Spielbericht: SV Meppen - 1. FC Kaiserslautern 6:1

Unfassbar

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Der 1. FC Kaiserslautern versagt auf ganzer Linie und geht beim SV Meppen mit 1:6 unter. Viele der mitgereisten Anhänger ärgern sich nicht mal mehr. Im Gästeblock herrschen schon früh im Spiel Resignation und Entsetzen.

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Debakel, Blamage, Offenbarungseid. Diese Bewertungen sind mittlerweile echt abgenutzt. Wie oft wurden sie in den letzten Jahren im Zusammenhang mit den Auftritten einer FCK-Mannschaft benutzt? Doch es gibt eben auch keine anderen Begriffe für solch eine Partie wie in Meppen, es gibt kein Wort für schlechter als schlecht. Das, was da gestern bei den Lautrern auf dem Platz stand, war alles, aber keine Mannschaft. Und wenn doch, dann war diese spätestens nach 30 Minuten in ihre Einzelteile zerfallen. Deshalb stehen die Begriffe "Mannschaft" und "Abwehr" in diesem Spielbericht auch in Anführungszeichen. Doch fangen wir doch mal von vorne an...

1.500 Fans reisen 1.000 Kilometer - und werden bitter enttäuscht

Erneut hatten sich 1.500 FCK-Fans auf den langen Weg ins Emsland gemacht. Die meisten von ihnen fuhren durch die Nacht, um ihren FCK auswärts zu unterstützen. Ihre "Mannschaft" dankte es ihnen an diesem Tag in keinster Weise. Im Gästeblock war die Stimmung bei angenehmem Fußballwetter vor und zu Spielbeginn noch sehr gut. Gegenüber der letzten Saison befanden sich die Sitzplätze nicht mehr auf der Gegengeraden, sondern direkt neben dem Stehplatzblock.

Die Laune der FCK-Anhänger änderte sich aber schon kurz nach dem Anpfiff schlagartig. Die Roten Teufel, bei denen schon nach wenigen Sekunden zu sehen war, dass das heute in allen Belangen schwierig werden könnte, wurden kalt erwischt. Nach noch nicht mal zwei Minuten entschied Schiedsrichter Tobias Fritsch auf Elfmeter für Meppen. Kevin Kraus hatte die Kugel mit der Hand gespielt. Valdet Rama verwandelte souverän - 1:0 für die Gastgeber.

Lautern kommt nur kurz zurück - Fans resignieren früh

Der Ausgleich nach 11 Minuten durch Florian Pick machte im Gästeblock zwar Hoffnung auf mehr, war aber nur ein Strohfeuer. Zwar hätte Christian Kühlwetter seine Farben kurz darauf in Führung schießen müssen, doch danach kam von Sascha Hildmanns Elf nichts mehr. Ganz im Gegenteil: Nach Hassan Amins 2:1 per Freistoß nahm das Debakel (da ist der Begriff wieder) seinen Lauf. FCK-Keeper Lennart Grill sah bei diesem Tor zwar etwas unglücklich aus, aber ihm soll an dieser Stelle kein Vorwurf gemacht werden. Denn ohne den frischgebackenen U21-Nationalspieler hätte der SV Meppen das Spiel wohl noch viel höher gewonnen. Nach einer halben Stunde war die Partie praktisch durch. Luka Tankulic ließ die Lautrer "Abwehr" wie Slalomstangen stehen und schob zum dritten SVM-Tor ein. Auch die ersten Fans im Gästeblock hatten jetzt genug und gingen lieber mal an den Verpflegungsstand.

