleicht ist der Bruch mit einem Tabu ein richtiger Weg? Deshalb klar und deutlich: Jede Option, die für den FCK eine bessere Zukunft in Aussicht stellt, hat es verdient, geprüft zu werden. Auch wenn es schmerzhaft und unpopulär erscheint.

Selbstverständlich ist es dabei wichtig zu betonen, dass bei allen Entscheidungen Tradition und regionale Werte wichtige Parameter sind, die nicht unerheblich in die Entscheidungsfindung mit einfließen.

Hierbei ist mir noch wichtig zu betonen, dass Entscheidungsprozesse, vor allem wenn Sie die Öffentlichkeit, den Verein und damit die Fan-Basis betreffen, transparent und nachvollziehbar sein müssen. Mandatsträger werden berufen, dass sie Entscheidungen, wenn nötig auch unpopuläre, treffen. Nur sollte das Warum einem logischen, nachvollziehbaren Prozess zu entnehmen sein.

"20 Jahre Erfahrung aus verschiedenen Perspektiven"

Der Betze brennt: Zum Abschluss nochmal kurz und knapp zusammengefasst: Was müssen die FCK-Mitglieder zu Ihrer Kandidatur wissen und wieso sollten sie Ihnen am 01. Dezember ihre Stimme geben?

Weimer: Wie bereits vorhin kurz skizziert, bringe ich über 20 Jahre Erfahrung aus dem Profisport mit ein. Und das aus drei verschiedenen operativ begleiteten Perspektiven:
Erstens: Als Banker, der einen Profiklub bei der Liquiditätssteuerung und Vermögensdisposition begleitet.

Zweitens: Als Vertreter eines Hauptsponsors, der seine Interessen zur Markenbildung und Mehrwertgenerierung gegenüber dem Verein vertritt und sich mit den Vereinsgremien auseinandersetzt.

Drittens: Als geschäftsführender Vorstand eines Profifußballclubs, der sich den ständig wachsenden komplexeren Anforderungen des Marktes stellt und notwendige Anpassungen und Reformen zulässt und unterstützt.

Diesen unabhängigen Sachverstand möchte ich in den Aufsichtsrat und damit auch zur Unterstützung einer starken Geschäftsführung einbringen.

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 01. Dezember 2019

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