Spielbericht: FSV Zwickau - 1. FC Kaiserslautern 3:5

Schützenfest am Montagabend

Schützenfest am Montagabend


Der 1. FC Kaiserslautern kann auch spektakulär! Mit einem 5:3-Auswärtssieg beim FSV Zwickau tanken Sascha Hildmann und sein Team das nötige Selbstvertrauen vor dem Derby. Die mitgereisten Fans feiern und stimmen sich ein.

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Als Ende Juli die genauen Ansetzungen für die ersten Partien der neuen Saison bekannt gegeben wurden, dürfte nahezu jeder FCK-Fan ob des Termins für das Spiel in Zwickau mit den Kopf geschüttelt haben. Zwar begründete der DFB die Ansetzung auf einen Montagabend mit Sicherheitsaspekten, trotzdem muss man für diese für viele Fußballfans unzumutbare Anstoßzeit inklusive einer Anreise durch halb Deutschland kein Verständnis haben.

Fans gegen Montagsspiele: 45 Minuten Stille in beiden Fankurven

Und genau das taten beide Fankurven wie mittlerweile bei Montagsspielen üblich durch einen Stimmungsboykott: "Mit Kaiserslautern 45 Minuten schweigen", hatte die Zwickauer Fanszene aufgerufen. Phasenweise herrschte trotz der 6.805 Zuschauer im kleinen FSV-Stadion eine Atmosphäre wie auf einem Dorfsportplatz. Vor allem den FCK-Fans muss man dabei ein Kompliment machen. Durch Flyer, die das Fanbündnis FCK vor Anpfiff im Block verteilt, wurde auf den Boykott hingewiesen, und nahezu alle 800 Mitgereisten zogen sehr solidarisch und diszipliniert mit. Im Gästeblock hing wie bei Montagsspielen seit 2006 üblich die Zaunfahne "We don’t like Mondays", hinter der sich alle mitgereisten FCK-Fans versammelten. In der Heimkurve des FSV Zwickau prangte das gesamte Spiel über ein großes Banner mit der Aufschrift "Fußball gehört den Fans". Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigten die FCK-Fans dann eine weitere Zaunfahne, untermalt von einigen großen Plastikfrüchten: "Montagsspiele sind total Banane".

Da führte der FCK bereits mit 2:0. FCK-Coach Sascha Hildmann hatte seine Mannschaft umgestellt, unter anderem stand Kevin Kraus erstmals seit dem Saisonauftakt gegen Unterhaching wieder in der Startelf. Kapitän Christoph Hemlein saß auf der Bank. Für ihn wäre wohl auch Simon Skarlatidis ein Option gewesen, doch als rund eine Stunde vor Anpfiff auf den Handys im Gästeblock die Aufstellung publik wurde, war die Überraschung groß. Der Mittelfeldspieler fehlte im Kader. Der Grund stellte sich eine halbe Stunde später als ziemlich dumm gelaufen heraus: Skarlatidis hatte als Asthmatiker in der vergangenen Woche ein neues medizinisches Spray verschrieben bekommen, für das die Lautrer bis zum Anpfiff jedoch keine schriftliche Freigabe von der Nationalen Anti-Doping Agentur erhalten hatten. Vorsichtshalber wurde der Deutsch-Grieche deshalb aus dem Aufgebot genommen.

Thiele spielt auf neuer Position und trifft doppelt

So war es wohl auch irgendwie eine glückliche Fügung, dass Timmy Thiele in Zwickau auf dem rechten Flügel auflief. Und der etatmäßige Stürmer avancierte auf dieser Position zum Mann des Tages. Nach sieben Minuten zog Thiele aus der Distanz ab - drin das Ding, 1:0 für die Roten Teufel. Jubel im FCK-Block, aber wegen des Stimmungsboykotts eben noch kein ohrenbetäubender. Fünf Minuten vor der Pause spielte Manfred Starke einen schnell ausgeführten Freistoß zu Thiele, Zwickaus Abwehrspieler Ali Odabas lenkte die Kugel ins eigene Netz - 2:0! Der FCK ging mit dieser Zwei-Tore-Führung auch in die Halbzeit und der unermüdlich antreibende Hildmann musste sich erstmal selbst eine kurze Verschnaufpause auf der Trainerbank gönnen.

Nun wieder lautstark angetrieben von den Fans, die für ein Montagsspiel und ihre für FCK-Verhältnisse geringe Anzahl insgesamt einen guten Support hinlegten, sorgten die Lautrer sieben Minuten nach Wiederbeginn für die vermeintliche Vorentscheidung. Wieder war Thiele der Torschütze. 3:0 für die Roten Teufel!

Kühlwetter mach den Dreier klar - Fans stimmen aufs Derby ein

Doch Zwickau gab nicht auf und die Zuschauer erlebten jetzt einen offenen Schlagabtausch, bei dem fast jeder Schuss ein Treffer war: 1:3, 1:4, 2:4. Und tatsächlich mussten die Roten Teufel noch mal kurz um den Sieg bangen: Drei Minuten vor dem Abpfiff pfiff Schiedsrichter Lasse Koslowski einen unberechtigten Elfmeter für Zwickau, obwohl Lennart Grill klar den Ball spielte. René Lange verwandelte zum 3:4 und was folgte, war nochmal ein - im Nachhinein kurzes, aber in diesem Moment doch gefühlt sehr langes - Zittern im Block. Doch dann sorgte Christian Kühlwetter mit dem 5:3 für die endgültige Entscheidung in einem insgesamt wilden Spiel. Jubel, Erleichterung, Auswärtssieg!

Bei den anschließenden Feierlichkeiten ließen es sich die FCK-Anhänger natürlich nicht nehmen, ihre Mannschaft sogleich auf das nun anstehende Südwest-Derby gegen den SV Waldhof einzustimmen. Danach machten sich Fans und Team schnell auf den langen Heimweg durch die Nacht. Schließlich gilt es jetzt, alle Energie zu sammeln, um auch am Sonntag zu zeigen, wer der Herr im Hause ist. Auf geht’s in die Derbywoche! Kauft Karten und unterstützt die Roten Teufel! KAISERSLAUTERN!

» Zum Sportschau-Video: Kaiserslautern gewinnt wilde Partie in Zwickau


Autor: Flo

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- Blick in die Kurve | "Montagsspiele sind total Banane" (Der Betze brennt)

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