Egal, was Hildmann und sein Trainerteam in der Halbzeit in der Kabine gesagt hatten, es fruchtete nicht. Nach 52 Minuten stand es nämlich 4:1. Und ganz ehrlich: So viel Platz zum Kombinieren hat der SV Meppen sicherlich noch nicht mal im Training. Die elf Mann auf dem Platz, die das FCK-Trikot trugen, zeigten keinerlei Gegenwehr. Manche Fans blieben nach dem vierten Gegentor lieber gleich am Bierstand - wer will es ihnen verdenken? Immer mehr wurde nun die Resignation in der Kurve sichtbar, die im Abhängen der Zaunfahnen nach dem 5:1 - wieder verwandelte Rama einen Elfmeter - gipfelte. Zu diesem Zeitpunkt waren noch rund 25 Minuten zu spielen und auch Hildmann, der anfangs noch an der Seitenlinie gewohnt engagiert coachte, hatte sich hingesetzt und wohl resigniert.

Nach der Pause wird es noch schlimmer - Zaunfahnen werden eingepackt

Erste Flashbacks an das Spiel im November 2018 in Unterhaching (0:5) oder jenes im September 2017 in Berlin (0:5) waren bei einigen Anhängern im Block zu vernehmen. Doch dieses Spiel im September 2019 war irgendwie noch schlimmer. Immer mehr Fans machten sich nun vorzeitig auf den Nachhauseweg. War der Block zu Spielbeginn noch voll, warf er nach 70 Minuten ähnlich wie die FCK-"Abwehr" über 90 Minuten schon große Lücken auf. Den sechsten Meppener Treffer bekamen die bereits Abgereisten nicht mehr mit. Auch egal. Als Randnotiz weiterhin eklatant: Die Standardschwäche der Lautrer bei eigenen Eckbällen. 13 Mal an der Zahl lag der Ball an diesem Samstagnachmittag an der Eckfahne. Gefahr: Fehlanzeige!

Wie in Unterhaching im vergangenen Jahr kamen die Spieler nach Abpfiff zu den Fans an den Zaun und diese diskutierten rund zehn Minuten mit ihnen. Kurzen Beschimpfungen gegen die Spieler sowie auch "Hildmann raus"- Rufen folgte eine Aussprache in ruhigem Ton, nachdem die ganze Mannschaft, angeführt von Christoph Hemlein, Lennart Grill und Florian Pick den Weg zum Block gefunden hatte. Die höher liegende Konstruktion des Gästeblocks verhinderte allerdings, das mehr Fans und mehr Spieler an einer direkten Aussprache miteinander teilnehmen konnten. Aber Bilder sagen sowieso manchmal mehr als tausend Worte: Das Entsetzen über den beschämenden Auftritt ihres FCK stand vielen Fans und auch den Spielern selbst ins Gesicht geschrieben.

Wie geht es jetzt weiter? Becca macht Druck - und die Mitglieder?

Wie geht es jetzt weiter? Bereits nach acht Spieltagen brennt in Kaiserslautern wieder der Baum, sämtliche Saisonziele (Aufstieg, Ruhe und Kontinuität, erfolgreicher Fußball) drohen schon im September in aussichtslose Ferne zu rücken. Die Nichtleistung von Meppen lässt wohl nur einen Schluss zu: Die Mechanismen des Geschäfts werden greifen und dem FCK wird über kurz oder lang der nächste Trainerwechsel bevorstehen. Dass der bereits vor vier Wochen angezählte Sascha Hildmann das Ruder nochmal rumreißen kann, scheint ausgeschlossen. Ob der Trainer aber immer der Hauptschuldige ist? Klare Antwort: Nein! Auch die Verantwortlichen der Kapitalgesellschaft und des Vereins sollten sich auf allen Ebenen hinterfragen und hinterfragt werden. Investor Flavio Becca wird Druck machen und sich Schauspiele wie in Meppen nicht mehr lange bieten lassen. Und auch die Fans haben auf der in fünf Wochen stattfindenden Mitgliederversammlung nach wie vor ein großes Mitspracherecht.

Ein "Weiter so" darf es auf keinen Fall geben. Sonst endet der Weg nämlich in der Regionalliga Südwest oder noch tiefer. In dieser Verfassung sind die Roten Teufel jedenfalls ein klarer Abstiegskandidat.

Autor: Flo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | "Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen" (Der Betze brennt)
- Blick in die Kurve | Fassungslosigkeit und Redebedarf am Gästeblock (Der Betze brennt)

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