Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Würzburger Kickers 2:3

Wo soll das nur hinführen?

Wo soll das nur hinführen?


Ein zweifelhafter Elfmeter, ein Eigentor, ein unnötiger Platzverweis - vor allem aber eine einmal mehr auf ganzer Linie versagende Mannschaft: Mit dem 2:3 gegen Würzburg stürzt der FCK in der Liga immer weiter ab.

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Nein - die große Euphorie ist im und um das Fritz-Walter-Stadion nach dem Pokaltriumph des 1. FC Kaiserslautern gegen Nürnberg nicht ausgebrochen. Und rund 90 Minuten nach dem Anpfiff des Heimspiels gegen die Würzburger Kickers wissen auch die kühnsten Optimisten, warum. Mit 2:3 kassieren die Lautrer ihre siebte Niederlage in der laufenden Saison. Von 14 Partien hat der nach Ansicht vieler Experten deutlich stärker besetzte Kader jetzt die Hälfte verloren, zuletzt drei Mal hintereinander. Ohne im Detail auch noch auf die Tordifferenz einzugehen - unter drei Gegentreffern macht es der FCK derzeit nicht: Das ist die Zwischenbilanz eines Absteigers.

Hoffnung vor dem Anpfiff: Auf Pokal-Kür soll Pflicht in der Liga folgen

16.260 Zuschauer - abzüglich der überschaubaren 250 Gästefans - sind am Samstagmittag zunächst noch guten Mutes, dass dieser Negativtrend endlich durchbrochen werden kann. Sie eint die Hoffnung, dass der dramatische und hochemotionale Pokalsieg bei der Mannschaft endlich einen Schalter umzulegen vermag, um gegen ebenfalls im unteren Tabellendrittel steckende Klubs wie den Kickers die dringend benötigten Arbeitssiege gegen die Abstiegsgefahr einzufahren. Ganz nach dem Motto: Im DFB-Pokal gibt es die Kür, in der Liga müssen jetzt endlich die Pflichtsiege her.

Wie um diese Hoffnung zu untermalen, lässt sich im Stadion sogar kurz die Sonne blicken, als wenige Minuten vor dem Anstoß das Betze-Lied erklingt. Dem ein oder anderen Lautrer Fan dürfte dabei auch ein fettes Grinsen ins Gesicht gestanden haben, zumindest wenn er schon über die musikalische Panne beim kurz vorher angepfiffenen Zweitliga-Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem Karlsruher SC im Bilde ist. Viel mehr Grund zum Lachen, als beim Verweis auf das versehentlich eingespielte Betze-Lied zur Begrüßung des KSC-Anhangs im Millerntor-Stadion, werden die Lautrer Fans an diesem Tag allerdings nicht mehr bekommen.

Geburtstagsgruß an Fritz Walter kann Mannschaft nicht animieren

Zum Einlaufen der Teams schicken die Ultras einen Geburtstagsgruß an FCK-Legende Fritz Walter, der am Donnerstag 99 Jahre alt geworden wäre. "Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben. Alles Gute, Ehrenspielführer!" Wie gut dieser Leitspruch doch zum Pokalerfolg am Mittwoch passt - und zum endlich auch in der Liga anzunehmenden Kampf aus dem Tabellenkeller! Statt Einsatz, Laufbereitschaft und eben jenem Willen, alles für den anderen zu geben, erleben die FCK-Fans jedoch eine Lautrer Elf, die träge und lethargisch den Gegner die Anfangsphase bestimmen lässt.

Nach zehn Minuten sieht man Trainer Boris Schommers im intensiven Zwiegespräch mit seinem Assistenten Kevin McKenna. Eventuellen Nachjustierungen von außen kommt dann auch noch eine sehr strittige Entscheidung von Schiedsrichter Jonas Weickenmeier zuvor. Der zunächst deutlich außerhalb des Strafraums stehende André Hainault bekommt im Springen eine Flanke an den Arm und landet anschließend innerhalb des Strafraums. Weickenmeier zeigt auf den Punkt, Albion Vrenezi verwandelt sicher zum 0:1 (13.).

Hemlein im Blickpunkt - erst Eigentor, dann Platzverweis

“Mit Schieber, Schieber”-Rufen lässt die Westkurve den Referee wissen, was sie nicht nur von dieser Entscheidung hält. Als Philipp Hercher nach einem Freistoß von Florian Pick zum 1:1 einköpft (28.), scheint die Partie aber noch vor der Pause dennoch in die richtige Richtung zu kippen. Umso unverständlicher, dass die Lautrer auch den Beginn des zweiten Durchgangs erneut wegschenken. Und nicht nur das. Christoph Hemlein besorgt das 1:2 gleich selbst mit einem Eigentor, als er eine Flanke der Würzburger per Brust ins eigene Netz befördert.

Apropos Hemlein: Der Kapitän steht auch in der 54. Minute im Blickpunkt, als er nach einer Grätsche im Mittelfeld die Gelb-Rote Karte sieht. Natürlich trifft er in dieser Situation auch den Ball. Zumindest ein großes Risiko nimmt er - schon mit Gelb verwarnt - durch das Tackling von hinten aber in Kauf. Fast die komplette zweite Halbzeit müssen die Lautrer nun versuchen, den Rückstand mit einem Mann weniger aufzuholen.

Einmal mehr in Schockstarre - und kein Ausweg in Sicht

Der Frust der Fans bricht derweil nach einer Eckball-Entscheidung nach 60 Minuten heraus. Wieder “Schieber, Schieber!” und “Oh, hängt sie auf die schwarze Sau!”, brüllen sie dem Schiedsrichter entgegen. Auch die eigenen Leute bekommen ihr Fett weg, vor allem als Schommers mit Janek Sternberg für Manfred Starke einen Defensivmann bringt. Der lässt in der 69. Minute eine Flanke von der rechten Seite zu, in der Mitte ist Luca Pfeiffer schneller am Ball als Carlo Sickinger - 1:3. Eine Viertelstunde vor Schluss hört man auf dem Betze nur noch die 250 Gäste-Anhänger. Die FCK-Fans verfolgen das Geschehen einmal mehr in Schockstarre. Daran kann auch das 2:3 durch den eingewechselten Simon Skarlatidis nicht mehr allzuviel ändern.

Wie schon nach der ersten Pokalrunde mit dem Sieg gegen Bundesligist Mainz ist der vermeintliche Schub in der Liga wirkungslos verpufft. Als die Niederlage feststeht, sammeln sich die Lautrer Kicker wie üblich im Mannschaftskreis nah der Mittellinie. Beim Gang in Richtung Kurve folgen Beschimpfungen auf der einen und bedröppelte Gesichter auf der anderen Seite. Alles wie gehabt also beim FCK im Spätjahr 2019. Um die Roten Teufel muss einem in dieser Verfassung wirklich angst und bange werden.


Autor: Ingo

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